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66. Oberhausener Kurzfilmtage nur im Netz - 73. Festival de Cannes empfiehlt ausgesuchte Filme

66. Kurzfilmtage Oberhausen zeigen 2020 mehr als 350 Filme online. - 73. Festival de Cannes fällt aus, will nach Absage jedoch spezielle Filme empfehlen.



Die 66. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen sind zwar abgesagt, aber gehen dafür mit einer Online-Ausgabe von 13. bis 18. Mai 2020 an den Start. Gezeigt werden rund zwei Drittel des ursprünglich geplanten Filmvolumens. Von den rund 550 geplanten Filmen werden ca. 350 Werke online im Stream zu sehen sein, wie Lars Henrik Gass, Leiter der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen, erklärte. Das Programm der Online-Ausgabe stehe zu Corona-Zeiten fast vollständig fest, so die Veranstalter.

Neben den fünf Wettbewerben mit ihren 136 Arbeiten, in denen Preise im Wert von rund 33.000 Euro vergeben werden, werden die Filme in zahlreichen anderen Sektionen gezeigt werden. Erstmals wird es einen Länderfokus »Portugal« und die Sektion »Dokumentary Spotlight« sowie die Sektion »Das Goethe-Institut präsentiert... The Next Collective, Nairobi« geben.

Darüber hinaus werden drei der fünf geplanten Profile stattfinden, gewidmet der britischen Filmemacherin und Künstlerin Susannah Gent, dem Filmemacher Philibert Aimé Mbabazi Sharangabo sowie der deutschen Filmemacherin und Künstlerin Maya Schweizer. Darüber hinaus präsentieren Archive aus Polen und Russland bei der Online-Ausgabe der Kurzfilmtage Oberhausen ihre Arbeit.

Der Zutritt zum Online-Festival ist mit einem sechs Tage unbeschränkt gültigen Festivalpass zum Preis von 9,99 Euro möglich; der Vorverkauf hat Ende April begonnen. Der Erlös geht vollständig an die Stiftung Sozialwerk der VG Bild Kunst.

Die Eröffnung am gestrigen Abend wurde vorab aufgezeichnet und ging um 19:30 Uhr im Stream online. Die gezeigten Filme kommen aus knapp 70 Ländern. Sie sind in 64 Programmen gebündelt, die jeweils 48 Stunden lang zu sehen sind.

Weitere Informationen unter: www.kurzfilmtage.de

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Filmfest Cannes empfiehlt ausgesuchte Filme.

Das 73. Filmfestival Cannes findet in diesem Jahr wegen der Corona-Krise ebenfalls nicht statt, wie wir bereits ausführlich am Sonntag, den 10. Mai 2020 schrieben. Dennoch möchten die Organisatoren ihren Einfluss nutzen und mit einer Art Gütesiegel vorab gesehene und ursprünglich für das diesjährige Festival in verschiedenen Sektionen ausgesuchte Filme, ganz besonders unterstützen.

Ende Mai oder Anfang Juni solle eine Auswahl bekanntgeben werden, "um zu erläutern, welche Filme von den Auswahlteams gesehen und gemocht wurden, um so deren Veröffentlichung in Kinos und bei anderen Festivals zu erleichtern", sagte der künstlerische Leiter des Festivals, Thierry Fremaux, der dpa.


Das Filmfest Cannes, eines der wichtigsten weltweit, sollte eigentlich am gestrigen Dienstag, den 12. Mai 2020, eröffnet werden.

In einem weiteren Interview mit Screen International präzisierte Thierry Frémaux, wie das Festival de Cannes einen Eindruck im Kinojahr 2020 hinterlassen kann, auch wenn das Filmfestival vor Ort leider selbst abgesagt werden musste. Dabei nennt er erstmals auch Titel, die für die diesjährige Ausgabe gewählt worden wären.

Der künstlerische Leiter des größten Filmfestivals der Welt will spätestens im Juni die Liste jener Filmen bekanntgeben, die Teil seiner Sélection officielle gewesen wären. Eine Aufteilung nach Wettbewerb, der Nebensektion »Un Certain Regard« oder außer Konkurrenz solle dabei nicht stattfinden. Voraussetzung ist indes, dass diese Titel zwischen Mai 2020 und Frühjahr 2021 tatsächlich auch im Kino ausgewertet werden. Nicht in Frage kommen Filme, die nun ausschließlich die Auswertung bei Streamern wie Netflix anstreben, oder die ihren Kinostarttermin jetzt schon außerhalb des genannten Zeitraums gelegt haben.

Das trifft beispielsweise auf Paul Verhoevens Nonnenfilm "Benedetta", der nun erst im Mai 2021 in den Kinos anlaufen soll. Damit wäre er aber ein aussichtsreicher Kandidat für die hoffentlich stattfindende Cannes-Ausgabe des nächsten Jahres, denn der Film war bereits für die diesjährige Ausgabe in Cannes hoch gehandelt worden.

"Tief in unseren Herzen wollen wir die Filme unterstützen, die wir gesehen und in die wir uns verliebt haben", erklärt Frémaux in Screen International. "Uns lagen Filme aus der ganzen Welt vor, wunderbare Arbeiten, und es ist unsere Pflicht, ihnen dabei zu helfen, ein Publikum zu finden. Wenn wir die Liste bekannt gegeben haben, ist es unser Ziel, entsprechende Events überall in den Kinos auf der ganzen Welt zu organisieren."


Frémaux betont auch, dass ihm die Solidarität anderer Festival viel bedeute. Er könne sich nach wie vor vorstellen, im Rahmen der Mostra in Venedig eine Reihe seiner Titel aus der Sélection officielle zu zeigen. Aber auch in Toronto, Busan, Deauville, New York oder in San Sebastian sowie auf seinem eigenen Lumière-Festival in Lyon. Damit zählt er zahlreiche Orte und Festivals auf, in denen Cannes eine wichtige Rolle spielen könnte. Insgesamt seien 1500 Filme von ihm und seinem Team gesichtet worden.

Zum Zeitpunkt des Lockdowns seien jedoch erst 20 Prozent der Filme für Cannes ausgewählt worden. Nur ein Produzent hätten ihre Filme zu diesem Zeitpunkt zurückgezogen, um sie lieber Venedig anzubieten. "Das ist in Ordnung, wir hätten sie ohnehin nicht genommen", sagt Frémaux schnippisch.

Der Festivalchef hofft, den für dieses Jahr ausgewählten Jury-Präsidenten Spike Lee auch im nächsten Jahr in diesem Amt willkommen heißen zu können. Dessen neuen Film, "Da 5 Bloods" (wir berichteten hier), wird es dann allerdings nicht zu sehen geben. Er wäre in diesem Jahr natürlich nur außer Konkurrenz gezeigt worden - und hätte damit Netflix zurück nach Cannes gebracht. Jetzt wird der Streaming Gigant Netflix Lees ersten Film seit seinem Cannes-Comeback "BlacKkKlansman" bereits im Juni 2020 ohne vorherige Festivalteilnahme online auswerten.

Zudem benennt Frémaux weitere Filme, die in Cannes gezeigt hätten werden sollen. Dazu gehört u.a. Wes Anderson's zum Teil in Babelsberg produziertes Werk "The French Dispatch" (der wohl der Eröffnungsfilm gewesen wäre), "Tre piani" des italienischen Regisseurs Nanni Moretti mit der Adaption des gleichnamigen Romans vom israelischen Schriftsteller Eshkol Nevo sowie "Soul" von Pete Docter.

Ob die Filme nun auf anderen Festivals Premiere feiern können ist ungewiss. Locarno und Karlovy Vary mussten bereits absagen, da beide Festivals wegen der Corona-Krise nicht stattfinden dürfen. Ob Venedig, das sich für die Filme anbieten würde, wirklich stattfinden kann, ist ebenfalls noch sehr ungewiss, denn in Italien grassiert das Corona-Virus besonders stark. Ältere Fachbesucher und Journalisten, die sich für die Mostra akkreditieren wollten, sollen angeblich bereits abgewiesen worden sein, da sie zur Risikogruppe der über 50-Jährigen gehören, bei denen die Ansteckungsgefahr mit COVID-19 besonders hoch und lebensgefährlich sei.

Link: www.festival-cannes.com/en
Quelle: ARD-Text | Blickpunkt:Film | Hollywood Reporter | black-box

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