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Ehrungen und Preisvergabe bei der 71. BERLINALE

71. BERLINALE vergab seine Bären und Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek wurde mit Ritterschlag geehrt.



Im Rahmen des Summer Special der 71. Internationalen Filmfestspiele Berlin wurden am Sonntagabend, den 13. Juni 2021, der Goldene und die Silbernen Bären, vom Festival-Duo Carlo Chatrian, dem künstlerischen Leiter der Berlinale, und seiner Ko-Chefin Mariette Rissenbeek beim Open-Air-Festival auf der Museumsinsel vor dem Berliner Publikum verliehen.

Wir konnten zwar leider nicht dabei sein, denn trotz sehr vieler freier Plätze am Vorabend, bei der Präsentation des Silbernen Bären für die Beste Schauspielerische Leistung in einer Nebenrolle für Lilla Kizlinger in "Rengeteg - mindenhol látlak" ("Forest - I See You Everywhere") von Bence Fliegauf (Ungarn), gibt es wegen der Pandemie-Auflagen keine Abendkasse für Restkarten.

Die Internationale Jury, die diesmal aus sechs Autorenfilmer*innen, aber ohne Jurypräsident bestand, hatte bereits zum Branchentreff am 5. März 2021, der wegen der Corona-Pandemie diesmal aufgesplitteten Berlinale, seine Urteile gefällt.

Die Gewinner hatten wir alle am 6. März 2021 ausführlich vorgestellt.

Frankreich ehrt Mariette Rissenbeek.

Mariette Rissenbeek, die Filmproduzentin und Marketingmanagerin sowie jetzige Geschäftsführerin der Internationalen Filmfestspiele Berlin, erhielt zudem ebenfalls eine Auszeichnung, jedoch nicht auf der Berlinale Bühne, sondern in der französischen Botschaft, wie unsere Kollegin Katharina Dockhorn exklusiv für uns nachfolgend berichtet.

Francois Ozons „Frantz“, Emily Atefs „Drei Tage in Quiberon“ und Michael Hanekes „Weißes Band“ zählte Berlinale Ko-Chefin Mariette Rissenbeek in ihrer Dankesrede nach dem Ritterschlag zum »Officier des Arts et de Lettre« als herausragende Beispiele der Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Deutschland auf. Anne Marie Descotes, Botschafterin der Republik Frankreich in Deutschland, ließ es sich nicht nehmen, Rissenbeeks persönlich zu danken und ihr den Orden ans Kleid zu heften. Passend zur Pandemie, folgten die obligatorischen Küsschen – allerdings mit gebührendem Abstand zwischen beiden Gesichtern.

Mit der Veranstaltung setzt die Französische Botschaft die Tradition fort, Persönlichkeiten der Filmbranche für ihre Verdienste um die deutsch-französische Kooperation auszuzeichnen. Mariette Rissenbeek verantworte beim Verleih Tobis in den 1980-er Jahren zahlreiche Starts französischer Kinohits. Ab 2011 wachte sie als von German Films über die Zusammenarbeit. 2019 wurde sie Ko-Chefin der Berlinale, die traditionell französische Filme in allen Sektionen zeigt. Und das mit Erfolg. Der Dokumentarfilm des Festivals ging in diesem Jahr an „Nous“ von Alice Diop, der in der Reihe »Encounters« läuft. Die Regisseurin gehörte zu den ersten Gratulanten. Sie wird ihren Film am Mittwochabend auf dem Freiluftkino Museumsinsel dem Berliner Publikum vorstellen.

Mit der Berlinale-Traditionsveranstaltung setzte die Botschaft auch ein Zeichen der Rückkehr zur Normalität, auch wenn der Empfang in sehr kleinem Kreis im Garten stattfinden musste. Endlich wieder Gespräche mit Gleichgesinnten, endlich wieder Small Talk, Häppchen und Champagner mit alten Freunden und Weggefährten.

Die von Rissenbeek organisierte Berlinale verzichtet nicht nur auf solche kleinen Events. Erste Kollegen sind echt frustriert, da sie keine Möglichkeit haben, die Stimmung in ihre Heimatbundesländer zu transportieren. Kein gutes Zeichen für ein Festival das den Anspruch erhebt, zu den drei wichtigsten Events zu gehören.

Katharina Dockhorn


Eindrücke und Kurzkritiken von der Berlinale.

Die 71. Berlinale hat mit ihren Open-Air-Vorführungen bisher ein unheimliches Glück gehabt. Nach sehr lauen Sommernächten wurde es am Samstagabend zwar empfindlich kühl, doch es blieb trocken. In den nächsten sechs Tagen soll es nach der Halbzeit der Publikums-Berlinale jedoch wieder sehr warm werden, sodass dann bis zum 20. Juni 2021 hoffentlich keine Plätze mehr vor der schönen Filmkulisse der Freilichtkinos leer bleiben.

Eröffnet worden war das Festival am 9. Juni 2021 auf dem Freilichtkino Museumsinsel mit dem Guantanamo-Thriller "The Mauretaniean" von Kevin Macdonald. Das wegen der Corona-Pandemie bisher einzige derzeit in Berlin geöffnete Filmtheater, das Kino Central am Hackeschen Markt, zeigt den Film ebenfalls voraussichtlich noch bis Mittwoch, den 16. Juni 2021.

Im direkten Vergleich zu den Freilichtkinos ist das Filmerlebnis im geschlossenen Raum allerdings eindringlicher. Die Geräuschkulisse war auf der Museumsinsel durch laut feiernde Fans zu einer offensichtlich in der Nähe stattgefundenen Übertagung der Fußball-EM doch arg gestört, während uns bei den Freilichtkinos am Kulturforum und am Schloss Charlottenburg der Verkehrslärm durch mehrfach mit Blaulicht und Martinshorn vorbeifahrende Feuerwehrfahrzeuge ziemlich irritierte.

Die abgeschottete Waldbühne, in der bald wieder Klassikkonzerte stattfinden sollen, wäre diesbezüglich sicherlich die bessere Wahl gewesen. Schade, dass diese Location nicht auch für Filmvorführungen von der Berlinale wieder reaktiviert wurde.

Von den wenigen Filmen, die wir bisher zum Berlinale Summer Special sehen konnten, haben uns vor allem Bence Fliegaufs "Forest - I See You Everywhere" aus dem Wettbewerb sowie der als Gala Special präsentierte "The Mauretanian" mit Benedict Cumberbatch als zweifelnder Strafanwalt und Jody Foster als Verteidigerin eines unschuldig Angeklagten, schwer beeindruckt.

Bei der Vorstellung seines Filmes warnte der ungarische Regisseur Bence Fliegauf, dass "Forest - I See You Everywhere" in erster Linie durch schnell gesprochene Dialoge getragen wird, deren Sprache selbst für ihn manchmal wie rückwärts gesprochenes Kauderwelsch klingt. Für die Zuschauer wurde dies eine Tour de Force durch eine Unmenge an Untertiteln. Wir mussten uns tatsächlich Umsetzen, um alles mitzubekommen.

Hier der Trailer:



Wie der Trailer erahnen lässt, geht es in sieben aneinanderhängenden Episoden um den Tod. In Zeiten der Übersterblichkeit durch die Corona-Pandemie war der Film sorgsam ausgewählt, auch wenn der Grund des Dahinscheidens darin meist ein anderer ist. So streitet ein Knabe mit seiner Mutter um Gehorsam und Gläubigkeit sowie über sein Unverständnis, einen blutüberströmten Mann am Kreuz verehren zu müssen. Es ist unmöglich, die pointiert gesetzten Worte hier wiederzugeben. Aber die stetige Steigerung der Dispute und Schuldzuweisungen wirken auf den Zuschauer faszinierend. Noch heftiger geht es in der letzten Episode um einen Heilpfuscher zu, dessen Methoden an Verschwörungstheorien von Corona-Leugnern erinnern.


Ein echtes Corona Zeitdokument, an das man sich Jahre später noch staunend erinnern wird, ist dagegen Radu Judes "Bad Luck Banging or Loony Porn", der Gewinnerfilm des Goldenen Bären, der ebenfalls in verschiedene Parts gliedert ist. Im ersten Teil läuft die Hauptprotagonisten ständig mit Atemschutzmaske zu Fuß durch das verkehrsumtobte Bukarest. Kein anderer Film der Berlinale spiegelt diese Pandemie Zeiten so deutlich wider.

Hier der Trailer:



Futuristisch geht Maria Schrader das Corona-Thema und deren Folgen mit ihrer Inszenierung von "Ich bin Dein Mensch" an.

Hier der Trailer:



Offensichtlich ist ein großer Teil der Menschheit inzwischen ausgestorben und wird durch menschlich aussehende Roboter ersetzt. Eine Tanzparty auf der die Hauptprotagonisten ihren persönlichen, humanoiden Roboter kennen lernen soll, ist nur eine durch Holografie erzeugte Scheinillusion. Ähnliche Situationen kennt man bereits durch die "Raumschiff Enterprise" Folgen. Im Unterschied zur Science-Fiction-Serie greift Maria Schrader das Thema aber erstmals in einer Liebesgeschichte eines Arthouse-Werkes auf und prüft zugleich skeptisch die Folgen der Technisierung. Das ist stellenweise witzig, wirkt aber gleichzeitig durch ihre Warnung mit erhobenen Zeigefinger vor zu viel Zukunftstechnologie, ein wenig arg aufgesetzt. Der Silberne Bär für die Beste Schauspielerische Leistung in der Tragikomödie sei ihr dennoch gegönnt.

W.F.


Link: www.berlinale.de

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