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30. Deutscher Kamerapreis öffnete sich den Online Angeboten

Neuerungen beim Deutschen Kamerapreis, der im Jubiläumsjahr wegen COVID-19 leider nicht mit einer festlichen Gala verliehen werden konnte.



Der Deutsche Kamerapreis, der herausragende Leistungen in Bildgestaltung und Schnitt würdigt, hat sich anlässlich der 30. Verleihung am 29. Mai 2020 für Filme aller Ausspielwege geöffnet und daher die bisherige Kategorie „Kinospielfilm“ in „Spielfilm“ umbenannt. Damit trägt der Deutsche Kamerapreis der Tatsache Rechnung, dass Spielfilme längst nicht mehr nur für die große Kinoleinwand produziert werden, sondern verstärkt auch für Online-Plattformen und Streaming-Anbieter.

Walter Demonte, Geschäftsführer des Deutschen Kamerapreis Köln e.V., nannte dazu ein namhaftes aktuelles Beispiel: "Das jüngste Werk des Regie-Großmeisters Martin Scorsese macht die Entwicklung in der Medienlandschaft deutlich. Nahezu gleichzeitig zum Kinostart war sein neues Werk 'The Irishman' auch online verfügbar. Ähnlich wie zuletzt bei der Serie entwickeln sich die Streaming-Dienste und Online-Plattformen damit zu bedeutenden Playern in der Filmkunst."


Im Jubiläumsjahr wollte man erstmals auch mit der Photokina kooperieren. Die weltweite Leitmesse der Foto-, Video- und Imaging-Branche wurde aber wegen der Corona-Pandemie abgesagt und wird erst wieder 2022 stattfinden wie wir am 26. Mai 2020 berichteten. Auch der 30. Deutschen Kamerapreis konnte in seinem Jubiläumsjahr leider nicht in einer festlichen Gala verliehen werden. Die digitale Preisverleihung kann dafür aber auf der Webseite virtuell online für jedermann abgerufen werden.

Insgesamt 30 Kameraleute und Filmeditor*innen gingen dieses Jahr ins Rennen um den 30. Deutschen Kamerapreis 2020. Im Vorfeld hatte die Jury insgesamt 433 Einreichungen gesichtet. Davon entfielen allein 100 auf die Kategorie Fernsehfilm/Serie.

In der Spielfilm-Kategorie konkurrierten dabei Simon Dat Vu für „Futur Drei“, Jieun Yi für „O Beautiful Night“ und Juan Sarmiento G. für „Valley of Souls/Tantas Almas“. Letzterer wurde zum Gewinner gekürt.

Hier der Trailer des Dramas über einen kolumbianischen Fischer, der nach nächtlicher Heimkehr feststellen muss, dass seine beiden Söhne von von Paramilitärs getötet und irgendwo in den Fluss geworfen wurden.



Die Jury zeigte sich beeindruckt von der ebenso unaufdringlich-leisen wie emotional kraftvollen Art und Weise, in der Sarmiento G. die Suche des Vaters nach den Leichnamen seiner ermordeten Söhne ins Bild setzt.


Die Nominierungs- und Gewinner-Liste:

Kamera Spielfilm

Simon Dat Vu für ​„Futur Drei“
Jieun Yi für ​„O beautiful night“ ​ (ZDF/arte)
Juan Sarmiento G. für ​„Valley of Souls/Tantas Almas“ *Winner

Kamera Fernsehfilm / Serie

Johannes Praus für ​„DRUCK - Liebe“ (Staffel 3, Folge 29) (funk/ZDFneo)
Florian Emmerich für ​„Tatort – Unklare Lage“ ​(BR) *Winner
Christian Almesberger, Bernd Fischer und Philipp Haberlandt für „Babylon Berlin“ (Staffel 3, Episode 10) (ARD Degeto/Sky) Claire Jahn für ​„Die Schützin“

Kamera Dokumentarfilm

Benny Jaberg​ ​für ​„NOT ME – A Journey with Not Vital“ (SRF/RTR/RSI/SRG SSR) *Winner
Nikola Krivokuca für ​„Bekar Evi – Das Junggesellenhaus“ (ZDF/arte)
Stefan Neuberger für ​„In der Kaserne“ ​ (ORF)

Kamera Dokumentation

Michael Habermehl für ​„Mein Tanz mit Pina – Jo Ann Endicotts Erinnerungen an Pina Bausch“ ​(ZDF/3sat)
Dunja Engelbrecht für ​„arte Re: Holzkohle Adé – Polens Köhler vor dem Aus“ (mdr/arte) *Winner
Michael Kern für ​„Naturparadiese mit Zukunft: Kongo – Schutz für den Gorillawald“ (WDR/arte)

Kamera Kurzfilm
Jeannine Compère für ​„Die Schützin“ *Winner

Kamera Journalistische Kurzformate

(ARD/arte) Felix Korfmann für ​„Die rbb Reporter: Anni am Limit! Zwischen Körper und Geist“ (Folge 2) (rbb) *Winner

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Schnitt Dokumentarfilm
Anja Pohl für ​„Walchensee Forever“ ​(BR) *Winner

Schnitt Dokumentation
Janine Dauterich für ​„Beethovens Neunte: Symphonie für die Welt“ ​ (DW/ZDF/arte) *Winner

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Nachwuchspreise:

Kamera:
Felix Pflieger für ​„Die letzten Kinder im Paradies“ *Winner

Schnitt:
Elias Jutzet für ​„Cru“ *Winner

Ein Ehrenpreis wurde in diesem Jahr nicht vergeben.

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In der Kategorie Spielfilm brachte der Coming-of-Age-Film "Futur Drei" seinen Machern gleich zwei Nominierungen ein. Faraz Shariats autobiografisch geprägtes Spielfilmdebüt nimmt den Sohn zweier Exil-Iraner in den Fokus, der im Rahmen von Sozialstunden zwei iranische Flüchtlinge kennenlernt. Nominiert wurden sowohl der Bildgestalter Simon Dat Vu als auch die Editorin Friederike Hohmuth. Damit konkurrieren sie in dieser Kategorie unter anderem mit der Kamerafrau Jieun Yi um die begehrte Trophäe. Sie überzeugte die Jury durch ihre Bildgestaltung von Xaver Böhms poetisch-surrealer Tragikomödie "O Beautiful Night" (ZDF/arte), die vergangenes Jahr auf der Berlinale zu sehen war.

In der Kategorie Fernsehfilm/Serie stachen aus Sicht der Jury vier Produktionen besonders hervor. Dazu gehört die hochgelobte Serie "Babylon Berlin" (ARD/Sky). Für ihre Bildgestaltung der 10. Episode innerhalb der 3. Staffel dürfen sich Christian Almesberger, Bernd Fischer und Philipp Haberlandt Hoffnung auf eine Auszeichnung mit dem DEUTSCHEN KAMERAPREIS machen - genauso wie Florian Emmerich, dessen Kameraarbeit im TATORT "Unklare Lage" (BR) aus Sicht der Fachjury besondere Anerkennung verdient.

Katharina Coponys dokumentarisches Essay "In der Kaserne" stach in der Kategorie Dokumentarfilm durch die Bildgestaltung von Stefan Neuberger heraus. Nominiert wurde er für seine Art und Weise, den vielschichtigen und persönlichen Blick auf den Alltag unter Soldaten mit der Kamera zu fassen. Eine weitere Anwärterin auf den begehrten Preis in dieser Kategorie ist die Editorin Anja Pohl. Sie hat für Janna Ji Wonders Dokumentarfilm "Walchensee Forever", einer filmischen Betrachtung der Frauen aus ihrer Familie, den Schnitt übernommen.

Zu den Nominierten in der Kategorie Dokumentation gehört Michael Habermehl für seine Bildgestaltung von Jo Ann Endicotts Erinnerungen an Pina Bausch "Mein Tanz mit Pina" (ZDF/3sat) sowie, passend zum Beethoven-Jahr, Janine Dauterich für ihre editorische Leistung in "Beethovens Neunte: Symphonie für die Welt".

Auch die Journalistischen Kurzformate werden erneut geehrt. Nominiert war in dieser Kategorie unter anderem der Editor Sven Kulik für die Gestaltung des WDR-Beitrags "Unterwegs im Westen: Duisburg Ruhrort - Mit 16 ohne Chance?" sowie Patrick Wulf für seine Kameraarbeit in "DIE REPORTAGE: Hamburgs härteste Kiez-Kneipe - Wo die Nacht nie endet" (NDR).

Der DEUTSCHE KAMERAPREIS fördert auch in seinem Jubiläumsjahr mit zwei Nachwuchspreisen Filmschaffende, die am Anfang ihrer Karriere stehen und durch ihren gestalterischen Ansatz und die exzellente Umsetzung besonders förderungswürdig sind. Gestiftet werden die Auszeichnungen erneut von der Panasonic Marketing Europe GmbH und SIGMA (Deutschland) GmbH.

Seit 1982 würdigt der DEUTSCHE KAMERAPREIS herausragende Leistungen in Bildgestaltung und Schnitt. Ausgezeichnet werden Kameraleute und Filmeditor*innen in den Kategorien Spielfilm, Fernsehfilm/Serie, Kurzfilm, Journalistische Kurzformate, Dokumentarfilm und Dokumentation.

Zum ersten Mal in der Geschichte des Preises kann sich die Öffentlichkeit von den prämierten Kreativen und ihren Arbeiten auf der Website des Deutschen Kamerapreises selbst ein Bild machen.

"Damit tragen wir dem Umstand Rechnung, dass wir aufgrund der Corona-Pandemie die Gala zur Preisverleihung absagen mussten", so Walter Demonte, Geschäftsführer des Vereins Deutscher Kamerapreis Köln e. V.


Link: deutscher-kamerapreis.de

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