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Offener Brief an Stifter des Deutschen Fernsehpreises

Filmverbände appellieren an Fernsehpreis-Stifter: Änderungen überdenken.



In einem offenen Brief des Bundesverbandes der Film- und Fernsehschauspieler (BFFS), den MediaBiz - Herausgeber des Branchenfachblattes Blickpunkt Film - abdruckte bzw. online hier am 19.08.2010 veröffentlichte, wendet sich dieser zusammen mit anderen filmschaffenden Verbänden an die Stifter des Deutschen Fernsehpreises.

In dem dramatischen Aufruf appellieren darin die in dem überregionalen Verbund "Die Filmschaffenden" zusammengeschlossenen Verbände, die geplanten Änderungen am Preisstatut zu überdenken: In einem "Offenen Brief" sprechen sich mehrere Verbände gegen die Abschaffung von Preiskategorien aus, sie fürchten um das Ansehen der Auszeichnung und eine Entwertung fiktionaler Fernsehproduktionen.
"So begrüßenswert die Schaffung neuer Kategorien für Formate ist, die inzwischen Teil der Fernsehrealität geworden sind, so schädlich ist dieser Schritt für die (….) Königsdisziplin, nämlich den fiktionalen Fernsehfilm", heißt es in dem Schreiben vom Bundesverband der Film- und Fernsehschauspieler BFFS, das von folgenden Verbänden unterstützt wird:
Bundesverband der Fernseh- und Filmregisseure (BVR), Bundesverband Kamera (BVK), Bundesverband der Fernsehkameraleute (bvfk), Bundesverband Filmschnitt Editor (BFS), Berufsvereinigung Filmton (bvtf), Verband Deutscher Drehbuchautoren (VDD), Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Verband der Agenturen (VDA) und dem Verband Deutscher Schauspieler-Agenturen.

Sollten beim Deutschen Fernsehpreis, wie geplant, personalisierte Auszeichnungen für Regie, Buch, Kamera, Schnitt, Musik und Ausstattung wegfallen, so die Kreativen, würde damit das Verständnis für aufwendige und teure fiktionale Produktionen schwinden.
"Damit würde aus der hochwertigen Fernsehlandschaft, um die man uns beneidet, eine ziemlich gewöhnliche, ausschließlich vom Diktat der Quote geformten, wild wuchernden Fernsehschauplatz ohne Strahlkraft werden."
In dem "Offenen Brief" fordern die Verbände die Fernsehpreis-Stifter WDR, RTL, ZDF und ProSiebenSat.1 "dringend" dazu auf, die geplanten Änderungen zu überdenken, "denn der Deutsche Fernsehpreis wird durch diesen Schritt nicht nur an Bedeutung verlieren, sondern auch an jenem Glanz, den die Verursacher dieser Einzelleistungen ihm bisher verliehen haben."

In einer Umfrage wollte Blickpunkt:Film wissen, ob die geplanten Veränderungen zuungunsten des Fictionbereichs und die Abschaffung aller personalisierten Kategorien bis auf die Kategorie «Beste Schauspieler», gerechtfertigt sind. "Nein", sagen 85,7 Prozent der Umfrageteilnehmer. 64,7 Prozent sehen die Leidtragenden dieser Veränderungen in den Kameramännern, Cuttern und Komponisten.

Quelle: Blickpunkt:Film
Link: Deutscher Fernsehpreis

Der 12. DEUTSCHE FERNSEHPREIS 2010 wird am Samstag, den 9. Oktober 2010 in Köln verliehen. Die wichtigste Auszeichnung zur Würdigung hervorragender Leistungen im deutschen Fernsehen wird turnusgemäß diesmal von der ARD federführend übernommen. DAS ERSTE strahlt die Preisverleihung am Sonntag, den 10. Oktober 2010 aus.



P.S.
Auch der Berliner Arbeitskreis Film e.V. (BAF) unterstützt die Forderung, auch wenn wir in der überregionalen Vereinigung "Die Filmschaffenden" noch nicht Mitglied sind. Den vom BAF einst mitgetragenen Bundesfilmverband "BUFI" gibt es heute nicht mehr. Die Ziele und Interessen der einzelnen Verbände hatten sich geändert. Eine der Hauptaufgaben der Bundesvereinigung Film (BUFI), den reibungslosen Ablauf der Akkreditierungen der Filmschaffenden bei der Berlinale zu organisieren, wollte Dieter Kosslick, der neue Leiter der Internationalen Filmfestspielen am Potsdamer Platz lieber selbst übernehmen, um mehr Einfluss ausüben zu können. Die Folge war, dass die BUFI überflüssig wurde und sich auflöste, da die Verbände absprangen und keine Beiträge mehr an den Gesamtverband zahlen wollten. Erst später wurde allen wieder bewusst, dass man mit gemeinsamen Aktivitäten eher zum Ziel kommt. In Düsseldorf gründete sich deshalb viele Jahre später die neue Bundesvereinigung unter dem Namen "Die Filmschaffenden".

In Berlin gab es dagegen nach dem Fall der Mauer noch lange Zeit zwischen Ost- und West-Berliner Verbänden in vielen Bereichen gewisse Animositäten. Weder der Berliner Journalistenverband (DJV) noch die Filmverbände haben es bis heute geschafft, sich jeweils zu einem eigenen schlagkräftigen Berliner Verband zusammenzuschließen. Die geplante Fusion der Berliner Journalistenverbände scheiterte erst kürzlich am Votum der Mitglieder. (siehe BAF-Blog vom 12. Juli 2010)

Dagegen haben sich die beiden Berliner Filmverbände BFFV und BAF in letzter Zeit angenähert. Die aktuellen gemeinsamen Aktivitäten werden hoffentlich dereinst zu einer Vereinigung führen, denn....
"Zwei Berliner Filmverbände mit gleicher Zielrichtung ergeben keine Sinn", erklärt auch Norbert Kerkhey am 30.08.2010 in einem Interview mit Denis Demmerle vom Blog der Berliner Filmfestivals.

Tatsächlich wäre auch der BAF erst nach einer Fusion mit dem BFFV finanziell in der Lage, dem Verbund "Die Filmschaffenden" beizutreten und die daraus entstehenden Kosten zu tragen. Dennoch gab es auch bei uns in den letzen Jahren immer wieder gemeinsame Treffen mit anderen Filmverbänden, die entweder von connexx.av, einem Projekt des Filmverbandes in ver.di, oder vom BAF organisiert waren.

Einst war der BAF sogar in der Bundesvereinigung Film (ehemals BUFI) federführend. Unsere Mitglieder sind vornehmlich Autorenfilmer und LowBudget-Filmer, aber auch Kameraleute, Beleuchter, Cutter usw. sowie viele andere Berufszweige aus Film und Fernsehen können bei uns Mitgliedschaft beantragen, denn wir sind im Gegensatz zu den Fachverbänden keiner bestimmten Berufssparte untergeordnet, sondern integrieren alle Filmschaffenden.

Im Zuge der Kommerzialisierung verschwand der Autorenfilm leider zunehmend und damit auch Teil unserer Mitgliederschaar. Filmemacher konnten ohne Nachweis eines Produzenten keine Fördergelder mehr für ihre Filme beantragen. Eine Entwicklung, gegen die sich der BAF stets gestemmt hatte.
Immerhin gehörten dem BAF einst so bekannte Filmemacher wie Robert van Ackeren, Uwe Friesner, Wolf Gremm, Jeanine Meerapfel, Rosa von Praunheim, Ottokar Runze, Helma Sanders-Brahms oder Christian Ziewer an, um nur einige zu nennen. Zu den Gründungsmitgliedern des BAF gehörten vor mehr als 35 Jahren auch Erika und Ulrich Gregor, die das "Forum des jungen Films", eine Sektion der Berlinale vor genau 40 Jahren ins Leben riefen, um damit vor allem unbekannten Filmemachern eine Chance auf dem Podium der großen Filmfestspiele zu geben.

Erst heute erlebt der Autorenfilm, der vorwiegend fiktionale Geschichten erzählen will, wieder ein Comeback und wird auf vielen Festivals oft überwältigend gefeiert. Der Grund ist einfach. Da beim Autorenfilm der Drehbuchautor und Regisseur identisch ist, weisen die Filme eine persönliche Handschrift des Filmemachers auf, wodurch ein jeweils eigenes ästhetisches Grundverständnis erkennbar wird. Im Kino und leider auch im Fernsehen fristet der Autorenfilm dagegen ein Schattendasein. Einer der wenigen Plattformen, die diese Nische noch ab und zu unterstützte, war das „Kleine Fernsehspiel“ des ZDF. Doch auch hier liefen die Sendungen meist spät nachts und damit fast unter Ausschluss der breiten Öffentlichkeit.


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