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Neue Digital Camera Systems und Proficamcorder (update)

Nachlese von der IBC Broadcast Messe in Amsterdam.



In wenigen Tagen beginnt die Photokina. Doch bevor wir uns übermorgen in einem anderen Beitrag mit der Kölner Messe befassen, wollen wir den Profis einen Kurzrückblick von der IBC in Amsterdam geben.

Arri Digital Camera Systems

Arri präsentierte kürzlich seine Alexa, eine digitale Systemfilmkamera, die endlich der Red One Paroli bieten soll. Während die REDONE durch einen größeren Chip mit einer Auflösung von 4480×1920 Pixeln bereits die in Zukunft geforderte 4K Auflösung meistert, bietet die brandneue Arri ALEXA "nur" eine 2K Auflösung in HD mit 1920×1080 Pixeln. Dennoch ist die mit ca. 50.000 Euro teure ALEXA das Beste, was in Deutschland zurzeit für das D-Cinema zu bekommen ist. Immerhin ist die 2K-Auflösung bei den großen Filmfirmen fast zum Standard geworden und nur in wenigen Kinos sorgt die bessere 4K-Auflösung schon jetzt für den ultimativen Schärfeeindruck. Bei der 3D-Darstellung können deutschen Kinos allerdings noch ganz nicht mithalten, da die 3D-Vorsätze derzeit nur eine 2K-Auflösung liefern, schreibt Gerold Marks in einem Kommentar seines Blogs auf Digitale Leinwand. Der enorme Kostenaufwand für hochwertige Kinoausstattung lässt sich nicht so schnell amortisieren, weshalb immer noch die 2K Auflösung vorherrscht. In vielen Kinos auch deutlich darunter. Doch sollten Heimprojektoren - Beamer die für zu Hause bestimmt sind - besser nicht verwendet werden. Sie fordern wegen der schlechten Kontraste nur den Unmut der Zuschauer herauf.

Die Arthouse Kinos können sich ohne finanzielle Unterstützung nicht einmal diese digitale Umrüstung leisten, weshalb der 35-mm-Film weiterhin seine Berechtigung hat. Arri lies sich deshalb Zeit mit einem neuen Kameramodell, denn das Ergebnis sollte ausgereift sein. Wir hoffen, in den nächsten Wochen ausgiebige Testberichte lesen zu können.

Das Konkurrenzprodukt die Red One der Red Digital Cinema Camera Company wurde bereits auf der NAB 2007 mit dem Mario Award für Kameras ausgezeichnet. Sie ist eine digitale 35mm-Kamera mit einem Zwölf-Megapixel-CMOS-Sensor, die sich an die Filmproduktionsindustrie richtet. Sie verfügt über einen PL-Objektivanschluss und ist modular aufgebaut, wodurch sie verschiedenen Anforderungen angepasst und technisch auf aktuellem Stand gehalten werden kann. Zwei weitere Kamerasysteme sind für 2010 angekündigt, genannt Scarlet (Auflösungen von 3K-6K), und Epic (5K-28K). Während die Epic das Flaggschiff des Herstellers darstellen soll, handelt es sich bei der Scarlet um eine professionelle Taschenformatkamera, etwa für Independentfilme.

Die von der Kamera aufgezeichneten Bildsequenzen können mit Apples Schnittprogramm Final Cut Pro direkt verarbeitet werden. Bis April 2008 untersagte RED die direkte Unterstützung der Kamera durch andere Hersteller, da exklusive Marketingverträge mit der Firma Apple bestanden. Inzwischen können auch die Schnittsystem von Adobe Premiere Pro und Avid die REDCODE RAW-Daten der Kamera in voller Qualität verarbeiten. Das Besondere der Red Kameras ist der große S35-mm-Sensor, der für Schärfentiefe wie bei 35-mm-Kameras sorgt. Durch einen unscharfen Hintergrund entsteht dabei der spezielle Filmlook, der kaum mit einem Camcorder anderer Hersteller erreicht werden kann. Nur die digitalen Spiegelreflexkameras ermöglichen einen ähnlichen Look. Doch das Handling eines Fotoapparates ist anders und für Filmaufnahmen weniger geeignet.

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Panasonic Proficamcorder mit Wechselobjektiven

Panasonic hat auf der IBC seinen Proficamcorder AG-AF101 offiziell vorgestellt. Die Videokamera ist mit wechselbaren Objektiven des Bajonettsystems Micro-Four-Thirds ausgerüstet, die bislang nur bei Digitalkameras eingesetzt werden. AVCHD-Videos werden unter anderem mit 1.080/60i oder 1.080/30p aufgezeichnet.

Der AG-AF101 wird auf einigen Märkten als AG-AF100 vertrieben. Er kann mit fast allen Micro-Four-Thirds-Objektiven verwendet werden, die derzeit erhältlich sind. Über spezielle Adapter können an dem Wechselbajonett auch zahlreiche andere Objektive incl. PL-Mount von praktisch allen Kameraherstellern angeschlossen werden. Dies geht zwar mit dem Verlust der Autofokusfunktion einher, doch der wird beim professionellen Filmen sowieso kaum eingesetzt - außer bei Dokumentarfilmern. Diese können aber auf die hauseigenen, mit allen Automatikfunktionen kompatiblen Panasonic, Leica oder Olympus Objektive des Micro- und Four-Thirds Standards zurückgreifen.

Der AF101 zeichnet ausschließlich auf Speicherkarten der Typen SDHC und SDXC auf. Er besitzt zwei SD-Kartenslots, um auch längere, ununterbrochene Aufnamen zu ermöglichen. Dabei erreicht die Kamera eine mittlere Datenrate von etwa 21 MBit/s und Spitzenwerte von 24 MBit/s. Die Besonderheit des Camcorders ist der aus dem Fotobereich stammende, mit 4/3 Zoll für den Videobereich ungewöhnlich große Sensor. Der soll eine dem 35-mm-Film ähnliche, geringe Schärfentiefe ermöglichen. Die Kamera besitzt XLR-Anschlüsse (48 V Phantomspeisung) und kann über HD-SDI mit professioneller Videohardware verbunden werden. Der Camcorder arbeitet ausschließlich im Format AVCHD mit 1.080 und 720 Linien und zeichnet mit 59,94, 50, 29,97, 25 oder 23,9p auf.

Neben einem elektronischen Sucher mit 1,22 Millionen Bildpunkten ist ein Videoausgang für externe Farbdisplays vorhanden. Die Panasonic AF101 misst ohne Objektiv 163 x 195 x 209 mm und bringt ohne Akku und Speicherkarten rund 1,2 kg auf die Waage. Ab Dezember 2010 soll er auf den europäischen Markt erhältlich sein. Im Lieferumfang sind keine Objektive enthalten, dennoch soll der Preis ungefähr 5.830 Euro liegen.

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Sony zeigte Prototyp eines Single-Piece-3D-Camcorders

Einen Schultercamcorder für Stereo-3D-Aufnahmen präsentierte Sony in Form eines Prototypen im Rahmen der IBC2010. Der Single-Piece-3D-Camcorder von Sony ist als Schultercamcorder ausgelegt und erinnert vom Body und auch vom Kombisucher her an den PMW-350/320, aber mit Doppelobjektiv. An der Seite des Objektivs befindet sich ein großes Bedienrad, wie es üblicherweise Filmkameras des Profisektors aufweisen. Dort lassen sich jederzeit bei Kamerafahrten entsprechende Markierungen für die notwendigen Schärfeeinstellungen anbringen. Aufnehmen soll der Camcorder auf SxS-Speicherkarten (gesprochen S-by-S), auch das ist eine Parallele zum PMW-350/320 und dem ebenfalls zu IBC2010 neu vorgestellten PMW-500.

Weitere Details zu Preis und Verfügbarkeit des zunächst als namenloser Prototyp gezeigten Geräts wollte Sony zunächst noch nicht nennen. Das Gerät war in einer Vitrine am Stand zu sehen, es ist noch nicht funktionsfähig, sondern eher als Designmodell zu betrachten. Dennoch ist erstaunlich, wie schnell die Entwicklung in den letzten Jahren Fortschritte gemacht hat. Die in unserem Blog-Bericht vom 3. März 2009 vorgestellten Hybrid Videocamcorder, die auf Blu-ray oder Professional Disc aufzeichnen sollten, sind inzwischen wieder nahezu vom Markt verschwunden und werden ausnahmslos durch bandlose Modelle ersetzt.

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