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Lettische Gewinner*in der Nordischen Filmtage - Hamburg vergibt Kurzfilmpreis

Die Filmfestivals in Lübeck und Hamburg konnten ihre Preisträger wegen des Lockdowns nur online verkünden.



Erstmals hat ein lettischer Film bei den 62. Nordischen Filmtagen in Lübeck den Hauptpreis des Festivals gewonnen. Der mit 12 500 Euro dotierte NDR-Filmpreis ging am Samstag, den 7.11.2020 an die Regisseurin Dace Pūce für ihr Spielfilmdebüt "Die Grube".

Hier der Trailer:



Der 108-minütige Spielfilm "Die Grube | Bedre | The Pit" der Regisseurin Dace Pūce erzählt auf einfühlsame Weise die Seelennöte des 10-jährigen Markuss, der in seinem Dorf als Außenseiter gilt und Trost in Bildern findet, die er malt. Dabei zeigt sie viel Sympathie für ihren jungen widerständigen Helden, der an einer lieblosen, egoistischen, ja brutalen Erwachsenenwelt beinahe zerbricht.

Markuss (Damir Onackis) lebt bei seiner Oma auf dem Land. Freunde hat der Junge hier nicht. Als er einem Nachbarmädchen übel mitspielt, wendet sich das ganze Dorf gegen ihn, und auch die Großmutter wird noch strenger. Markuss' einziger Trost sind die Bilder, die er malt. Schon sein Vater war Künstler. Und tatsächlich lebt in einer Scheune im Wald ein "Seemann" genannter Mann, dem der Vater früher dabei half, ein mehrfarbiges Glasfenster einzubauen. Markuss freundet sich mit ihm an - und kommt bei der Vollendung des Kunstwerks hinter manches Familiengeheimnis ...


Hier ein Video-Statement der Filmemacherin, die wegen der Corona-Pandemie nicht nach Lübeck fahren konnte.



Lobende Erwähnungen gingen an die beiden norwegischen Regisseurinnen Maria Sødahl und Charlotte Blom für die Filme "Hoffnung" und "Dianas Hochzeit". Der NDR Filmpreis wurde am Sonnabend, 7. November 2020, im Rahmen einer Gala der Nordischen Filmtage im Theater Lübeck, die ohne Publikum aufgezeichnet wurde, online übergeben.

Volker Thormählen, Direktor des NDR Landesfunkhauses Schleswig-Holstein: "Die Nordischen Filmtage sind seit mehr als sechs Jahrzehnten ein Schaufenster für kreative Filme und Erzählungen aus dem Ostseeraum, den wir in unserem Haus besonders im Blick haben - ein faszinierender Kulturraum. Mein herzlicher Glückwunsch geht an Regisseurin Dace Pūce, die ein gelungenes Erstlingswerk vorgelegt hat. Das Preisgeld soll sie bei weiteren Produktionen unterstützen."

Die Jury begründete ihre Wahl so: "Ein traumhaftes Erstlingswerk aus Lettland hat uns in jeder Hinsicht vollkommen in den Bann gezogen. Im Zentrum steht ein einsamer Junge, der versucht, in einer bedrückenden Umgebung seinen Weg zu finden. Eine spannende Geschichte mit großartigen Schauspielern, herzzerreißend, aber nie rührselig erzählt, mit poetischen Bildern, die man nicht mehr vergessen wird. Im Kern handelt 'Die Grube' davon, wie Kunst trösten und Leben retten kann."


Insgesamt gingen 16 Filme ins Rennen um den Preis, der seit 1990 verliehen wird.

Mitglieder der Jury des NDR Filmpreises waren in diesem Jahr Schauspielerin Jana Klinge, Schauspieler Bjarne Mädel, Produzent Raimond Goebel (Pandora Film), Kameramann Kristian Lescher sowie vom NDR Christian Granderath, Leiter der Abteilung Film, Familie und Serie.

Link: www.nordische-filmtage.de

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Kurzfilmpreis an "Sun Dog"

Auch wenn die Ersatz-Version des 36. Hamburger Kurzfilm-Festivals wegen des Teil-Lockdowns ebenfalls abgesagt werden musste, sind nun die Preise für die besten Filme vergeben worden.

Gewinner des Hamburger Kurzfilmpreises ist demnach der 21-minütige belgisch-russische Film "Sun Dog" von Dorian Jespers.

Hier der Trailer:



"Die Arbeiten eines Schlossers im dunklen arktischen Murmansk führen zu traumhaften Sequenzen mit einer fantastischen Wendung in bester sowjetischer Science-Fiction-Tradition. Alles in 'Sun Dog' überrascht", lobte die Jury.


Der Deframded-Preis (2000 Euro) ging an die finnische Produktion "Where to Land" von Sawandi Groskind. Als Kandidat für die European Film Awards wurde der französische Film "Genius Loci" von Adrien Merigau ausgewählt. Den mit bis zu 6000 Euro dotierten Arte-Kurzfilmpreis - inklusive Ausstrahlung auf Arte - räumte der brasilianische Kurzfilm "Swinguerra" von Bárbara Wagner und Benjamin De Burca ab. Im deutschen Wettbewerb konnte sich "La Espera" von Danilo do Carmo und Jakob Krese durchsetzen.

Das 36. Kurzfilm-Festival Hamburg war ursprünglich für Anfang Juni geplant und musste coronabedingt abgesagt werden. Stattdessen sollten alle 100 Festival-Filme aus 40 Ländern komprimiert vom 5. bis zum 8. November 2020 im Metropolis-Kino laufen. Der Teil-Lockdown verhinderte auch dies. Eine Online-Version wollten die Macher nicht umsetzen, weil sie sich bewusst dafür entschieden hatten, die Filme ausschließlich auf der großen Leinwand zu zeigen.

Das 37. Kurzfilm-Festival Hamburg ist bislang für den 1. bis 7. Juni 2021 geplant.

Link: festival.shortfilm.com

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AG Kurzfilm protestiert gegen Streichung von Kurzfilmen bei der Berlinale.

Der ebenfalls in Hamburg sitzende Bundesverband Deutscher Kurzfilm wendete sich mit einem Offenen Brief an die Leitung der 71. Berlinale 2021 und protestiert gegen die Streichung von Kurzfilmen für Kinder und Jugendliche.

Laut AG Kurzfilm ist geplant, 2021 in der Berlinale-Sektion GENERATION KEINE KURZFILME zu zeigen.

Das Streichen einer kompletten Plattform für die kurze Form bei der Berlinale bedeutet das Vernachlässigen gleich mehrerer Zielgruppen: Publikum, Filmemacher*innen und Industrie. Die AG Kurzfilm wünscht sich, dass die Entscheidung überdacht wird, die Berlinale ihre Leuchtturmfunktion wahrnimmt und auch 2021 dem jungen Publikum die kurze Form präsentiert.

Nach letzten Aussagen des Leitungsteams der Berlinale, Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian, sollen die 71. Internationalen Filmfestspiele Berlin voraussichtlich stattfinden. Dazu sind erste Entscheidungen für das Festival bereits getroffen worden.

Die AG Kurzfilm respektiert die derzeit schwierigen Entscheidungen der Festivalleitung. Dennoch wird die Entscheidung des weltweit größten Publikumsfestivals sehr bedauert, keine Kurzfilme mehr in der Sektion Generation zu zeigen. Man ist besorgt ob der Signale und möglichen Auswirkungen, denn eine Vielzahl der bei GENERATION ausgewählten Filme finden durch das Gütesiegel der Berlinale internationale Vertriebe und Verleiher, Fernsehsender und Festivals. Die Berlinale ist eines der wenigen A-Filmfestivals weltweit, das Kinder und Jugendliche und damit das Kinopublikum von morgen so sehr im Blick hat.

Link: ag-kurzfilm.de

Quellen: ots by dpa | ard | AG Kurzfilm

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In eigener Sache:

Der Artikel konnte leider nicht rechtzeitig am Sonntag früh online gestellt werden, sondern erst 24 Stunden später, sodass der für Montag früh geplante Artikel erst gegen Mittag erscheinen wird.

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