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DOK Leipzig prämierte Film aus dem Kongo

Das Internationale Dokumentarfilmfestival in Leipzig konnte kurz vor dem erneuten Lockdown den Abschluss erfolgreich mit der Preisverleihung durchführen.



Der kongolesische Dokumentarfilm "Downstream to Kinshasa" von Dieudo Hamadi ist Gewinner des diesjährigen Dokumentarfilmfestivals DOK Leipzig.

Die Koproduktion aus der Demokratischen Republik Kongo sowie aus Frankreich und Belgien erhielt am Sonntag, 1. November 2020, die vom Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) gestiftete und mit 10.000 Euro dotierte Goldene Taube.

Hier der Trailer der Kriegsversehrte aus dem kongolesischen Kisangani in den Fokus stellt.



Der Streifen über den Kampf um Entschädigung von Kriegsversehrten aus Kisangani erhielt auch den mit 1.500 Euro dotierten Preis der Interreligiösen Jury. Im Jahr 2000 hatten dort Soldaten und Rebellen aus Uganda, Ruanda und dem Kongo im sogenannten Sechstagekrieg gegeneinander gekämpft. 20 Jahre später machten sich einige der zivilen Opfer auf den langen Weg in die Hauptstadt Kinshasa, um ihre Entschädigung einzufordern.

Insgesamt wurden Goldene und Silberne Tauben in 7 Kategorien vergeben. Der zweite Platz des Filmfestivals, die Silberne Taube (3.000 Euro) für den besten Dokumentar- oder Animationsfilm des Regienachwuchses, ging an die argentinische Produktion „The Poets Visit Juana Bignozzi“. Unter der Regie der Autorin und Journalistin Mercedes Halfon und der Produzentin Laura Citarella erzählt der Film von einer jungen Dichterin, die das künstlerische Erbe der Poetin Bignozzi weitertragen möchte.

Die Goldene Taube im Deutschen Wettbewerb langer Streifen (3000 Euro) gab es für „Lift Like a Girl“ von Mayye Zayed.

Hier der Trailer:



Die Koproduktion zwischen Ägypten, Deutschland und Dänemark ist ein Porträt einer jungen Gewichtheberin aus Alexandria.


Leider musste die Preisverleihung unter außergewöhnlichen Umständen, mit Abstand und Maske stattfinden. Glücklicherweise konnte sie gerade noch rechtzeitig vor einem erneuten Lockdown durchgeführt werden. Ab Montag, 2. November 2020, dürfen Kinos bundesweit nicht mehr geöffnet sein. Immerhin war die 63. Ausgabe von DOK Leipzig ein Experiment: halb im Kino, halb online, das physisch eine Woche lang vom 26. Okt — 1. Nov 2020 stattfand.

Diese Woche können trotz geschlossener Kinos alle Filme der 63. Ausgabe von DOK Leipzig noch eine weitere Woche online geschaut werden. Darunter auch die Filme aus Tschechien, Frankreich, Nigeria, Österreich, China, Italien, Taiwan und weiteren Ländern, die ebenfalls erfolgreich waren.

Erwähnenswert sind noch der DEFA-Förderpreis (dotiert mit 4.000 €) der im Deutschen Wettbewerb an "Rift Finfinnee" von Daniel Kötter ging, der soziogeografische Erkundungen in der Peripherie von Addis Abeba durchführte, sowie der Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts (dotiert mit 2.000 €), der ebenfalls im Deutschen Wettbewerb an "Die Wächterin" von Martina Priessner ging. Sie filmte Alltagsbeobachtungen in einem verfallenen Dorf im Südosten der Türkei, wo eine syrisch-orthodoxe Nonne allein mit ihren Tieren an einem heiligen Ort ausharrt, um eine verlassene Kirche vor der muslimisch geprägten Nachbarschaft zu beschützen.

Der Publikumspreis ging an "A New Shift" (Nová šichta) von Jindřich Andrš (Tschechische Republik). Die 90 Minuten lange Doku handelt vom Bergmann Tomáš, der sich umschulen lassen muss, weil die Mine geschlossen wurde. Was er noch nicht weiß: Seine neuen Kenntnisse allein werden noch nicht aus der Krise führen. Ein Film vom Tauziehen mit dem Schicksal und dem Arbeitsmarkt.

Inzwischen sind weite Teile Europas im Lockdown.

Angesichts der dramatisch steigenden Corona-Infektionszahlen fahren immer mehr europäische Staaten das öffentliche Leben erneut herunter. In Österreich gilt ab Dienstag sogar eine nächtliche Ausgangssperre.

Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charite erwartet trotz des Teil-Lockdowns zur Bekämpfung der Corona-Pandemie keine schnelle Normalisierung der Lage. Vielmehr ist er der Auffassung, dass die Pandemie könnte bis Sommer 2021 andauern könnte.

Ostern sei die Pandemie nicht beendet, sagte er der »Neuen Osnabrücker Zeitung«. Das sei "sicher". Aber spätestens im Sommer könne sich das Leben wieder deutlich zum Positiven verändern, so Drosten.


Für den Kulturbereich und für die geschlossenen Kinos sowie für die ab Dezember geplanten oder verschobenen Filmfestivals sind diese Äußerungen Hiobsbotschaften, die das Ende eines geregelten Kulturlebens bedeuten könnten.

Auch die im Februar geplante 71. Berlinale ging bisher davon aus, erneut physisch stattfinden zu können. Dass dies durchaus anders kommen kann, sah man an den Filmfestspielen von Cannes, die im Mai 2020 komplett ausfallen mussten und auch nicht verschoben werden konnten. Ein Albtraum für das bedeutendste Filmfestival der Welt.

Ob ein ähnliches Schicksal auch den auch den Internationalen Filmfestspielen von Berlin blüht, ist derzeit noch ungewiss. Eine Verlegung in den Sommer mit ungefährlichen Freiluft-Vorführungen z.B. in der Berliner Waldbühne und den zahlreichen anderen Freilichtbühnen, würden nach einer internen Umfrage des BAF e.V. (unseres Berliner Arbeitskreis Film) viele begrüßen.

Link: www.dok-leipzig.de
Quelle: dpa

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