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Goldener Löwe von Venedig ging an letzte Aufführung


Das neben Cannes und Berlin weltweit wichtigste Filmfestival "La Biennale di Venezia" sorgte gestern beim Abschluß für eine Überraschung. Der zuletzt gezeigte Film "The Wrestler" von Darren Aronofsky gewann den goldenen Löwen.


Alle Augen waren dieses Jahr ganz besonders auf die 65. Filmfestspiele von Venedig gerichtet. Immerhin war Wim Wenders zum Jury Präsidenten bestellt worden. Ein Grund, dass viele Medien in Deutschland fast täglich vom Festival berichteten. Doch bis zum letzten Tag hielt sich die Begeisterung sehr in Grenzen. Einhellig war man bis dahin der Meinung, dass Höhepunkte fehlten. Bereits im Vorfeld war man besorgt, in wieweit das älteste Festival der Welt sich gegen die Konkurrenz im eigenen Land behaupten kann. Rom schickt sich an, Venedig den Spitzenplatz streitig zu machen. Sogar Venedigs letzter Festivalleiter konnte für das "Festival Internationale del Folm di Roma" gewonnen werden. Glücklicherweise findet es erst Ende Oktober vom 22. bis 31.10 2008 statt.

Dabei war der Auftakt am Lido hervorragend. Bei schönstem Spätsommer Wetter eröffneten die Superstars George Clooney und Brad Pitt das Internationale Filmfestival, das vom 27. August bis zum 6. September 2008 lief. Doch ihr Film "Burn After Reading" der Brüder Joel und Ethan Coen, war zwar als Weltpremiere in der Lagunenstadt angekündigt, lief aber nur außer Konkurrenz. So verschwanden die Stars auch gleich wieder nach der Premiere und reisten weiter zum Filmfestival nach Toronto, das vom 4.-13. September in Canada stattfindet.

Von nun an schienen Venedigs Gondeln ein wenig Trauer zu tragen, denn es waren kaum noch Stars zugegen und die bei früheren Festivals sonst immer recht lebhafte Stadt war tagsüber diesmal wie ausgestorben. Einheimische und Gäste tummelten sich offensichtlich lieber am Strand, so dass die Kameras auf braungebrannte, badende Jünglinge gerichtet waren. Man fühlte sich sogleich an Luchino Viscontis Meisterwerk "Tod in Venedig" erinnert. Eine Novelle von Thomas Mann in welcher der Komponist Gustav von Aschenbach sehnsüchtig dem Knaben Tadzio in einer Gruppe polnischer Jünglinge nachtrauert und dann selbst an der Cholera stirbt.

Um Tod und Cholera ging es auch beim deutschen Beitrag von Werner Schröter "Nuit de chien". Auch er greift das diesmal scheinbar gern abgehandelte Festivalthema über misshandelte und geschändete Frauen auf, nur dass es bei ihm kein Happy End gibt, sondern am Ende des Films alle tot sind. Die Begeisterung über dies finstere Werk hielt sich deswegen auch sehr in Grenzen und einige Buhs waren deutlich zu hören. Dennoch wurde Schröter von der Jury mit einem Sonderpreis ausgezeichnet. Ähnlich trostlos soll der zweite Film, der mit deutscher Beteiligung entstanden war, gewesen sein. "Theza" von Haile Gerima zeigt das Elend und alle Katastrophen, die sein Heimatland Äthopien in den letzten Jahren erlebt hat. Auch der dritte deutsche Wettbewerbsbeitrag "Jerichow" von Christian Petzold ging leer aus. Insgesamt waren 21 Filme am Start um den Goldenen Löwen beteiligt. 1982 hatte Wim Wenders für "Der Stand der Dinge" den bisher letzten "deutschen Löwen" erhalten.

Diesmal gewann den Goldenen Löwen schließlich der 39-jährige New Yorker Regisseur Darren Aronofsky, dessen Film "The Wrestler" mit Mickey Rourke in der Hauptrolle als alternder Showringer am letzten Tag des Festivals aufgeführt worden war. Die teilweise recht brutalen Bilder rüttelten wohl alle nach einer recht langweiligen Festialwoche wieder wach. Der Silberne Löwe für die beste Regie ging an den jungen Russen Alexej German Jr. für "Papiersoldat". Bester Schauspieler wurde der Italiener Silvio Orlando ("Il papà di Giovanna") und mit einer "Coppa Volpi" bedacht. Als beste Darstellerin wurde die Französin Dominique Blanc ("L'Autre") geehrt. Zu guter letzt ist Jennifer Lawrence in dem Streifen "The Burning Plain" des Mexikaners Guillermo Arriaga von der Jury als beste Nachwuchsschauspielerin ausgezeichnet worden. Eine lobende Erwähnung erhielt "Women" von Huang Wenhai, ein Dokumentarfilm über Anhänger der Demokratie in China. Der Publikumsliebling, ein japanischer Animationsfilm von Hayao Miyazaki mit dem Titel "Ponyo on the Cliff by the Sea", der die Geschichte von Hans Christian Andersens "Die kleine Meerjungfrau" im modernen Alltag erzählt, konnte die Jury nicht überzeugen und ging leer aus. Allerdings war der Regisseur erst im Jahr 2005 für sein Lebenswerk mit einem Goldenen Löwen bedacht worden.

Homepage des Festivals von Vendig: www.labiennale.org/it
Cinema Festival von Rom: www.romacinemafest.org
International Filmfestival von Toronto: http://tiff08.ca/default.aspx



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