Skip to content

58. Mannheimer Filmwoche des Autorenfilms

58. Independent Filmfest Mannheim-Heidelberg: Das Festival der Newcomer.



Ein bisschen anders als die anderen heißt das Motto des Internationalen Filmfestivals Mannheim-Heidelberg, das im Jahr 2009 zum 58. Mal vom 5. bis 15. November 2009 stattfindet. Erwartet werden meist um die 60.000 Besucher, darunter etwa 1.000 Fachbesucher. Das Festival ist kein Filmfest des Blockbusterkinos, sondern ein Treffen des Autorenkinos, aber auch des anspruchsvollen ausländischen Films. Es werden überwiegend Filme von unentdeckten Regisseuren gezeigt. Die beiden Hauptreihen sind der Internationale Wettbewerb und die Internationalen Entdeckungen. Zwischen den beiden Festivalstädten verkehrt ein Bus-Shuttle. Neben der Berlinale und den Hofer Filmtagen zählt Mannheim-Heidelberg zu Deutschlands wichtigsten Filmfestivals und rangiert weltweit unter den Top 40.

Nachhaltig geprägt wurde das Festival des Autorenfilms von Fee Vaillant, einer großen Photographin aus dem Ruhrgebiet, die bis 1991 über fast zwei Jahrzehnte künstlerische Leiterin des Festivals war. Am 14. Oktober 2007 verstarb sie im Alter von 93 Jahren. Ohne ihre Fürsorge wäre die heutige weltweite Geltung des Filmfestivals nicht vorstellbar. Das künstlerische Fundament der Mannheimer Filmwoche begründete Fee Vaillant, indem sie die jungen, kreativen und oft politisch ziemlich unbequemen Kinokünstler der Welt unterstützte. Bereits 1949 engagiert Sie sich im „Verband der deutschen Filmclubs“ und wird 1961 dessen Geschäftsführerin. Dieser erste Dachverband löste sich zwar 1971 wieder auf, als im Fernsehen und in den Programmkinos zunehmend anspruchsvollere Filme und Filmklassiker zu sehen waren, doch hallt die Idee, die sich auch im 1962 im Oberhausener Manifest widerspiegelte und wo "Papas Kino ist tot“ proklamierte wurde, bis heute fort. Mit zunehmender Politisierung der Filmwirtschaft wurde sie auch für unseren 1974 gegründeten Berliner Arbeitskreis Film (BAF) Vorbild und erlangte unter dem Zusammenschluß Deutscher Autorenfilmer, deren Dachorganisation später die Bundesvereinigung Film (BUFI) wurde, einen Höhepunkt.

Filmhistoriker sehen das Datum des Oberhausener Manifestes sogar als die Geburtsstunde des „Jungen deutschen Films“ an. Wenn die Berlinale 2010 in ihr 60. Jahr geht, feiert auch das "Forum des Jungen Deutschen Films" sein 40-jähriges Bestehen. Ein 1969 und 1970 von den "Freunden der Deutschen Kinemathek" in Reaktion auf die Krise der Berliner Filmfestspiele organisiertes Gegenfestival war so erfolgreich, dass das Festspiele-Kuratorium ihnen den Auftrag erteilte, das "Internationale Forum des Jungen Films" fortan als "gleichberechtigte Parallelveranstaltung" neben dem Wettbewerb der Berlinale auszurichten. So gesehen ist Mannheim konsequenter. Von Anfang an bleibt Mannheim dem Autorenfilm treu und verfolgt nicht das große Ziel der Berlinale, Hollywoodfilme und Hollywoodstars nach Deutschland zu locken.

Übrigens wurde erst 1994 die Stadt Heidelberg als Partner gewonnen, nachdem 1991 das Festival unter dem heute immmer noch amtierenden Festival-Leiter Dr. Michael Kötzin in eine Krise geschlittert war. Seitdem engagierte sich das Land Baden-Württemberg stärker im Filmgeschäft. Profitieren kann davon auch die Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg, die heute zu den besten und renommiertesten Filmhochschulen Deutschlands gehört. Die Ausbildungsstätten für Film und Medien genießen international einen exzellenten Ruf. Dafür sorgen ein stark team- und praxisorientiertes Lehrkonzept und über 300 Gastdozenten pro Jahr. Darüber hinaus verfügt die Filmakademie über ein eigenes Institut für Animation, Visual Effects und digitale Postproduktion.


Dieses Jahr wird Atom Egoyan beim 58. Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg 2009 als "Master of Cinema" geehrt. Am 06. November 2009 findet die Preisverleihung mit der Wiederaufführung von "NEXT OF KIN" mit anschließender Gala um 21:00 Uhr im Stadthaus in Mannheim statt. Auch Edgar Reitz, der am 8. November zu Gast beim Filmfestival sein wird, zeigt zwei restaurierte Filme seines Frühwerkes in Mannheim-Heidelberg.

Die jungen Filmemacher reflektieren dagegen dieses "Jahr der weltweiten Krise" durch Kommentare und filmische Positionen über Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben oder dorthin gedrängt wurden. Dabei schaffen es die Filmemacher immer wieder gesellschaftliche Situation in emotional fesselnden Geschichten zu verpacken und der Zuschauern somit einen Spiegel der Wirklichkeit vor Augen zu führen.

Wettbewerbsbeitrag "LA SANGRE Y LA LLUVIA" (Regie: Jorge Navas) aus Kolumbien beginnt mit einer wilden verwegenen Jagd durch die Nacht in der pulsierenden Metropole Bogota. In den Straßen herrschen Verbrechen und Gewalt. Die Nacht mit ihrem expressionistischen Licht und ihren Schattenspielen ist nicht nur ein Ort der Lebensgefahr, sondern auch voller Schlupfwinkel für die Einsamen. Solche Filme aus dem Milieu gab es in den 40er Jahren aus New York und Chicago. Nun liegt der Fokus auf den Megastädten Lateinamerikas. "LA BUENA VIDA" (Regie: Andrés Wood) in der Reihe „Internationale Entdeckungen“ verbindet Episoden aus Chiles Alltagsleben: Edmundos größter Wunsch ist es, endlich ein Auto zu besitzen. Für das Darlehen der Bank muss er das Apartment seiner Mutter beleihen.

Auch aus anderen Erdteilen kommen spannende Filme. Die politische Unterdrückung vor allem der Frauenrechte im Iran lässt sich in einem anspielungsreichen Filmessay spiegeln: Junge Leute im Iran. Sie tanzen zu Diskomusik in einer Scheune. Bis die Sittenwächter kommen. Bei der Razzia werden vor allem die jungen Frauen vor den Richter gezerrt, der sie mit Stockschlägen bestraft: So beginnt der Wettbewerbsbeitrag „MY TEHRAN FOR SALE“. Der Debut-Film wurde unter schwierigen Bedingungen komplett im Iran gedreht, wo die Regisseurin und Dichterin Granaz Moussavi bis 1997 auch gelebt hatte.

Alle Filme sind echte Uraufführungen, die noch auf keinem anderen Festival gezeigt wurden. Neuland für Zuschauer und Filmkritiker. In den beiden Hauptreihen “Internationaler Wettbewerb” und “Internationale Entdeckungen” laufen 25 Langfilme aus 21 Ländern.

Link: 58. Filmfest Mannheim-Heidelberg: www.iffmh.de


Anzeige