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Unsere ersten Filmkritiken im Juli 2019

Nach einem zu erwartenden Temperatursturz, lohnt es sich wieder ins Kino zu gehen.

Im schönen Volkspark am Weinbergsweg in der Nähe des Berliner U-Bahnhofs Rosenthaler Platz, liegt inmitten von Rosenbeeten das schlichte Café Rosengarten. Entscheidend sind aber die Veranstaltungen, die mit großem Engagement zusammen gestellt werden und viel Abwechslung bieten.

Am morgigen Dienstag, den 02. Juli 2019 gibt es nach dem Einbruch der Dunkelheit ab ca. 21:30 Uhr mitten im Kiez von Berlin-Mitte wieder Kino unter freiem Himmel. Doch Vorsicht mit nur 10° C könnte es nach einem Temperatursturz nachts im Freien ein wenig kalt werden, auch wenn es weiterhin trocken bleiben soll.

Hajo Schäfer, Festivalleiter von achtung berlin - new berlin film award präsentiert die Wiederholung des Sozialdramas "Mandy" in Anwesenheit von Regisseur Aron Craemer sowie Cast und Crew!

Mandy war zwar Publikumsliebling, aber das Casting der Low-Budget-Produktion mit der ehemaligen Volksbühnenschauspielerin Mandy Rudski wurde aus finanziellen Gründen nicht sehr ernst genommen. Ein Deutsch-Russe wird als Russe besetzt und ein Araber als Türke. Gemeinsam erleben alle die Höhen und Tiefen einer unterfinanzierten Filmproduktion, die in ihrem Plot von vernachlässigten Kindern, über Rap-Musik und Frauenboxen (mit Katharina Wackernagel in einem Cameoaufritt als wüste Faustkämpferin) bis zu russischen Hütchenspielern saftig in den üblichen Ghetto-Klischees schwelgt.

Hier der Trailer:

Einen offiziellen Kinostart hat der Film bisher nicht.

Quellen: Achtung Berlin | Kultura Extra

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Einen höheren kulturellen Anspruch als der oben genannte Film hat "Das melancholische Mädchen" von Susanne Heinrich, der ebenfalls in Berlin gedreht wurde und auf Anhieb im Januar den Hauptpreis der Filmfestspiele Max-Ophüls-Preis in Saarbrücken gewann.

"DAS MELANCHOLISCHE MÄDCHEN" Dramödie von Susanne Heinrich (Deutschland). Mit Marie Rathscheck, Nicolai Borger, Yann Grouhel u.a. seit 27. Juni 2019 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

Mit einem weißen Pelzmantel bekleidet und nichts drunter, streift das melancholische Mädchen (Maria Rathscheck) durch die Großstadt. Eigentlich will sie ein Buch schreiben aber mehr als ein erster Satz im zweiten Kapitel, fällt ihr nicht ein. Nun ist sie auf der Suche nach einem Schlafplatz. Unterwegs trifft sie die unterschiedlichsten Menschen, führt Gespräche über Feminismus, Existenzialismus, Selbstverwirklichungswahn und Mutterschaft als religiöses Erweckungserlebnis. Dabei bleibt sie kühl und unendlich gelangweilt. „Ich hoffe, ich bekomme nie ein Baby aus Langeweile“.

Sehr schön und sehr melancholisch bewegt sie sich durch 14 poppig bunt gestalteten szenischen Arrangements, wie „Sanfter Übergriff beim Kaffee trinken“ oder „Das Ende eines Liebesmärchen“ betitelt sind und meist von den Begegnungen mit den unterschiedlichsten Männern handeln.

„Am traurigsten macht es mich, wenn der Junge das Kondom sauber knotet und in den Müllbeutel legt“. Zu einem Jungen, mit dem sie in der Badewanne liegt: „Du kennst nur die Oberfläche, die ich dir hinhalte“. Angesprochen in einer Drag-Bar, was sie denn hier so allein tue, antwortet das Mädchen stoisch: „Ich warte auf das Ende des Kapitalismus“.

Eine wirkliche Handlung gibt es in Susanne Heinrichs Debütfilm, der in Saarbrücken mit dem Preis für den besten Spielfilm ausgezeichnet wurde, nicht. Sie lässt ihr melancholisches Mädchen, welches an eine kluge Comic-Figur aus der bunten Pop- Welt der 60-ziger Jahre erinnert, durch bunte Kulissen streunen und dabei mit reglosem Gesicht, tragisch-komische Statements von sich geben. Man könnte diesen Film, der ein Episodenfilm ohne Chronologie und zusammenhängende Narration auch wie ein Roadmovie betrachten. Mit einer geradezu philosophischen Abgeklärtheit, spaziert sie durch eine kaputte Gesellschaft und rebelliert auf stille und kluge Art, was der Melancholie oder auch Depression gleich kommt, gegen die merkwürdigen Mechanismen unserer Welt. Das macht Maria Rathscheck bravourös.

Einmal sagt das Mädchen: „In der Diktatur der Selbstverwirklichung, sind alle Künstler“. „Ein Ironiker nimmt nichts ernst und ein Zyniker ist ein enttäuschter Romantiker“.

Vielleicht kommt jemand auf die Idee und holt sich die Erlaubnis, ihre Zitate auf T-Shirts zu drucken.

Ulrike Schirm

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Der nachfolgende Film hatte seine Weltpremiere ebenfalls im Januar 2019 und zwar auf dem sehr empfehlenswerten SUNDANCE Independent Film Festival in den USA.

"WO IST KYRA?" Drama von Andrew Dosunmu (USA). Mit Michelle Pfeiffer, Kiefer Sutherland, Suzanne Shepherd u.a. seit 27. Juni 2019 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

Kyra, eine Frau über 50 (Michelle Pfeiffer) ist nach ihrer Scheidung zu ihrer kranken Mutter nach Brooklyn gezogen. Hingebungsvoll kümmert sie sich um die alte Frau. Offensichtlich lebt sie ein halbes Leben dort, denn die Tapeten sind vergilbt und die Einrichtungsgegenstände sind auch schon sehr alt. Geduldig wartet die alte Frau (Suzanne Sheperd), deren Gesicht von Falten zerfurcht ist auf ihr abendliches Bad. Die Wohnung ist in spärliches Licht getaucht. Richtig hell wird es in diesem Film nicht.

Nach dem Tod der Mutter, muss sich Kyra dringend eine Arbeit suchen. Auch auf den Straßen ist sie ein Schatten ihrer selbst. Alles um sie herum wirkt grau und düster. Ein bisschen Trost findet Kyra bei dem Taxifahrer Doug (Kiefer Sutherland), den sie in einer Bar kennengelernt hat. Ab und zu hilft er ihr mit etwas Geld aus. Es fällt ihr schwer, sich über Wasser zu halten, denn Arbeit in ihrem Alter zu finden, scheint schier unmöglich. Die Rente der Mutter fehlt. Es häufen sich unbezahlte Rechnungen, der Strom wird abgestellt, die Heizung bleibt kalt. Ihr droht die Zwangsräumung. Um der Räumung zu entgehen, schlägt sie einen äußerst riskanten Weg ein.

In der Düsternis sieht man eine alte Frau mit Krückstock, Sonnenbrille, grauer Perücke, eine Wollmütze tief ins Gesicht gezogen und einen wollenen Schal um Hals den Hals gewickelt. Es ist Kyra, die jeden Monat gebrechlich zur Bank tapert, um die Rente ihrer Mutter abzuheben.

Der nigerianische Regisseur Andrew Dosunmu, der bisher Filme drehte, die im Dunstkreis afrikanischer Immigranten spielen, hat mit „Wo ist Kyra?“ sich derer angenommen, die vom „American Dream“ nur träumen können und deren Leben durch Alter und Armut zu einem düsteren Überlebenskampf wird, wenn sie überhaupt noch in der Lage sind zu kämpfen und die letztendlich durch die engen Maschen des US-amerikanischen Sozialsystems fallen.

Nur die im Lichte stehen sieht man, die im Dunkeln sieht man nicht. Es zerreißt einem das Herz. Michelle Pfeiffer bei ihrer Performance als alte gebrechliche Frau, schemenhaft in der Verkleidung ihrer Mutter, durch New York humpeln zu sehen. Ihr eindringliches Spiel wird jedoch von der Dunkelheit verschluckt.

Man möchte sich nicht vorstellen, wie viele „Kyra“ es auf dieser Welt gibt. Dosunmus Sozialdrama ist ein Aufruf für mehr gelebte Humanität.

Berthold Brecht: “Denn die einen sind im Dunkeln und die anderen im Licht und man sieht die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht“.

Ulrike Schirm

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Bei der dritten Filmbesprechung von Ulrike geht es heute um einen Animationsfilm für Kinder, aber auch für die ganze Familie, sofern man sich auf diese Art von Kino-Unterhaltung einlassen möchte. Immerhin einer der wenigen Filme, die es in einer 3D-Fassung gibt, auch wenn das Ergebnis nicht an die Qualität der Pixar-Studios gelangt.

"PETS 2" Animationskomödie von Chris Renaud & Jonathan Del Val (USA). Mit den deutschen Stimmen von Jan Josef Liefers, Fahri Yardım, Dietmar Bär, Dieter Hallervorden, Frederick Lau, Mario Barth, Jella Hase, Senna Gammour, Le Floid u.a. seit 27. Juni 2019 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

Nach dem Riesenerfolg von PETS (1), der mehr als 875 Millionen Dollar weltweit einspielte, folgt nun "PETS 2 - The Secret Life Of Pets", so der Original Titel. Und auch hier geht es wieder tierisch zur Sache. Die geliebten „Haustierrabauken“ sind wieder unterwegs. Mit dabei: Max der treue Terrier-Mischling, der sein Hundeherz an Familienzuwachs Baby Liam verloren hat und der voller Sorge um den Kleinen ist, als es heißt, wir verbringen einige Tage auf dem Land. Wer weiß, was in der fremden Umgebung, auf einen zukommt. Gott sei Dank ist sein Kumpel, der zottlige Neufundländer Duke mit dabei.

Zwergspitz-Dame Gidget hat das Lieblingsspielzeug, das Max ihr während seiner Abwesenheit geliehen hat, verloren. Das Quietscheentchen ist ausgerechnet in der von fiesen Katzen bewohnten Rentnerwohnung gelandet. Nun muss sie sich in eine Katze verwandeln, um es irgendwie zurückzuholen.

Captain Snowball, der kuschlige Nager, der von sich meint, jedes Abenteuer im Alleingang bewältigen zu können, will unbedingt einen weißen Tiger retten, der sich in den Fängen eines gemeinen Zirkusdirektors befindet. Das gelingt aber nur, wenn überhaupt, mit der Hilfe des weisen alten Basset Pops.

Chloe, die fette, fette Katze, lehrt Gidget, wie eine echte Katze auszusehen und sich auch wie eine solche zu verhalten hat.

Sonst noch mit dabei, Mel der Mops, der es faustdick hinter den Ohren hat, das vergessliche Meerschweinchen Norman und der Dackel Buddy, ein Freund in allen Lebenslagen.

Landhund Rooster hilft Max, sich auf dem Land zurechtzufinden. Als Dank für seine Tapferkeit schenkt er ihm zum Abschied sein Halstuch.

Jedes dieser tierischen Wesen, hat seinen liebevoll herausgearbeiteten Charakter. Der turbulente Animationsspaß wurde mit viel Liebe zum Detail ausgestattet und die kuriosen Einfälle und Abenteuer, die die „Haustierbande“ zu bewältigen hat, macht auch PETS 2 zu einem Garant für einen spaßigen Kinobesuch. Und das nicht nur für Haustierbesitzer.

Ulrike Schirm

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