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3 Deutsche Produktionen gewinnen Studentenoscars

Felix Ahrens, Ahmad Saleh und Alex Schaad gewinnen Studenten-Oscars.



Drei deutsche Produktionen gewinnen den Studenten-Oscar.
Einen Dreifachtriumph für Deutschland wie im vergangenen gibt es auch in diesem Jahr wieder bei den 43. Student Academy Awards 2016. Gold in der Kategorie Foreign Animation erhält dabei „Ayni – My second Eye“ von Ahmad Saleh (Kunsthochschule für Medien Köln). „Am Ende der Wald“ von Felix Ahrens (Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf) und „Invention of Trust“ von Alex Schaad (HFF München) werden in der Kategorie Foreign Narrative ausgezeichnet. Ob mit Gold, Silber oder Bronze – dies wird erst bei der Preisverleihung am 22. September 2016 in Los Angeles bekanntgegeben.

Wie die Academy of Motion Picture Arts and Sciences gestern Abend, den 30.08.2016, bekannt gab, steht Felix Ahrens von der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf mit "Am Ende der Wald" auf einem der drei ersten Plätze unter den »Foreign Narratives«. Mit den Studenten-Oscars ehrt die Academy of Motion Picture Arts and Sciences seit 1972 Regie-Studierende aus den USA und dem Ausland. Hier der Trailer:



Der Film erzielt von einer Polizistin, die einen Mann erschießt.
Felix Ahrens, Jahrgang 1986, erzählt von der jungen Polizistin Elke (Henrike von Kuick), die im Affekt einen Mann erschießt, der sich einer Fahrzeugkontrolle nahe der tschechischen Grenze widersetzt. Von Schuldgefühlen geplagt, reist sie schließlich nach Tschechien, um die Familie des Toten ausfindig zu machen. Dabei tappt sie scheinbar in eine Falle und muss erkennen, dass nichts so ist, wie es scheint.

Der 30-minütige Kurzfilm entstand im letzten Jahr im Rahmen der Initiative "MDR-KurzKino" an der Filmuniversität Babelsberg "Konrad Wolf". Auch in diesem Jahr entstehen laut MDR-Fernsehfilmchefin Jana Brandt drei weitere Kurzfilme mit den Arbeitstiteln "2m²", "Brüder" und "Zuviel Lachen bringt Unglück", die redaktionell betreut und im MDR FERNSEHEN ausgestrahlt werden.

Felix Ahrens hatte ursprünglich die Idee, Schauspieler zu werden und verpulverte sein ganzes Taschengeld für privaten Schauspielunterricht. Beim Vorsprechen an diversen Schauspielschulen spürte der Norddeutsche jedoch, "dass es nicht die Arbeit als Schauspieler, sondern mit dem Schauspieler ist", die ihn faszinierte. Also schwenkte der heute 30-Jährige ins Regiefach um und kam nach mehreren Bewerbungen an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf unter, wo er Anfang nächsten Jahres seinen Master in Angriff nimmt.

Drei weitere deutsche Kurzfilme standen auf der Shortlist.
Auch der Studenten-Oscar in der Kategorie »Bester ausländischer Animationsfilm« geht in diesem Jahr nach Deutschland, denn zwei der drei Filme auf der Shortlist stammen von deutschen Filmhochschulen. Neben einem Beitrag aus China waren "Ayny - My Second Eye" von Ahmad Saleh (Kunsthochschule für Medien Köln) sowie "Eye for an Eye" von Steve Bache und Mahyar Goudarzi (Filmakademie Baden-Württemberg) nominiert. In der Kategorie »Beste ausländische Dokumentation« ging "Tarfala" des HFF-München-Studenten Johannes Östergard ins Rennen und konkurrierte mit zwei Werken aus Israel.

Alle Gewinner der Studentenoscars im Überblick

Alternative
• “All These Voices,” David Henry Gerson, American Film Institute   
• “Cloud Kumo,” Yvonne Ng, City College of New York
• “The Swan Girl,” Johnny Coffeen, Maharishi University of Management
 
Animation
• “Die Flucht,” Carter Boyce, DePaul University
• “Once upon a Line,” Alicja Jasina, USC
• “The Wishgranter,” Echo Wu, Ringling College of Art and Design
 
Documentary
• “Fairy Tales,” Rongfei Guo, New York University 
• “4.1 Miles,” Daphne Matziaraki, University of California, Berkeley
• “From Flint: Voices of a Poisoned City,” Elise Conklin, Michigan State University
 
Narrative
• “It’s Just a Gun,” Brian Robau, Chapman University
• “Nocturne in Black,” Jimmy Keyrouz, Columbia University
• “Rocket,” Brenna Malloy, Chapman University
 
Foreign Narrative 
• “Invention of Trust,” Alex Schaad, University of Television and Film Munich (Germany)
• “Tenants,” Klara Kochanska, The Polish National Film, Television and Theatre School (Poland)
• “Where the Woods End,” Felix Ahrens, Film University Babelsberg KONRAD WOLF (Germany)
 
Foreign Animation
• “Ayny,” Ahmad Saleh, Academy of Media Arts Cologne (Germany)
 
Foreign Documentary
• “The Most Beautiful Woman,” Maya Sarfaty, Tel Aviv University (Israel)

Seit 1973 werden von der Academy of Motion Picture Arts and Science nicht nur die Oscars verliehen, sondern auch der filmische Nachwuchs ausgezeichnet. Die Student Academy Awards mauserten sich schnell zu einem Preis mit Signalwirkung, der späteren Regie-Größen wie Robert Zemeckis ("Zurück in die Zukunft"), Spike Lee ("Malcom X") oder John Lasseter ("Findet Nemo") als Karrieresprungbrett diente. Seit 1981 wird bei dem zunächst auf US-Studenten beschränkten Wettbewerb auch ein eigener Preis für die beste ausländische Arbeit in Gold, Silber und Bronze vergeben. Und dabei macht der deutsche Filmnachwuchs seit Jahren eine exzellente Figur. Beginnend mit Wolfgang Becker (1988 für "Schmetterlinge") gab es bislang 20 deutschsprachige Preisträger. Neben Florian Gallenbergers "Quiero ser - Gestohlene Träume" von 2000, der später auch noch den Kurzfilm-Oscar bei den Großen gewann, ist das vergangene Jahr 2015 als bisheriger Höhepunkt in die germanischen Film-Annalen eingegangen, als alle drei Medaillen nach Deutschland gingen.

Auch bei der 43. Verleihung, in deren Auslandssektion erstmals auch die Unterkategorien Animation und Dokumentarfilm mit je einem Hauptpreis ausgezeichnet werden, sind die deutschen Farben wieder gut vertreten. Unter den insgesamt 1.749 Einreichungen aus aller Welt haben es fünf hiesige Studentenfilme auf die Shortlists geschafft und drei davon werden sogar ausgezeichnet.

Alex Schaad mit "Invention of Trust"
HFF-München-Student Alex Schaad hatte mit "Invention of Trust" ebenfalls großes Glück. Sein Kurzfilm war ebenfalls nominiert gewesen. Beide konkurrierten mit FilmstudentInnen aus Ungarn, Kroatien, Norwegen und Tschechien. Insgesamt standen auf der sieben Filme umfassenden Shortlist in der Kategorie »Bester ausländischer Film«. Die Preise für die Kurzfilme amerikanischer und internationaler Nachwuchsregisseure werden in sieben Kategorien am 22. September 2016 in Kalifornien verliehen.

Wenn man wie Alex Schaad einen fünf Jahre älteren Bruder hat, der bereits in der Schule auf eine Schauspielkarriere zusteuert, bleibt es nicht aus, dass ein kleiner Funke überspringt. Dafür verantwortlich, die Theater-AG-Auftritte von Bruder Dimitrij mit der Kamera festzuhalten, drehte Alex nebenbei Skateboard-Videos und kam in der 10. Klasse auf die Idee, Kameramann zu werden. Bei einem Praktikum beim BR lernte der heute 26-Jährige den Beruf des Regisseurs kennen und entdeckte, dass es beim Drehen speziell diese Tätigkeit ist, die "etwas Magisches hat". Nach Ende der Schulzeit war der Wechsel an die HFF München immer die erste Wahl, weil die Schule "einen tollen Rahmen bietet, sich auszuprobieren."

Sein Studenten-Oscar-Beitrag "Invention of Trust" ist Schaads zweiter Übungsfilm und war bereits beim diesjährigen Max-Ophüls-Preis erfolgreich. Im Zentrum steht der junge Gymnasiallehrer Michael Gewa (Dimitrij Schaad), dessen komplette Internet- und Handydaten vom anonymen Unternehmen "b.good" gekauft und ausgewertet werden. Als er sich weigert, sein Rating gegen eine Monatsgebühr privat zu halten, geht sein digitaler Fingerabdruck online und Michael muss erleben, wie ihm die Vertrauensbasis zu Freunden, Kollegen und Schülern unter den Füßen weggezogen wird.

Ahmad Saleh mit "Ayny - My Second Eye"
Ahmad Saleh darf man getrost als Quereinsteiger bezeichnen. Als der gelernte Elektroingenieur seine Heimat Palästina verließ, spürte er, dass sein Kopf voller Geschichten war, die erzählt werden wollten. So begann er nebenher eine Kurzgeschichtensammlung zu schreiben, die von der palästinensischen A.M. Qattan Foundation ausgezeichnet wurde und Saleh darin bestärkte, die Arbeit als Ingenieur zugunsten eines Kunststudiums aufzugeben. Nach seinem Master-Abschluss in Digitalen Medien an der Universität Bremen arbeitete er zunächst als Art Director, bis er an der Kunsthochschule für Medien Köln sein Filmstudium aufnahm.

Bei dem knapp 11-minütigen Stop-Motion-Film "Ayny - My Second Eye" handelt es sich um Salehs Abschlussarbeit, an der er über zwei Jahre lang mit einem "unglaublichen Team" an der Kunsthochschule für Medien Köln gearbeitet hat. Während ihn Diana Menestry und Jessica Neubauer beim Herstellen der Tonfiguren unterstützten, zeichneten Kati Osterman für die Ausstattung und Frank Pingel für die Animation verantwortlich. Erzählt wird die berührende Geschichte von zwei musikalischen achtjährigen Jungs, die sich in eine orientalische Kurzhalslaute verlieben und beim Versuch, das teure Musikinstrument zu erwerben, auf tragische Weise eins werden müssen.

Link: www.oscars.org/news/academy-reveals-2016-student-academy-award-winners
Quellen: Goldene Kamera | PNN - Potsdamer neueste Nachrichten | filmecho | Blickpunkt:Film

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