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Konkurrenz für Babelsberg - Neue Pariser Filmateliers

Verlängerung des Deutschen Filmförderfonds sichert Arbeitsplätze in Deutschland.



Ob sich Kulturstaatsminister Bernd Neumann tatsächlich bewußt ist, dass in Paris gerade eine ernstzunehmende Konkurrenz zu Deutschlands Filmstandorten in Berlin und München entsteht, wissen wir nicht. Doch kaum hatte Paris seine neue Filmstadt am nördlichen Rande der Metropole am 21. September 2012 feierlich eingeweiht, kündete das Bundesministerium für Kultur und Medien (BKM) am 23. September 2012 eine Verlängerung des Deutschen Filmförderfonds (DFFF) für weitere drei Jahre an.

Allerdings wurden die Förderrichtlinien ein wenig modifiziert und die geförderten Filme müssen künftig barrierefrei sein, d.h. sie müssen auch für Blinde und Hörbehinderte verständlich sein, indem sie nicht nur um Untertitel ergänzt werden, sondern auf einer speziellen Tonspur auch über einen eingesprochenen Handlungsablauf verfügen, der mit Kopfhörern verständlich wird.

Er erklärte dazu: „Der DFFF ist mittlerweile zu einem zentralen Bestandteil der Filmförderung geworden und trägt entscheidend zur Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Filmwirtschaft bei. Daher haben wir eine Verlängerung des DFFF bis 2015 beschlossen, die nun auch von der Europäischen Kommission gebilligt wurde. Die Neujustierung der DFFF-Richtlinie beinhaltet unter anderem die Verpflichtung, barrierefreie Fassungen des Films zu erstellen. Seh- und hörbehinderte Menschen haben ein Recht darauf, am Kulturgut Film teilzuhaben.

Die Bundesregierung fördert mit dem DFFF seit 2007 die Produktion von Kinofilmen. Der DFFF ist jeweils auf drei Jahre begrenzt und wurde nun zum zweiten Mal verlängert. Bis Ende August 2012 wurden Zuschüsse für 580 Filme in Höhe von insgesamt rund 329 Millionen Euro bewilligt. Allein in Deutschland sorgten diese Fördergelder für Folgeinvestitionen im Rahmen der Herstellung von Filmen in Höhe von rund zwei Milliarden Euro.

Doch nicht jeder geförderte Film erfreut. Zwiespältig war kürzlich bei den Internationalen Film Festspielen von Venedig die Resonanz auf Brian de Palmas Remake des französischen Thrillers "Liebe und Intrigen". Seine dunkle Adaption "Passion" um zwei Rivalinnen, die erbittert und mit allen Mitteln um einen Mann und Karriere kämpfen, driftet leicht in Horror ab, verwischt die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit. "Passion", in Berlin gedreht und angesiedelt, zeigt, wie man gute Schauspielerinnen in einem kläglichen Thriller-Versuch mit Fördergeldern verbraten kann. Der mit vielen (Selbst-)Zitaten versehene Plot um Mord, Zickenkrieg, Wahn und Wirklichkeit ist so plump konstruiert, dass die Zehn-Millionen-Euro-Produktion über ganz, ganz weite Strecken nur als Parodie verstanden werden kann.

Die überarbeitete Richtlinie wird bei solch einem Machwerk auch nichts mehr gerade rücken können. Sie wird aber dennoch zeitgleich mit dem neuen Förderzeitraum zum 01. Januar 2013 in Kraft treten. Die Laufzeit des DFFF wird mit einem unverändertem Jahresbudget von 60 Mio. Euro erneuit drei Jahre für den Zeitraum 2013 bis Ende 2015 betragen.
Zu den wesentlichen Änderungen gehören neben der Verpflichtung, eine barrierefreie Fassung zu erstellen:

• Die Mindestkopienzahl wird erhöht, um eine umfassendere Auswertung auf der Kinoleinwand zu gewährleisten;
• Förderanträge müssen künftig spätestens sechs Wochen vor Drehbeginn gestellt werden;
• Berechnung der Handlungskosten wird den Parallelregelungen der Filmförderungsanstalt und der Länderförderungen angepasst;
• Virtuelle Dreharbeiten werden im Eigenschaftstest für Spielfilme stärker berücksichtigt. Hierdurch wird der wachsenden Bedeutung von visuellen Effekten Rechnung getragen und die deutsche Visual-Effects-Branche gestärkt.

Die aktuelle Richtlinie im Wortlaut und weitere Informationen: www.dfff-ffa.de


Neue Pariser Filmateliers - Konkurrenz für Babelsberg
Mit Hilfe des DFFF waren in den letzten Jahren etliche Internationale Filmproduktionen nach Deutschland geholt worden. Vor allem Berlin und Babelsberg profitierten von der finanziellen Unterstützung, sodass die Abwanderung von US-Produktioen in billigere Filmstudios der östlichen Nachbarländer Polen und Tschechien oftmals unterbunden werden konnte.

Doch nun scheint Konkurrenz aus dem westlichen Nachbarland zu erwachsen. Der Schreck für Babelsberg dürfte groß gewesen sein, als Paris seine neue Filmstadt am nördlichen Rande der Metropole einweihte, die den legendären Studios in Hollywood oder Babelsberg künftig Konkurrenz machen will, denn die Franzosen hatten einst das Filmgelände bei Potsdam nach der Wende übernommen und dank des umtriebigen Volker Schlöndorf, der zu den Franzosen gute Beziehungen pflegt, wieder zu einstiger Blüte mit verholfen. Nach dreijährigen Bauarbeiten wurde die Filmstadt nördlich von Paris mit insgesamt neun Studios auf 50.000 Quadratmetern im Vorort Saint-Denis fertiggestellt.

Initiator ist der französische Starregisseur Luc Besson, der in der Anlage bereits mit den Dreharbeiten für seinen neuen Film "Malavita" mit den US-Stars Robert de Niro und Michelle Pfeiffer begonnen hat. Auch Oscar-Preisträger Roman Polanski werde seinen nächsten Film "Venus im Pelz" in Frankreich drehen und bereits im November mit den Dreharbeiten beginnen, hieß es. Die schwarze Komödie des amerikanischen Autors David Ives hatte 2011 am New Yorker Broadway eine Tony-Trophäe gewonnen.

Damit zerschlagen sich die Hoffnungen, dass der neue Film des polnisch-französischen Regisseurs möglicherweise wieder in den Babelsberger Studios bei Potsdam gedreht wird. Sein letzter Film "Ghostwriter", der 2010 seine Welturaufführung auf der Berlinale feierte, war noch zum großen Teil in den Babelsberger Studios entstanden. Weitere Drehorte waren auf dem Flugplatz Strausberg bei Berlin, auf der Ostsee-Insel Usedom und auf den Nordsee-Inseln Rømø und Sylt gedreht; die Inseln dienten als Ersatz für die US-Insel Martha’s Vineyard. Als Verlagsgebäude von Rhinehart Inc. diente die Charlottenstraße 47 in Berlin-Mitte, zwischen Gendarmenmarkt und Unter den Linden. Die Aufnahmen für die Zufahrt und Umgebung von Emmetts Haus entstanden auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf.



Medienboard vergibt 4,3 Mio. Euro
So ganz hoffnungslos ist die Lage für die Filmstadt Babelsberg aber noch lange nicht. Zwar wurde im letzten halben Jahr kein großer Streifen mehr in den Studios gedreht, doch im Oktober wird der 63-jährige Gérard Depardieu mit den Schauspielern Léa Seydoux – sie bezauberte im Berlinale-Eröffnungsfilm „Leb wohl, meine Königin!“ – und Vincent Cassel für eine Neuverfilmung von „Die Schöne und das Biest“ vor der Kamera stehen. Regie führt Christophe Gans, produziert wird der Film vom französischen Medienkonzern-Joint-Venture Pathé-Gaumont.

Außerdem hat das Medienboard Berlin-Brandenburg soeben in seiner vierten Förderrunde des Jahres insgesamt 29 Filmprojekte mit 4,3 Mio. Euro unterstützt womit der Filmregion wieder neuer Schwung eingehaucht werden soll. Die höchste Einzelsumme (700 000 Euro) ging an die Mitte des 19. Jahrhunderts in Texas spielende TV-Produktion „Der Freiheit entgegen“. Sie wird von Wiedemann & Berg Television Berlin & Endemol Köln produziert und erzählt die Geschichte einer deutschen Auswanderin, die bei ihrer Flucht beim Sohn des Comanchenhäuptlings unterkommt.

Jeweils 400.000 Euro Produktionsförderung gehen an David Wnendts neues Projekt "Memelland" (Peter Rommel Productions), Sylke Enders' "Schönefeld Boulevard" (credofilm) und Leander Haußmanns "Hai-Alarm am Müggelsee" (X Filme Creative Pool).

Quellen: 3Sat text | filmecho | Blickpunkt:Film | Wikipedia


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