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Neue Profikameras für Broadcast auf der NAB

NAB - National Association Broadcast Show 2011



Vor ein paar Wochen fand vom 9. bis 14. April 2011 wieder die NAB Show im Las Vegas Convention Center in Nevada / USA statt. Es ist die größte und teuerste Präsentation einer Messe für Broadcaster, die man sich vorstellen kann und zugleich die wichtigste Konferenz auf der über neue Techniken die auf uns zukommen diskutiert wird, aber deren Zyklus zugleich immer schneller wieder endet. Bereits 10 Tage zuvor hatte im naheliegenden Caesars Palace mit der CinemaCon die weltgrößte Messe für digitale Filmdistribution stattgefunden, über die wir am 19. April 2011 berichteten. Vom 2. bis 5. Juni 2011 folgt dann in Los Angeles die Cine Gear Expo auf der P+S Technik erstmals das immer noch streng gehütete Geheimnis um die neue PS-Cam X35 lüften will. Noch gibt es keine Fakten, doch alles andere, als ein Single-Sensor-Camcorder mit großer 35mm Vollformat Bilddiagonale würde nicht dem Trend entsprechen und wäre eine ziemliche Enttäuschung.

Die Latte im Videobereich wird höher gehängt

Das digitale Kino hat eine enorme Umwälzung auch im Fernseh- und Videobereich bewirkt. In wenigen Jahren wird es keinen Hollywood Film mehr geben, der konventionell auf Film produziert und vermarktet wird. Noch mehr Kinos alter Tradition dürften geschlossen werden. Aber fast genauso viele neue 3D Cinemas werden dafür entstehen. Voraussetzung ist eine Einigung auf den einheitlichen DCI Standard auch in Deutschland und Europa, den Hollywood aus Kopierschutzgründen vorschreibt. Dieser verteuert zwar die einzelnen Komponenten, denn preiswerte Beamer gibt es bereits, die in kleinen Kinos fast ebenso gute Bilder, wie die teuren Projektoren liefern könnten. Doch das Abspielformat auf speziellen, verschlüsselten Systemen lässt den Anschluss preiswerter Geräte nicht zu.

Nächstes Ziel - höhere Auflösung

Videos mit digitalen Spiegelreflexfotoapparaten und Kompaktkameras erstellen zu können war 2010 ein großes Thema. Längst haben auch preisgünstige Modelle die volle HD-Auflösung erreicht und bieten unterschiedliche Frame-Raten zur Auswahl. Die nächste Baustelle wird höhere Auflösung sein, denn mit Full-HD sind die Möglichkeiten nicht zwangsläufig ausgeschöpft. Eine Profi-DSLR mit 2K-Auflösung wäre durchaus im Bereich des Möglichen. 2K entspricht einer Auflösung von 2.048 x 1.080 Bildpunkten und ist im digitalen Kino bereits zum Standard geworden. Bisher waren bei den DSLRs die HD-Auflösungen von 1080p (1.920 x 1.080, 30 Bilder pro Sekunde) oder 720p (1.280 x 720 Pixel) mit 60 Bildern üblich. Doch die geringere HD-Ready Auflösung mit 720p und WVGA (848 x 480 Pixel) mit 30 Bildern pro Sekunde ist bereits überholt und nur in Auslaufmodellen als Standard zu finden. Sogar die ARD, die bei ihrem HD-TV auf 720P setzt, will dieses Format zugunsten des Full-HD Formats wieder aufgeben. Das ist gut so, denn es spart aufwendige Upscalierung. Gleichzeitig wird zunehmend in den Anstalten auf file-basierte Broadcast-Technologie umgerüstet, um auf der Distributionsseite flexibler agieren zu können.

Verbesserte Sensoren werden zu Restlichtverstärkern

Die Sensoren neuer Digitalkameras machen mit immer weniger Licht akzeptable Bilder. Zwar werben die Hersteller schon lange mit ISO-Werten, die zu Analogzeiten nur sündhaft teure Spezialfilme erreichten - doch das Ergebnis waren bis vor kurzem bunte Pixel und verrauschte Bilder, schrieb Golem im Dezember. Inzwischen machen auch die kleineren Modelle - von den Hybridkameras mit ihren Wechselobjektiven bis hin zu Kompaktkameras im Jackentaschenformat - dank größerer Sensoren Bilder, die vor ein oder zwei Jahren selbst bei mittelpreisigen DSLRs undenkbar gewesen wären.

35mm Single-Sensor-Camcorder zum "Indie"-Preis.

Nun folgen größere, hochauflösende Single-Frame-Sensoren auch im unteren Preissektor des Profi-Videobereichs. Die Panasonic AG-AF101 für gut 5000.- Euro und die Sony PMW-F3 mit 35-mm Chip für stolze 15.000 Euro sind dafür gute Beispiele. Einhellig werden in beiden Fällen der typische Filmlook mit geringer Schärfentiefe bzw. großer Tiefenunschärfe gelobt sowie die enorme Lichtausbeute, die bisher undenkbar war. Siehe Test- und YouTube Videobericht des Panasonic AG-AF101 auf Film-TV-Video (FTV).



Sony Professional ist mit dem neuen Camcorder PMW-F3 ein wahrer Durchbruch für die 35mm-Produktion gelungen. Die S-35mm-Kamera ist der jüngste Zuwachs in der Produktfamilie der legendären F35 und der kürzlich angekündigten SRW-9000PL, der unter anderem durch sein überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis für Aufsehen sorgen wird. Die PMW-F3 kombiniert hochwertige Verarbeitung und High-End-Leistung für digitale Filmproduktion zu einem „Indie“-Preis. Sony Professional hat den neuen Camcorder für Fernsehen, Werbefilme, Musikpromos und Low-Budget-Spielfilme konzipiert und verschafft aufgrund des immer noch erschwinglichen Preises einem größeren Publikum Zugang zur 35mm-Welt. Durch das optionale PL-Objektiv-Kit mit 35/50/85mm-T2.0-Objektiv mit festgelegter Brennweite ist die PMW-F3 zudem besonders als Zweitkamera für die SRW-9000PL geeignet.
"Bei der Entwicklung von neuen Technologien für die digitale Filmproduktion kann Sony auf die Erfahrung aus vielen erfolgreichen Projekten in der Vergangenheit zurückgreifen“, sagt Sebastian Leske, Product Specialist Entry Level Production DACH bei Sony Professional. „Mit unseren Kameras wurde schon so ziemlich alles gedreht – vom Dokumentarfilm bis hin zum Milliarden schweren Hollywood-Blockbuster. In der PMW-F3 steckt all unsere Expertise, sie bietet präzise Anpassung der Tiefenschärfe und kann mit unzähligen Filmobjektiven, die derzeit auf dem Markt zum Einsatz kommen, verwendet werden.”

Der neue Camcorder basiert auf dem XDCAM EX-Workflow von Sony (Codec: MPEG-2 Long GOP 4:2:0 8bit, 35 Mb/s) und verwendet das Sony SxS-ExpressCard-basierte Speichermedienformat. Der Super 35mm-CMOS-Sensor liefert einen breiten Dynamikbereich sowie eine geringe Tiefenschärfe mit hoher Empfindlichkeit und niedrigem Rauschen (ISO 800, F11; Signalrauschabstand von 63 dB im 1920 x 1080/59.94i-Modus). Die PMW-F3 bietet zahlreiche Optionen für die Bilderfassung. Aufnahmen können nahtlos in die der Sony-Kameras F35 oder SRW-9000PL integriert werden. Dies erfolgt durch die Verwendung eines HD-SDI Dual-Link-Ausgangs für externe Aufzeichnungen (standardmäßig 4:2:2 1080 50/59.94P und optional RGB 1080 23.98/25/29.97PsF).

Convergence - Short Film shot on Sony PMW-F3 from Martin Scanlan on Vimeo. Ausführliche Berichte mit Beispielfotos und Testszenen gibt es dazu bei Videoaktiv.de und bei FTV


Proficamcorder mit NEX-Objektiven von Sony

Die professionelle Videokamera NEX-FS100 verwendet das E-Bajonett der NEX-Kameras und kann deshalb mit den Objektiven bestückt werden, die der japanische Elektronikkonzern eigentlich für seine spiegellosen, digitalen Foto-Systemkameras entwickelte. Der professionelle Camcorder arbeitet allerdings mit einem anderen Sensor als diese Modelle, die sich klar an Privatkunden richten.

Der hintergrundbelichtete CMOS-Sensor der FS100 im Super35-Format mit einer Kantenlänge von 23,6 x 13,3 mm ist besonders lichtempfindlich und nimmt Videos in Full-HD auf. Die Aufzeichnung erfolgt je nach Einstellung mit 50, 25, 12, 6, 3, 2 oder einem Bild pro Sekunde. Die maximale Bitrate liegt bei 28 MBit/s. Aufgezeichnet wird im Format AVCHD. Die Aufnahmekontrolle und Kamerasteuerung erfolgt über ein 3,5 Zoll (8,89 cm) großes Display mit einer Auflösung von 921.000 Bildpunkten. Darauf kann eine Suchermuschel mit Vergrößerungslinse befestigt werden, um blendfreies Arbeiten zu ermöglichen.

Der Camcorder zeichnet die Videos auf SDXC-Speicherkarten und Memorysticks des Typs PRO-HG Duo HX samt Stereoton (PCM oder Dolby Digital) auf. Neben Toneingängen (XLR) stehen auch ein USB- und ein HDMI-Ausgang sowie analoge Video- und Tonausgänge zur Verfügung. Über den HDMI-Ausgang überträgt die Kamera während der Aufnahme das unkomprimierte Bildmaterial in 4:2:2 samt SMPTE-Timecode. Es kann zum Beispiel auf einer externen Speicherlösung aufgezeichnet werden. Ein HD-SDI-Ausgang fehlt.

Die Sony NEX-FS100 soll mit Objektiv rund 5.850 US-Dollar kosten. Europreise nannte Sony noch nicht. Sony legt der NEX-FS100EK ein 11fach-Zoom mit einer Brennweite von 18 bis 200 mm (F3,5 beziehungsweise 6,3) und integriertem Bildstabilisator bei. Der Camcorder ist staub- und regenfest. Das Gesamtgewicht mit Objektiv, Akku, Augenmuschel, externem Mikrofon und dem Griff liegt bei 2,76 kg. Das Kameragehäuse misst 126,5 x 101,5 x 193,5 mm. Die Auslieferung soll erst im Juli 2011 erfolgen. Ein sehr ähnlich aussehendes Modell soll es zudem mit 3D-Aufnahme geben – Der Unterschied: sie beherrscht die 3D-Aufnahme mit zwei Full-HD-Datenströmen. In 1080i60, 1080p50 oder 1080p24. Die Kamera soll eine 3D-LCD Display haben mit dem die 3D-Wirkung ohne Brille sichtbar sein soll.

High-End-Kinokameras von Sony und RED

Das non-plus-ultra war die Sony F65 eine High-End-Kinokamera mit 4K-Auflösung, deren Name in Anlehnung an die hochauflösenden 65mm Cinemascope-Filme erinnern soll. Sie arbeitet mit einem 8K-Sensor der ebenfalls das S35-Format haben soll und zurzeit 20 Megapixel bietet. Die Kamera soll in puncto Auflösung den 35-mm-Film überholen, ermöglicht variable Bildfrequenzen von 1 – 120 Bilder und beherrscht die 16bit-RAW-Ausgabe. Mehr dazu auf FTV. Die Firma RED konterte mit der Epic, die bereits 5K Auflösung bietet und kündigte noch in diesem Jahr die 3K-Kamera Scarlet mit fest eingebautem 8fach-Zoom-Objektiv an, berichtet ebenfalls FTV.

Vorbereitung für Olympia 2012 bei Panasonic

Die Olympischen Sommerspiele 2012 (offiziell Spiele der XXX. Olympiade genannt) sollen vom 27. Juli bis 12. August 2012 in London stattfinden. London ist damit die erste Stadt, die zum dritten Mal Gastgeber sein wird; bereits 1908 und 1948 waren hier die Olympischen Sommerspiele ausgetragen worden.

Große Sportereignisse sind von jeher ein beliebtes Feld für Kamerahersteller, ihre Produkte in ein gutes Licht zu rücken und schon jetzt ihren Namen mit den Veranstaltungen in Verbindung zu bringen. So wird das offizielle Aufzeichnungsformat und Ausgangsbasis für das internationale Videomaterial DVCPRO HD von Panasonic sein. DVCPRO HD arbeitet mit einer Datenrate von 100 Megabit pro Sekunde und ist ein framebasiertes (intraframe) Format, dass ursprünglich aus dem bandbasierten DV-Format stammt. Mittlerweile wird dafür das flashbasierte P2-System verwendet. Dazu werden unter anderem Kameras wie die AG-HPX300 und portable Rekorder wie der AG-HPD24 eingesetzt. Laut Panasonic ist man allerdings auch daran interessiert, dass der für die Gesamtabwicklung zuständige Broadcaster Olympic Broadcasting Services London (OBSL) auch das auf Basis von H.264 arbeitende Format AVC-Intra 100 testen wird, denn die neue Kamera AG-HPX3100 kann beide Formate aufzeichnen.

Neben neuen Camcordern, Monitoren und Zubehör stellte Panasonic auf der NAB auch zwei neue Profi-Programme zum sicheren Archivieren und einfachen Abfragen von P2-Content vor. Erstere ist die Video-Ingest-Software AJ-SF110, zweitere die Linear Tape-Open (LTO) Archivierungssoftware AJ-SF100, welche alle P2-Kartengrößen, Formate und Frame-Raten unterstützt. Die Software AJ-SF100 sichert P2-Dateien auf LTO, Blu-ray Disk (BD) oder anderen Speichermedien und bietet zudem eine Proxy-Erzeugung sowie das Bearbeiten von Meta-Daten und die Anwendung von Datenbanksoftware-Funktionen wie etwa einem SQL Server. Mit Hilfe der Software lassen sich Speichermedien außerdem schnell durchsuchen.

Die Software AJ-SF110 kann Videos über Firewire (IEEE1394) oder SDI einbinden und wandelt während des Einspielvorgangs das mit der angeschlossenen MAZ aufgenommene Material in P2-Dateien um. Panasonic nennt hier unter anderem die Wandlung in AVC-Intra 100/50, DVCPRO HD, DVCPRO 50, DVCPRO und DV. Wenn ein Videorecorder via SDI angeschlossen wird, kann die Software diesen über RS-422 steuern. Außerdem lassen sich Inhalte vom Videoband in P2-Files übertragen und sichern.

Die Archivierungssoftware AJ-SF100 LTO wird vermutlich im Mai 2011 für rund 4000 Euro (zzgl. MwSt.) erhältlich sein. Die Video-Ingest-Software AJ-SF110 gibt es ebenfalls im Mai, der Preis liegt bei 2000 Euro (zzgl. MwSt).

Semiprofessioneller 3D-Camcorder von JVC

Auf der Broadcast-Messe NAB 2011 in Las Vegas hat JVC einen 3D-Camcorder vorgestellt, der Full-HD-Videos auf SDXC-Karten aufzeichnet. Eigentlich sind es zwei Kameras in einem Gehäuse. Denn für die stereoskopische Aufzeichnung werden zwei Objektive und zwei Bildsensoren benötigt.

Der JVC GY-HMZ1U ProHD ist mit zwei 5fach-Zoomobjektiven ausgestattet. Mit F1,2 sind sie sehr lichtstark und können auch bei schlechten Lichtverhältnissen eingesetzt werden. Die Aufnahme erfolgt im Format AVCHD mit 34 MBit/s in 3D oder mit 24 MBit/s in 2D. Filmemacher können mit dem JVC-Camcorder Videomaterial in 24p oder 60i aufnehmen und mit Timecode versehen. Wer will, kann mit den 3,32-Megapixel-CMOS-Sensoren auch Standbilder in 2D und 3D fotografieren.

Die Kamera speichert das Foto- und Videomaterial auf SDHC- und SDXC-Speicherkarten. Außerdem ist eine 80 GByte große Festplatte in den Camcorder eingebaut worden. Die JVC GY-HMZ1U verfügt über ein 3,5 Zoll (8,89 cm) großes, berührungsempfindliches Display, das 3D- und 2D-Aufnahmen anzeigen kann. Die Kamera ist ferner mit zwei XLR-Mikrofoneingängen und einer Halterung für ein Mikrofon ausgerüstet. Es gehört jedoch nicht zum Lieferumfang dazu.

JVC will die GY-HMZ1U ab Herbst für unter 2.500 US-Dollar auf den Markt bringen. Ein Europreis liegt noch nicht vor.

Link: www.nabshow.com

Quellen: Videoaktiv | Golem | slashcam | FTV


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