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Das Ende analoger Filmprojektion naht!

BAF im Gespräch mit Kino-Produktmanager von Sony.



Die CinemaCon, die weltgrößte Messe für die Vorstellung neuer Filmproduktionen, die vom 28. – 31. März 2011 im Caesars Palace in Las Vegas stattfand, haben wir zwar nicht besuchen können, doch der Kino-Produktmanager bei der Sony Professional Creatology Tour in Berlin gab uns bereitwillig Auskunft über neue Trends und das prophezeite das baldige Ende analoger Filmprojektion.

Der digitalen Filmdistribution gehört auf der Kinomesse eindeutig die Zukunft. Sogar das IMAX-Filmverfahren, das auf dem größten Filmformat der Welt beruht, wird durch digitale Projektionen abgelöst werden. Sony wird eines der letzen in Europa verbliebenen IMAX Kinos im Sony Center Berlin dazu demnächst umbauen und noch komfortabler ausstatten.

Doch das Hauptziel der Umrüstung sind die normalen Kinocenter, sofern sie noch nicht DCI konform umgerüstet wurden. John Fithian, Präsident der National Association of Theatre Owners (NATO), prophezeit auf der CinemaCon zumindest in den USA das Ende der analogen Filmprojektion bis Ende 2013.
"Wer sich nicht schnell entscheidet, noch auf den digitalen Zug aufzuspringen, der trifft die Entscheidung, sich um seine Existenz zu bringen", sagte er.
Nicht zuletzt sei die schnelle Konversion wichtig, um noch in den Genuss der von den Studios angebotenen "virtual print fee" zu kommen - ein Angebot, das Ende 2012 ausläuft. Es ermöglicht den kleineren Kinos die Umrüstung zu Sonderkonditionen, durch Darlehen der Studios und Verleiher.

Anderseits könnten die Preise der zurzeit noch immens teuren Technik in den nächsten Jahren eventuell drastisch fallen, sodass ein Abwarten auch wieder lohnen würde. Allerdings versuchen die Studios die Preise für die Umrüstung künstlich hochzuhalten, um in jedem Fall weiter Einfluss auf die verbaute Technik nehmen zu können, die unbedingt die teuren Kopierschutzbedingungen gegen Filmpiraterie einhalten muss. Der einheitliche DCI Standard verteuert zwar die einzelnen Komponenten, denn preiswerte aber gute Beamer gibt es bereits, wie uns der Sony Manager demonstrierte. Mit Ihnen lassen sich in kleinen Kinos fast ebenso gute Bilder auf die Leinwand werfen, wie mit teuren Projektoren nach dem DCI Standard. Doch das Abspielformat auf speziellen, verschlüsselten Systemen lässt den Anschluss preiswerter Geräte nicht zu.

Für den Leien sei erklärt, dass dieser zu Hause auch keine Möglichkeit mehr hat, einen Blu-ray Player analog über die alte bekannte Scartvideoverbindung mit einem Fernsehgerät zu verbinden. Die neuen hochauflösenden Abspielgeräte benötigen explizit eine spezielle HDMI-Verbindung zu einem Flachbild-TV mit entsprechendem Eingang, sonst bleibt der Bildschirm schwarz. Ähnlich verhält es sich im Kino, weshalb eine teure Umrüstung auf digitale Komponenten früher oder später erfolgen muss.

Nur unabhängige Filmemacher könnten eventuell ihre eigenen DVDs zu privaten Vorführungen oder Filmfesten mitbringen und dann gegebenenfalls zu Präsentationszwecken auf die DCI Norm verzichten. Als Filmverband, der die Interessen der Filmemacher vertreten soll, raten wir jedoch davon in den meisten Fällen ab, da auch Low Budget Produktionen durch Kinovorführungen Geld einspielen wollen und nicht am Ende durch fehlerhafte Abrechnungen an der Kinokasse um ihr Geld betrogen werden wollen. Nur standardisierte Projektionen auf Basis einheitlicher Abspielformate und genormte Abrechnungsformate können wirklich allen im Zeitalter der Digitalisierung gerecht werden. Wie wollte man sonst den bereits beschlossenen "Kinogroschen", der an der Kasse der Filmtheater abgeführt werden muss, der Filmförderungsanstalt (FFA) für eine einvernehmliche Filmförderung zuführen? Hierzulande hoffen viele auf eine längere Phase des Übergangs vom analogen zum digitalen Film. Doch die Studios und Verleiher werden nicht mehr lange bereit sein, in einem Hybridmarkt Geld zu investieren und weiter kostspielige analoge Kopien zur Verfügung zu stellen.

CinemaCon - Das Ende analoger Filmprojektion im Jahr 2013?

Dass um das digitale Kino kein Weg herumführt, untermauerte John Fithian auf der CinemaCon mit Zahlen: Aktuell seien von 39.000 Leinwänden in den USA 16.000 auf digital umgerüstet. 9000 seien in der Lage, 3D-Filme zu spielen. "Mehrere tausend werden noch in diesem Jahr folgen", sagte Fithian, der von einer "regelrechten Explosion der digitalen Revolution" sprach. 3D sei in den USA im vergangenen Jahr für 2,2 Mrd. Dollar des gesamt 10,56 Mrd. Dollar umfassenden Kinoeinspiels verantwortlich gewesen. Weltweit gebe es aktuell 36.000 digitale Abspielstätten, 22.000 davon könnten 3D-Produkt präsentieren. Gegenüber Pressevertretern betonte Fithian im Anschluss noch einmal, dass es keine Alternative zu 3D gebe, wenn man dem Kunden das bestmögliche Kinoerlebnis bieten und wettbewerbsfähig bleiben wolle. Er räumte aber auch ein:
"Ein schlechter Film wird durch 3D nicht gut. Einen guten Film macht 3D allerdings großartig."

Nicht müde zu betonen wurde Fithian, dass das Kinoerlebnis durch nichts zu ersetzen sei - und man hinsichtlich dieser Überzeugung volle Rückendeckung von den Studios erhalte. Als absurd bezeichnete er Presseberichte, das Kino habe ums Überleben zu kämpfen. Und er konnte die Zahlen vorweisen, die Kritiker zu widerlegen: 2010 sei das zweite Jahr in Folge gewesen, in dem mehr als zehn Mrd. Dollar an den US-Kinokassen eingespielt wurde. Weltweit sei sogar das beste Ergebnis aller Zeiten erzielt worden. In einem Zehnjahresvergleich belegte er zudem, dass der Ticketverkauf stets gewachsen sei. Wurden von 1991 bis 2000 jährlich im Schnitt noch 1,28 Mrd. Tickets verkauft, seien es von 2001 bis 2010 bereits 1,43 Mrd. Tickets gewesen.

Tatsächlich hat die Finanzkrise im letzten Jahr sowohl in den USA, wie auch in Deutschland einen deutlichen Knick in der Bilanzkurve hinterlassen. Über einen längeren Zeitraum von zehn Jahren gesehen, mögen die oben beschriebenen Zuwächse aber real erscheinen. Ob auf Dauer aber die hohen Preise für 3D Projektionen, die vor allem zu dem Umsatzplus mitgetragen haben, zu halten sind, darf bezweifelt werden. Wenn der 3D-Effekt zur Gewohnheit geworden ist, bleiben die Zuschauer wahrscheinlich weg und werden eventuell 3D-TV bereits zu Hause haben. Doch die Filmindustrie schläft nicht. Die Tendenz geht zu Premiumkinos mit nobel eingerichteten Kino-Lounges und individueller Bedienung von Getränken und Speisen am Sitzplatz, um neue zahlkräftige Besucherscharen ins Kino zu locken. Hinzu kommen jede Menge neue 3D-Filme von Disney, Dreamworks und Spielberg, die zum Herbst die Kinokassen klingeln lassen sollen.

James Cameron fordert verbesserte Projektion für 3D

Vor sechs Jahren standen James Cameron und George Lucas schon einmal gemeinsam auf der Bühne und machten sich für das digitale 3D-Kino stark, für das es damals kaum mehr als als 100 Leinwände gab, die 3D abspielen konnten. Nun erwartet man bis Ende 2011 knapp 40.000 3D-Leinwände und die CinemaCon stand mehr oder minder komplett im Zeichen der beinahe vollzogenen digitalen Revolution. Weshalb es Sinn machte, Cameron und Lucas noch einmal einzuladen, um sie über den Stand der Dinge und die Zukunft des digitalen Kinos referieren zu lassen.

Zunächst waren sich alle einig, dass das Kino weiterhin der ideale Ort ist, einen Film in vollen Zügen genießen zu können. Lucas sprach den anwesenden Kinobetreibern aus der Seele, als er betonte, er sei überzeugt, dass das Kino immer und ewig Bestand haben werde, weil nur im Lichtspielhaus das gemeinsame Erleben eines Films möglich sei. Mit der Umstellung auf digital würden die Kinos sich auf Sicht wettbewerbsfähig machen. Lucas sagte:
"Die Umstellung auf digital lässt sich mit der Einführung des Tonfilms vergleichen. 3D würde ich dagegen eher mit der Einführung des Farbfilms vergleichen: Es macht das Erlebnis kompletter, ist aber nicht so grundlegend in seiner Bedeutung wie die Einführung von Ton oder die digitale Konversion."

James Cameron stimmte seinem Kollegen zu, betonte aber auch, dass man erst an der Oberfläche kratze. Um das 3D-Erlebnis zu verbessern, plädierte er für eine Erhöhung der Bilderfrequenz von den üblichen 24 auf 48 oder gar 64 Bildern pro Sekunde: Er versprach, dass die Bildqualität durch diesen Schritt deutlich verbessert werden würde. Vor allem müssten die Kinos Sorge tragen, bei der Helligkeit der Projektorlampen nicht zu sparen, wenn man optimale Ergebnisse erzielen wollte.

George Lucas bestätigte abschließend, dass er einen potenziellen siebten "Star Wars" in 3D realisieren werde. Schmunzeln fügte er hinzu, dass er, bis er soweit sei, den Film vermutlich aber auch schon als Hologramm realisieren könne. Zurzeit sei er dabei seinen Blockbuster "Krieg der Sterne" in 3D zu konvertieren, was viel Zeit koste, um zufriedenstellende Ergebnisse zu erhalten. Es gibt nur wenige Filme, für die dieser Aufwand lohnt.

Link: www.cinemacon.com

Quellen: Blickpunkt:Film | Sony


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