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Die Gewinner des ITFS 2021, dem Internationalen Trickfilmfestival Stuttgart

"WOLFWALKERS" – Der AniMovie-Preis für den besten Animationslangfilm des Festivals, stand uns digital leider nicht zur Verfügung.



Das 28. Internationale Trickfilm-Festival Stuttgart ist am Abend des 9. Mai 2021 mit der großen Preisverleihungszeremonie nach sechs spannenden Tagen voller Highlights aus der Welt der Animation zu Ende gegangen. Und es ist auch noch nicht vorbei: fast die gesamten Inhalte der Mediathek (inklusive Aufzeichnungen von Vorträgen und Präsentationen) stehen den ONLINE PRO-Akkreditierten noch bis 16. Mai 2021 zur Verfügung.

Ein ONLINE+-Ticket können sich Interessierte ab dem heutigen Montag, 10. Mai 2021, für günstige 9,99 € holen und noch fast eine Woche Filmprogramm genießen!


Die meisten Filme, auch die des Internationalen Kurzfilmprogramms - sind für Akkreditierte im Online-Stream abrufbar. Bei AniMovie, dem Langfilmprogramm gibt es aber scheinbar Einschränkungen, denn offensichtlich wird dem Publikum nur eine Auswahl gezeigt. Es ist nicht ersichtlich, welche Filme neben jenen, die nur außer Konkurrenz liefen, zusätzlich auch für den Wettbewerb zugelassen waren.

Gewonnen hat nämlich den Preis für den besten Animationslangfilm das Fantasy Animationsabenteuer:
"WOLFWALKERS" (Irland, Luxemburg, USA 2020, 103 Min.) unter der Regie von Tomm Moore & Ross Stewart, das gar nicht für die ONLINE PRO-Akkreditierten im AniMovie-Programm auftaucht.

Hier der Trailer:



Der Film, der seit Dezember exklusiv nur bei Apple TV+ im Stream abrufbar ist, war auch für die Oscars nominiert worden und dürfte deshalb besonders viele interessieren.

Jurybegründung:

„‚WolfWalkers‘ ist der dritte in einer Reihe von Animationsfilmen von Tomm Moore, in denen irisch-keltische Motive aus Kunst und Mythos in stilsichere Animationsfilme übersetzt werden. Für uns stellt dieser Film, bei dem er gemeinsam mit Ross Stewart Regie geführt hat, einen neuen Höhepunkt dieser Reihe dar, weil er dem flachen, ornamentalen Stil nun Tiefe hinzufügt, ohne dadurch konventionell zu wirken. Fast jede Einstellung könnte für sich ein Gemälde sein. Die kühleren Farben von Stadt und Innenräumen kontrastieren mit den berauschenden Farben herbstlicher Natur. Und sogar die besondere Wahrnehmung der Welt von Wölfen, die Gerüche viel stärker wahrnehmen als Menschen, wird ebenso überraschend wie überzeugend visualisiert und das Gefühl auf vier Beinen zu laufen durch die dynamischen Kamerafahrten. Die Musik und das Lied über die Wölfe sind die perfekte Untermalung.

Mit wenigen Strichen und hervorragenden Sprechern werden vier starke Charaktere in einem Drama um Leben und Tod gezeichnet: das fremde englische Mädchen, das der vorgezeichneten Rolle als dienende Frau entfliehen will, das lustige, wilde Naturmädchen, das doch Hilfe und Freundschaft so sehr braucht, der Vater, zerrissen zwischen Pflicht gegenüber dem Lord Protector Cromwell und der Sorge um die ungehorsame Tochter und Cromwell, der das tut, was er für seine Aufgabe hält: Ordnung und wirtschaftlichen Fortschritt zu schaffen in Irland, was auch bedeutet, die Natur zu zähmen und zu unterwerfen und sollte das nicht möglich sein, sie zu zerstören.

Das alles wird in diesem Film in einem sich steigernden Tempo bis hin zu einem furiosen Showdown erzählt, der die Zuschauer, Kinder wie Erwachsene, atemlos mitnimmt und emotional berührt. Im Gewand eines halb historischen Fantasyfilms wird uns eine hochaktuelle Botschaft vermittelt, nämlich dass wir unser Verhältnis zur Natur überdenken müssen. Dass wir uns trauen müssen, Wildnis zuzulassen – und auch Wildheit in unseren Herzen. Mit den Wölfen haben die Filmemacher für diese Botschaft das perfekte Symbol gewählt.“


Elisabeths Filmkritik:

"Wolfwalkers", einer der Titel, die im vergangenen Monat im Rennen für den Animationsfilm-Oscar war, ist der neue Animationsfilm von Tomm Moore. Sein "Brendan und das Geheimnis von Kells" war 2009 eine Entdeckung. Ich hatte den Film damals im Generation-Programm der Berlinale gesehen und war von dem Animationsstil beeindruckt. Die Hintergründe sind flächig und die Zeichnungen darauf eine wirbelnde Handschrift, völlig los gelöst. Der Stil schöpft aus dem Fundus der irischen Folklore, die Bilder leben von Spiralen und Knotenmustern und verschachtelten Dreiecken. Bei "Wolfwalkers" ist die Natur sattgrün und steht damit im klaren Kontrast zu der rigiden Welt der Stadt.

Die Handlung spielt Mitte des 17. Jahrhunderts, aber auch wenn die Bezüge zur irischen Geschichte, gemeint sind die irischen Konföderationskriege und die Eroberung des Landes durch Oliver Cromwell, eine Rolle spielen, ist die Essenz der Handlung universell. Figuren wie Cromwell sind es ebenso. Erzählt wird die Geschichte eines jungen Mädchens, Robyn, die mit ihrem Vater von England nach Kilkenny gezogen ist. Ihr Vater soll die Gegend von den Wölfen befreien. Denn das Land wird immer stärker gerodet und der Mensch kommt den Waldbewohnern und hier den Wölfen viel zu nahe. Denn es ist eine vorgeschobene Begründung und Robyn wird bald begreifen, dass es Unrecht ist, in das Reich der Tiere einzudringen. Das hat heute mehr Aktualität, als je angedacht war. Robyn, die so gerne ihren Vater begleitet, die gerne draußen herumtollt und Dinge tut, die ein Mädchen eigentlich nicht tut, soll nun eine gute Hausfrau werden und sich überhaupt nicht hinaus begeben. Draußen sei es zu gefährlich. Damit könnten nicht die Wölfe, sondern die Menschen gemeint sein. Besonders der Lord Protector, der den historischen Namen nicht trägt, weil der Name austauschbar ist, man könnte ihn mit diversen historischen oder aktuellen Despoten ersetzen.

Robyn ist ein Freigeist und ungehorsam. Sie lernt ein etwa gleichaltriges Mädchen kennen, Mebh, die scheinbar im Wald lebt. Das ist natürlich nicht die ganze Geschichte. Mebh ist ein Wolfwalker, sie verwandelt sich zum Wolf, wenn sie schläft und durch ein Missgeschick wird auch Robyn wie sie. Das ist aber eine Verwandlung zum Positiven. All ihre Sinne sind nun geweckt und pure Energie strömt durch sie durch. Tomm Moore und Ross Stewart, beziehungsweise Will Collins, der für die Drehbücher verantwortlich ist, haben die Geschichte als Märchen angelegt. Die zwei Mädchen knüpfen eine Freundschaft, die von den äußeren Umständen auf die Probe gestellt wird, denn sie müssen sich immer noch gegen die Menschen, die die Wölfe fürchten und den Lord Protector, dem die Tiere ein lästiges Übel sind und ihre Bekämpfung ein Mittel zum Zweck, wehren. Die Handlung und die Wandlungen springen dabei von Hand gezeichnet von Papier, man taucht mit in den tiefen Wald ein, versteckt sich hinter dem Geäst und wird nachts zum Wolf, wird wild und frei. Das hat etwas magisches.

Übrigens, Cartoon Saloon, das kleine, feine irische Animationsstudio, das Tomm Moore und seine Freunde sich mit viel Durchhaltevermögen aufgebaut haben, hat "Wolfwalker" ursprünglich an Netflix herangetragen. Ohne Erfolg und so landete der Film bei Apple+. Zu der Trilogie, die mit "Wolfwalkers" praktisch einen Abschluß erfährt, gehören "Brendan und das Geheimnis von Kells" und "Die Melodie des Meers" von 2014 dazu. Wer diese vorangegangenen Filme nicht kennt, sollte sie einfach alle drei in einem Rutsch anschauen.

Elisabeth Nagy


Ziemlich gut gefallen hat uns allerdings auch der nicht ausgezeichnete Wettbewerbslangfilm:
"City of Lost Things" (Taiwan 2020, 91 Min.) in einer 3D-Computer-Animation von Chun-Jung Chu & Kevin Jong.

Hier der Teaser:



Unsere Kurzkritik:

In bester PIXAR Manier wird hier die Geschichte eines 16-jährigen Jungen erzählt, der auf mysteriöse Weise in der Stadt der verlorenen Dinge landet, wo aller unerwünschter Müll von Saugrobottern zum Verbrennen eingesogen wird. Doch unter noch gut erhaltenen alten Plastiktüten, die sogar sprechen, laufen und fliegen können, gibt es eine Revolte. Der Teenager gerät zufällig dazwischen und wird um Hilfe angefleht, eine Ausbruchsversuch aus der Müllverbrennungsanlage zu versuchen. Zuletzt entschwebt er - wie bei Disneys "UP" aus dem Jahre 2009 - diesmal aber durch Schornsteinabgase angetrieben, in einem Pulk aus aufgeblähten Plastiktüten gen Himmel und entkommt so der Verbrennung. Moral von der Geschichte ist zwar nicht Greta Thunbergs Rettungsversuch der Klimakrise, aber zumindest die Anregung zum Nachdenken über unsere Wegwerfgesellschaft.

W.F.


Auf OnlineFestival.ITFS.de waren sechs Tage lang über 400 Kurz- und Langfilme in den Wettbewerbs- und Rahmenprogrammen im Live-Stream für zu Hause zu sehen.

Der Grand Prix – Großer Animationsfilmpreis des Landes Baden-Württemberg und der Stadt Stuttgart in Höhe von 15.000 € ging an:
"Precieux // Precious" (Frankreich 2020, 14 Min.) unter der Regie von Paul Mas.

Jurybegründung:

„‚Précieux‘ greift Themen auf, die uns allen vertraut sind: anders sein und missverstanden werden, Mobbing und Freundschaft, und geht gekonnt mit der sensiblen Geschichte um, subtil und mit Sanftheit im Ausdruck. Die Geschichte zeigt komplexe Schichten sozialer Kräfte in einer scheinbar einfachen Erzählung auf. Das sanfte Tempo, die ruhige Atmosphäre und der Minimalismus der Mise en Scène vermitteln nicht nur ein Gefühl der Isolation, sondern halten auch die Aufmerksamkeit des Publikums, ziehen es näher heran und rufen damit ein tieferes Gefühl von Empathie hervor. Im Verlauf der Geschichte bauen sich allmählich der Druck und die Anspannung auf, welchen die Protagonistin ausgesetzt ist, während die meisterhafte Erzählkonstruktion ihre schmerzhaften Lektionen zeigt, aber das Publikum mit der Frage zurücklässt, ob sich für sie durch die Erfahrung etwas zum Guten oder Schlechten verändert hat. ‚Précieux‘ ist ein zeitloser Animationsfilm, der uns alle berührt und zum Nachdenken angeregt hat.“


Die Preise für den besten Studentenfilm sowie den besten Abschlussfilm gingen beide an:
Have a Nice Dog! (Deutschland, Syrien 2020, 13:15 Min.) unter der Regie von Jalal Maghout von der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF.

Jurybegründungen (Auszug):

„Ein verstörendes Psychogramm eines Mannes im Spiegel von Krieg und Verwüstung. Couragiert zieht der Film eine gebrochene Linie zwischen Krieg und Flüchtlingskrise und folgt den Zerfallserscheinungen der Grenze zwischen Realität und Albtraum." ... "Die ästhetischen Entscheidungen drücken auf kreative Weise die Verwirrung, den sich verdichtenden Schrecken und das Gefühl der Hoffnungslosigkeit aus." ... "Deshalb ist dies eine äußerst wertvolle Geschichte, die ideenreich die Schrecken des Krieges und die Verzweiflung der Flucht in einem überfüllten Schlauchboot zum Ausdruck bringt." ... "Seine fesselnden, parallelen Erzählstränge sowie die detailreich gestalteten szenischen Nuancen werden auch bei wiederholtem Ansehen einer Abnutzung standhalten.“


Der Trickstar Nature Award – Der Preis für den besten Animationskurzfilm zu den Themen Klimaschutz, Artenvielfalt, Umwelt und Nachhaltigkeit, in Höhe von 7.500 € ging an:
"Migrants" (Frankreich 2020, 8:20 Min.)
Regie: Hugo Caby, Zoé Devise, Antoine Dupriez, Aubin Kubiak, Lucas Lermytte
Produzent: Carlos De Carvalho

Jurybegründung:

„Klimawandel ist eine der wichtigsten Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte. Schmelzende Gletscher und steigende Meeresspiegel sind nur zwei der zahlreichen Facetten der globalen Erwärmung. Die Zeiten ändern sich und viele von uns werden nicht mehr in derselben Umwelt und Gesellschaft leben können, wie sie es gewohnt sind. Um zu überleben, müssen viele ihre Heimat verlassen und es ist die Aufgabe der Privilegierten, ihnen dabei zu helfen einen neuen Platz in unserer Gemeinschaft zu finden. Einmal mehr ist der Schlüssel Zusammenhalt statt Vorherrschaft, um diese Herausforderung zu meistern, denn wir befinden uns alle im gleichen Boot. Deshalb wählt die Jury ‚Migrants‘ als Gewinner des Trickstar Nature Award 2021. Dieser Film hat uns nicht nur dadurch überzeugt, wie die Geschichte die vielen Ebenen dieses erschreckenden Themas zeigt, sondern auch sein einzigartiger Stil. Der Film ist sympathisch und gleichzeitig unangenehm. Er ist berührend, aber auch widersprüchlich. Er ist auf den Punkt gebracht, lässt aber auch genug Platz, um unsere eigene Interpretation zu diesem Thema zu entwickeln. Mit anderen Worten, ‚Migrants‘ bleibt in unseren Köpfen und hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Das macht gute Filme aus.“


Die Gewinner der Wettbewerbe »Tricks for Kids, Animated Games Award, Deutscher Animationsdrehbuchpreis und Trickstar Business Award« wurden bereits am 7. und 8. Mai 2021 vergeben. Wie waren von der hohen Qualität sowie Ausdrucksstärke und Vielseitigkeit der Filme beim Sichten der Preisträger-Rolle sehr angetan.

Links: www.itfs.de | onlinefestival.itfs.de

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