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Unsere Filmkritik im April 2021 - preisgekrönter Film aus Berlin-Brandenburg

Der Film »Neubau« gewann im Januar 2020 zwei Hauptpreise beim 41. Filmfestival Max-Ophüls-Preis in Saarbrücken.



Eigentlich sollte die in Saarbrücken gefeierte Weltpremiere des Filmes "NEUBAU" unter Regie von Johannes Maria Schmit und nach einem Drehbuch von Tucké Royale, der auch eine der Hauptrollen spielt, längst in den Kinos angelaufen sein, doch wegen der nicht absehbaren Kinoöffnungen läuft der Film jetzt in der Online-Queerfilmnacht des Salzgeber-Verleihs als Video on Demand (VoD).

Für uns wurde es schon längst Zeit, wieder mal über den Tellerrand der großen Metropole Berlin bis in die ländliche Uckermark im Norden von Brandenburg zu blicken, wo das Drama einer schwulen Liebesgeschichte hauptsächlich spielt.

Als Berlin-Brandenburger Filmverband sind wir sonst in Brandenburg immer auf Potsdam mit seiner Babelsberger Filmuniversität fixiert oder auf Cottbus, der zweitgrößten Stadt im süd-osten des Umlandes, wegen des weit über die Landesgrenzen hinaus strahlenden osteuropäischen Filmfestivals.

Diesmal also die Gelegenheit den Gewinner des besten Spielfilms beim Max-Ophüls-Preis 2020 einen Monat lang im Stream vorab über Vimeo unter Beteiligung der Salzgeber Partnerkinos, sehen zu können.

"NEUBAU" Drama und Romanze von Johannes M. Schmit nach dem Buch von Tucké Royale (Deutschland, 2020, 81 Min.). Zu sehen im April 2021 unter www.queerfilmnacht.de für 9.90 € pro Ausleihe.

Hier der Trailer:



Ulrikes VoD-Kritik:

Sommer in der Brandenburger Provinz.

Der queere Markus (Tucké Royale) lebt in seiner kleinen Neubauwohnung unweit von seiner Oma Alma (Jalda Rebling) und ihrer Freundin Sabine (Monika Zimmering) in der Uckermark. Seine Koffer sind so gut wie gepackt, denn er ist hin-und hergerissen zwischen der Liebe zu seiner Großmutter und seiner Sehnsucht nach Berlin. Die beiden pflegebedürftigen Frauen sind seine Familie. Seinen Vater hat er nicht gekannt und seine Mutter ist früh gestorben. Besonders rührend kümmert er sich um die demente Sabine, während Alma nur ab und zu geistige Ausfälle hat.

Er jobbt auf einer Straußenfarm, wandert ziellos umher, meistens mit der Bierflasche in der Hand, geht schwimmen im See und beobachtet Duc ((Minh Duc Pham), einen jungen Vietnamesen.

Auch wenn auf seiner Jeansjacke Hero steht, so ist das genau so ein Traum, wie die bunten, diversen, ausgelassenen jungen Leute, die ihm in seinen Tagträumen begegnen und zu denen er so gerne gehören würde. Sein einziger Kontakt sind die beiden alten Menschen. Seine Einsamkeit macht deutlich, was für ein Opfer er bringt.

Es ändert sich, als er endlich auf Duc zugeht und ihn anspricht. Duc, der schon fünf Jahre in Berlin gelebt hat, hat im Gegensatz zu Markus, ein Heimatgefühl in der Provinz gefunden und arbeitet als Fernsehtechniker. Jetzt, da Markus Duc näher gekommen ist, fühlt sich das langweilige Leben schöner an, als es bisher war.

Oma Alma ist gestorben. Sabine gibt Markus einen Brief von seiner Mutter, der nie abgeschickt wurde und den sie für ihn hinterlassen hat. Markus weint. Er findet Trost bei Duc, den er fragt, ob er mit ihm nach Berlin kommt…

Johannes Maria Schmit über seinen Film:

„Der vorliegende Film ist der Versuch einer Übersetzung ohne Verallgemeinerung. Er bemüht sich die Lebenswelt einer sehr besonderen Figur in allen Aspekten sichtbar zu machen, ohne gleichzeitig den Abgleich mit einer dazu in Konflikt stehenden Norm zu suchen. Nach Möglichkeiten haben wir das Genre des Coming-out-Dramas umschifft und statt dessen versucht, Menschen auf dem Land in konkreten Beziehungen und in immer neuen Alltagen zu zeigen. Inspiriert von der Zeitlichkeit der Landschaft, in der der Film spielt, werden Wendepunkte entsprechend nicht scharfkantig dramatisiert, sondern gleichsam sanft von Hügel zu Hügel getragen. Commitment und Fürsorge sind die ethischen Werte innerhalb der Erzählung, die dieser Erzählung zu Grunde liegt.

Einen Lebensentwurf wie den der Hauptfigur mit Selbstverständlichkeit zu erzählen ohne wiederum dessen Prekarität zu unterschlagen, scheint mir die dramaturgische wie politische Herausforderung der Stunde“.


Regisseur Schmit und Drebuchautor und Hauptdarsteller Royale bezeichnen die Geschichte des Markus als Heimatfilm. Beide kommen vom Theater. Sie zeigen in ihrem Debüt, was Heimat für Markus bedeutet, warum er bleibt und warum es ihn weglockt.

Und er ist doch ein Held. Er stellt seine eigenen Wünsche zurück, um seine Familie hilfreich zu unterstützen. Und was den Begriff Heimat betrifft: Nicht ohne Grund ist auf seiner Brust das Wort OST tätowiert.

Tucké Royale erhielt für sein Buch und Schauspiel nicht nur den Hauptpreis des Festivals, sondern darüber hinaus auch den Preis für einen gesellschaftlich relevanten Film.

Ulrike Schirm


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Die Kinos sind zwar wegen der Corona-Pandemie bundesweit geschlossen, dennoch betont die bei der SPIO angesiedelte freiwillige Kontrolle der Filmwirtschaft (FSK), dass immer noch 756 Titel auf der aktuellen schwarzen Liste von Filmen stehen, die an stillen Feiertagen wie Karfreitag oder Allerheiligen und Totensonntag im Kino nicht gezeigt werden dürfen.

Rechtsgrundlage ist dafür das Jugendschutzgesetz (JuSchG) nach denen die FSK arbeitet.

Bei Action Filmen wie der Serie "Die Hard - Stirb langsam" mag dies noch verständlich sein. Doch genau diese und ähnlich brutale Filme mit Bruce Willis werden und dürfen von den privaten Fernsehsendern nach 22:00 Uhr an den besagten Feiertagen im TV gezeigt werden, was die Kinoauflagen ad absurdum führt.

Auch Monty Pyton's Christus Satire "Das Leben des Brian" gehört zu den Filmen, die keine keine Feiertagsfreigabe haben, aber durchaus auf Streamingportalen wie Netflix geordert werden können, weshalb die Abschaffung der Feiertagsregeln seit langem gefordert wird.

Auf das Motto von Jesus’ österlicher Bitte „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ wollen wir uns diesbezüglich zwar nicht beziehen, aber gerne auf einen anderen Film verweisen, den der Salzgeber Verleih zu den Feiertagen und sogar darüber hinaus bis zum 8. April 2021 kostenlos im Stream zur Verfügung stellt.

Es geht um Ramón Gielings Bach-Adaption „Erbarme Dich – Die Matthäus-Passion“, die 2015 auf dem IFF in Rotterdam uraufgeführt wurde und ihre deutsche Premiere bei Dok Leipzig feierte.

Seit 290 Jahren fasziniert Johann Sebastian Bachs „Matthäus-Passion“ ihr Publikum. Als ein Höhepunkt der protestantischen Kirchenmusik ist das Oratorium tief im christlichen Glauben verwurzelt. Doch auch Nicht-Christen werden von Bachs Musik tief bewegt.

Hier der Trailer:



Synopsis:
Um die unsterbliche und überkonfessionelle Faszination der „Matthäus-Passion“ zu erkunden, greift der niederländische Filmemacher Ramón Gieling auf einen besonderen Kunstgriff zurück: In einer halb verfallen Kirche in Amsterdam bringt er einen Obdachlosen-Chor mit professionellen Musikern zusammen, um sie gemeinsam eine Aufführung des Oratoriums proben zu lassen. Bachs Musik visualisiert er mit einer poetischen Bildsprache, die sich an der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts orientiert, aber auch Anleihen an frühere Adaptionen des Stoffs wie Pier Paolo Pasolinis „Accattone“ (1961) transparent macht.

Eingebettet in die eindrucksvolle Darbietung des Stücks berichten Musiker und Künstler wie der Opernregisseur Peter Sellars, der Maler Rinke Nijburg oder die Schriftstellerin Anna Enquist von ihren ganz persönlichen Beziehungen zu Bachs Werk: von Angst und größter Ekstase, von Schuld und tiefer Trauer. Den privaten Erfahrungsfragmenten stellt der Filme Nachrichtenmeldungen gegenüber, die die universelle Bedeutung von Schmerz und Leiden deutlich machen. ERBARME DICH wird so zu einem Film, der den religiösen Ursprung seiner Musik weit transzendiert. „Was alle Figuren teilen“, schrieb das Dok Leipzig anlässlich der deutsche Uraufführung des Films sehr treffend, „ist das erlösende Moment der Musik – einer Musik, die sich ihrer erbarmt und die sie ihre eigene Passion finden lässt.“


Der komplette Film kann unter salzgeber.de/erbarmedich bis zum 8. April 2021 kostenlos gesehen werden.


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