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Letzte Filmbesprechungen im März 2020 - doch wo kann man die Filme sehen?

COVID-19: Alle Kinos in Berlin sind geschlossen - auch das Achtung Berlin Filmfestival wurde nun abgesagt.



Nach reiflichen Überlegungen kam am Sonntagabend endlich über Facebook die Meldung, dass das Festival »achtung berlin - new berlin film award« im April nicht stattfinden wird!



Nachdem in Berlin ab sofort alle Kinos geschlossen sind und die Yorck-Kinogruppe, die den Eröffnungsabend des Achtung Berlin Festivals im Kino International bestritten hätte, dazu sogar eine Rundmail an treue Abonnenten und Medienpartner verteilt hatte, dass ihre Kinos alle geschlossen sind, wurde es höchste Zeit, das Festival vor dem Hintergrund der aktuellen Lage offiziell abzusagen.

Andere Festivals und Veranstaltungen hatten dies im Hinblick auf die Gefahr einer Ansteckung mit dem Corona Virus bereits schon früher getan, wie wir gestern schrieben.

Die Macher des »achtung berlin - new berlin film award« wollen ihr weiteres Vorgehen sehr eng mit ihren Partnern, Förderern und den Filmschaffenden abstimmen und sind guter Hoffnung, dass man sich bald wieder in der gewohnten familiären Atmosphäre begegnen kann.

Auch die Yorck-Kinogruppe und ebenso viele andere Kinobetreiber schmerzt es, mitteilen zu müssen, dass auf Anordnung des Senats bis voraussichtlich 19. April 2020 alle öffentlichen Kinovorstellungen abgesagt sind.

Sicherheit und Gesundheit gehen vor: Man hofft, dass mit diesen Maßnahmen die Verbreitung des Virus verlangsamt werden kann. Die unabhängigen Kulturunternehmen trifft diese Entscheidung nicht nur emotional, sondern auch wirtschaftlich hart.

Letzten Donnerstag, den 12. März 2020 war die Situation vielleicht noch nicht so deutlich zu erkennen. Zumindest gab es noch einmal einige neue Kinostarts, von Filmen, die nunmehr schon in dieser Woche nicht mehr gezeigt werden können; zumindest nicht in Berlin und in zahlreichen anderen Bundesländern und Städten wie in Stuttgart.

Nur Privatvorstellungen bis maximal 50 Zuschauern, die namentlich mit Anschrift hinterlegt werden müssen, können in Berlin geduldet werden. Dies trifft auch auf Restaurants zu, sofern die Tische weiter auseinander gestellt werden und ein Mindestabstand von 1,5 Meter zum Nachbarn gewahrt wird.



Wir empfehlen deshalb, sich spannende neue Folgen in den Mediatheken der Fernsehsender anzusehen, oder zu einer der letzten Videotheken zu gehen, die vielleicht gerade jetzt das Geschäft ihres Lebens machen können.

Wer keine Streaming-Möglichkeit hat, dem empfehlen wir Videobuster, die Online-Videothek, die sämtliche bei ihnen gelisteten Filme auf DVD oder Blu-ray Disc direkt per Post und Rückumschlag nach Hause schickt.



Es gibt allerdings noch einige Städte, in denen die Kinos noch geöffnet sind, allerdings meist nur jeder zweite Sitzplatz belegt werden darf. Dazu gehört z.B. das CineamxX in Hannover, während das CinemaxX am Potsdamer Platz in Berlin bis zum 19. April 2020 geschlossen bleibt, sind die beiden CinemaxX-Theater in Stuttgart aufgrund behördlicher Anordnung sogar bis zum 15. Juni 2020 zu.

Unsere nachfolgenden Filmkritiken sind somit nicht ganz umsonst geschrieben, denn z.B. in Hannover lassen sich aktuelle Filme, wie "Parasite", "1917", "Der Spion von nebenan" oder "Narziss und Goldmund" für nur 5,99 € noch täglich sehen.

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"DER SPION VON NEBENAN" Familien-Action-Komödie von Peter Segal (USA). Mit Dave Bautista, Chloe Coleman, Kristen Schaal u.a. seit 12. März 2020 im Kino. Hier der Trailer:



Ulrikes Filmkritik:

Weil der CIA-Agent JJ (Dave Bautista) den Einsatz in der Ukraine gegen die Russen versaubeutelt hat, ist sein Boss David Kim (Ken Jeong) enttäuscht von Ihm. Sein russischer Akzent war denkbar schlecht, so das er spielend enttarnt wurde. Ihm blieb keine andere Wahl, als seine Gegner zu töten. Sein Auftrag, Informationen über Massenvernichtungswaffen zu bekommen, war somit gescheitert. Doch JJ bekommt eine zweite Chance. Er soll gemeinsam mit der Hackerin Bobbi (Kristen Schaal) nach Chicago reisen, um die alleinerziehende Mutter Kate (Parisa Fitz Henley) zu observieren, weil es sein könnte, dass sich der Bruder ihres verstorbenen Mannes bei ihr meldet. Beide waren in Paris in dreckige Geschäfte verwickelt und Kate ist mit ihrer Tochter weggezogen. Doch es gibt schon wieder ein Problem:

Ihre neunjährige Tochter Sophie (Chloe Coleman) kommt den beiden Agenten auf die Spur, indem sie eine der installierten Kameras entdeckt, der Spur folgt und das ganze filmt und damit droht, das Video hochzuladen. Aber anstatt ihn auffliegen zu lassen, schlägt das clevere Mädchen ihm einen Deal vor. Sie hält ihren Mund, wenn JJ ihr sämtliche Tricks über das Spionieren beibringt. Um nicht endgültig rauszufliegen und ohne Job dazustehen, fügt sich der Muskelprotz und tanzt nach der Pfeife des ausgebufften kleinen Mädchens. Nach und nach wird die Beziehung dieses großen und starken Mannes zu Mutter und Kind immer persönlicher. Und das macht richtig Spaß mit anzusehen. Der Hüne (Bautista, der Ex-Wrestler) zeigt seine butterweiche Seite. Die Chemie zwischen Bautista und Chloe Coleman funktioniert bestens.

Regisseur Peter Segal („Die Mutprobe“, ,,Manhattan Queen“) hat diese spritzige, abgedrehte Agenten-Komödie mit viel Herz für seine Figuren gedreht. Einige Szenen werden untermalt mit Songs wie „Kalinka“, „99 Luftballons“ oder „I Will Survive“, genau die Einstiegsszenen, in denen JJ seine Gegner niedermetzelt, zeugen von einer köstlichen Selbstironie. Wer Lust hat auf ein entspannendes Kinoerlebnis, bei dem man nicht viel nachdenken muss, ist hier genau richtig.

Ulrike Schirm


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"NARZISS UND GOLDMUND" Drama von Stefan Ruzowitzky (Deutschland). Mit Jannis Niewöhner, Sabin Tambrea, André Hennicke u.a. seit 12. März 2020 im Kino. Hier der Trailer:



Ulrikes Filmkritik:

Die bildgewaltige Verfilmung „Narziss und Goldmund“ des Schweizer Literaturnobelpreisträgers Hermann Hesse unter der Regie von Stefan Ruzowitzky („Die Fälscher“) ist weitgehend gelungen.

Der Novize Narziss und der von seinem gewalttätigen Vater in das abgelegene Kloster Mariabronn abgeschobene Goldmund, wachsen im tiefsten Mittelalter miteinander auf und lernen sich mehr oder minder platonisch lieben. Sieben Jahre später, bricht Goldmund aus dem Kloster aus. Während sich Narziss (Sabin Tambrea) für ein Leben als frommer Gelehrter entscheidet, zieht es Goldmund (Jannis Niewöhner) hinaus in die Welt, um seine unbekannte Mutter zu suchen. Der streng asketisch lebende Narziss wird Abt des Klosters, während Goldmund sich in Affären stürzt, die Liebe zu Lydia (Emilia Schüle) erlebt, Zeuge von Krankheit, Hunger und Gewalt wird und eine Ausbildung zum Bildhauer bei dem berühmten Meister Niklaus (Uwe Ochsenknecht) macht. Seine Suche nach der Mutter erfüllt sich nicht. Fünfzehn Jahre später kehrt er zurück. Narziss beauftragt ihn, einen riesigen Altar zu gestalten, was bei einigen Mönchen keineswegs gut ankommt.

Ruzowitzky verfilmt Hesses Klassiker als eine abwechslungsreiche Tour de Force durch das düstere Mittelalter, voller Gewalt, Tod und Mord und schreckt vor Schockmomenten, nicht zurück.

Seine prallen Bilder unterlegt er mit einem sakralen Soundtrack, der an einigen Stellen mehr Kitsch als Tragik auslöst. Maskenbildner und Ausstatter konnten im wahrsten Sinne aus dem Vollen schöpfen. Teenager- Liebling Jannis Niewöhner darf viel nackte Haut und Muskeln zeigen und wirkt mit seinen blond gefärbten Haarspitzen eher wie ein Modell aus einem Sportmagazin, etwas deplatziert, wenn man bedenkt, dass Hesses (1877- 1962) erfolgreichstes Roman im Jahr 1930 angesiedelt ist.

Hesses Aussage, dass das Prinzip der Aufopferung für die Gemeinschaft und das einer ungebundenen Lebensführung einander bedingen, hat Stefan Ruzowitzky eindrucksvoll umgesetzt.

In weiteren Rollen: Henriette Confurius, Sunny Melles, Jessica Schwarz, André M. Hennicke, Kida Khodr Ramadan. Länge: 110 Min. im Verleih von Sony.

Ulrike Schirm


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"DIE PERFEKTE KANDIDATIN" Dramödie von Haifaa Al Mansour (Deutschland, Saudi-Arabien). Mit Mila Alzahrani, Dae Al Hilali, Nourah Al Awad u.a. seit 12. März 2020 im Kino. Hier der Trailer:



Ulrikes Filmkritik:

Das „Mädchen Wajda“ (2012) war der erste arabische Spielfilm überhaupt, den die Drehbuchautorin und Regisseurin Haifaa Al Mansour, in Saudi-Arabien, einem Land ohne Kinos, offiziell drehen durfte. Eine kleine Sensation, in einem Land, in dem Frauen ein großer Teil des öffentlichen Lebens verwehrt ist und eine strikte Geschlechtertrennung herrscht. Der Publikumserfolg ihres Debüts, ermöglichte ihr, in den USA und England zu drehen. Mit ihrem Film „Die perfekte Kandidatin“ kehrt die in den USA lebende Regisseurin nun zurück in ihr Heimatland, in dem sich die Gleichberechtigung für Frauen etwas gebessert hat.

Maryam (Mila Al Zahrani) lebt mit ihrem Vater, einem Musiker und ihren zwei Schwestern in einer kleinen Stadt in Saudi-Arabien. Sie ist Ärztin und arbeitet in der Notaufnahme des örtlichen Krankenhauses. Zu ihrem Alltag gehört es, dass sich hin und wieder männliche Patienten weigern, von ihr behandelt zu werden. Aber ein noch größeres Ärgernis, ist die unbefestigte Strasse vor der Einfahrt zur Klinik. Fußgänger, Sanitäter und Rettungswagen müssen sich durch Schlamm und Morast quälen.

Eigentlich möchte sie sich verändern. Sie bewirbt sich für eine bessere Stelle in Dubai, was wegen einer merkwürdigen Formalität und an der fehlenden männlichen Begleitung, scheitert. Man verweigert ihr die Reise. Vielleicht kann ein entfernter Cousin ein gutes Wort für sie einlegen. Doch er, ein Beamter, empfängt nur Kandidaten für die anberaumte Wahl des Stadtrates. Die mutige Ärztin zögert nicht lange und erklärt sich zur Kandidatin und will sich zur Stadträtin wählen lassen, um nicht mehr von männlichen Entscheidungen abhängig zu sein und die Asphaltierung der Strasse selbst in die Hand nehmen zu können. Mit der Hilfe ihrer Schwestern, organisiert sie eine Wahlparty und lädt die Frauen der Stadt dazu ein. Doch um zu gewinnen, braucht sie auch die Stimmen der Männer. Die Frauen treten eine Kampagne los, die nicht zu übersehen ist. Ihre Forderungen werden immer radikaler und furchtloser. Wenn sie schon, nach langem Kampf für ein eigenes Auto, in dem sie selbst hinter dem Steuer sitzen darf, dann will sie auch das Recht dazu haben , auf einer sanierten Strasse fahren zu können. Es sind nicht nur Frauen, die unter dem islamistischem System leiden. Auch Maryams Vater Abdulaziz, der populäre Musik spielt, wird von Fundamentalisten bedroht. Zwanzig Jahre hat es gedauert, bis er mit seiner Musiktruppe auf Tournee gehen konnte. Noch immer müssen sie bei ihren Konzerten mit Anschlägen rechnen.

Mit großem Einfühlungsvermögen und erzählerischer Kraft, ohne zu moralisieren, begleitet Al Mansour die junge Frau, die mit einer großartigen Würde, aller Kritik zum Trotze, ihren selbst gewählten Weg geht. Was Al Mansour auf keinen Fall will, einen deprimierenden Film über Frauen zu machen. Und genau das ist der Grund, warum sie nach Saudi-Arabien zurückgekehrt ist. Mit ihrem Film will sie dazu beitragen, dass Kultur und Kunst eine wichtige Funktion in der Entwicklung einer Gesellschaft sind. Ihr Film ist ein berührender Appell für Gleichberechtigung.

In weiteren Rollen: Khalid Abdulrahim, Shafi Al Harthi und Dae Al Hilali. Kamera: Patrick Orth. Länge: 101 Min.

Ulrike Schirm


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