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Streik beim Berliner Babylon Kino wurde ausgesetzt

Ko-Geschäftsführer des Berliner Babylon meldete Insolvenz an - Die Zukunft des Kinos scheint weiter ungewiss. Berliner Senat könnte den Vertrag lösen.



Im Oktober 2015 sprühte der jüdischstämmige Babylon-Chef Timothy Grossmann Davidsterne auf die Eingangstüren seines Kinos. Die "Kunstaktion" stieß auf viel Ablehnung. Als Reaktion auf die Boykottaufrufe der streikenden Mitarbeiter hatte Grossman zudem am 07.10.2015 über dem Haupteingang des Kino Babylon ein Transparent aufgehängt, dass an die Nazi-Aufrufe zum Boykott jüdischer Geschäfte im Dritten Reich erinnerte. Zuletzt war Grossmann vor Gericht mit einer einstweiligen Verfügung gegen Mitarbeiter gescheitert, die ein Flugblatt verteilt hatten, mit dem sie eine bessere Bezahlung forderten. Das Gericht schützte die Meinungsfreiheit der Beklagten.

Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD) hatte die Aktion verurteilt, er bezeichnete sie vor dem Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses als "hochgradig geschmacklos" und "illegitim". Das Land Berlin unterstützt das Filmkunsthaus Babylon immerhin jährlich mit rund 360.000 Euro.

Einige Veranstalter gingen wegen dieser dubioser Aktion bereits auf Distanz und verlegten ihre geplanten Veranstaltungen an andere Orte. Darunter auch der deutsche Comiczeichner und Entertainer Philip Tägert, genannt FIL, der acht Jahre lang im Babylon aufgetreten war. Aufgrund des innerbetrieblichen Konflikts entschied sich der Ex-Punk aus dem Märkischen Viertel in Berlin, den Standort zu wechseln und trat mit seiner zum Brüllen komischen diesjährigen Weihnachtshow „Dawn of the Dutt" am 26. Dezember 2015 in der Berliner Urania auf.

Mittlerweile befasste sich auch noch das Insolvenzgericht mit den Finanzen des Berliner Traditionskinos Babylon in Berlin-Mitte. Den Berichten der "Berliner Zeitung" zufolge, hatte der zweite Betreiber des Kinos, Tobias Hackel, am 11.11.2015 einen Insolvenzantrag gestellt. Es geht angeblich um Verbindlichkeiten in Höhe von 150.000 Euro, die sich auf rund 100 Gläubiger verteilen. Er sagte der Zeitung, er habe wegen der wirtschaftlichen Situation des Betriebs "keine andere Wahl". Hackel ist einer von zwei Inhabern der "Neue Babylon Berlin GmbH", ihm gehören 49 Prozent.

Mehrheitsgesellschafter mit 51 Prozent ist Timothy Grossmann. Diesem wurde nun drei Wochen Zeit gegeben, Zahlungsfähigkeit zu beweisen. Dazu sei nötig darzulegen, dass er 90 Prozent der Außenstände innerhalb von drei Wochen begleichen kann.

Timothy Grossmann löste das Problem wieder auf seine ganz persönliche Art. Er setzte seinen Kompagnon und Ko-Geschäftsführer, Tobias Hackel, vor die Tür und steuerte zunächst 50.000 Euro aus seiner eigenen Tasche bei, um den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten. Grossmann sah sich nach eigenen Angaben gezwungen, Hackel von seinem Geschäftsführerposten zu entbinden. Woher das Geld kam, ob es womöglich Rücklagen waren, die eigentlich für eine korrekte tarifliche Bezahlung gedacht wären, blieb offen.

Dazu erklärte Grossman, der zur Abberufung seines Mitgeschäftsführers aufgrund der Mehrheitsverhältnisse angeblich berechtigt war: "Darf ein Geschäftsführer, der seit Monaten trotz wiederholter Aufforderungen nicht mehr in seinem Unternehmen gesehen wurde und sich zunehmend von seinem Teil der Programmarbeit verabschiedet hat, ohne jede Ankündigung im Alleingang die Schließung und Abwicklung beantragen? Ich bin Mehrheitsgesellschafter und habe eine Verantwortung für das Unternehmen. Diese Verantwortung musste ich nun wahrnehmen". Darüber hinaus stellte Grossmann 50.000 Euro zur Verfügung, "um die entstandenen Zweifel an der finanziellen Lage des Unternehmens auszuräumen", wie es in einer Pressemitteilung heißt.

Die Probleme mit seinen seit Sommer 2015 streikenden Angestellten waren damit aber noch nicht gelöst. Fehlendes Personal wurde durch temporär eingestellte Aushilfen, Praktikanten und freiwillige (unterbezahlte) Mitarbeiter ersetzt. Dass es dabei mehrfach zu Engpässen eines ordnungsgemäß ablaufenden Programmbetriebs kam, davon können Besucher der Filmvorstellungen berichten. Unpünktlicher Einlass und Störungen einer einwandfreien Projektion waren die Folge. Andere Veranstalter beklagen schon seit Längerem die schlechte Tonqualität in den drei Kinosälen.

Als mittlerweile alleiniger Babylon Geschäftsführer bot Timothy Grossmann laut der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di am 8. Dezember 2015 die Wiederaufnahme der Tarifverhandlungen an: Der Streik wurde deshalb seit Montag, den 14. Dezember 2015, ausgesetzt.

Timothy Grossman will, so heißt es wörtlich in seinem Schreiben verhandeln „mit dem Ziel, eine abschließende Verständigung zu erreichen“.

Die Mediengewerkschaft ver.di wird deswegen den seit 23. Juli 2015 laufenden Streik unterbrechen, um die Verhandlungen nicht unnötig zu belasten. Die Mitarbeiter kämpfen seit Längerem für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen.

Wir hoffen, ein verhandelbares Angebot zu erhalten“, so Andreas Köhn, ver.di Verhandlungsführer. „Auch die Mitarbeiter sind an einem Tarifabschluss noch im Jahr 2015 interessiert, wenn die Konditionen stimmen“, so der ver.di-Fachbereichsleiter Medien weiter.

Link: www.babylonberlin.de
Quellen: berliner Zeitung | rbb | ver.di | Morgenpost | filmecho | Blickpunkt:Film

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