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Die Zukunft von Film, TV, Radio im digitalen Zeitalter

Neuigkeiten zu 3D-Kino, UHD-TV, VR-BILDER und DAB-Digitalradio anlässlich der Gamescom in Köln.



Vom 17.-21. August 2016 findet mit der Gamescom derzeit das weltweit größte Messe- und Eventhighlight für interaktive Spiele in Köln statt. Hauptanziehungspunkt sind natürlich die VR-Brillen für die neuen Virtual-Reality-Games, auch wenn die virtuelle Realität in Punkto Preis und Auflösung noch mit etlichen Problemen zu kämpfen hat. Der große Durchbruch soll erst im Jahre 2020 mit schnelleren Prozessoren erfolgen. Im Gegensatz zur deutschen Filmbranche leidet die Spielebranche dennoch nicht unter Kreativitätsmangel, weshalb das Medienboard Berlin-Brandenburg sich nicht vor einer Förderung scheut, denn das Publikum liebt Experimente, wie aus dem nachfolgenden Clip ersichtlich wird.



"Melting Realities" nennt eco - Verband der Internetwirtschaft e.V. (www.eco.de) die zunehmende Verschmelzung bisher getrennter Mediengattungen wie Computer- und Videospiele sowie Filme. Im Mittelpunkt stehen dabei transmediale Technologien und Konzepte, aber auch medienübergreifende inhaltliche Stoffentwicklungen. Transmediales Erzählen erfordert allerdings die Überwindung vieler überholter Gewohnheiten - insbesondere eine Vernetzung von wissenschaftlich-künstlerischer Forschung und kommerzieller Praxis sowie die kreative Kooperation aller Bereiche audiovisueller Medienproduktion, von Theater, Film, Fernsehen, Medienkunst und Games.

Große Faszination geht auch aus der Verbindung von realer Welt mit erweiterter virtueller Realität aus, wie beim aktuellen Smartgame "Pokémon Go", das manche Spieler sogar im Straßenverkehr zu unüberlegten Handlungen reizt. Andere machen sich darüber wiederum lustig, wie nachfolgender "Guiding Hands" Clip überspitzt darstellt.



"Bisher selbstverständliche Trennlinien werden nicht nur überschritten, sondern verschwinden nach und nach vollständig. Die heutigen Games ähneln immer mehr einer Art Video, bei dem man fortlaufend die Handlung selbst bestimmt. Waren früher fast ausschließlich Filme und Comics die Schöpfer von Charakteren mit Merchandising-Potenzial, so sind es heute immer mehr die Games, also Angry Birds statt Mickey Maus. Angesichts des Zusammenwachsens von Filmen, Games und Büchern gewinnt die medienübergreifende Entwicklung von Erzählstoffen zusehends an Bedeutung", stellt eco Geschäftsführer Harald A. Summa fest.

Trotz aller technischen Spielereien entscheidet letztendlich nur eine gute Story über Erfolg oder Misserfolg. Dass in der Filmbranche dabei immer häufiger auf Remakes großer Geschichten gesetzt wird, ist für die Branche fast schon bezeichnend. Offensichtlich fehlen gute Drehbücher für neue Stoffe.

X-fache Neuverfilmungen ohne Spirit.
Jüngstes Beispiel ist die geplante vierte Neuauflage des Musicals "A Star Is Born" vom Regiedebutanten Bradley Cooper mit Lady Gaga in der Hauptrolle. Schon die letzte Neufassung des alten und schönen Judy-Garland-Films aus dem Jahre 1954 geriet 1974 zu einem egozentrischen Rührstück, weil Barbra Streisand den unglücklichen Ehrgeiz hatte, die Regie in den Liebesszenen selbst zu übernehmen. Die erste Fassung wurde bereits 1937 gedreht.

Mit digitaler Unterstützung werden Neuverfilmungen oft dreidimensional für die große IMAX Leinwand aufgepeppt wie in dem neuen "Ben Hur" (3D - Start 1. September 2016), dessen Trailer wir nachfolgend eingebunden haben. Der übermäßige CGI-Einsatz und die viel zu heftigen Schnitte bei der Streitwagensequenz im Finale spalten jedoch die Gemüter. Die Kritik des Hollywood Reporters fällt dementsprechend schlecht aus. An den Erfolg der elffach Oscar prämierten Adaption von 1959 mit Charlton Heston in der Titelrolle, wird die neue Version des russischen Regisseurs Timur Bekmambetov wohl nie gelangen. Aufgrund der wenig zugkräftigen Stars in den Hauptrollen könnte der Film sogar zu einem der größten Flops des aktuellen Kinojahres werden.



Fast komplett im Computer entstand auch Disneys neues "Dschungelbuch" (3D - seit April im Kino), bei dem nur noch der Urwaldjunge Mowgly von einem echten Menschenkind vor der Green-Box gespielt wird. Allerdings hat man sich viel Mühe gegeben, den virtuell erschaffenen Tieren den Anschein real existierender Lebewesen zu geben. Hier der Trailer:



Der nächste Level dürfte die Darstellung virtueller Welten auf Basis einer Holografie im Kino sein. Ohne Anwendung einer VR-Brille erscheint dieser Schritt derzeit noch zu hypothetisch, um wahr zu werden. Dennoch arbeiten Firmen wie Microsoft bereits an dessen Umsetzung.

8K UHD-2 Super Hi-Vision-TV.
Zu den neuen Technologien, die bereits bei den Olympischen Spielen in Rio 2016 angewendet wurden, gehören 8K UHD-2 Super Hi-Vision-Aufnahmen, Kameradrohnen und virtuelle Realitäten in HD. Das Entzünden des Olympische Feuers in wurde sowohl in 2K wie auch mit 8K-Kameras für Versuche der neuen Broadcast-Techniken aufgenommen. Neu sind Multi-Clips-Feeds für Aufnahmen mit 360 oder 480 Bildern pro Sekunde in High-Speed-Slow-Motion, die vor allem für die Postproduktion bereitgestellt werden. Dabei kommt es bei den Bewegungsstudien der Synchronspringer, Leichtathleten, Reiter oder Tennisspieler zu einer Dehnung der Bewegungen auf das Sechs- bzw. Achtfache ohne HD-Qualitätsverlust, so dass die Ästhetik des Sports wie gewohnt erhalten bleibt.

In die Ausstattung der 8K-UHD-2-SHV-Kinos und Regieräume in Rio hat vor allem Panasonic viel investiert, schließlich geht es um das Geschäft der Zukunft. Etwa ein Dutzend 8K-Kameras mit einer Auflösung von 7.680 x 4.320 Pixeln (UHD-2) sind dort im Einsatz. Die Übertragung nach Japan erfolgt über Glasfaserkabel und IP. Am 1. August dieses Jahres hatte NHK seinen 4K-/8K-Testkanal gestartet. 8K-Set-Top-Boxen sind für 2018 angekündigt. 2020 will Japan zu den Sommerspielen in Tokio 8K als Regeldienst starten. Zudem werden die 8K-Signale auch nach 4K (UHD-1) herunterkonvertiert und einigen interessierten Broadcastern zur Verfügung gestellt.

Um insbesondere jüngere Zuschauer zu erreichen, haben ARD und ZDF einen VR-Channel mit 360 Grad Rundumblick im Internet eingerichtet. Eine Drehung des Kopfes oder das Drücken der Cursortasten des PCs reicht, um mit VR-Brillen von Oculus Rift oder HTC Vive einen Blick hinter die Kulissen der Stadien zu werfen. Noch ist VR allerdings ein gigantisches Experimentierfeld wie vieles, was mit Olympia 2016 zu tun hat.


Abo-Sender SKY startet UHD-Kanal.
Um bei Großveranstaltungen wie der Olympiade in Zukunft mithalten zu können, werden auch ARD & ZDF Ultra HD-TV in 4K-Qualität anbieten müssen. Allein schon der Senderechte wegen, wird eine Aufrüstung der Übertragungswege notwendig werden, um überhaupt Chancen auf Übertragungsrechte abzubekommen.

Mit zwei Sportsendern in UHD-Auflösung (3.840 x 2.160 Pixel) will der Bezahlsender Sky schon ab Herbst - zur IFA 2016 - neue Kunden gewinnen und alte Abonnenten halten. Auf Sky Sport Bundesliga UHD soll je eine Begegnung pro Spieltag in hoher Auflösung gezeigt werden. Sky will aber demnächst auch Filme und Serien in UHD auf Abruf über Sky On Demand anbieten. Ein neuer, modern gestalteter, Ultra-HD-fähiger Receiver mit eingebautem WLAN und 1-Terabyte-Festplatte hebt das Sky+ Pro Fernsehen auf die nächste Stufe. Über Satellit können Testsendungen in ULTRA-HD mit entsprechendem Decoder bereits jetzt empfangen werden.


Musikliebhaber und Besitzer eines UHD-Fernsehers (mit HEVC-Decoder) dürfen sich zur Funkausstellung am 3.9.2016 und nochmals am 10.9.2016 auf gleich fünf musikalische Highlights freuen. Sofern der Fernsehapparat an einer Satellitenlage hängt, können (auch ohne SKY-Abo) auf dem Free-TV UHD1-Demokanal by ASTRA HD+ von 11:15 Uhr bis 19:00 Uhr ein Ballett und vier Konzerte in Kooperation mit ARTE in ULTRA-HD-Qualität gesehen werden. In der Zeit von 08:00 Uhr bis 20:00 Uhr können die Satelliten-TV-Haushalte das Programm unverschlüsselt empfangen; nach 20:00 Uhr benötigen sie entweder ein HD+ Modul oder einen HD+ UHD Receiver mit aktiver HD+ Karte.

Das Analogradio soll abgeschaltet werden.
Für die Übertragung von UHD-Bildern im Internet wie auch im Kabel bedarf es höherer Bandbreiten und mehr freier digitaler Frequenzen für den terrestrischen Empfang. Ein Weg dahin ist die baldige Abschaltung des UKW Analogradios, das vollständig durch DAB+ ersetzt werden soll. Deutsche Rundfunk- und TV-Sender werden auch hier aufrüsten müssen. Derzeit wird das Digitalradio stark ausgebaut. Zur Verdichtung des Netzes wächst die Zahl der Senderstandorte bis Ende 2016 auf 110 an. Neun weitere Senderstandorte in Bayern, Brandenburg, Bremen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wurden jetzt in Betrieb genommen. Die neuen Standorte verbesserten die Verbreitung des Programmangebots mit öffentlich-rechtlichen und privaten Digitalradioprogrammen im Kanal 5C, erklärte der Netzinfrastrukturbetreiber Media Broadcast, der dem Mobilfunkprovider Freenet gehört.

Weil die Sendernetze für DAB+ noch nicht vollständig ausgebaut sind, gibt es vor allem in ländlichen Gebieten und dort insbesondere innerhalb von Häusern Lücken bei der Versorgung mit Digitalradio. Nahezu komplett erreicht würden dagegen bereits die Bundesautobahnen. Seitdem ist die Verbreitung der Digitalradiogeräte mit einem Zuwachs von 74 Prozent gegenüber 2015 sprunghaft angestiegen. Damit verfügen inzwischen rund 16 Prozent der Bevölkerung ab 10 Jahren über mindestens ein DAB+-Gerät in der Wohnung oder im Auto. Das wichtigste mobile Endgerät bleibt aber mit großem Abstand das Smartphone.

Während das Deutschlandradio die UKW-Abschaltung spätestens im Jahr 2025 für richtig hält, wollte die ARD sich bislang noch nicht festlegen. Zunächst wird Anfang 2017 das analoge terrestrische TV-Signal komplett abgeschaltet, das in den Großstädten bereits durch DVB-T2 ersetzt wurde. Nächster Schritt ist die Abschaltung der analogen TV-Übertragung im Kabelnetz. Danach folgt die Abschaltung der einfachen digitalen SD-Qualität aller Sender, wodurch die HD-Übertragung zum Standard erhoben werden kann und die restlichen Frequenzen für die Ultra-HD-Übertagung frei werden.


Die Zukunft des Radios ist digital.
Vor Beginn der IFA, der weltweit führende Messe für Consumer Electronics und Home Appliances (2.-7. September 2016), wollen alle Hörfunkprogramme der ARD und des Deutschlandradios ihre Kräfte bündeln und rund um die Uhr über die Vorteile, die faszinierende Vielfalt und die neuen Möglichkeiten des digitalen Radios informieren. Unter dem Motto "DAB+. Mehr Radio." wird am 29. August 2016 ein Thementag auch in den Fernsehprogrammen der ARD und im Online-Auftritt von ARD und Deutschlandradio ein starkes Signal setzen, dass DAB+ ein Standard für einen modernen, zukunftsfähigen Hörfunk in Deutschland und Europa ist.

Quellen: Golem | news aktuell | eco | BLM Bayerische Landeszentrale für neue Medien

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