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VR NOW CON & AWARDS Potsdam/Berlin sowie CHANGING THE PICTURES 2017

The Tech Biz Arts Conference in der Schiffbauergasse Potsdam.

Nach einem erfolgreichen VR-Event in 2016 findet auch in diesem Jahr am 15.+16. November 2017 wieder die VR-NOW Conference & Award in Potsdamer Schiffbauergasse statt. Bereits am Dienstag, den 14. November 2017 konnten die für den VR-Award nominierten Projekte in Berlin in der AUDI City Berlin am Kurfürstendamm mit 3D-VR-Brillen angesehen werden.

Am Dienstag fand gleichzeitig die Sitzung der Hauptjury, die die Gewinner auswählt, statt. Außerdem waren zahlreiche VR-Expert*innen der Konferenz vor Ort. Dadurch bot sich schon vorab eine gute Gelegenheit, mit den Machern der VR NOW, den Jurymitgliedern und mit nationalen und internationalen VR-Expert*innen zu sprechen, und über aktuelle Entwicklungen, Trends und Zukunftsperspektiven der Virtual Reality-, Mixed Reality-, Augmented Reality- und 360° Video-Branche zu diskutieren.

Mittwoch, 15. November 2017:

VR NOW Con - Konferenztag in Potsdam

Ort: Schinkelhalle, Schiffbauergasse, 14467 Potsdam

Uhrzeit: 09:00h - 19:00h

Programm hier: www.vrnowcon.io/conference/#Programm

VR NOW Awards - Preisverleihung in Potsdam

Ort: Schinkelhalle, Schiffbauergasse, 14467 Potsdam

Uhrzeit: 19:00h

Das sind die Nominierten: www.vrnowcon.io/awards

Update:

Der große Preis ging am heutigen Abend an »The Vrain« der spanischen StartUp Plattform "Foren Method", die das Projekt auf der Samsung Gear VR Plattform für den VR Technology Award umgesetzt hat. Somit hat diesmal kein Computerspiel den Hauptpreis gewonnen, sondern eine ernsthafte medizinische Anwendung, die aufzeigt wieviel Entwicklungsmöglichkeit für praxisnahe Anwendungen in der VR-Technologie steckt.

"Foren Method" ist ein Pionierprojekt, das einen neuen und revolutionären Weg in der Behandlung von neurologischen Schäden öffnen möchte. Erkenntnisse und Wissen aus dem Bereich Virtual Reality werden dabei auf Reha-Therapien angewandt, um physische Schäden wie Wirbelsäulenverletzungen, die Folgen eines Schlaganfalls, Multiple Sklerose und andere Krankheiten zu lindern und die Heilung nachhaltig zu unterstützen. (metodoforen.com)

Donnerstag, 16. November 2017:

VR NOW Con - Workshops in Berlin

Ort: Unicorn.Berlin, Brunnenstraße 64, 13355 Berlin

Uhrzeit: 10:00-ca. 15:00h

Programm hier: www.vrnowcon.io/workshops

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Erste VR-Projekte waren zuvor schon einem kleinen Kreis von Interessenten am 9. und 10. November 2017 bei der Babelsberger Technologiekonferenz CHANGING THE PICTURE (CTPiX17) vorgeführt worden, denn auch dort ging es wieder um das Storytelling für zukünftige Projekte, zu der eindeutig auch die virtuellen Welten auf die Suche nach den großen Zukunftsfragen der Filmbranche zählen.

Um es vorweg zu nehmen: Virtual Reality ist noch nicht der große Branchenkiller. Mark Harrison, Geschäftsführer des Branchennetzwerks Digital Production Partnership, besucht schon seit Jahren die immer im Januar stattfindende CES Consumer Messe in Las Vegas und präsentierte am Nachmittag des ersten Tages seine Analysen in einem hoch interessanten PowerPoint Chart mit den aus seiner Sicht wirklichen Technologie-Trends. Denn das seien bei weitem nicht die, von denen wir es annehmen würden.

Er machte deutlich, dass die Trends, an denen die Industrie in den letzten Jahren schlaglichtartig gearbeitet und die sie mit großem Aufwand vermarktet hat, in der Regel nicht mit dem korrespondierten, was dem Nutzungsverhalten der Konsumenten entsprach. So würde etwa um VR ein Hype losgetreten, der den Möglichkeiten der Technologie nicht entspräche. Dagegen stellte er beispielsweise das Smartphone, über das weit weniger diskutiert werde würde, aber um ein Vielfaches stärker verbreitet sei und von jungen Leuten nicht nur zum telefonieren und Chatten, sondern auch zum Filme gucken sowie als universelle Suchmaschine für alle möglichen Dinge benutzt würde. Mobile Endgeräte sind auf dem besten Weg vom zweiten zum ersten Bildschirm aufzusteigen, denn Mobile Natives verlangen nach kurzlebigen und einfach zu streamenden Viedeoclips. Er kam in seiner Analyse zu dem Schluss, dass die Trends, auf die man zählen müsse, vor allem in der Verbesserung der Sprachsteuerung liegen würden.

Laut AT&T Foundry werden Algorithmen sogar das goldene Zeitalter des Geschichtenerzählens einläuten, da Wissenschaftler an der Georgia Tech daran arbeiten, Computer narrative Intelligenz beizubringen, sodass Geschichten bald vielleicht nur noch Inhalte sind und die Erzähler von Algorithmen ersetzt werden können.

Die Konferenz hatte ins FX-Center und erstmals auch in das ehemalige DEFA 70 Kino auf dem Studiogelände in Babelsberg geladen. Internationale Referenten berichteten zudem aus ihren Erfahrungen der Stoffentwicklung und vielen anderen Bereichen des Filmschaffens. In spannenden Diskussionen gaben sie profund Auskunft aus eigener Forschung oder aus eigenem Erleben von der Produktion über die inhaltliche und bildliche Gestaltung bis hin zum Vertrieb.

Die US-amerikanische Autorin und Filmemacherin Jennifer Hall Lee rüttelte mit ihrer Keynote, in der sie davor warnte, das künstlerische Element beim Filmemachen dem Business unterzuordnen, die Zuhörenden auf. Sie will es nicht Algorithmen oder Big Data überlassen, welche Geschichten wie erzählt werden. Und weiter resümiert sie:

„Wir könnten das Filmschaffen zu einem reinen Handwerk werden lassen. Aber wenn wir das zulassen, wird im Film keine Kunst mehr stecken. Der Funken des Lebens, den nur die Kunst sichtbar machen kann, würde am Ende in Vergessenheit geraten“.

Trotz der vielen technologischen Fortschritte, bei denen reale und virtuelle Sets verschmelzen sowie Aufnahmen in 8K und HDR möglich sind, denen auch Jennifer Hall Lee positiv gegenübersteht, bleibe sie eine Geschichtenerzählerin, „tatsächlich erweiterten sie sogar meine Möglichkeiten und erlaubten es mir, filmische Grenzen auszudehnen, stets mit ein wenig Angst besetzt, aber immerhin“. Ihr Aufruf an das Publikum leitete sie mit einem Zitat Hannah Arendts ein: „Der Künstler ist das letzte Individuum einer Massengesellschaft“ und schloss mit „We need artists not content Providers“.

Im Anschluss stellten internationale Protagonisten des neuen digitalen Ökosystems im Bewegtbildmarkt ihre Thesen in den Raum und diskutierten sie. Drew Diamond appellierte an die anwesenden Produzenten: „Futureproof your production!“. Es werde immer wichtiger, Geschichten nicht nur linear erzählen, sondern Intellectual Property parallel für alle möglichen und auch noch nicht denkbaren Auswertungsformen nutzbar zu halten. Einmal errichtete Sets sollten gleich für einen VR/AR oder MR-Dreh genutzt werden. Man wisse in dieser technologisch schnelllebigen Zeit nie, so Drew, auf welche Weise die Geschichte an die Zuschauer gelangt, wenn er einmal aus der Postproduktion komme.

Andy Taylor nutzt dagegen seine Inhalte für Social Media Plattformen gerne auch als Testfelder für kommende TV-Formate. Ansonsten seien die von ihm hergestellten Inhalte bislang noch im Wesentlichen monetarisierbares Marketing, wobei der Fokus deutlich auf der Promotion liege. Bei seinen Produktionen für Social Media Kanäle stehe stets die Frage im Vordergrund, wie er die Leute wieder zum TV zurück hole. Im Augenblick würde Social Media noch dem Fernsehen zuarbeiten. Ob das aber in fünf Jahren immer noch so aussehe, vermochte er nicht zu versprechen.

Greg Davies setzt dagegen darauf, das Publikum gut zu kennen und – noch wichtiger – das Publikum des Publikums. Um es zu erreichen, braucht es nach seiner Beobachtung sogar immer mehr Kreativität. Die Vielzahl der Wege zum Publikum und die ungeheure Menge an Inhalten, der es permanent ausgesetzt ist, macht es notwendig, eben besonders kreativ zu sein, um aus der Masse herauszuragen.

Das anschließende Kamingespräch mit der Autorin Anna und dem Produzenten Jörg Winger, die gemeinsam mit „Deutschland ´83“ die wahrscheinlich international bislang erfolgreichste deutsche Serie kreierten, vertiefte einige dieser Thesen in der produzentischen Wirklichkeit. So bestätigte Jörg Winger den großen Effekt, den Social Media auf das TV habe: „Ein großer Artikel im überregionalen Feuilleton ist wunderbar, bringt aber im Vergleich zu einer Diskussion über deine Sendung auf Facebook verhältnismäßig wenig“ . Und so werde auch das Storytelling durch die Diskussionen in den Sozialen Medien beeinflusst: Man bekommt direktes Feedback zu Charakteren, Musik, etc. und lasse dies in die Skripte einfließen.

Beide berichteten darüber hinaus von ihren Erfahrungen bei Produktion und Vertrieb der Serie und stellten fest, dass sie sich in einer „Twighlightzone“ zwischen dem klassischen TV und dem neuen Plattform-Fernsehen bewegen. Ihre Serie sei damals für den deutschen Markt neu und ungewöhnlich gewesen. Denn entweder habe der Markt 90-minüter oder, mit Ausnahme der Soaps, abgeschlossene Serienfolgen verlangt. „Deutschland ´83“ dagegen habe sich in der Konfektionierung eher an internationale Standards gehalten. Und es zeigt sich inzwischen, dass weltweit ein eher junges Publikum sich für herausragende Serien interessiere, ohne dass es sie kümmern würde, woher sie stammen. Dies spiegele sich inzwischen auch in der Programmstrategie der großen Plattformbetreiber wider.

Gareth Capon, CEO von Grabyo, einer Produktions- und Distributionsplattform für das Live-Streaming in Soziale Netzwerke, weiß wie das digitale Ökosystem tickt, denn er kennt als ehemaliger Manager des Mobile App Portfolios von Sky insbesondere die Bedürfnisse von Sportrechteinhabern, die derzeit Millionen in einen Bieterkampf investieren.

"In der Zukunft wird TV personalisiert, über das Internet distribuiert und überall verfügbar sein. Heutige Tech-Unternehmen sind die Aggregatoren von morgen. Die größte Frage ist aber," so Gareth, "ob wir immer noch die gleichen Sendungen schauen wollen, oder ob der Aufstieg des wahrhaftigen Internet (und Mobile) TVs nicht die Art und Weise zu produzieren wie auch für wen produziert wird ebenso fundamental verändert, wie er die Distribution verändern wird?"

In der DoP Diskussion wurde das Konferenzthema „Produzieren in einer digitalen Welt“ aus Sicht der Kameraleute und digitalen Bildgestalter beleuchtet. Die französische Kamerafrau Jeanne Lapoirie berichtete dabei von ihren Anfängen in den 90er Jahren, als sie noch ihre Bilder auf Super16- Material bannte. Inzwischen dreht sie digital mit der Alexa, bekennt aber, dass sich ihre Art zu drehen dadurch nicht groß verändert habe. Allein Zeit habe sie durch die Alexa gewonnen, die wiederum dazu genutzt werden könne, mehr Szenen zu drehen.

Timon Schäppi, Schweizer Kameramann, und mit Filmen wie "LOVE STEAKS" oder "TIGER GIRL" bekannt geworden, setzt dagegen voll auf digitales Drehen. Man könne besser improvisieren, authentischer Szenen einfangen, aus der Hand drehen und mit der Kamera spontan dem folgen, wie sich die Szene entwickelt. Für ihn spart die Digitalisierung der Kameraarbeit allerdings keine Zeit: Denn jede Minute, die man irgendwo einspare, würde für weitere Dreharbeiten genutzt. „Am Ende dreht man wahrscheinlich auch nicht kürzer als vorher, man hat nur mehr Material.“

Sven Pannicke, Geschäftsführer von rise, einem weltweit tätigen VFX-Studio, beschwor dagegen die Möglichkeiten der digitalen Technik.

„VFX unterstützt das Storytelling ungemein. Uns sind kaum noch Grenzen des Erzählens gesetzt. Wir können technisch alles im Bild umsetzen.“

In 20 - 30 Jahren, so sagt er voraus, wird sich allerdings das Filmemachen fundamental ändern. Dann werden zunehmend nur noch einzelne Bildelemente – Kulissen, Schauspieler, Ausstattungselemente etc. – aufgezeichnet. Filmemacher bedienen sich dann an diesen Elementen und setzen sie zu einem Film zusammen.

Den Abschluss des Konferenztags bildete der Showcase zum Film- und VR-Projekt „Wonder Buffalo“ von Produzent Drew Diamond und Filmemacherin Christine T. Berg. Dort wurde praktiziert, was Drew Diamond fordert: Parallel und ergänzend zum Film produzierten die beiden noch ein VR-Erlebnis, das die autobiografisch geprägte Coming Of Age Geschichte noch einmal aus einer anderen, immersiven Perspektive erleben und so VR zum Teil des Storytellings werden ließ.

Christine T. Berg schilderte eindrücklich, wie sie als in VR-Drehs eher unerfahrene Filmemacherin dennoch ihren kreativen und erzählerischen Input einbringen konnte und welche technologischen Besonderheiten zu beachten waren. Herausfordernd bei dem Dreh waren zum Beispiel der Umgang mit Terrabytes an Daten, die beim Dreh mit 45 gleichgeschalteten Kameras anfallen. Die größte Besonderheit sei aber wohl, dass VR Filme mit Game Engines produziert werden und nicht mehr mit den bekannten Produktionssoftwaren von Adobe und Co.

Nachdem der animago AWARD & COFERENCE leider nach München abgewandert ist, macht sich Potsdam dennoch mit CHANGING THE PICTURE 17 (CTPiX17) und VR NOW Con & Awards seinem Ruf als Zentrum für neueste Medien-Technologien im Filmbereich alle Ehre.

Die beiden im November direkt hintereinander stattfindenden international besetzten und zukunftsweisenden MediaTech-Konferenzen locken internationale Experten an den Standort. Seit April 2017 ist Potsdam einer von zwölf vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ausgewählten Digital Hubs. Potsdam hat sich dabei auf seine Rolle als Vorreiter im Bereich „MediaTech“ fokussiert und im MediaTech Hub Potsdam ein Netzwerk von Unternehmen, Startups, Investoren, Institutionen, Universitäten und Forschungseinrichtungen aus den Kernbranchen Medientechnologie, Film, Virtual Reality, Digital Engineering, Edutainment, Data Visualisation, Gamification sowie Schnittstellenbranchen zusammengestellt.

Quelle: SteinbrennerMüller Kommunikation

Links: www.vrnowcon.io | www.changingthepicture.de

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