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DVD-Verleih stagniert - aber nicht bei Videobuster

Spezifikationen des neuen »Ultra HD Blu-ray«-Standards sind festgelegt.



Trotz eines eigenen Streaming-Angebots versendet Videobuster täglich 16.000 DVDs und Blu-rays und macht somit seinen Hauptumsatz von 95 Prozent weiter über DVD und Blu-ray, denn die Nutzer wollen nicht warten, bis die Verwertungskette beim Streaming angelangt ist. Dies könnte für den Markt der Zukunft sogar entscheidend werden, da dieser Tage der Standard für die neue »Ultra HD Blu-ray Disc« vom Blu-ray Konsortium festgelegt wurde.

Auch bei einer schnellen Internetanbindung mussten wir leider bei diversen Portalen immer wieder feststellen, dass HD-Streaming eine deutlich schlechtere Qualität aufweist, als die Blu-ray Disc hergibt. Unsere VDSL-Telekom-Leitung mit 25,0 MBit/s gab diverse HD-Filme beim Telekom eigenen Streaming-Portal Videoload zwar noch in ordentlicher, hochauflösender und auch bei Schwenks in fast ruckelfreier HD-Qualität wieder, aber die gleichen HD-Filme des Streaming Marktführers Maxdome wurden anscheinend oftmals mit sichtbar schlechterer Qualität wiedergegeben. Manchmal hatten wir sogar den Eindruck, bei Maxdome nur noch DVD-Qualität zu empfangen, obwohl wir den Preis für ein HD-Video bezahlt hatten. Dies ist unser Meinung nach inakzeptabel.

So ist verständlich, dass die große Mehrzahl der Kunden des Filmverleihers Videobuster, trotz eines eigenen Streaming-Angebots, überwiegend Filme auf Datenträgern ordern. Auch die traditionelle Verwertungskette der Filmindustrie lautet weiterhin: Kino, DVD und dann erst Streaming. Diese Reihenfolge wird bei stets steigender Qualität und höherwertigen Angeboten sich auch in naher Zukunft nicht so schnell ändern, wenngleich Portale wie Netflix anderer Meinung sind und Filme sowie Serien für Ultra-HD im Internet ankündigen.

Nicht ganz verwunderlich ist deshalb, dass derzeit etliche Videotheken an Absatzproblemen leiden und außerdem speziell in Berlin mit steigenden Ladenmieten rechnen müssen. Viele mussten in letzter Zeit deswegen sogar aufgeben wie z.B. »World of Video« in Berlin-Wilmersdorf, dessen Ladengeschäft Ende April schloss.

Auch die ehemalige »Filmgalerie 451«, die sich auf cineastische Filmperlen spezialisiert hat, musste sich verkleinern und die Torstraße bereits vor zwei Jahren verlassen.

Der neue Laden ist jetzt unter dem neuem Namen Filmgalerie Berlin in der Invalidenstraße 148 in Berlin-Mitte zu finden. Wichtigste Einnahmequelle der neuen Filmgalerie Berlin ist der Verkauf von und über 24.000 Titeln auf DVD, VHS und Blu-Ray, nicht der Verleih. Daneben betreibt das Unternehmen vom Haus C im Kulturzentrum an der Saarbrücker Str. 24 einen Filmverleih fürs Kino und tritt selbst als Produzent auf. Doch das sind Ausnahmen.

Übrig geblieben, wenn auch ebenso stark verkleinert, ist auch Videodrom in der Friesenstr. 11 in Berlin-Kreuzberg. Einst war sie die bestsortierte OFF-Videothek Berlins mit mehr als 30.000 DVD-Titeln. Nun muss auch sie gegen den Verkaufsschwund kämpfen. Dennoch ist Arthouse weiterhin der Renner und was die Bandbreite des Angebots angeht, können die Online Anbieter längst noch nicht mithalten.


Nur das mittelständische Unternehmen Videobuster hat mittlerweile fast 60.000 Spielfilme und Serien im Verleih. Arthouse-Filmkunst ist aber auch dort Mangelware. Gesellschafter des Unternehmens sind über die Firma Telepool die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender: Bayerische Rundfunk, Mitteldeutsche Rundfunk, SWR Media Services GmbH und Telvetia. Mit gezielter Online Werbung und dem unbürokratischen Versand von DVDs und Blu-rays auf dem Postwege behauptet sich Videobuster gegen den Markttrend. Während bundesweit die Vermietung von DVDs im ersten Quartal 2015 um 5 Prozent und die des Blu-ray-Verleihs sogar um 11 Prozent abnahm, versendet Videobuster nach Unternehmensangaben dagegen weiterhin täglich 16.000 DVDs und Blu-rays.

Start der »Ultra HD Blu-ray Disc« ab Herbst 2015.
Dennoch vernachlässigt Videobuster nicht Video-on-Demand und unterstützt bereits den Google Chromecast Stick und den Miracast Stick. Auch eine App für Amazon TV ist in Arbeit. Darüber hinaus wird sich das Unternehmen dem neuen »Ultra HD Blu-ray«-Standard nicht verschließen können, denn schon ab Herbst 2015 soll es mit 4K-Filmen auf Blu-ray los gehen. Abgekommen ist man übrigens von einem schlichten UHD-Logo. Der neue Standard sollte fett und einprägend sein.

Der Verkauf von UHD-Fernseher hat bereits in den letzten Monaten kräftig zugelegt. Was fehlt sind entsprechende Abspielmedien. Das Hochskalieren auf 4K genügt dem anspruchsvollen Verbraucher nicht mehr. Er möchte echtes Ultra-HD-TV auf seinem teuer erworbenen Flachbildschirm genießen. Die Kinobranche fürchtet dagegen die Heimkino Konkurrenz und setzt auf noch größere Leinwände und Laser-Kino sowie mit Dolby-Atmos für noch besseren 3D-Surround-Sound.

Mit der Ultra HD Blu-ray versucht dagegen die Filmindustrie das Offlinemedium dem Kunden wieder schmackhafter zu machen. Über den regulären Handel sollen ab Herbst 2015, also ab der IFA-Funkausstellung (4.-9. September 2015), neue Geräte und die Software zur Verfügung stehen. Die Daten der UHD-BD entsprechen den zu erwartenden 3.840 x 2.160 Pixeln. Damit sind also 4K-Kino- und Fernsehproduktionen verlustfrei auch zu Hause auf entsprechenden Geräten anschaubar. Die neuen Ultra HD Blu-ray-Medien sollen in zwei Datenschichten je 66 GByte und bei drei Schichten 100 GByte speichern können. Womit sie deutlich die Kapazität herkömmlicher Blu-ray-Medien übertreffen, die maximal 25 GByte (Single Layer) oder 50 GByte (Dual Layer) fassen. Deshalb werden zum Abspielen dieser neuen Medien neue Player und neue Schnittstellen an den TV-Geräten benötigt.

Viele UHD-Fernseher der neusten Generation sind mit entsprechenden Eingängen bereits ausgerüstet. Was noch fehlt sind die UHD-Blu-ray-Player. Dafür unterstützt der neue Standard auch höhere Bildwiederholraten (HFR, High Frame Rate), einen größeren Farbraum mit 1,07 Milliarden Farben und 10 Bit pro Kanal sowie High Dynamic Range (HDR), was sicherlich einige aus der Fotobranche kennen werden. Digitale HDR-Bilder werden oft als 3D-Computergrafiken künstlich erzeugt oder aus einer ganzen Belichtungsreihe von Fotos mit niedrigem Dynamikumfang (low dynamic range, LDR) erstellt. Im Film- und Videobereich gehört Netflix zu den ersten Anbietern und will eigene produzierte Werke auch in die IMAX Kinos bringen. Die Dolby Laboratories kontern mit Dolby-Vision, einer HDR-Projektion in speziell ausgestatteten Kinos. Die Anforderungen an HDR-Fernseher, deren erste Prototypen bereits auf der CES 2015 in Las Vegas von vielen Herstellern gezeigt wurden, sind allerdings hoch und womöglich nur mit teuren OLED-Panels zu meistern.

Ultra-HD-Filme, die keine höheren Bildraten benötigen, können aber auch weiterhin auf den bisherigen 50-GByte-Medien gespeichert werden. Außerdem sind die neuen Abspielgeräte natürlich abwärtskompatibel mit aktuellen Blu-rays. Zu beachten ist, dass der auf der Ultra HD Blu-ray enthaltene Kopierschutz HDCP 2.2 voraussetzt, dass sowohl der Blu-ray-Player als auch das Anzeigegerät wie Beamer oder Fernseher diesen Standard unterstützen. Ansonsten wird nur ein Full-HD-Signal ausgegeben. Ältere UHD-TV-Geräte können eventuell per Firmware-Update auf den neuesten Stand gebracht werden. Jedoch dürfte dies nur bei wenigen Geräten und Herstellern möglich sein.

Quellen: Golem | GameStar | Tagesspiegel

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