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Überraschung bei den Kino-Charts und weitere Filmkritiken im April, Teil 2

Neuer Spitzenreiter aus Frankreich am deutschen Kino-Box-Office.

Am deutschen Kino-Box-Office gab es am letzten Donnerstag, bei den neuen Kinostarts eine ziemliche Überraschung. Nur eine Woche lang konnte Robert Redford als „Ein Gauner und Gentleman“ die Spitzenposition in den deutschen Arthouse-Charts behaupten – dann kam am vergangenen Wochenende „Monsieur Claude 2“ und verwies ihn sowohl in den Programmkinos, als auch in den Mainstream Kinos auf den zweiten Rang. Die französische Komödie von Neue Visionen setzte sich auf Anhieb an die Spitze und startete zunächst mit rund 178.000 Besuchern – und damit besser als das Original aus dem Jahre 2014. Der Kopienschnitt lag bei 302.

Dabei waren wir von dem Film gar nicht überzeugt, ebenso wenig wie unsere Filmkritikerin Ulrike, die nachfolgend kein gutes Wort für die Fortsetzung übrig hat.

Rang zwei sicherte sich die Horror-Neuverfilmung von Stephen Kings „Friedhof der Kuscheltiere“ mit 132.000 Zuschauern. Der Film im Verleih von Paramount erzielte einen Besucherschnitt pro Location von 312 und damit den Top-Wert in dieser Sparte am vergangenen Wochenende.

Ebenso neu und auf dem dritten Rang schob sich das Superhelden-Fantasy „Shazam!“ nach DC-Comics-Motiven aus dem Hause Warner. Es lockte 122.000 Besucher in die Kinos und kam auf einen Kopienschnitt von 235. Weltweit spielte der für 100 Mio. Dollar produzierte Superheldenfilm am vergangenen Wochenende sogar mehr als 150 Mio. Dollar ein. Während der Vorwochen-Erste „Dumbo“ mit 105.000 Zuschauern gleich auf den vierten Rang fiel, rutschte „Captain Marvel“ (89.000 Besucher) von Platz zwei sogar auf Platz fünf ab.

In den Programmkinos arbeitete sich „Free Solo“ in der Hitliste vom vierten auf den dritten Platz vor, während der Arthouse-Dauerbrenner „Green Book“ vom der dritten auf die vierte Position fiel. Als zweiter erfolgreichster Neueinsteiger in den Arthouse-Charts konnte der Krimi-Thriller „Birds of Passage“ (Verleih: MFA) über den Beginn des Drogenhandels in Kolumbien immerhin den fünften Platz belegen.

Weitere Neueinsteiger am vergangenen Wochenende waren: „Unheimlich perfekte Freunde“ (SquareOne; 11.400 Besucher; Schnitt: 37), „Bolshoi Ballet: Das Goldene Zeitalter“ (Kinostar; 4.100 Besucher; Schnitt 33) und „La Forza Del Destino“ (Trafalgar Releasing; 3.200 Besucher; Schnitt: 106).

Quellen: FFA | Filmecho | AG Kino | HDF Kino

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Morgen gibt es schon wieder Neustarts in den Kinos. Wir empfehlen vor allem die Doku "Berlin Bouncer", die auf der Berlinale in der Sektion »Perspektive Deutsches Kino« ihre Premiere feierte. Übrigens einer von drei Filmen auf der Berlinale, in denen Sven Marquardt, Fotograf und Türsteher des Technoclubs Berghain, die Hauptrolle spielt. Dazu weiter unten eine Filmkritik von Elisabeth Nagy.

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"MONSIEUR CLAUDE 2" Komödie von Philippe de Chauveron (Frankreich). Mit Christian Clavier, Chantal Lauby, Ary Abittan u.a. seit 4. April 2019 in den Kinos. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

„Monsieur Claude und seine Töchter“ (2014) schaffte es zwölf Millionen französische und vier Millionen deutsche Zuschauer in die Kinos zu locken und ich fürchte das Komödien Sequel "MONSIEUR CLAUDE 2" wird mit ähnlichen Zuschauerzahlen aufwarten können.

Der erste Teil lebte von der Unmöglichkeit, dass die vier Töchter des konservativen Ehepaares Claude (Christian Clavier) und seiner Frau Marie, sich in junge Männer verliebten, die in ihren Augen alles andere als standesgemäß waren. Und nun im zweiten Teil, mon Dieu, wollen die Ehemänner samt ihren Frauen Frankreich verlassen und in Länder wie Israel, Algerien, Indien und China auswandern. Frankreich erscheint ihnen zu rassistisch und beruflich sehen die vier Männer auch keine Chance für sich. Die Eltern sind entsetzt. Mit allen möglichen Tricks versuchen sie Schwiegersöhne und Töchter davon abzubringen, indem sie Frankreich als das gelobte Land anpreisen und sie zum Bleiben animieren.

Und wieder zielt der leidige Humor darauf ab, ein breites Publikum zum Lachen zu bringen und für eine Selbstbespiegelung zu sorgen. Da wird wieder kräftig in die Klischeekiste gegriffen, ist doch egal, der Rubel muss rollen. Für mich ein Film, der mich eher zum Weinen als zum Lachen bringt. Der berühmte Satz, Humor ist, wenn man trotzdem lacht, greift bei mir leider auch nicht.

Ulrike Schirm

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"BERLIN BOUNCER" Doku von David Dietl (Deutschland). Ab 11. April 2019 im Kino. Hier der Trailer:

Elisabeths Filmkritik:

Sie sind die "Exzess-Verwalter" für die Partygänger der Nacht. Sie machen die Nacht zu einem Gemälde, sie bestimmen Farbe und Pinsel und damit sind wohl die Clubgänger gemeint. Wohlgemerkt die unter ihnen, die in einen Club hinein wollen und auch kommen. David Dietl verbrennt hier ein spannendes Thema, drei ganz unterschiedliche Biographien, dann noch etwas Wendezeit-Nachmauergeschichte einer Stadt im Wandel.

Ein super Plakat setzt die drei, die darüber entscheiden, ob man feiern darf oder nicht markant in Pose. Aber, soviel kann jetzt schon verraten werden, wie das nun genau funktioniert mit der Auswahl, darüber erfährt man nichts. Braucht man auch nicht. Über das Nadelöhr zwischen Drinnen und Draußen und den Begehrlichkeiten, dem sich zeigen und dem gesehen werden, das wäre auch ein spannender Film geworden, aber hier geht es nur um die Türsteher selbst.

Und Dietl greift kurz auf ihre Biographien zurück. Frank Künster stammt aus Westdeutschland. Er wollte noch nie gute Laune zum öden Spiel machen, erzählt seine Schwester. Sven Marquardt ist Berliner, Punk in Zeiten der DDR, wo Punk Außenseitertum war. Gerade erst hat ihn Annekatrin Hendel in "Schönheit & Vergänglichkeit" proträtiert. Er ist nicht nur Türsteher, er ist und war weit vor diesem Job, in den ihn alle kennen und fürchten, Photograph. Leider zeigt Dietl eher Marquardt den Fotografen als den Türsteher. Smiley Baldwin kam als Militärpolizist nach Berlin, er wollte "dienen und beschützen". Er hatte Autorität, wenn er was sagte, wurde gespurt. Auch die Berliner Polizei. Und dann fiel die Mauer und plötzlich war alles anders.

Smiley blieb in Berlin. Bewarb sich bei Security-Firmen und wurde komplett ignoriert. Heute hat er seine eigene Security-Firma. Das Drehteam reist mit ihm einmal zu Besuch in die alte Heimat auf den Virgin Islands, und reist auch mit nach Turin, wo Marquardt eine Ausstellung eröffnet. Budget scheint also vorhanden gewesen zu sein, aber der Film kratzt nicht an der Oberfläche. Weder bei biographischen Daten, noch unter dem Lack der Selbstdarstellung.

Macht nichts, könnte man sich denken. Die 90er in Berlin waren eine spannende Zeit und die Herren haben das mit erlebt, wenn nicht auf irgendeine Weise auch mitgestaltet. Die Discos der 80er war out, leerstehende Hallen gab es zuhauf. Clubs machten auf und wieder zu. Weit über die Stadtgrenzen hinweg war das Partyleben Berlins ein Begriff.

Ein bisschen wühlt man in Archivmaterial herum, zeigt auch etliche Türen (alle verschlossen), setzt sie aber nicht in das Stadtbild ein und geht auch nicht der Frage nach, wie die Clubszene die Stadt veränderte. Man zeigt das alte Tacheles, steht dabei gegenüber und zeigt auf einen Laden, das wird das "Obst & Gemüse" gewesen sein. Schön für die, die damit was verbinden können.

Die Nachgeborenen werden dem Zeitgefühl nicht auf die Spur kommen. Sie werden vielleicht noch nicht einmal merken, und das ist vielleicht gut so, denn der Jugend gehört die Zukunft und nicht die Vergangenheit, dass "Berlin Bouncer" in den wenigen Momenten, in denen man die Figuren an sich heranlässt, vom Älterwerden erzählt.

Elisabeth Nagy

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