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Über 5 Filmstarts noch vor der Berlinale und ihre langen Geschichten

Über Filmstarts, die verschoben wurden, aber nun doch noch vor der Berlinale im Kino anlaufen.

In diesem Februar 2018 wird der von der Filmwirtschaft lange erhoffte erste Bogey dieses Jahres erwartet. Leider trifft dies auf keinen Film zu, den wir mögen. In 701 Kinos kam am Donnerstag, den 9. Februar 2018, der Abschluss der "Fifty Shades of Grey" -Trilogie "Befreite Lust" nach den erotischen Bestsellern von E.L. James auf 135.000 Zuschauer und knapp 1,3 Mio. Euro Umsatz. Damit erreichte der Blockbusters am Starttag exakt die gleiche Zuschauer-Quote wie der Vorgänger "Fifty Shades of Grey - Gefährliche Liebe".

Auf das Startwochenende hochgerechnet winken somit bei ca. 850.000 verkauften Tickets rund acht Mio. Euro Umsatz. Womit der erste Bogey in diesem Jahr fällig wäre, für einen Schnitt mit mehr als 1000 Besuchern am Startwochenende. In Berlin dürften sich die Zahlen aber in der Folgewoche kaum weiter hochschaukeln, denn am nächsten Donnerstag, den 15. Februar 2018 beginnen mit der Berlinale die 68. Internationalen Filmfestspiele Berlin, in der nicht nur alle City-Kinos, sondern auch zahlreiche Kiezkinos in den Außenbezirken zugunsten der Berlinale auf das aktuelle Kinoprogramm der Verleiher verzichten müssen.

Doch genau an jenem Tag laufen mit dem Fantasy-Epos "Shape Of Water - Das Flüstern des Wassers" und "Alles Geld der Welt: ​Was ist der Preis für ein Leben?" über einen der aufsehenerregendsten Fälle der Kriminalgeschichte, nämlich der Entführung des 16-jährige Enkels des milliardenschweren Öl-Magnaten J. Paul Getty, zwei Oscar nominierte Werke an. Von letzterem haben wir nachfolgend sogar eine Kritik parat.

Einen schlechteren Starttermin hätte man sich demnach - zumindest in Berlin - für die beiden wichtigen aktuellen Arthouse-Filme nicht aussuchen können. Dadurch, dass sie in vielen City-Kinos während der Berlinale nicht gezeigt werden können und somit kaum sichtbar sind, tut man auch den Kinobetreibern keinen Gefallen.

Um "Fifty Shades of Grey - Befreite Lust" ist uns in dieser Zeit nicht bange, denn sogar der Spiegel verreist das Werk und schreibt über den Blockbuster:

"Wenn man die Szenen im Kopf hat, die Frauen in den vergangenen Monaten über Harvey Weinstein und zuletzt auch über Dieter Wedel schilderten, Szenen voller sexueller Kontrollsucht, ist es fast unmöglich, einen Höhö-Schenkelklopfer-Text über den dritten Teil von "Shades of Grey" zu schreiben. Wenn sich Filmtrilogien von Folge zu Folge steigern, dann gilt das für Teil drei der Pseudo-Sadomaso-Story "Shades of Grey" auf allen Ebenen: die Rollenklischees noch widerwärtiger, die Sexszenen noch erwartbarer, die Handlung noch egaler. In Zeiten von #metoo ist dieser Film von Regisseur James Foley nur eins: vorvorgestrig."

Unsere Filmkritikerin Ulrike Schirm sieht das nicht ganz so verbissen und hatte scheinbar sogar ein wenig Gefallen an dem Machwerk gefunden.

"FIFTY SHADES OF GREY 3 - Befreite Lust" Erotik-Drama von James Foley (USA). Mit Dakota Johnson, Jamie Dornan, Eric Johnson u.a. seit 8. Februar 2018 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

"FIFTY SHADES OF GREY 3: Befreite Lust" und letzter Teil der „Lore-Roman-Schmonzette“ beginnt mit der Hochzeit von Christian und Anastasia. Wenn man jetzt glaubt, dass der krankhaft kontroll- und eifersuchtsbesessene Ehemann seiner Angetrauten mehr vertraut, der hat sich gewaltig geirrt. Während der Hochzeitsfeier verlassen beide die pompös ausgestatteten Räumlichkeiten mit seinen Worten: „Lass uns gehen, ich hab es satt, dich mit dem Fußvolk zu teilen.“ Natürlich folgt ihm Ana brav.

Nun ist sie nicht nur Ehefrau, sondern auch Milliardärin und bekommt einen Bodyguard an die Seite gestellt, der sie auf Schritt und Tritt verfolgt. Ana gehört jetzt zu seinem Besitz. Miss Steele avanciert zu Misses Grey. Mehr hat sich nicht geändert.

In schönster Kulisse wird wieder viel nackte Haut gezeigt, Sex, mehr soft als Softporno und das „Spielzimmer“ wird auch ab und zu benutzt. „Ich kann nicht glauben, dass das jetzt mein Leben ist“, säuselt sie glücklich vor sich hin. Einen Hauch von Emanzipation gestattet man ihr immerhin. Während ihrer Abwesenheit, ist sie an ihrem Arbeitsplatz aufgestiegen und besteht darauf, weiterzuarbeiten, zum Missfallen ihres Mannes. Irgendwie muss man die dröge Handlung vorantreiben und was liegt da näher, als Sex und Crime miteinander zu verbinden.

Es ist wieder ihr Ex-Chef, der sie diesmal erpresst und eine hohe Summe Lösegeld von ihr verlangt. Dumm nur, dass sie ungewollt schwanger ist, zum schieren Entsetzen von Christian, der aufgrund seiner unglücklichen Kindheitsgeschichte von der Angst gepeinigt ist, sich Anas Liebe mit dem Baby teilen zu müssen. Oh, what a mess. Im Alleingang versucht die schwangere Ana zu retten, was zu retten ist und begibt sich in Gefahr. Natürlich greift die Polizei und der abgehängte Bodyguard rechtzeitig ein und der erleichterte Christian Grey freundet sich mit dem Gedanken an ein Baby an. Vor Freude erwartetet Misses Grey ihn mit nacktem Arsch im „Spielzimmer“.

Wer den 1. und 2. Teil gemocht hat, wird auch den 3. Teil mögen. Doch im Großen und Ganzen ist der Film so grottig, dass die unfreiwillige Komik darin während der Pressevorführung mehrmals für Gelächter sorgte. Zufällig sah ich ein Interview mit den Darstellern Dakota Johnson und Jamie Dornan. So lustlos wie die beiden sich während des Gesprächs verhalten haben, habe ich so noch nicht gesehen.

Ulrike Schirm

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Verschoben worden war der Film "Dinky Sinky" vom Mai 2017 ebenfalls auf den 8. Februar 2015, also genau eine Woche vor der Berlinale. Vielleicht erhofft man sich im Vorfeld der Berlinale Sektion »Perspektive deutsches Kino« jetzt mehr Aufmerksamkeit für den deutschen Film zu erlangen. Was aber den Nachteil hat, dass weniger Kinos den Film in der Hauptstadt spielen können.

Mareille Kleins Werk über die Verbissenheit einer Frau, die mit sich hadert und unbedingt ein Kind haben will, ist durchaus interessant und lehrreich anzusehen. Im übertragenen Sinne kann es auch auf jede andere Sturheit angewendet werden, frei nach dem Motto: "Koste es was es wolle". Konsequent erzählt, überzeugend gespielt und dennoch unnahbar. Ja geradezu ein Film über eine Person, die eine gewisse Eiseskälte ausstrahlt. Denn als die 36-jährige Sportlehrerin Frida (Katrin Röver) zum letzten Mittel greift, um ihren Kinderwunsch zu erfüllen, und deshalb eine künstliche Befruchtung plant, wird sie von ihrem Freund verlassen. So scheint plötzlich der Traum vom eigenen Nachwuchs inklusive ihrem Lebensentwurf zu verpuffen.

"DINKY SINKY" Dramödie von Mareille Klein (Deutschland). Mit Katrin Röver, Till Firit, Michael Wittenborn u.a. seit 8. Februar 2018 im Kino. Hier der Trailer:

Elisabeths Filmkritik:

Die Hürden sind unermesslich. Frida wünscht sie kaum etwas so sehr, wie ein Kind. Sie ist 36 und die Zeit spielt gegen sie. Mareillle Klein (“Auf Teufel komm raus”) studierte zuerst Dokumentarfilmregie an der HFF München und wechselte nach einer aktiven Drehpause zum Spielfilm. In ihrem Abschlussfilm geht sie ein sattsam bekanntes Thema an und präsentiert dieses doch mit einer Intensität, die sich um Sympathien nicht schert. Frida ist ein Kontrollfreak, sie ist aggressiv, sie beißt verbal zu und lässt nichts und niemanden an sich heran, wenn es darum geht, an ihr Ziel zu kommen. Es braucht eine starke Schauspielerin, um eine so verblendete und doch bedauernswerte Frau haargenau zu porträtieren, sodass der Zuschauer ihr noch zuschauen mag.

Sicherlich wollte Marielle Klein auch etwas über die Generation Frauen erzählen, für die das Kinderkriegen ein harter Kampf geworden ist. Ursachenforschung, soziale Studien sucht man hier vergebens. Sie können dem Thema nichts hinzufügen, hier geht es nur um Frida gegen alle. Der Titel ist allerdings der Trendsprache entnommen. “Dinky” steht für “double income no kids yets” und “Sinky” ist dementsprechend die Single-Variante. Bereits in der ersten Szene ist abzusehen, dass ihre Partnerschaft mit Tobias den Stress nicht aushalten wird. Es ist schon schwer genug, Furchtbarkeitstage im Auge zu behalten und dann auf Bestellung Sex zu haben. Doch Frida missbraucht Tobias als Samenbank. Wie sie mit ihm umgeht, wie sie seine Wünsche missachtet, ihn enthumanisiert, das wirft das Publikum wohlmöglich vollends aus der Bahn.

Doch welches Ziel verfolgt Marielle. Als Zuschauer befindet man sich teilweise zwischen den Fronten, bis man sich ganz auf die Seite stellt, die ihr nicht in diesen Wahnsinn folgen kann. Ihre Aggressionen nehmen überhand und sie überschreitet eine Grenze nach der anderen, ohne sich überhaupt dessen bewusst zu werden. Ohne dass sie, wenn man ihr eine Möglichkeit zur Kommunikation gibt, diese ergreift. Frida ist eine unangenehme, egozentrische Frau, von der man sich auch trennen würde. Bei der man den Braten auch riechen würde, wenn sie um seine Hand anhält. Wenn sie als Sportlehrerin vor einem Klassenraum voll mit Eltern steht, die von ihr für ihre Übergriffe in die Privatsphäre der Kinder Antworten verlangen, und fragt: “was wollt ihr von mir?”, dann merkt man, ihr kann so nicht geholfen werden. Und man ist sich sicher, ein Kind würde diese Persönlichkeit auch nicht ändern. Darum ist das Drehbuch der eigenen Hauptfigur gegenüber kontraproduktiv. Ihre Darstellerin Katrin Röver trägt diese Rolle dennoch ernst und konsequent. Ihr gebührt ein Hut ab.

Elisabeth Nagy

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Ebenfalls sehenswert, oder zumindest zum Nachdenken gemeint, ist die deutsch-slowakische Koproduktion "Freiheit" von Jan Speckenbach. Die Gründe - warum Mama plötzlich weg ist und am Ende ein Freitod steht - sind allerdings nicht ganz ersichtlich, sodass der Film sich letztendlich als zwiespältig erweist.

"FREIHEIT" Drama von Jan Speckenbach (Deutschland, Slowakei). Mit Johanna Wokalek, Hans-Jochen Wagner, Georg Arms u.a. seit 8. Februar 2018 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

Nora (Johanna Wokalek) verheiratet, zwei Kinder, verlässt nach einem unharmonischem Abendessen mit Freunden das Haus und kehrt nicht mehr zurück. Eigentlich eine Tatsache, die man nur von Männern kennt. „Ich geh mal Zigaretten holen“, weg ist er.

Der Berliner Autor und Regisseur Jan Speckenbach ("Die Vermissten") widmet sich in seinem Film "FREIHEIT" der Frage, was denn wichtiger sei, Freiheit oder Verantwortung und was macht ihr Verschwinden mit Mann und Kindern.

Scheinbar ziellos reist Nora durch Europa. Seltsam passiv erfindet sie neue Identitäten. Sie macht Station in Wien, dann weiter nach Bratilava. Stürzt sich in eine Affaire, findet Freunde. Sie trifft die Slowakin Etela (Andrea Szabová), die in einer Live-Sex-Show auftritt und sonst ein glückliches, normales Familienleben führt. Ähnlich dem, welches Nora plötzlich verlassen hat. Sie probiert vieles aus. Doch wirklich befreit fühlt sie sich nicht. Bei allem, was sie tut, bleibt ein schaler Beigeschmack.

Unterdessen kümmert sich ihr Mann Philip (Hans Jochen Wagner) so gut es geht um die Kinder. Zwei Jahre ist sie nun schon weg. In einem Fernsehaufruf sucht er nach ihr. Er weiß nicht, ob sie überhaupt noch lebt und warum sie ihn verlassen hat. Seine 12-jährige Tochter Lena (Rubina Labusch) versteht seine Trauer nicht. Für sie ist die Mutter eine Person, die ihre Familie einfach im Stich gelassen hat, was in unserer Gesellschaft als ein unentschuldbares Tabu bezeichnet wird.

Philip lenkt sich in seinem Beruf als Anwalt mit einem besonderen Fall ab. Man sieht ihn am Bett eines ins Koma geprügelten Afrikaners, dessen Schläger er verteidigt. Er streichelt ihm liebevoll über die Wange. Eine anrührende Geste, die seine Verletzlichkeit zum Ausdruck bringt.

Speckenberg, inspiriert von Ibsens „Nora oder ein Puppenheim“, nimmt sich ohne zu moralisieren einem Thema an, dass bei Festivalaufführungen heftige Diskussionen ausgelöst hat. In unseren Köpfen spukt immer noch der Gedanke herum, dass Frauen so etwas nicht tun. Keine Mutter verlässt einfach ihre Kinder, indem sie sich stillschweigend auf und davon macht. Philip hat nicht die geringste Chance, sich zu verändern. Er bleibt in zermürbender, gedanklicher Unfreiheit zurück.

Wokalek spielt ihre Rolle fein nuanciert. Trotz aller Neugier auf ein Leben in Freiheit umschwebt sie der bittere Hauch von Verlorenheit.

Speckenbach ist mit „Freiheit“ ein sehenswertes, „Experiment“ gelungen. Zwei Musiktitel lassen aufhorchen. Marlenes „Wenn ich mir was wünschen könnte“ und der Song „Sometimes I feel, like a motherless child…..“.

Ulrike Schirm

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Im letzten Jahr hatte das US-Independent-Filmfestival »Sundance« etliche sehr starke Filme gezeigt. Einer davon ist der im Indianerreservat spielende Krimi "Wind River". Das diesjährige Sundance-Festival galt dagegen als weniger überzeugend.

WIND RIVER Thriller von Taylor Sheridan (USA). Mit Jeremy Renner, Elizabeth Olsen, Kelsey Asbille u.a. seit 8. Februar 2018 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

Die hochgelobten Filme "SICARIO" und "HELL OR HIGH WATER" stammten schon aus seiner Feder. Nun ist er mit "WIND RIVER" am Start, bei dem Drehbuchautor Taylor Sheridan zum ersten Mal auch Regie führt. Es ist der Abschluss einer Frontiertrilogie, in der er sich mit Armut und Gewalt auseinandersetzt.

Sie beginnt mit einer Spirale von Gewalt an der Grenze zwischen Mexico und den USA. Dann richtet sich sein Augenmerk auf die massive Schere zwischen Armut und Reichtum in West Texas. Das letzte Kapitel ist nun „Wind River“ – die Katharsis.

Ein junges Mädchen rennt in Todesangst barfuß durch tiefen Schnee. Es herrschen eisige Temperaturen. Es ist so kalt, dass bei körperlicher Anstrengung die Lungenbläschen kristallisieren und sich mit Blut füllen.

Cory Lambert (Jeremy Renner) arbeitet als Angestellter des U.S. Fish & Wildlife Services als Jäger und Fallensteller für eine lokale Gemeinde im ländlichen Wyoming, ganz in der Nähe der Wind River Indian Reservation. Sein Auftrag, die Bauern in der Umgebung vor Wölfen und Kojoten zu beschützen. Nach einer Tragödie vor einigen Jahren lebt er getrennt von seiner Frau Wilma (Julia Jones), eine Angehörige einer der Indianerstämme, die hier leben müssen, in einer unwirtlichen Gegend, in der es kaum eine Gegenwart, geschweige denn, eine Zukunft gibt.

Bevor er sich auf die Jagd nach einer Puma-Mutter mit ihren Jungen macht, holt er seinen neunjährigen Sohn Casey ab und nimmt ihn mit zu seiner Familie im Wind-River-Reservat. Dann begibt er sich auf seinem Schneemobil in die tiefverschneite eisige Wildnis, in der er sich bestens auskennt.

Er stößt auf eine Spur. Es ist die Spur eines laufenden Menschen, eines Menschen auf der Flucht. Einige hundert Meter weiter, findet er die festgefrorene Leiche eines 18-jährigen Mädchens aus dem Reservat. Er kennt das Mädchen. Es handelt sich um Natalie Hanson (Kelsey Asbile), die beste Freundin seiner Tochter, die vor drei Jahren auf ungeklärte Weise ums Leben kam.

Auch ihr Leichnam wurde in der Wildnis, weitentfernt von einer Siedlung gefunden. Ihr Tod hat eine schmerzhafte Wunde in Cory hinterlassen. Cory, der beste Spurenleser weit und breit, erfahren, umsichtig und entschlossen, hilft der unerfahrenen FBI-Agentin Jane Banner (Elisabeth Olsen) bei der Aufklärung des Falls. Für die Beamtin aus Las Vegas ein Witterungsschock, sie hat nicht einmal Winterkleidung dabei. Für die junge Frau aus dem sonnigen Süden eine immense Herausforderung sich an einem Ort durchzusetzen, wo man Menschen gezwungen hat zu leben, ein Ort, wo niemals Menschen leben sollten. Ein Ort, wo die Rechtsstaatlichkeit den Gesetzen der Natur weichen muss. Mit starker Willenskraft meistert die unerfahrene Jane ihren Job.

„Wind River“ ist mit einer immensen Wucht inszeniert. Renner überzeugt nicht nur als Person, die sich zwischen Gerechtigkeit und Rache entscheiden muss, er überzeugt zutiefst in seiner Verletzlichkeit und Entschlossenheit. Ein Balanceakt, der von großartigem schauspielerischen Können getragen wird. Mit Ben Richardsen hat Sheridan einen Kameramann ausgewählt, der den Blick dafür hat, die Emotion einer Landschaft einzufangen und gleichzeitig den nötigen Naturalismus zu erhalten. Ein von Anfang bis Ende packendes Meisterwerk. Schonungslos wird die erschütternde Härte und Brutalität in dem menschenunwürdigem Reservat gezeigt.

Ulrike Schirm

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Wie oben erwähnt startet nächsten Donnerstag mit "ALLES GELD DER WELT" ein Film nach wahren Begebenheiten und einem Sachbuch von John Pearson, der ursprünglich für das Festival des American Film Institute (AFI Fest) vorgesehen war, aber von Sony-Pictures zurückgezogen wurde. Der Film sorgte nämlich in ganz anderer Hinsicht für Aufsehen. Alle Szenen, die jetzt mit Christopher Plummer besetzt sind, waren zuvor von Kevin Spacey gespielt worden. Im Zuge der Weinstein Affäre wurde der Schauspieler, der sich zuletzt als schwul geoutet hatte, von mehreren Männern des sexuellen Übergriffes beschuldigt. Daraufhin zog die Produktionsfirma die Reißleine und drehte die betreffenden Szenen kurzerhand neu, was Millionen kostete.

"ALLES GELD DER WELT - Was ist der Preis für ein Leben" Drama von Ridley Scott (USA). Mit Michelle Williams, Christopher Plummer, Mark Wahlberg u.a. ab 15. Februar 2018 im Kino. Hier der Trailer:

Isoldes Filmtipp:

1973 wird der 16jährige Paul, ein Enkel des Ölmagnaten J. Paul Getty (Christopher Plummer), in Rom entführt. Die Entführer verlangen 17 Millionen Dollar Lösegeld, was der 'reichste Mann der Welt' aber nicht zu bezahlen gedenkt, da er das Ganze als Inszenierung betrachtet und Nachahmer fürchtet.

Pauls Mutter Gail (Michelle Williams) kämpft um das Leben des Sohns, versucht den alten Getty umzustimmen und verbündet sich mit dem Sicherheitsberater, dem Ex-CIA Mann Fletcher Chace (Mark Wahlberg). Ab da an läuft das Ultimatum...

Paul Getty, Ölmagnat, Kunstsammler und Begründer eines illustren Familienimperiums, zählt zu jenen seltenen Unternehmerspezies, die man zugleich bewundert und bemitleidet, fürchtet und verehrt. Brisant ist dabei, das Getty eigentlich von Kevin Spacey gespielt werden sollte, Ende Oktober 2017 platzten jedoch die ersten Vorwürfe wegen sexueller Belästigung gegen den zweifachen Oscar-Preisträger in die Postproduktion, auf die - wie schon im Fall Weinstein - zahlreiche weitere folgten. So kam es im November zu einem Nachdreh, bei dem Spacey komplett durch Plummer ersetzt wurde.

ALLES GELD DER WELT ist großartig ausgestattet und erzielt ein meisterhaft inszeniertes Zeitgefühl der 70er Jahre. Es ist ein packender Entführungsthriller von einem nervenzerreißenden Realismus entstanden. Man kommt mehrfach nicht umhin, nicht hinschauen zu wollen, was meiner Meinung nach s o zu zeigen nicht notwendig gewesen wäre.

Die Fragen nach Macht, Geld und was ein Menschenleben wert ist, werden unaufhörlich gestellt.

Isolde Arnold

Quellen: Spiegel | Blickpunkt:Film | Comscore | Filmstarts

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