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CinemaCon Las Vegas - Filmstudios setzen auf Streaming

Hollywoods Filmstudios wollen Filme kurz nach Kinostart streamen. - Sony setzt bei Premiumkinos auf Laserprojektion in 4K.



Vom 27.-30. März 2017 fand im CAESARS PALACE von Las Vegas the Official Convention of The National Association of Theatre Owners (NATO) statt. Diese Veranstaltung ist Teil der größten Kinomesse der Welt, der CinemaCon. Neben dem jährlichen Austausch über die Zukunft des Kinos, zeigen die Filmgesellschaften im Anschluss des Treffens zwei Tage lang ihre neuesten Trailer und Ausschnitte aus zukünftigen Produktionen.

Sony Pictures ließ sich nicht lumpen und verwies mit einem Seitenhieb auf den Streaminganbieter Netflix, dass die bedeutendsten Filme im Kino laufen. Anschließend stellte Sony-Studiochef Tom Rothman im bis auf den letzten Platz gefüllten Auditorium des Colisseum im Caesars Palace erstmals Ausschnitte aus "Blade Runner 2049" von Denis Villeneuve vor - obwohl der Film in den USA unter dem Label von Warner Bros. läuft und von Sony im Rest der Welt ausgewertet wird. Zudem holte der für seinen giftigen Humor bekannte Rothman noch Hauptdarsteller Ryan Gosling auf die Bühne, der ihm im Wortwechsel die Bälle zum Sequel des legendären "Blade Runner" aus dem Jahr 1982 gnadenlos zuspielte. Diese ersten Bilder waren auch zweifellos der Höhepunkt der Sony-Veranstaltung, die prima auf die CinemaCon einstimmte, aber auch ein wenig von technischen Problemen geplagt war.

Am nächsten Tag zeigte Warner Bros. noch weitere Szenen aus "Blade Runner 2049", die bei der Sony-Präsentation nicht zu sehen gewesen waren. Im Anschluss betrat Christopher Nolan die Bühne und betonte bei seiner Vorstellung der ersten aufregenden Szenen aus seinem neuen Kriegsepos "Dunkirk", dass er den Film ausschließlich für die Auswertung im Kino gemacht habe. Er sei erstmals komplett im IMAX-Format auf Film gedreht worden und würde entsprechend im IMAX-Format angeboten werden, wie auch in 70mm, 35mm und digital. Die Bilder aus dem Film waren auch zugleich einer der großen Höhepunkte des gesamten Warner Bros. Programms.

Da mehr als 900 der insgesamt etwa 5000 Delegierten nicht aus den USA stammen, war das internationale Interesse an dem was Hollywoods Filmstudios planen, entsprechend groß gewesen.

Variety berichtete von Verkürzung des Kino-Zeitfensters.

Dennoch war man aus vergangenen Äußerungen bereits vorgewarnt, dass die großen US-Filmstudios ihre Produktionen zukünftig bereits kurz nach dem Kinostart für Streaminganbieter wie Amazon Prime Video oder Maxdome verfügbar machen wollen. Wie das Branchenmagazin Variety berichtete, befürworten sechs der großen Filmstudios, 20th Century Fox, Warner Bros., Universal, Lionsgate, Paramount und Sony, eine frühere Freigabe der Filme für Streamingplattformen. Nur Disney Movies ist gegen die Planungen, da das Studio bereits mehrere eigene TV-Sender betreibt und ein Interesse daran hat, dort vor allem ältere Werke in Zweit- und Drittverwertung auszuschlachten.

Alle anderen wollen das bisherige Zeitfenster verkürzen, und schon 17 Tage nach dem Filmstart sollen Filme künftig bei Amazon PrimeVideo und anderen Plattformen für Preise zwischen 30 und 50 Dollar angeboten werden. Das lohnt sich natürlich nur für wohlhabende Familien, die in ihrer Hollywood-Villa ein eigenes Heimkino betreiben. Bei einer stattlichen Anzahl an Familienmitgliedern mit mehreren Kindern und deren Freunde sowie Großeltern oder Onkel und Tante, kann das unter Umständen gegenüber einem Kinobesuch sogar ein günstiges Schnäppchen sein, denn der Besuch eines Filmtheaters ist auch in den USA meist nicht unter 10,- US-$ pro Person zu haben. Mit Popcorn und den obligatorischen Getränken wird's noch deutlich teurer.

Warner-Brothers-Chef Kevin Tsujihara soll Verhandlungen mit den Kinobetreibern bereits begonnen haben, auch wenn er sich öffentlich dazu auf der CinemaCon nicht äußern wollte. Den Kinobetreibern wurde eine Beteiligung an den Streamingeinnahmen in Aussicht gestellt, wenn sie den Planungen zustimmen. Verschiedene Zeitfenster sind im Gespräch. 20th Century Fox und Warner Bros. sind für eine Verfügbarkeit in einem Zeitfenster von 30 bis 45 Tagen nach dem Filmstart, wollen aber nur 30 US-Dollar verlangen. Universal, das sich besonders engagiert für den Plan einsetzen soll, tritt für eine 20-Tages-Frist ein.

Neue Filme sind bisher auf Streamingplattformen nur zu sehr hohen Preisen oder gar nicht verfügbar. Die traditionelle Verwertungskette der Filmindustrie lautet weiter: Kino, DVD/Blu-ray und dann erst Streaming. Sogar Amazon Studios bekannte sich als junger Independent Verleih erneut klar zum Kino. Man will den filmischen Content für Amazon Prime erst durch sorgfältige Kinoauswertung veredeln. Im letzten Jahr brachte Amazon Studios 15 Filme in die US-Kinos, darunter der Cannes-Eröffnungsfilm "Café Society" von Woody Allen, Oscar-Gewinner "The Salesman" von Asghar Farhadi und der zweifach Oscar-prämierte Boxoffice-Erfolg "Manchester by the Sea".

Nur Netflix bietet seine Eigenproduktionen immer zugleich weltweit und gegebenenfalls auch im Kino an. Entsprechend groß ist der Druck auf Hollywoods Filmfirmen geworden. Die Zeitspanne, nach der Filme, die in den Kinos auslaufen, für das Wohnzimmer freigegeben werden, liegt auf Datenträgern traditionell bei 90 Tagen. Einige Studios haben begonnen, Filme bereits nach 70 Tagen im Streaming freizugeben.

Andererseits können bei den beliebten US-Serien dagegen sogar Jahre vergehen, bis diese im legalen Streaming verfügbar sind, weil die Rechte bei Fernsehsendern liegen. Nach Expertenansicht ist das der Grund für die Attraktivität illegaler Filmkopien und Verluste der Filmstudios in Höhe von Milliarden US-Dollar.

Keynote-Redner Andrew Cripps blickte auf das Erfolgsjahr 2016 zurück.

Der neue Fox Chef Andrew Cripps blickte noch einmal auf 2016, das Rekordjahr der Filmindustrie zurück. Im vergangenen Jahr konnten sieben internationale Märkte mehr als eine Mrd. Dollar umsetzen - Deutschland gehörte zwar als Siebtplatzierter dazu, verzeichnete aber als einziges Land ein deutliches Minus von mehr als elf Prozent. Die drei internationalen Topmärkte sind in Asien zu finden - China, Japan und Indien. Von den 20 Topmärkten konnten 19 ihre Umsatzzahlen steigern. Die wachsende Bedeutung des internationalen Boxoffice ist vor allem dem Wachstumsmarkt China zu verdanken. Dort ist der Umsatz entgegen dem üblichen Schnitt von 2,6% um 36,5% gewachsen.

"Unser Publikum verändert sich, und man erreicht es immer schwieriger über traditionelle Medien", so der Chef von 20th Century Fox International. "Die Produktion von Filmen ist teurer denn je. Auch die Marketingkosten scheinen nur in eine Richtung zu gehen - nach oben. Piraterie ist eine omnipräsente Bedrohung in einer Welt, die immer enger miteinander verbunden ist. Und die ständig wachsende Menge an Freizeitangeboten ist eine zusätzliche Herausforderung: Das Kino muss sich strecken, um wahrgenommen zu werden und seine Position zu verteidigen. Wir sehen uns mit Herausforderungen konfrontiert, über die wir reden müssen. Es gibt Bereiche, in denen wir unsere Sache noch besser machen können. Beide Seiten sollen davon profitieren."

CinemaNext Premiumkinos und andere Technik-Trends.

Gleich mehrere große Trends machte Fox Chef Andrew Cripps aus, doch die Premiumisierung hob er hervor, denn die Zahl von Premiumkinos wächst ständig und Zuschauer weltweit seien bereit, für ein besseres, individuelleres Kinoerlebnis höhere Preise zu bezahlen. Darüber hinaus betonte CinemaCon-Organisator Mitch Neuhauser, dass Technologische Innovationen in diesem Jahr eine große Rolle spielen.

Dazu gehört die neue HDR Farbtechnologie von EclairColor fürs Kino, die CinemaNext mit SPHERA auf der CinemaCon als gesamtheitliches Angebot vorstellte. CinemaNext, der führende Spezialist für Kinobetreiber-Serviceleistungen der Ymagis Gruppe will mit der Einführung von Sphera ein neues Premium-Kino-Konzept anbieten, das ein großartiges Kinoerlebnis und Content- Flexibilität für Kinobetreiber liefert.

Erste Kinos, die für das neue HDR Mastering Verfahren ausgerüstet wurden, sind das Cinecitta Nürnberg sowie das Eiszeit Kino Berlin bei dem jetzt die neu angeschafften Sony 515(DS) Projektoren speziell für EclairColor modifiziert wurden. Auch in Frankreich sind bereits mehr als ein Duzend Leinwände umgerüstet worden.

Eclair Color nutzt die Sony-Projektoren der 500er Serie (510 und 515), um eine Helligkeit von 30fL zu erzielen, also mehr als doppelt so viel Helligkeit wie DCI-Norm vorgibt. Tatsächlich kann der Projektor durch ein anderes Farbmanagement eigentlich kaum heller werden, doch man kann die Fähigkeit des höheren nativen Kontrastes nutzen. Durch lokal Dimming des Backlights bleiben die Schwärzen unter dem, was ein normaler DLP-Projektor erreicht. Der Schlüssel ist ein Update der Software, um die bei Eclair entworfene Modifikation vornehmen zu können. Jüngst wurde der Film "La La Land" speziell für die Eclair Color Fassung gegradet. Dabei geht es nicht darum dem Film einen neuen Look zu geben, sondern die kreative Intention des Coloristen zu unterstützen.

Das gesamtheitliche Sphera-Angebot umfasst Design, Projektion, Ton- und Bildbearbeitung. Sphera kann sowohl als Teil von Neubauten als auch in bereits bestehenden Kinos ausgeführt werden. Es bietet ein ultimatives Bilderlebnis, verbunden mit einer absoluten Flexibilität in der Programmgestaltung. Filme, Kunst, Gaming, Events und Konzerte werden alle mit der schärfsten Bilddarstellung, dem tiefesten Sound und dem perfektesten Komfort geliefert. Die einzelnen Komponenten verbinden sich zu einem echten immersiven Effekt und eröffnen dem Publikum neue Welten mit umfangreichen und vielfältigen Inhalten, so der Anbieter.

Sphera bietet die höchste momentan erhältliche Bildqualität mit tieferen Schwarztönen, satteren Farben und feineren Details. Dank der Kombination von EclairColor und den neusten Projektionstechnologien von Sony verfügt Sphera über eine neue digitale HDR-Farblösung, die ein innovatives Mastering-Verfahren mit Optimierung bestimmter Kinoprojektionstechnologien kombiniert. Durch die Projektion von Bildern mit einem starken Kontrast und größerer Farbtreue, bietet Sphera eine Bildprojektion von noch nie gesehener Qualität, höhere Detailschärfe und eine bessere Wahrnehmung von Tiefe. Sphera Projektionssysteme verfügen über eine 4K-Auflösung und eine Projektionsfläche, die von Wand zu Wand reicht, um größere Effekte zu erzeugen. Die 3D-Projektion ist dank der Konfiguration besonders eindrucksvoll und zudem sind alle Sphera-Säle HDR kompatibel.

Zudem verfügen Sphera-Säle über eine einzigartige Subwoofer-Technologie, bei der die Kinobesucher buchstäblich von einem, auf Dolby™ Atmos basierenden, Surround Sound umhüllt werden. Das System besitzt eine höhere Frequenz als Standardsysteme, mit stärkerem und druckvollerem Bass, den jeder Kinobesucher spüren statt hören kann.

Neue Laserprojektoren von Sony und Christie.

Darüber hinaus präsentierte Sony auf der CinemaCon die mit Spannung erwartete RGB-Laserprojektionstechnik der nächsten Generation mit unvergesslichen Bildern in 4K auf jeder Leinwandgröße. Das neue bahnbrechende System zeigt durch ein Objektiv gleichzeitig zwei Bilder in echter 4K-Auflösung und erzielt so eine gleichmäßige, augenschonende 3D-Präsentation. Zudem bieten alle Projektoren von Sony branchenführende Bildqualität mit einem spektakulärem Kontrast von 8000:1.

Auch der Projektorenhersteller Christie nutzte die CinemaCon für die Vorstellung zweier neuer Modelle: eines Xenonlampen-Projektors für kleinere Leinwände sowie eines kompakten Laserprojektors für mittlere Leinwände. Mehr wird man sicherlich auf der NAB Show 2017 im Las Vegas Convention Center erfahren, die vom 22.-27. April 2017 stattfindet und sich speziell der Postproduktion und deren Brands widmet.

Link: cinemacon.com
Quellen: Filmvorführer.de | Blickpunkt:Film | CinamaNext | EclairColor | Sony | Variety

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