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Keine Datendrosselung bei Vodafone-Kabel Deutschland

Vodafone Kabel Deutschland erklärt mögliche Drosselung genauer und behält sich zukünftige Maßnahmen vor.



Die bei Vodafone Kabel angekündigte Drosselung der Internetgeschwindigkeit erhitzt derzeit die Gemüter und soll womöglich nun doch nicht sobald eingeführt werden - könnte aber zukünftig dennoch erfolgen.

Mit mindestens 100 MBit/s Datenübertragung fürs Internet über den Kabelfernsehanschluss buhlte Kabel Deutschland um Kunden, bevor die Firma von Vodafone übernommen wurde. Das ist viermal soviel wie mit der üblichen 25 MBit/s Leitung der Telekom bei einem ihrer Entertain-Verträge. Darin ist allerdings keine Datendrosselung vorgesehen, weil dann Fernsehen über die wahlweise mitgelieferte TV-Box nicht mehr möglich wäre. Bei beiden Anbietern kann der Kunde Fernsehen, Telefon, Internet und Mobilfunk aus einer Hand erwerben, doch Vodafone wollte seine Internetzugänge jetzt ab einem genutzten Datenvolumen von 10 GByte pro Tag drosseln. Bisher hatte der TV-Kabelnetzbetreiber in der Praxis erst ab Erreichen eines Volumens von 60 GByte pro Tag den Zugang für Filesharing für einen Tag auf 100 KBit/s verlangsamt. Nun hieß es zunächst, dass der Kabelnetzbetreiber "dies ab sofort konsequent umsetzt". Nach massenhaften Protesten wurde die Meldung aber sofort wieder zurückgezogen und relativiert.

Laut einem Bericht des Spiegels ließ ein Unternehmenssprecher verlauten, dass es sich bei der Drosselung nur um ein Pilotprojekt gehandelt habe, dessen Ergebnisse nun dafür sorgen, dass die Drosselung nicht ausgebaut wird. Man geht sogar einen Schritt weiter und lockert sogar das bestehende Limit von 60 Gigabyte am Tag - nur beim Tarif Internet & Phone Kabel 200 V (V=Volumen bis zu 200 MBit/s) gilt weiter das bestehende Limit. Eine Preisangabe für den Tarif von 200 MBit/s ohne Limitierung ist derzeit nicht mehr erhältlich.

Hoher Streamingverbrauch sollte zur Drosselung führen.
Bei der Drosselung wären zwar in der Praxis nur Filesharing-Portale betroffen gewesen, aber wie Vodafone das Volumen errechnet, ist dennoch eine Erwähnung wert. Gedrosselt werden sollte grundsätzlich nur das, was in den Rahmen Filesharing fällt, also P2P-Dienste, Filehoster und einige einschlägige Newsgroups. Man hätte aber auch in die Drosselung laufen können, wenn man an einem Tag gar nicht über 10 Gigabyte an Daten von einem solchen Anbieter geladen hätte. Vodafone legt nämlich den Gesamt-Traffic des Tages zu Grunde. Das bedeutet in der Praxis, dass man auch dann gedrosselt worden wäre, wenn man sich ein größeres Spiel auf Steam heruntergeladen hat und dann am gleichen Tag noch einen Filehoster besucht. Oder wenn man sich bei einem Streamingdienst Videos angeschaut hat und anschließend einen P2P-Client anwirft. Sobald die 10 Gigabyte mit Daten jeglicher Art gefüllt sind, sollte die Drosselung für Filesharing gelten.

Das wäre für all jene ärgerlich gewesen, die P2P und Filehoster legal benutzen. Etwa um eine Linux-Distribution herunterzuladen oder dergleichen. Vodefone-Kunden hätten ihre Internet-Nutzung künftig also gut durchplanen müssen, um die Drosselung zu umgehen. Allerdings sollte ein Netflix-Stream und andere P2P-basierte Videostreamingdienste ausgenommen werden, hieß es bei Vodafone. Sicher wäre dies aber nicht gewesen, denn der Kabelnetzbetreiber räumt ein, dass auch One-Click-Hoster und P2P-Protokolle wie Bittorrent von der Verlangsamung betroffen wären und genauso wie Newsgroups auf 100 KBit/s verlangsamt worden wären.

Unternehmenssprecher Thorsten Höpken erklärte: "Es ist nur ein sehr kleiner Teil der Internetdienste von der Limitierung betroffen. Beispielsweise Netflix und sogar P2P-basierte Videostreamingdienste sind nicht betroffen."

Tatsächlich ist ein Netflix-Stream im Schnitt 3 Gigabyte pro Stunde groß, wenn er in Full HD ausgeliefert wird und bei Ultra-HD sogar bis zu 7 GByte. Eine Stunde Youtube in Full-HD und 60 Fps sind rund 2 Gigabyte. Selbst in 480p30 fallen noch rund 500 MB an. In 2160p30 sind es bereits rund 6,5 Gigabyte Daten. Auch ein Videobearbeitungsprogramm wie z.B. der Roxio Next Creator, einem Produkt von Corel, beinhaltet ca. 6,5 GB im Download. Das von einem Internetnutzer durchschnittlich übertragene monatliche Datenvolumen liegt aktuell bei rund 27 GByte. Für das Jahr 2015 erwartet der Branchenverband Breko einen weiteren Anstieg auf 35 GByte pro Monat. In den USA dürfte die Datenmenge noch größer sein, denn laut einer Studie wollen 23 Prozent der Haushalte kein Kabelfernsehen mehr haben, weil Streaming von Netflix, Amazon Video oder Hulu für sie attraktiver ist.

Wichtig zu erwähnen ist, dass die Drosselung nur auf Filesharing-Dienste angewendet worden wäre und nur bis zum Ende des laufenden Tages gelten sollte. Vodafone Kabel wollte damit erreichen, dass das exzessive Verhalten einiger weniger Kunden nicht das Allgemeinwohl stört. Dabei sind Kabelnetze im DOCSIS-Standard technisch bedingt von solchen Einflussnahmen stärker betroffen als DSL-Netze der Telekom. Überlastungen am Hauptverteiler sind gerade in Ballungsgebieten keine Seltenheit. Kunden merken das dann an niedrigen Geschwindigkeiten, die vor allem zu Stoßzeiten auftreten. DSL ist dagegen immuner, aber auch hier haben Kunden zu Stoßzeiten mit schlechten Verbindungen zu kämpfen. Nämlich dann, wenn etwa bei der Deutschen Telekom Peering- und Routing-Kapazitäten erschöpft sind. Letztlich bieten beide Technologien ihre Vor- und Nachteile. So verliert die DSL-Technologie beispielsweise sehr viel schneller an Geschwindigkeit als die Breitband-Kabel-Technologie.



Unitymedia: Neuer Router durchbricht die Schallmauer.
Übrigens, wer statt des teureren 100 MBit/s Pakets bisher nur die preiswerteren Pakete von 10 oder 25 MBit/s nutzte, wir festgestellt haben, dass die Leitung meist deutlich weniger als versprochen hergab. Bereits das ganz normale Surfen via Browser wird bei einigen Anschlüssen von 10 MBit/s manchmal zur Quälerei, z.B. wenn ein Klick auf einen Link erst nach mehreren Sekunden zu einer Reaktion führt. Somit sind schnellere Leitungen durchaus sinnvoll. Für UHD-TV über das Internet werden sie in den nächsten Jahren sogar zwingend notwendig.

Der Kabelanbieter Unitymedia, der seit dem 1. April 2015 sich nicht mehr Kabel BW nennt, sondern im gesamten Verbreitungsgebiet einheitlich als Unitymedia fungiert, hat mit einer neuen Connect Box einen neuen schneeweißen Kabelrouter mit WLAN-Funktion vorgestellt, der sogar 400 MBit/s im nächsten Jahr leisten wird. Derzeit sind 200 MBit/s die höchste Geschwindigkeit, die es bei der Liberty-Global-Tochter zurzeit gibt. Eine Datenübertagungsrate im Internet über Kabel von 400 MBit/s soll jedoch sehr bald im Jahr 2016 eingeführt werden. Aufgrund des neusten Standards wären laut Unitymedia sogar bis zu 1.300 Mbit/s im 5-GHz-Band möglich. Vielleicht geriet Vodafone dadurch wieder in Zugzwang und nahm die Drosselung deshalb so schnell wieder zurück.

Links: kabel.vodafone.de | www.unitymedia.de
Quellen: Golem | PC Games | Spiegel

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