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Besondere Filme zu Weihnachten im Kino

Mit "LA MÉLODIE" und "DIESES BESCHEUERTE HERZ" gelangen neben den Jedi-Rittern auch Filme mit sozialem Touch zu den Festtagen ins Kino.

Nach sieben Tagen hat "STAR WARS: THE LAST JEDI" am letzten Freitag, den 22.12.2017 endlich die Zwei-Mio.-Besucher-Marke überschritten und erlangte mit mehr als 2,3 Mio. Besucher einen Silber-Bogey. Allerdings blieb das Sci-Fi-Abenteuer, das wir am 15. Dezember 2017 in unserer Rubrik Filmkritik besprochen hatten, deutlich hinter seinem Vorgängerfilm zurück, dem „STAR WARS: DAS ERWACHEN DER MACHT“, der vor zwei Jahren schon am ersten Wochenende, also bereits nach drei Tagen mit 2,138 Millionen Zuschauern deutlich stärker angelaufen war.

Ob schon am Sonntag, dem Heiligabend, die Drei-Mio.-Besucher-Marke fallen wird, womit ein Gold-Bogey fällig wäre, ist kaum anzunehmen. Am ersten oder zweiten Feiertag ist mit dem Boxoffice-Run aber dann doch noch zu rechnen.

Hinter Star Wars Episode VIII folgten drei Neulinge, darunter "Pitch Perfect 3" mit gut für 55.000 Besuchern und 455.000 Euro Einspiel in 483 Kinos am Freitag, den 22.12.2017, sowie "Jumanji: Willkommen im Dschungel" der mit 46.000 Besuchern und 450.000 Euro Umsatz in 507 Kinos startete. An dritter Stelle der Neustarts folgte "Dieses bescheuerte Herz" mit Publikumsliebling Elyas M'Barek, der in 577 Kinos einen Starttag von 40.000 Zuschauern und 310.000 Euro Kasse hatte.

Abgesehen vom Sonntag, den 24.12.2017, dem Heiligabend, an dem viele Kinos nicht geöffnet haben, wäre grundsätzlich allen Drei ein erstes Wochenende von mehr als 300.000 Besuchern zuzutrauen schreibt Blickpunkt:Film. Durch die beiden anschließenden Weihnachtsfeiertage ist dieses Ziel sogar durchaus noch erreichbar und für den dritten der genannten Neustarts, dessen Filmkritik wir nachfolgend eingestellt haben, vielleicht sogar wünschenswert, auch wenn dem Publikum in "Dieses bescheuerte Herz" keine Rührseligkeit erspart bleibt. Doch das passt wiederum zu Weihnachten, obwohl es sich nicht um einen Weihnachtsfilm per se handelt.

"DIESES BESCHEUERTE HERZ" Dramödie von Marc Rothemund (Deutschland). Mit Elyas M'Barek, Philip Schwarz, Nadine Wrietz u.a. seit 21. Dezember 2017 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

Lenny (Elyas M´Barek) nimmt das Leben auf die leichte Schulter. Studium abgebrochen, wilde Partys, schöne Frauen, Alkohol, lange schlafen. So lässt es sich leben, wenn Pappi bezahlt. Doch abrupt ist Schluss mit lustig. Nachdem er sein Auto im väterlichen Pool versenkt hat, sperrt Pappi sämtliche Kreditkarten. Der Münchner Herzchirurg Dr. Reinhard (Uwe Preuss) macht kurzen Prozess. Er stellt ihn vor die Wahl: Entweder kümmert sich Lenny um seinen Patienten, den herzkranken 15-jährigen David (Philip Noah Schwarz) oder er kann sehen, wo er bleibt. Damit hat der Schnösel nicht gerechnet. Ihm entgleiten sämtliche Gesichtszüge. David hat es weiß Gott nicht leicht. Von Geburt an hat er nur ein halbes Herz. Zum Gehen muss er ein Stützkorsett umlegen und ohne die rettende Sauerstoffflasche kann er das Haus nicht verlassen.

Lenny willigt missmutig ein. Also macht er sich auf den Weg und stattet dem Jungen, der mit seiner besorgten Mutter zusammen lebt, einen Besuch ab. David ist hocherfreut, sieht er doch in Lenny so etwas wie einen großen Bruder. Da niemand genau weiß, ob er überhaupt noch seinen 16. Geburtstag feiern kann, stellt er eine für ihn ganz wichtige Wunschliste auf. Die Spanne seiner Wünsche ist ziemlich gross. Lenny tippt die Liste in sein Handy ein. „Alles, was man mit Einkaufen erledigen kann, wird grün eingefärbt und alles, was Organisation und Mühe verlangt, wird orange, der schwierige Rest rot eingefärbt“.

Davids Mutter Betty (Nadine Writz) fällt es nicht leicht, ihren Sohn dem unerfahrenen Lenny anzuvertrauen. David, der durch seine bedrohliche Krankheit tagsüber im Kinderhospiz betreut wird und nachts zu Hause schläft und nun auf einmal mit Lenny unterwegs ist, bereitet ihr große Sorge. Anfänglich kann Lenny mit David kaum etwas anfangen. Zu unterschiedlich ist ihre Lebenssituation. Langsam begreift er, dass David viel cooler und humorvoller ist, als er dachte. Beide haben viel Spaß miteinander und entdecken jede Menge Gemeinsamkeiten. David blüht mit dem „großen Bruder“ an seiner Seite regelrecht auf. Wenn David zwischendurch hin und wieder umkippt und Lenny mit der Sauerstoffflasche erste Hilfe leisten muss, wird ihm klar, wie oberflächlich er mit seiner Lebenszeit umgeht, die bei David tagtäglich auf der Kippe steht.

"DIESES BESCHEUERTE HERZ", beruht auf einer wahren Geschichte, basierend auf dem gleichnamigen Spiegel-Bestseller den Lars Amend mit dem herzkranken Daniel Meyer geschrieben hat. Regisseur Marc Rothemund hat die bewegende Geschichte temporeich und mit viel Feingefühl in Szene gesetzt. Eine Geschichte über eine emotionale Freundschaft, deren Sog man sich nicht entziehen kann. Man nimmt teil an einer Freundschaft, die, wie das Presseheft schreibt „so ernsthaft, so intensiv, so ausgelassen ist, als gäbe es kein Morgen" – und das stimmt ja vielleicht.

Ulrike Schirm

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In Frankreich zeigt man rund ums Jahr Komödien, die zudem mit ein wenig Nächstenliebe geschickt verpackt sind und somit oft sensationelle Erfolge erzielen. Wir erinnern uns dabei vor allem an "ZIEMLICH BESTE FREUNDE" über einen griesgrämigen, steinreichen, aber stark behinderten und halbseitig gelähmten Menschen, der an einen Rollstuhl gefesselt war und stetig Hilfe benötigte. Mit seinen Angestellten haderte er oft, bis er auf einen Schwarzen traf, der kein Blatt vor dem Mund nahm, was ihn beeindruckte, sodass beide nach anfänglicher und gegenseitiger Abneigung, später doch noch ziemlich beste Freunde wurden. Der Film hatte neun Millionen Besucher im Sturm erobert.

In Deutschland hebt man dergleichen Filme meist bis zur Weihnachtszeit auf, wie bei dem oben besprochenen Werk oder wie bei der französischen Clash-Komödie "VOLL VERSCHLEIERT" von der iranisch-französischen Regisseurin Sou Abadi, die zwischen den Jahren am Donnerstag, den 28. Dezember 2017, in unsere Kinos kommt. Allerdings waren wir von dem Werk nicht überzeugt, sondern über den Klamauk eher verärgert, sodass wir es erst gar nicht besprechen wollen. Zwar verbirgt sich hinter der Religionskomödie eine mit Sprengstoff geladene Burka-Debatte, doch die Gags sind zu albern, um politisch oder religiös, ernst genommen zu werden.

Ziemlich gut dagegen hat uns "LA MÉLODIE - Der Klang von Paris" gefallen, dessen sozialer Touch zwar in anderen Filmen ähnlicher Art schon oft erzählt wurde, dennoch gelang der Film immerhin auf das A-Filmfestival von Venedig.

"LA MÉLODIE - Der Klang von Paris" Drama von Rachid Hami (Frankreich). Mit Kad Merad, Samir Guesmi, Renély Alfred u.a. seit 21. Dezember 2017 im Kino. Hier der Trailer:

Unsere Filmkritik:

Wir hatten zwar schon vor längerer Zeit die französische Original-Fassung mit deutschen Untertiteln gesehen, doch die die deutsche Synchronfassung erscheint uns anhand des Trailers mit den lebhaften Stimmen der jugendlichen Schüler, recht gelungen zu sein, obwohl die Authentizität normalerweise nur in der Originalfassung optimal erhalten bleibt.

Die Story ist schnell erzählt. Ein alternder Violinist, wohlgemerkt ein guter Musiker, aber kein ausgebildeter Lehrer, soll an einer Problemschule Musikunterricht geben. Schon bald will er das Handtuch in der so gar nicht lernwilligen Schulklasse werfen, wenn da nicht ein Junge wäre, der sich für den Geigenunterricht mit klassischer Musik brennend interessiert, sich aber eine eigene Violine nicht leisten kann, sodass er den Lehrer zum Bleiben überredet.

Der algerischstämmige Regisseur schafft geschickt den Spagat und balanciert zwischen Rührseligkeit und durchaus überzeugenden schauspielerischen Leistungen der jungen Protagonisten, die aus den Problemgebieten der Banlieue zu scheinen kommen. Dadurch wird fast ein dokumentarischer Charakter erreicht. Die Kraft und Schönheit der klassischen Musik rundet das Werk zudem elegant ab. Und der Moment, an dem die rebellischen Schüler plötzlich von sich aus überzeugt sind, für das Ziel eines gemeinsamen Konzertes einzustehen, gibt dem Plot den letzten Kick, sodass wir frohgemut, beschwingt und gut gelaunt am Ende des Films das Kino verlassen haben.

W.F.

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Gleich nach den Feiertagen erscheint ein weiterer Musikfilm im Kino. Dies ist allerdings eine echte Dokumentation und trotz einer fast unglaublichen Geschichte kein Fake über eines der größten Musiktheater der Welt.

"OPER. L'Opéra de Paris" Musikdokumentation von Jean-Stéphane Bron (Frankreich, Schweiz). Am 28. Dezember 2017 im Kino. Hier der Trailer:

Unsere Filmkritik:

Nur Wenigen ist es vergönnt hinter die Kulissen eines großen Musiktempels zu blicken, wie in diesem Fall hinter die Pariser Oper, einer Institution, die schon vor der französischen Revolution existierte, nur damals noch anders hieß, nämlich Académie Royale de musique und wechselnde Aufführungsorte hatte. Der Anspruch ist jedoch geblieben immer neue Herausforderungen zu suchen, um dem Publikum das Beste bieten zu können.

In diesem Fall soll ein lebender Stier auf der Bühne mitspielen. Aber nicht etwa abgeschirmt in einem Käfig, sondern auf offener Bühne mitten unter dem Ballett und den Sängern. Ein Wagnis das in einer Katastrophe enden könnte, denn das nicht ganz ungefährliche Tier soll während der Vorstellung zwar nicht geschlachtet, aber immerhin mit blutroter Farbe übergossen werden.

Zum Schluss wird diese Szene leider nicht vollständig gezeigt, sondern nur angedeutet, wie so vieles in dem Film nicht bis zum Ende erzählt wird. Genauso wenig wie keines der Musikstücke tatsächlich in Gänze gespielt wird. Die Musikrechte ließen dies wohl nicht zu. Dafür werden ausführlich die Probleme geschildert, mit denen sich ein Direktor vor der Premiere eines neuen Stückes herumschlagen muss. Sogar ein Streik droht, der kurz vor der Aufführung alles platzen lassen könnte. Wegen Erkrankung einer der Sänger muss zudem kurzfristig für Ersatz gesorgt werden. Dazu wird aus Russland ein junger Tenor engagiert, der kein Wort französisch versteht. Doch diesem charmanten jungen Mann gelingt das Unglaubliche. Er begeistert und wird fest für die nächsten zwei Jahre engagiert.

Wir können diesen Film nur wärmstens empfehlen, denn er zeigt nicht nur ein großes Opernhaus, sondern die Probleme, die bei jeder großen Produktion und auch beim Film entstehen können.

W.F.

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Dritter Film im Bunde der sozialkritischen Werke erlebte seine Uraufführung ebenfalls auf einem A-Filmfestival, nämlich im August in Locarno. Eine zentrale Schlüsselszene des Films "Drei Zinnen" von Jan Zabeil spielt im Nebel. Das erinnert stark an Momente von Thomas Arslans Berlinale Premiere "Helle Nächte" im Wettbewerb des deutschen A-Filmfestivals im Februar. Auch dort ging es um einen Vater Sohn Konflikt, der in der norwegischen Einöde ausgetragen wurde. Als sich beide nichts mehr zu sagen hatten, verliefen sie sich im Nebel.

"Drei Zinnen" Drama von Jan Zabeil. (Deutschland, Italien) mit Alexander Fehling, Bérénice Bejo, Arian Montgomery u.a. seit 21. Dezember 2017 im Kino. Hier der Trailer:

Unsere Filmkritik:

Um es gleich vorwegzunehmen: Uns gefiel Thomas Arslans Drama "Helle Nächte" trotz endloser Autofahrten im tiefen Nebel im Rückblick deutlich besser. Der Film erhielt dadurch eine cineastische Sogwirkung, ohne zu verraten, wohin er steuern würde.

In dem Dolomiten-Drama "Drei Zinnen" von Jan Zabeil dagegen, denkt man unweigerlich an einen schlechten Traum im tiefen Nebel, der nicht gut ausgehen würde. Einem Krimi ohne Happy End. Dass die Story etwas anders verläuft, soll hier noch nicht verraten werden.

Ausgangspunkt der Geschichte ist weniger ein Vater Sohn Konflikt, als vielmehr ein Konflikt des kleinen Tristan mit seinem angehenden Stiefvater, der den guten, liebenswerten Onkel geben will, aber von dem cleveren Dreikäsehoch schnell durchschaut wird. Die neue Liebschaft seiner Mutter gefällt ihm nicht. Er möchte zurück zu seinem richtigen Vater, mit dem er auf einer abgeschiedenen Berghütte heimlich ständig telefoniert.

Um diesen Kontakt zu unterbinden unternimmt der Ersatzvater mit dem Steppke eine abenteuerliche Bergtour, auf welcher der Kleine wegrennt und im Nebel verschwindet.

Ein plötzlicher Wetterumschwung unter dem Tiroler Bergmassiv »Drei Zinnen« ist sicherlich nichts Ungewöhnliches in den Dolomiten für erfahrene Bergsteiger. Doch ein unerfahrenes Kind allein in den Bergen zu lassen, könnte einen tödlichen Ausgang nehmen.

Die Mutter ist jedenfalls wie vor den Kopf gestoßen, auf welches Wagnis sich ihr neuer Freund mit ihrem kleinen Jungen eingelassen hat. Wird sie ihren Geliebten am Ende verstoßen?

W.F.

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