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Endlich wieder Kino in Berlin - Filmtipps und Filmkritiken

Auch die Kiezkinos »Lichtblick« in Prenzlauer Berg und das »Klick« in Charlottenburg öffnen wieder mit einem besonderen Programm.



Ab Donnerstag, den 2. Juli 2020 sind in Berlin wieder die Kinos geöffnet. Zwar mit Hygieneauflagen und strengen Abstandsregelungen, doch mit großen Leinwänden, im Gegensatz zu den deutlich kleineren Bildschirmen des Heimkinos.

Das Klick Kino in der Charlottenburger Windscheidstraße ist sogar bereits seit dem 30. Juni 2020 wieder geöffnet. 13 Jahre hatte es im Dornröschenschlaf gelegen. Erst im Frühjahr 2017 wurde es zu neuem Leben erweckt. Doch schon ein Jahr später wurde der Mietvertrag überraschend gekündigt.

Nun ein erneuter Versuch das Klick Kino 16 Jahre später mit einem Cafè zu betreiben, nach umfassender Renovierung der Immobilie. Auf dem Programm steht u.a. mit „Leif in Concert - Vol.2“, eine filmische Hommage an die Kiezkultur von Regisseur Christian Klandt und Produzent Martin Lischke mit Filmgespräch und Special Guest Darsteller Godehard Giese sowie Hauptdarstellerin Luise Heyer am 30. Juli 2020.

Die Deutschlandpremiere des Film findet am 15. Juli 2020 um 21:30 Uhr im Freiluftkino Cassiopeia, Berlin-Friedrichshain - in Anwesenheit von Cast und Filmteam statt.

Hier der Trailer:



Synopsis:
Kleine Wunder zwischen Bar und Bühne - In einer kleinen Jazzkneipe irgendwo in Deutschland hilft die bezaubernde Lene (Luise Heyer) anderen Menschen, ihre Träume zu verwirklichen. An einem Ort, an dem andere Gesetze gelten und jeder Teil der Familie ist. Die Menschen, die diese Welt bevölkern sind vergnügt, verwirrt, verwegen und manchmal verzweifelt und machen jede Nacht zu einer wilden Mischung aus Drama, Komödie und Musik. Und Lene ist immer irgendwie Teil davon, ist Freundin und Verbündete jener seltsamen, zwischen Wasser, Bier und Schnaps umherirrenden Gestalten. Die Weisheiten und Erkenntnisse ihrer Gespräche sind durchweg Zeugnisse des Staunens und Scheiterns, die in ihrer Leichtigkeit nicht weniger als das Leben widerspiegeln. Ein Leben, das in jeder der, in die Handlung eingewobenen Episoden irgendwie mit Träumen, Musik und der erfrischend lebendigen Figur Lenes verknüpft ist. Egal ob es dabei um Luftgitarren, Smartphone-Apps, Käfer, Tod, Erfolg oder Krankenversicherungen für Papageien geht.

Und während die sympathische junge Frau für jene anderen Menschen da ist, ihnen eine Bühne bietet und ihnen auf ihren Weg hilft, muss sie im Laufe eines Tages und einer Nacht ihren eigenen finden. Denn auch Lene hat einen Traum: das von ihr organisierte Konzert des dänischen Musikers Leif, der sich Poorboy nennt und der an eben diesem Abend auftreten soll. Dieser Traum aber stellt sie bald vor schwierige Entscheidungen, bei denen weder ihre guten Ratschläge noch ihre eigenen Vertrauten ihr weiterhelfen können...

Und falls Sie sich fragen, warum der Film „Vol. 2” heißt: Es kommt zuerst Teil 2 der Geschichte ins Kino. Die Vorgeschichte „Leif in Concert - Vol. 1” wird noch erzählt werden.




Auch das Lichtblick-Kino ist ab 2. Juli 2020 wieder offen und ist ebenfalls Teil der Kinotour dieser außergewöhnlichen Liebeserklärung an die Musik und die Kiezkultur.

Die filmische Hommage „Leif in Concert - Vol.2“ wird am auf 16. Juli 2020 sowohl im Lichtblick Kino um 19:45 Uhr als auch im dazugehörigen Moviemento Kino in Kreuzberg um 20:00 Uhr gezeigt.

Bereits am 4. und 5. Juli 2020 feiert das Lichtblick Kino den Filmemacher Roland Klick mit zwei seiner Filme zu seinem 81. Geburtstag, obwohl eigentlich das Klick Kino in Charlottenburg Namensträger des Regisseurs ist, sich aber an diesem Tag der Schauspielerin, Musikerin und Künstlerin Tabea Blumenschein mit einer Hommage widmet und den Kultfilm "Madame X" von 1978 noch einmal präsentiert.

Links: www.moviemento.de | www.lichtblick-kino.org | www.klickkino.de

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Exklusiv angekündigt im fsk Kino in Kreuzberg, aber auch im Klick Kino in Charlottenburg sowie im Sputnik Kino an der Hasenheide in Berlin-Kreuzberg und vielen anderen Städten startet der Camino Filmverleih am 2. Juli 2020 das auf internationalen Festivals preisgekrönte Drama "Sunburned" von Carolina Hellsgård aus den Niederlanden.

Hier der Trailer des Jugendfilms, der in Kooperation mit Deutschland, Polen und den Niederlanden entstand:



Synopsis:
Die eigenwillige Claire (13) verbringt die Ferien mit ihrer älteren Schwester Zoe (15) und ihrer Mutter Sophie (40) in einem Hotel am Strand in Andalusien. Sophie verbringt ihre Tage am Pool und zeigt nur minimales Interesse an ihren Töchtern. Anfangs klammert sich Claire an ihre ältere Schwester Zoe. Doch als sich Zoe in Michael, einen Jungen ihres Alters, verliebt ist Claire auf sich allein gestellt. Am Strand lernt sie den jungen senegalesischen Strandverkäufer Amram kennen. Sie möchte ihm helfen, doch macht dadurch unabsichtlich seine verzweifelte Situation noch aussichtsloser.


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Nachfolgend außerdem drei Filmrezensionen unserer Kollegin Ulrike Schirm zu weiteren aktuellen Kinostarts.

"DER FALL RICHARD JEWELL" Drama von Clint Eastwood nach einer wahren Geschichte (USA). Mit Paul Walter Hauser, Sam Rockwell, Kathy Bates u.a. ab 2. Juli 2020 im Verleih von Warner Bros. bundesweit im Kino.

Hier der Trailer:



Ulrikes Filmkritik:

Atlanta, 27. Juli 1996. Während einer Feier im Rahmen der Olympischen Sommerspiele entdeckt Richard Jewell, Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma, einen verdächtigen Rucksack, der eine Nagelbombe enthält. Er informiert sofort die Polizei und hilft bei der Evakuierung.

Als die Bombe explodiert, sterben zwei Menschen und 111 werden verletzt. Ohne sein beherztes Eingreifen, wären es womöglich hunderte von Opfern gewesen. Presse und Medien feiern ihn tagelang zum Helden. Man bietet ihm sogar an, seine Biografie zu schreiben. Plötzlich wird aus dem Helden ein Hassobjekt. Durch eine Denunzierung und weil die Ermittlungen ins Stocken geraten sind, hält das FBI Jewell selbst für den Täter. Plötzlich passt er in das Profil eines Bombenattentäters. Er ist ein dicker, frustrierter, weißer Mann, ein Waffennarr, der noch immer bei seiner Mutter (Kathy Bates) lebt und der aus dem Polizeidienst entlassen wurde. Außerdem soll er sich gerne als Held aufspielen. Die Information sickert schnell durch, Medien und Öffentlichkeit stürzen sich auf den ungeschickten, dicken Mann, auf den eine gnadenlose Hetzjagd beginnt, gegen die er sich alleine nicht mehr wehren kann. In seiner Verzweiflung wendet er sich an den heruntergekommenen Anwalt Watson Bryant (Sam Rockwell).

Clint Eastwood, der sich seit jeher für Alltagshelden interessiert („Sully“, „The Mule“), hat „Der Fall Richard Jewell“ packend und hochemotional verfilmt, mit einem sensationellen Titelhelden Paul Walter Hauser und einer großartigen Kathy Bates als seine Mutter.

Ein wütend machendes Beispiel gegen die Zerstörungskraft öffentlicher Diffamierung.

Ulrike Schirm


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"JEAN PAUL GAULTIER: Freak & Chic" Dokumentation von Yann L'Hennoret (Frankreich). Mit Jean-Paul Gaultier, Marion Cotillard, Catherine Deneuve u.a. ab 2. Juli 2020 bundesweit im Kino.

Hier der Trailer:



Die Dokumentation folgt der aufregenden zweijährigen Entstehung von Gaultiers glamouröser „Fashion Freak Show“ auf der legendären Pariser Varietébühne Folies Bergère. Ein Rückblick auf 50 Jahre seines Schaffens.

Gaultier hat sich damit 2018 einen Traum erfüllt. Der Dokumentarfilmer Yann L`Hénoret hat ihn zwei Jahre lang begleitet und den Entstehungsprozess des prunkvollen Musicals dokumentiert. Herausgekommen ist eine bunte Mixtour aus Tanz, Gesang und Videomaterial, in dem jede Menge Stars zu Worte kommen, die ihn wegen seiner irrwitzigen Kostüme und Modeschöpfungen lieben und verehren.

Natürlich kommt auch der Meister selbst zu Wort. Unter anderem, erzählt er, dass er von seinen Mitschülern abgelehnt wurde und seinen Beruf gewählt hat, um geliebt zu werden. Ohne seine Arbeit wäre er nichts. Kostüme zu machen, ist wie eine Inszenierung. Alle Elemente müssen stimmen. Noch heute besitzt er seinen Teddy aus Kindheitstagen. Viele werden sich an seine Teddy-Revue erinnern. Er macht auch keinen Hehl daraus, dass er eine Vorliebe für die SM-Szene hat.

"FREAK AND CHIC" ist sein bislang skandalösestes Projekt. Nile Rodgers, der u.a. mit Diana Ross, Madonna, David Bowie und Daft Punk zusammengearbeitet hat, entwarf den Soundtrack für die „Fashion Freak Show“, eine bunt schillernde, verrückte Nummernrevue. Ein grandioser, visueller Leckerbissen.

Ulrike Schirm

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"SUICIDE TOURIST – Es gibt kein Entkommen" Drama von Jonas Alexander Arnby (Dänemark, Deutschland, Norwegen, Frankreich, Schweden). Mit Nikolaj Coster-Waldau, Tuva Novotny, Robert Aramayo u.a. ab 2. Juli 2020 bundesweit im Kino.

Hier der Trailer:



Ulrikes Filmkritik:

Der Film beginnt mit einem Video. Ein Mann spricht in die Kamera: „Wenn sie das hier sehen, bin ich bereits tot“.

Ausgerechnet an seinem Geburtstag erfährt der Versicherungsagent Max Isaksen, dass sein Gehirntumor unheilbar ist und er damit rechnen muss, dass sich seine Persönlichkeit im Laufe der Zeit verändern wird, da er die Kontrolle über sich und seine Wahrnehmung verliert. Er beschließt, sich umzubringen. Es bleibt bei zwei Versuchen. Als eine seiner Kundinnen ihm den Nachweis über den Tod ihres Mannes vorlegt, ein Abschiedsvideo, aufgenommen in einem Luxushotel, das seinen Gästen maßgeschneiderte, würdevolle Selbstmorde anbietet.

Obwohl Max in einer glücklichen Beziehung mit seiner Freundin Laerke (Tuva Novotny) lebt, macht er sich heimlich davon und checkt im Hotel AURORA ein. In dem herrlich gelegenen Berghotel hofft nun auch er, in Frieden zu sterben. Der quälende Gedanke, dass er zu einem Pflegefall wird und er Laerke das Leid seiner Pflege mit seinem vorzeitigen Tod abnimmt, beruhigt ihn. Doch sein Aufenthalt, stellt sich als Albtraum heraus. In Statuten der Sterbeorganisation steht unmissverständlich, wer sich zur Sterbehilfe bei ihnen entschlossen hat, kommt hier nicht mehr raus.

„Game of Thrones“- Star Nikolaj Coster-Waldau spielt den schwermütigen Max sehr zurückgenommen und minimalistisch. Als sein Todesdatum immer näher rückt, gerät er in einen Konflikt. Seine Gefühle geraten in Wallungen. Da ist die Liebe zu seiner Freundin, dann der Wunsch, seinem bevorstehendem Leiden ein Ende zu setzen und der schmerzende Gedanke, nicht Abschied genommen zu haben. Er zweifelt an seiner Entscheidung.

Jonas Alexander Arnby („When Animals Dream“) macht es dem Zuschauer nicht leicht. Die düsteren, teils surrealen Bilder und die verschachtelte Erzählweise erschweren die Orientierung.

Er verbindet Drama mit Genre. Erst gegen Ende, versteht man, warum. Insgesamt ist der Film sehr ruhig gestaltet. Die unheimliche Musik und die eingestreuten Mystery-Momente, wie düstere Bilder und das Geschehen in den Katakomben im Hause AURORA, das nichts Gutes ahnen lässt, machen zwar aus dem Drama keinen atemraubenden Thriller, überzeugen aber atmosphärisch durch den surrealen Genremix und audiovisuell.

(Anmerkung: Es gibt eine Szene, in der Max sich mit der angestellten Hausprostituierten unterhält. Sie: „Männer stehen auf Hure oder Heilige. Entweder wollen sie einen Orgasmus oder in Mamas Armen liegen. Es ist erschütternd, dass ein ganzes Geschlecht so fantasielos ist“.) Ich lass das mal unkommentiert so stehen.

Ulrike Schirm


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