Hommage an Andrzej Wajda
Hommage an Andrzej Wajda von Jagoda Engelbrecht anlässlich seines 100sten Geburtstages mit Hinweisen auf Ausstellungen und Festivals.

Auch der Kulturkanal ARTE und das goEast Festival in Wiesbaden feiern den Geburtstag des polnischen Filmemachers und Theaterregisseurs Andrzej Wajda, der am 6. März 100 Jahre alt geworden wäre und fast alle Preise gewann, die das internationale Kino zu bieten hat.
Der polnische Filmregisseur, Mitbegründer der polnischen Filmschule, Oscar-Preisträger und Gewinner zahlreicher höchster Filmtrophäen ist vor 10 Jahren gestorben. Aus Anlass dieser zwei Jahrestage und als Verbeugung vor seiner Kunst wurde in Polen das Jahr 2026 zum „Andrzej-Wajda-Jahr“ erklärt, mit Hunderten von Veranstaltungen, darunter Filmreihen, Ausstellungen, Theateraufführungen und Panels.
Zu Film kam Wajda auf den Umwegen. Eigentlich wollte er Maler werden und studierte bildende Kunst an der Kunstakademie in Krakau. Durch einen plötzlichen Sinneswandel wechselte er überraschend zu der neu gegründeten Filmhochschule in Łódź, die später dank ihm und weiteren bekannten Absolventen wie Roman Polański, Krzysztof Kieślowski oder Jerzy Skolimowski, den Weltruhm erlangte.
Schon der Debütfilm von Wajda „Die Generation“ zeigte seine Kunst des filmischen Erzählers. Die Geschichte der 20-Jährigen in einer von den Nazideutschen besetzten, zerstörten Stadt (Warschau) konzentriert sich auf den Zweifeln und Problemen der jungen Menschen, ihrer Verantwortung und Opferwilligkeit.
Der Film entstand 1954, also mitten im Sozialistischen-Realismus, trotzdem deuten hier moderner Aufbau, die Bildnarration und das Schauspiel einen Wandel an, der, auch dank dem Einfluss des italienischen Neorealismus, die Propagandaphase in der polnischen Kinematographie schnell vergessen ließ. So entstand schon 2 Jahre später ein Meisterwerk - „Der Kanal“, formell und inhaltlich eine neue Filmsprache und neue Themensetzung in sozialistischer Filmlandschaft.
Das war „die polnische Filmschule“, die die westliche Filmindustrie aufblicken ließ.
Trotz Verbots des sozialistischen Staatsapparats in Polen, gelang 1957 „Der Kanal“ nach Cannes, wo der Film und sein Regisseur gefeiert und mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet wurden.
Auch Wajdas nächste Produktion, sein bekanntester Film „Asche und Diamant“ zeigt Zerrissenheit der jungen Menschen im Kampf für ein freies Polen in der Nacht vom 9. auf den 10. Mai 1945. Für dieses Werk erhielt Wajda unter anderem den Fipresci-Preis beim Filmfestival in Venedig 1959 und den Goldenen Lorbeer (Silver Laurel) von D.O. Selznick der Internationalen Filmfestspiele Berlin 1962.
Hier der Trailer:
Innerhalb seines Gesamtwerkes, das über 50 Spielfilme wie auch zahlreiche Fernseh- und Dokumentarfilme, und Theaterinszenierungen umfasst, hat dieses in schwarz-weiß gedrehtes Frühwerk einen speziellen Stil und zeigt deutlich das starke Interesse Wajdas an polnischer Geschichte. Geprägt von Werten, wie Kampf für die Freiheit Polens und für Gerechtigkeit, die er von seinem Vater, einem Infanterieoffizier mitbekommen hat, analysierte Wajda in allen seinen polnischen, wie auch internationalen Produktionen in markanten Bildern die wichtigsten Etappen der Geschichte Polens.
War es das Gitter im Tunnel, durch den die Warschauer Aufständische aus der Falle zu entfliehen hofften („Der Kanal“), war es der für Andere auf dem Müllhaufen sterbende junger Maciek Chełmicki („Asche und Diamant“), oder war es die Abschluss-Szene aus „Korczak“, in der der Direktor des jüdischen Kinderheimes seine Schützlinge bewusst nach Treblinka in den Tod begleitet…
Jedes von diesen Bildern bleibt im Gedächtnis als Sinnbild für erschütternde historische Momente. Das letzte Symbolbild stammt aus dem Film „Das Massaker von Katyn“, einer Hommage an Wajdas Vater, der 1940 in Starobielsk bei Katyń, zusammen mit Tausenden polnischen hochrangigen Militärs, von den Stalins Schergen ermordet wurde. Lange wurde dieser Massenmord den Deutschen zugeschrieben, erst infolge der Systemtransformation in Polen kam die Wahrheit ans Licht.
Hier der Trailer:
Im Film, der 2008 bei der Berlinale in Anwesenheit der Bundeskanzlerin vorgestellt wurde, sieht man anfangs zwei Menschenströme auf einer Brücke im September 1939, die in entgegengesetzten Richtungen fliehen. Die Einen vor den Nazis, die Anderen vor den Russen, die damals schon das Ostpolen besetzt haben.
Einen besonderen Stellenwert in der Filmographie von Wajda nehmen drei Streifen ein, die drei Phasen der polnischen Nachkriegsgeschichte gewidmet sind: „Der Mann aus…“. Sie zeigen politische und soziale Situation eines 45 Jahre kommunistisch regierten Landes und die Veränderung nach der wieder erlangten Demokratie.
Die zweite Inspirationsquelle für Wajdas Filme neben der Geschichte war die Literatur.
Klassiker (Mickiewicz, Wyspiański, Żeromski) wie zeitgenössische Schriftsteller (Andrzejewski, Głowacki) und sogar Stanisław Lem lieferten Vorlagen für das filmische Werk des in Warschau beheimateten Künstlers.
Drei Autoren muss man jedoch hervorheben:

Auch der Kulturkanal ARTE und das goEast Festival in Wiesbaden feiern den Geburtstag des polnischen Filmemachers und Theaterregisseurs Andrzej Wajda, der am 6. März 100 Jahre alt geworden wäre und fast alle Preise gewann, die das internationale Kino zu bieten hat.
Der polnische Filmregisseur, Mitbegründer der polnischen Filmschule, Oscar-Preisträger und Gewinner zahlreicher höchster Filmtrophäen ist vor 10 Jahren gestorben. Aus Anlass dieser zwei Jahrestage und als Verbeugung vor seiner Kunst wurde in Polen das Jahr 2026 zum „Andrzej-Wajda-Jahr“ erklärt, mit Hunderten von Veranstaltungen, darunter Filmreihen, Ausstellungen, Theateraufführungen und Panels.
Auch in Deutschland wird das 100ste Geburtsjahr des Regisseurs gefeiert. In Düsseldorf zeigt das Filmmuseum mehrere Filme Wajdas. Parallel stellt die Sonderausstellung "Andrzej Wajda: Exhibition" das Werk des Künstlers und Plakate zu seinen Filmen vor.
(Link: www.duesseldorf.de/filmmuseum)
Das Wiesbadener GoEast-Festival wird im April in der neuen Sektion »Kaleidoskop« (vormals Specials) mit Filmvorführungen, Lesungen, Panels und weiteren Veranstaltungen Wajdas Filmkunst gedenken.
(Link: www.filmfestival-goeast.de)
Zu Film kam Wajda auf den Umwegen. Eigentlich wollte er Maler werden und studierte bildende Kunst an der Kunstakademie in Krakau. Durch einen plötzlichen Sinneswandel wechselte er überraschend zu der neu gegründeten Filmhochschule in Łódź, die später dank ihm und weiteren bekannten Absolventen wie Roman Polański, Krzysztof Kieślowski oder Jerzy Skolimowski, den Weltruhm erlangte.
Schon der Debütfilm von Wajda „Die Generation“ zeigte seine Kunst des filmischen Erzählers. Die Geschichte der 20-Jährigen in einer von den Nazideutschen besetzten, zerstörten Stadt (Warschau) konzentriert sich auf den Zweifeln und Problemen der jungen Menschen, ihrer Verantwortung und Opferwilligkeit.
Der Film entstand 1954, also mitten im Sozialistischen-Realismus, trotzdem deuten hier moderner Aufbau, die Bildnarration und das Schauspiel einen Wandel an, der, auch dank dem Einfluss des italienischen Neorealismus, die Propagandaphase in der polnischen Kinematographie schnell vergessen ließ. So entstand schon 2 Jahre später ein Meisterwerk - „Der Kanal“, formell und inhaltlich eine neue Filmsprache und neue Themensetzung in sozialistischer Filmlandschaft.
Das war „die polnische Filmschule“, die die westliche Filmindustrie aufblicken ließ.
Trotz Verbots des sozialistischen Staatsapparats in Polen, gelang 1957 „Der Kanal“ nach Cannes, wo der Film und sein Regisseur gefeiert und mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet wurden.
Auch Wajdas nächste Produktion, sein bekanntester Film „Asche und Diamant“ zeigt Zerrissenheit der jungen Menschen im Kampf für ein freies Polen in der Nacht vom 9. auf den 10. Mai 1945. Für dieses Werk erhielt Wajda unter anderem den Fipresci-Preis beim Filmfestival in Venedig 1959 und den Goldenen Lorbeer (Silver Laurel) von D.O. Selznick der Internationalen Filmfestspiele Berlin 1962.
Hier der Trailer:
Innerhalb seines Gesamtwerkes, das über 50 Spielfilme wie auch zahlreiche Fernseh- und Dokumentarfilme, und Theaterinszenierungen umfasst, hat dieses in schwarz-weiß gedrehtes Frühwerk einen speziellen Stil und zeigt deutlich das starke Interesse Wajdas an polnischer Geschichte. Geprägt von Werten, wie Kampf für die Freiheit Polens und für Gerechtigkeit, die er von seinem Vater, einem Infanterieoffizier mitbekommen hat, analysierte Wajda in allen seinen polnischen, wie auch internationalen Produktionen in markanten Bildern die wichtigsten Etappen der Geschichte Polens.
War es das Gitter im Tunnel, durch den die Warschauer Aufständische aus der Falle zu entfliehen hofften („Der Kanal“), war es der für Andere auf dem Müllhaufen sterbende junger Maciek Chełmicki („Asche und Diamant“), oder war es die Abschluss-Szene aus „Korczak“, in der der Direktor des jüdischen Kinderheimes seine Schützlinge bewusst nach Treblinka in den Tod begleitet…
Jedes von diesen Bildern bleibt im Gedächtnis als Sinnbild für erschütternde historische Momente. Das letzte Symbolbild stammt aus dem Film „Das Massaker von Katyn“, einer Hommage an Wajdas Vater, der 1940 in Starobielsk bei Katyń, zusammen mit Tausenden polnischen hochrangigen Militärs, von den Stalins Schergen ermordet wurde. Lange wurde dieser Massenmord den Deutschen zugeschrieben, erst infolge der Systemtransformation in Polen kam die Wahrheit ans Licht.
Hier der Trailer:
Im Film, der 2008 bei der Berlinale in Anwesenheit der Bundeskanzlerin vorgestellt wurde, sieht man anfangs zwei Menschenströme auf einer Brücke im September 1939, die in entgegengesetzten Richtungen fliehen. Die Einen vor den Nazis, die Anderen vor den Russen, die damals schon das Ostpolen besetzt haben.
Einen besonderen Stellenwert in der Filmographie von Wajda nehmen drei Streifen ein, die drei Phasen der polnischen Nachkriegsgeschichte gewidmet sind: „Der Mann aus…“. Sie zeigen politische und soziale Situation eines 45 Jahre kommunistisch regierten Landes und die Veränderung nach der wieder erlangten Demokratie.
1.) „Der Mann aus Marmor“ (1977) - über einen Maurer (Mateusz Birkut), der in den 50er Jahren das neue Stahlwerk bei Krakau, Nowa Huta, aufbaut und eine junge energische Fernsehjournalistin Agnieszka, die 20 Jahre später die Wahrheit über den Aufstieg und Fall dieses Helden der stalinistischen Zeiten aufzuklären versucht. Mit dieser Erzählung über die bisher verschwiegenen Passagen der stalinistischen Zeiten in Polen hat Wajda „das Kino der moralischen Unruhe“ eingeleitet.
2.) „Der Mann aus Eisen“ (1981) - erzählt von der Geburtsstunde der „Solidarność“ während des Arbeiterstreiks an der Danziger Werft 1980. Es ist die Fortsetzung der Geschichte von Mateusz Birkut, erzählt durch seinen Sohn, Maciek, der zusammen mit anderen Arbeitern gegen das kommunistische System kämpft. Im Film zeigt Wajda auch die Archivaufnahmen von den Ereignissen in Gdańsk u.a. mit Lech Walesa.
3.) „Wałęsa. Der Mann aus Hoffnung“ (2013) - ist ein biografischer Film über den Solidarność-Anführer und späteren Präsidenten Polens, von den ersten Streiks 1970 in Gdańsk bis Wałęsas Rede im US-Kongress 1989. Er zeigt den Wandel Wałęsas vom einfachen Elektriker zum charismatischen Politiker, spart aber auch die kontroversen Seiten des Leaders nicht aus.
2.) „Der Mann aus Eisen“ (1981) - erzählt von der Geburtsstunde der „Solidarność“ während des Arbeiterstreiks an der Danziger Werft 1980. Es ist die Fortsetzung der Geschichte von Mateusz Birkut, erzählt durch seinen Sohn, Maciek, der zusammen mit anderen Arbeitern gegen das kommunistische System kämpft. Im Film zeigt Wajda auch die Archivaufnahmen von den Ereignissen in Gdańsk u.a. mit Lech Walesa.
3.) „Wałęsa. Der Mann aus Hoffnung“ (2013) - ist ein biografischer Film über den Solidarność-Anführer und späteren Präsidenten Polens, von den ersten Streiks 1970 in Gdańsk bis Wałęsas Rede im US-Kongress 1989. Er zeigt den Wandel Wałęsas vom einfachen Elektriker zum charismatischen Politiker, spart aber auch die kontroversen Seiten des Leaders nicht aus.
Die zweite Inspirationsquelle für Wajdas Filme neben der Geschichte war die Literatur.
Klassiker (Mickiewicz, Wyspiański, Żeromski) wie zeitgenössische Schriftsteller (Andrzejewski, Głowacki) und sogar Stanisław Lem lieferten Vorlagen für das filmische Werk des in Warschau beheimateten Künstlers.
Drei Autoren muss man jedoch hervorheben:
1.) Władyslaw Reymont, dessen Roman „Das gelobte Land“ die Zeiten der Industrialisierung der Stadt Łódź Ende des 19 Jahrhunderts am Beispiel von drei ehrgeizigen jungen Männern erzählt. Wajdas Verfilmung der unterschiedlichen Motivationen und Moralwerte jedes der drei Protagonisten (ein Pole, ein Deutscher, ein Jude) auf dem Hintergrund des dynamischen Kapitalismus ist ein Meisterwerk, das 1976 auf die Liste der fünf zum fremdsprachigen Oscar nominierten Filmen schaffte.
2.) Jarosław Iwaszkiewicz - auf dessen epischen Erzählungen die meisten Filme Wajdas basierten: „Das Birkenwäldchen“, „Der Kalmus“ und vor allem ein bildgewaltiger Abgesang auf die vergangene Epoche - „Die Mädchen von Wilko“.
3.) Eine besondere Rolle spielte Fjodor Dostojewski.
Dostojewskis Romane adaptierte Wajda in Polen, Frankreich, Deutschland und sogar in Japan, sowohl für die Leinwand als auch für das Theater und das Fernsehen. Am bekanntesten ist die 1988 entstandene polnisch-französische Koproduktion „Les Possédés“ („Die Dämonen“) mit u.a. Isabelle Huppert, Jutta Lampe und Omar Sharif. Der Roman „Schuld und Sühne“ wurde zuerst fürs Theater ( Stary Teatr, Krakau, dann Schaubühne, Berlin) und anschließend fürs Fernsehen adaptiert (mit Jutta Lampe, Udo Samel und Stephan Bissmeier, ZDF).
Auch die Interpretation des Romans „Der Idiot“ - „Nastazja“ wurde als Theaterstück, Spielfilm (Japan, 1994) und Fernsehfilm mit dem japanischen Kabuki-Schauspieler Tamasaburō Bandō in der Doppelrolle (weiblich und männlich) inszeniert. Im New Yorker Yale Repertory Theatre besetzte Wajda 1974 in diesem Stück die blutjunge Meryl Streep.
Hier der Trailer:
Die Film- und Theaterarbeit im Ausland ermöglichte Wajda Begegnungen mit anderen großen SchauspielerInnen wie Gerard Depardieu und Angela Winkler („Danton“), Hanna Schygulla und Elisabeth Trissenaar („Eine Liebe in Deutschland“). In Polen verdanken ihm einige Schauspieler große Karriere - zum Beispiel Zbyszek Cybulski, Daniel Olbrychski, Krystyna Janda, Wojciech Pszoniak, Andrzej Seweryn. Sogar Roman Polanski, der sonst nur in seinen eigenen Filmen Schauspielrollen übernimmt, spielte bei Wajda mit.
Für sein Werk wurde Wajda mit zahlreichen Preisen und Trophäen ausgezeichnet. Doch neben den Goldenen Palmen, Löwen, Bären, Cesárs, Baftas, dem Premio-Imperiale (1996) und dem Ehren-OSCAR (2000), war es der Kyoto-Preis (1987), das dem Filmemacher erlaubte, seiner alten Faszination, der Kunst und Kultur Japans, nachzugehen. So entschied er, zusammen mit seiner Ehefrau und Partnerin, der Bühnen- und Kostümbildnerin, Krystyna Zachwatowicz-Wajda, das gesamte Preisgeld von Kyoto-Preis (450 Tausend Dollar) für den Bau eines neuen Museums in Krakau zu spenden. Der 2004 von einem der größten japanischen Architekten, Arata Isozaki gebaute Kunsttempel an der Weichsel, beheimatet die Kollektion der japanischen Kunst des Krakauer Sammlers, Feliks „Manggha“ Jasieński und gehört seitdem zu den Hauptattraktionen von Krakau.
Und so nahm die bildende Kunst immer eine große Rolle sowohl in den Filmen, wie auch im Leben von Wajda ein. Trotz intensiver Filmarbeit suchte der Regisseur stets den Dialog mit anderen Kunstwerken. Vor jedem anstehenden Berlin-Besuch fragte er mich nach neuen Ausstellungen, die man in Berlin unbedingt sehen muss. Und selbst während des anstrengenden Programms fand er immer Zeit für einen Museums- oder Galeriebesuch. Es war sehr interessant, seine Begeisterung für die Kunst und den Respekt für die Maler zu beobachten. Vieles davon ist in seine Filme eingeflossen.
Jagoda Engelbrecht
2.) Jarosław Iwaszkiewicz - auf dessen epischen Erzählungen die meisten Filme Wajdas basierten: „Das Birkenwäldchen“, „Der Kalmus“ und vor allem ein bildgewaltiger Abgesang auf die vergangene Epoche - „Die Mädchen von Wilko“.
3.) Eine besondere Rolle spielte Fjodor Dostojewski.
Dostojewskis Romane adaptierte Wajda in Polen, Frankreich, Deutschland und sogar in Japan, sowohl für die Leinwand als auch für das Theater und das Fernsehen. Am bekanntesten ist die 1988 entstandene polnisch-französische Koproduktion „Les Possédés“ („Die Dämonen“) mit u.a. Isabelle Huppert, Jutta Lampe und Omar Sharif. Der Roman „Schuld und Sühne“ wurde zuerst fürs Theater ( Stary Teatr, Krakau, dann Schaubühne, Berlin) und anschließend fürs Fernsehen adaptiert (mit Jutta Lampe, Udo Samel und Stephan Bissmeier, ZDF).
Auch die Interpretation des Romans „Der Idiot“ - „Nastazja“ wurde als Theaterstück, Spielfilm (Japan, 1994) und Fernsehfilm mit dem japanischen Kabuki-Schauspieler Tamasaburō Bandō in der Doppelrolle (weiblich und männlich) inszeniert. Im New Yorker Yale Repertory Theatre besetzte Wajda 1974 in diesem Stück die blutjunge Meryl Streep.
Hier der Trailer:
Die Film- und Theaterarbeit im Ausland ermöglichte Wajda Begegnungen mit anderen großen SchauspielerInnen wie Gerard Depardieu und Angela Winkler („Danton“), Hanna Schygulla und Elisabeth Trissenaar („Eine Liebe in Deutschland“). In Polen verdanken ihm einige Schauspieler große Karriere - zum Beispiel Zbyszek Cybulski, Daniel Olbrychski, Krystyna Janda, Wojciech Pszoniak, Andrzej Seweryn. Sogar Roman Polanski, der sonst nur in seinen eigenen Filmen Schauspielrollen übernimmt, spielte bei Wajda mit.
Für sein Werk wurde Wajda mit zahlreichen Preisen und Trophäen ausgezeichnet. Doch neben den Goldenen Palmen, Löwen, Bären, Cesárs, Baftas, dem Premio-Imperiale (1996) und dem Ehren-OSCAR (2000), war es der Kyoto-Preis (1987), das dem Filmemacher erlaubte, seiner alten Faszination, der Kunst und Kultur Japans, nachzugehen. So entschied er, zusammen mit seiner Ehefrau und Partnerin, der Bühnen- und Kostümbildnerin, Krystyna Zachwatowicz-Wajda, das gesamte Preisgeld von Kyoto-Preis (450 Tausend Dollar) für den Bau eines neuen Museums in Krakau zu spenden. Der 2004 von einem der größten japanischen Architekten, Arata Isozaki gebaute Kunsttempel an der Weichsel, beheimatet die Kollektion der japanischen Kunst des Krakauer Sammlers, Feliks „Manggha“ Jasieński und gehört seitdem zu den Hauptattraktionen von Krakau.
Und so nahm die bildende Kunst immer eine große Rolle sowohl in den Filmen, wie auch im Leben von Wajda ein. Trotz intensiver Filmarbeit suchte der Regisseur stets den Dialog mit anderen Kunstwerken. Vor jedem anstehenden Berlin-Besuch fragte er mich nach neuen Ausstellungen, die man in Berlin unbedingt sehen muss. Und selbst während des anstrengenden Programms fand er immer Zeit für einen Museums- oder Galeriebesuch. Es war sehr interessant, seine Begeisterung für die Kunst und den Respekt für die Maler zu beobachten. Vieles davon ist in seine Filme eingeflossen.
Jagoda Engelbrecht
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