Neue Hoffnung für den deutschen Film - Weltpremiere in Toronto
Katharina Dockhorns Bericht vom 50. Toronto International Film Festival, das am Sonntag, den 14. September 2025 mit dem Publikumspreis von Chloé Zhaos "Hamnet" endete.

Mit dieser Prämisse ging der deutsche Regisseur Joscha Bongard seinen Abschlussfilm „BABYSTAR“ an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg an, der in Toronto seine Weltpremiere feierte und seinen weiteren über die deutschsprachigen Premieren auf den Festivals in Hamburg und Zürich machen wird.
Hier der Trailer:
„Babystar“ handelt von Kidfluencern auf Social Media.
Joscha Bongard gehört zu einer Generation junger Filmemacher, die in den letzten Monaten international aufhorchen ließ. Ihre Werke machen Mut, dass der deutsche Film endlich aus der Miefecke herauskommt, in der Komödien den heimischen Markt dominierten und das internationale Renommee lau war. Allen voran Mascha Schilinskis „Sound of Falling“ (deutscher Titel: "In die Sonne schauen"). Der zweite Film der Berliner Regisseurin eroberte in Cannes die Herzen der Filmwelt – der Kritiker und zumindest des heimischen Publikums. Für Deutschland wird der bildgewaltige, metaphorische Film ins Rennen um den OSCAR® der Academy Awards gehen.
Hier nochmals der Trailer des Films, der durch die Perspektive verschiedener Frauen in 100 Jahre beklemmender Geschichte eines Gutshofs in der Altmark eintaucht, wo in vier Generationen stets stumme Gewalt und Unterdrückung vorherrschten:
Eigene Handschriften entwickeln
Rückenwind erhalten die jungen deutschen Filmemacher*innen von einem neuen Denken im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, das traditionell alle Filme des Nachwuchses fördert. Offenbar wurde in den Redaktionsstuben begriffen, dass es nicht reicht, die Hunderttausende Coming-of-Age-Geschichte in bewährter Manier auf die Leinwand zu bringen oder die Realität in tristen Farben zu malen. Die jungen Redakteure sind offen für Experimente, innovative Erzählformen und alle Genres. Und die jungen Filmemacher wissen das zu nutzen, sie entwickeln eigene, spannende Handschriften, auch wenn sie mit extrem kleinen Budgets auskommen müssen.
Joscha Bongards führt ins Milieu der Influencer und ihrer schillernden Welt. Wobei er dem schreienden, bunten Marktplatz der Socialen Medien dezente Farben und einen ruhigen Erzählstil entgegensetzt, wenn er den ruhigen, eintönigen Alltag von Familie Sommer schildert. Tochter Luca ist mit Kameras aufgewachsen, schon als Baby wurde sie zum Star. Wenn sie die Linse sieht, setzt sie automatisch ein Lächeln auf. Freunde in der Schule hat sie keine, dafür mehr als vier Millionen Follower. Die gesamte Situation erschwert der Teenagerin die Abnabelung von und die Rebellion gegen ihre Eltern. Sie fühlt aber auch, dass sie ins Abseits gerät, als ihre Mutter erneut schwanger wird und die neun Monate in den Socialen Medien ausbreiten. „Wir hatten nicht das eine konkrete Vorbild bei der Storyentwicklung, aber ich kenne das Phänomen "Familyfluencing" aus einem YouTube Management Netzwerk, bei dem ich 2016 arbeitete. Es war eine interessante Zeit, in der ich tiefe Einblicke erhielt“, erklärt Joscha Bongard den Background.
Gelungener Blick hinter Kulissen der Influencer-Welt
Bongard blickt eindrucksvoll und vor allem durch die grandiose Leistung seiner jungen Hauptdarstellerin Maja Bons auf die psychischen Folgen dieses Phänomens für junge Menschen. Und räumt mit dem Traum vieler Gleichaltriger auf, irgendwie im Netz entdeckt zu werden und Millionen zu machen.
von Katharina Dockhorn
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Traditionell endet das Toronto International Film Festival mit einem Publikumspreis, denn im Gegensatz zu anderen Filmfestivals gibt es keine Jury beim tiff.
Gewonnen hat das 50. Toronto International Film Festival Chloé Zhaos "Hamnet". Die Hamlet-Tragödie der Familie Shakespeare wurde vom Publikum zum Siegerfilm gekürt. Die Adaption des Romans von Maggie O'Farrell begeisterte durchweg mit poetischen Bildern und stiller Wucht. Paul Mescal und Jessie Buckley brillieren in den Hauptrollen.
Hier der Trailer:
Chloé Zhao, die in den USA tätige chinesische Filmregisseurin, Drehbuchautorin, Filmeditorin und Filmproduzentin erhielt den People's Choice Award schon zum 2. Mal: Ihr TIFF-Sieger "Nomadland" von 2020 gewann später drei Oscars.
Der zweite Platz ging an "Frankenstein" von Regisseur Guillermo del Toro mit Oscar Isaac und Jacob Elordi. Auf Rang drei kam Rian Johnsons "Wake Up Dead Man: A Knives Out Mystery".
Der FIPRESCI Preis ging an "Forastera" by Lucia Aleñar Iglesias
(Spain, Sweden, Italy, 2025, 97 min)
Hier der Teaser:
Begründung der FIPRESCI-Jury, die aus folgenden Mitgliedern bestand:
Justine Smith (Canada), Francisco Ferreira (Portugal), Katharina Dockhorn (Germany), Jean-Philippe Guerand (France), Andy Hazel (Australia) (fipresci.org)
Ein weiterer Blick aufs Festival folgt in der nächsten Woche am 25.09.2025 von Katharina Dockhorn.
Link: tiff.net

„Wir wollten mutig sein. Wenn wir uns zwischen zwei Möglichkeiten entscheiden mussten, versuchten wir, die Mutigere zu wählen. Wir kommen gerade aus der Filmhochschule, wir haben jetzt die Möglichkeit, so radikal wie möglich zu sein. Und mutig sein macht großen Spaß!“
Mit dieser Prämisse ging der deutsche Regisseur Joscha Bongard seinen Abschlussfilm „BABYSTAR“ an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg an, der in Toronto seine Weltpremiere feierte und seinen weiteren über die deutschsprachigen Premieren auf den Festivals in Hamburg und Zürich machen wird.
Hier der Trailer:
„Babystar“ handelt von Kidfluencern auf Social Media.
Joscha Bongard gehört zu einer Generation junger Filmemacher, die in den letzten Monaten international aufhorchen ließ. Ihre Werke machen Mut, dass der deutsche Film endlich aus der Miefecke herauskommt, in der Komödien den heimischen Markt dominierten und das internationale Renommee lau war. Allen voran Mascha Schilinskis „Sound of Falling“ (deutscher Titel: "In die Sonne schauen"). Der zweite Film der Berliner Regisseurin eroberte in Cannes die Herzen der Filmwelt – der Kritiker und zumindest des heimischen Publikums. Für Deutschland wird der bildgewaltige, metaphorische Film ins Rennen um den OSCAR® der Academy Awards gehen.
Hier nochmals der Trailer des Films, der durch die Perspektive verschiedener Frauen in 100 Jahre beklemmender Geschichte eines Gutshofs in der Altmark eintaucht, wo in vier Generationen stets stumme Gewalt und Unterdrückung vorherrschten:
Eigene Handschriften entwickeln
Rückenwind erhalten die jungen deutschen Filmemacher*innen von einem neuen Denken im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, das traditionell alle Filme des Nachwuchses fördert. Offenbar wurde in den Redaktionsstuben begriffen, dass es nicht reicht, die Hunderttausende Coming-of-Age-Geschichte in bewährter Manier auf die Leinwand zu bringen oder die Realität in tristen Farben zu malen. Die jungen Redakteure sind offen für Experimente, innovative Erzählformen und alle Genres. Und die jungen Filmemacher wissen das zu nutzen, sie entwickeln eigene, spannende Handschriften, auch wenn sie mit extrem kleinen Budgets auskommen müssen.
Joscha Bongards führt ins Milieu der Influencer und ihrer schillernden Welt. Wobei er dem schreienden, bunten Marktplatz der Socialen Medien dezente Farben und einen ruhigen Erzählstil entgegensetzt, wenn er den ruhigen, eintönigen Alltag von Familie Sommer schildert. Tochter Luca ist mit Kameras aufgewachsen, schon als Baby wurde sie zum Star. Wenn sie die Linse sieht, setzt sie automatisch ein Lächeln auf. Freunde in der Schule hat sie keine, dafür mehr als vier Millionen Follower. Die gesamte Situation erschwert der Teenagerin die Abnabelung von und die Rebellion gegen ihre Eltern. Sie fühlt aber auch, dass sie ins Abseits gerät, als ihre Mutter erneut schwanger wird und die neun Monate in den Socialen Medien ausbreiten. „Wir hatten nicht das eine konkrete Vorbild bei der Storyentwicklung, aber ich kenne das Phänomen "Familyfluencing" aus einem YouTube Management Netzwerk, bei dem ich 2016 arbeitete. Es war eine interessante Zeit, in der ich tiefe Einblicke erhielt“, erklärt Joscha Bongard den Background.
Gelungener Blick hinter Kulissen der Influencer-Welt
„Es ist ein Mix aus klassischer Marketing-Agentur und Talentmanagement. Sie suchen für ihre Klienten auch mal eine neue Wohnung oder sind involviert, wenn mal wieder ein Mann einen Fan schwängert. Es gab damals wirklich schlimme Geschichten bei den ersten deutschen YouTube-Stars. Heute stehen hinter den meisten Influencer*innen Agenturen, die sie pushen und gezielt platzieren. In diesem riesigen Wirtschaftszweig werden mittlerweile Milliarden umgesetzt. Das Geschäft zeigt, dass in unserer spätkapitalistischen Welt alles kapitalisiert werden kann. Ich möchte nicht die Eltern oder Familien kritisieren, nicht das Individuum. Mir geht es vor allem um das System“, so Bongard.
Bongard blickt eindrucksvoll und vor allem durch die grandiose Leistung seiner jungen Hauptdarstellerin Maja Bons auf die psychischen Folgen dieses Phänomens für junge Menschen. Und räumt mit dem Traum vieler Gleichaltriger auf, irgendwie im Netz entdeckt zu werden und Millionen zu machen.
von Katharina Dockhorn
++++++++++++
Traditionell endet das Toronto International Film Festival mit einem Publikumspreis, denn im Gegensatz zu anderen Filmfestivals gibt es keine Jury beim tiff.
Gewonnen hat das 50. Toronto International Film Festival Chloé Zhaos "Hamnet". Die Hamlet-Tragödie der Familie Shakespeare wurde vom Publikum zum Siegerfilm gekürt. Die Adaption des Romans von Maggie O'Farrell begeisterte durchweg mit poetischen Bildern und stiller Wucht. Paul Mescal und Jessie Buckley brillieren in den Hauptrollen.
Hier der Trailer:
Chloé Zhao, die in den USA tätige chinesische Filmregisseurin, Drehbuchautorin, Filmeditorin und Filmproduzentin erhielt den People's Choice Award schon zum 2. Mal: Ihr TIFF-Sieger "Nomadland" von 2020 gewann später drei Oscars.
Der zweite Platz ging an "Frankenstein" von Regisseur Guillermo del Toro mit Oscar Isaac und Jacob Elordi. Auf Rang drei kam Rian Johnsons "Wake Up Dead Man: A Knives Out Mystery".
Der FIPRESCI Preis ging an "Forastera" by Lucia Aleñar Iglesias
(Spain, Sweden, Italy, 2025, 97 min)
Hier der Teaser:
Begründung der FIPRESCI-Jury, die aus folgenden Mitgliedern bestand:
Justine Smith (Canada), Francisco Ferreira (Portugal), Katharina Dockhorn (Germany), Jean-Philippe Guerand (France), Andy Hazel (Australia) (fipresci.org)
"Das spanische Kino, das lange Zeit vom Überschwang von Pedro Almodóvar geprägt war, hat in Lucía Aleñar Iglesias eine neue, unverwechselbare Stimme gefunden. Forastera spielt auf dem sonnenverwöhnten Mallorca und folgt der 16-jährigen Cata, deren unbeschwerter Familienurlaub durch den Tod ihrer Großmutter gestoppt wird. In ihrer Trauer nimmt die Teenagerin die Gestalt der älteren Frau an – sie trägt ihre Kleidung, übernimmt ihre Gesten und ihr Schweigen. Iglesias führt mit Zurückhaltung und Präzision Regie und findet Kraft im Understatement. Die Darbietungen der Newcomerin Zoe Stein und des Veteranen Lluís Homar verankern die traumhaften Rhythmen des Films. Was sich anscheinend anhört, wird leuchtend: eine Meditation über die erste Begegnung eines Jugendlichen mit dem Tod und eine Geistergeschichte darüber, wie die Vergangenheit in der Gegenwart verweilt. Forastera ist ein ruhiges, selbstbewusstes Debüt, einfach und doch transformativ, das Iglesias als einen Filmemacher kennzeichnet, auf den die FIPRESCI-Jury setzen möchte."
Ein weiterer Blick aufs Festival folgt in der nächsten Woche am 25.09.2025 von Katharina Dockhorn.
Link: tiff.net
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