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Nur wenige interessante Werke zu den Kinostarts in der 19. KW 2024

Eine weitere Folge vom "Planet der Affen" wollten wir uns nicht zumuten und Oskar Roehlers "Bad Director" haben wir sogar vorzeitig erbost verlassen, während uns "Teaches Of Peaches" dagegen amüsierte.



Bis zum 20. Mai 2024 kann das DOK.fest München zumindest noch virtuell besucht werden. Aber auch regulär sind mit der Musikdoku "Teaches Of Peaches" und der Breakdance Film "Dancing Heartbeats" zwei erwähnenswerte Dokumentarfilme diese Woche im Kino angelaufen. Und für den Animationsfilm "Robot Dreams" konnten sich sogar gleich zwei unserer Filmkritikerinnen begeistern.

"ROBOT DREAMS" Animationsfilm von Pablo Berger. (Spanien / Frankreich, 2023, 102 Min.) Gewinner des Best Animation Features der European Film Awards 2023; läuft seit 9. Mai 2024 im Kino. Hier der Trailer:



Elisabeths Filmkritik:

New York City. Ein Schmelztiegel, ein Wimmelbild an Figuren. Keine Menschen, sondern anthropomorphe Tiere bevölkern die Stadt, die Straßen, die Parks, den Strand. In der mit Geräuschen nicht armen Großstadt ist einer ganz einsam. "Dog" steht an der Tür. Der Fernseher ist die einzige Unterhaltung für diesen Hund, der alleine auf dem Sofa sitzt und täglich das gleiche fade Mahl aus der Mikrowelle zieht. Bis ihn eine Werbeeinblendung auf eine Idee bringt.

Hund baut sich einen Roboter. Mit der Blechkiste, die ihn auch an die Hand nimmt, freundet er sich schnell an. Statt nur zu Hause zu sitzen, gehen die Beiden hinaus in die Stadt und das Leben blüht nach und nach auf. Freundschaft, eines der Themen dieses Animationsfilmes, fühlt sich gut an. Regie führte in der spanisch-französischen Produktion der spanische Regisseur Pablo Berger. Sein bisher bekanntester Film ist "Blancanieves" von 2012. Seine Variante des Schneewittchen-Märchens spielt als Stummfilm in schwarz-weiß unter Stierkämpfern Anfang des 20. Jahrhunderts in Seville.

"Robot Dreams" ist ein bunter und angeregter Film, traurig, aber auch klug. Auf der Tonspur hört man das pralle Leben. Aber es gibt keine Dialoge. Es gibt sie wirklich nicht. Man merkt es kaum. Die flächig gezeichneten Figuren mit klarer Kontur sind zwar einfach gehalten, doch auch präzise. Mimik und Gestik bescheren dem Publikum eine erzählfreudige Geschichte, die zwar, vor allem auf vereinzelten Plakatmotiven, wie ein Kinderfilm daherkommt, aber mit etwas Lebenserfahrung besonders Erwachsene ins Herz treffen wird. Denn Hund und Roboter verlieren einander durch einen dummen Umstand. Ein ausgelassener Nachmittag am Strand von Coney Island bringt eine Wende. Der Sand und das Meerwasser schaden dem Roboter immens. Bewegungsunfähig liegt er nun da und Hund kann erst einmal nichts ausrichten.

Es kommt noch ärger. Als Hund am nächsten Tag mit Werkzeug zurückkehrt, ist der Strand geschlossen. Bis zur nächsten Saison gibt es keine Möglichkeit, den Freund zu retten. Damit muss Hund erst einmal klarkommen. Auch der Roboter sehnt sich nach seinem Herrchen. Die Geschichte ist bis zu diesem Zeitpunkt simpel und effektiv. Wer jetzt keine Träne aus den Augenwinkeln wischt... Es folgen Monate des Trennungsschmerzes. Der eine sorgt sich um den anderen und andersherum. Es folgt die Zeit der Ablenkung, der Träume, der platzenden Träume, der Ernüchterung, der Hoffnung, des Akzeptierens.

"Robot Dreams" unterlag bei den Oscars dem Hayao Miyazaki-Film "Der Junge und der Reiher". Die Nominierung sollte als Empfehlung ausreichen. Ach was. "Robot Dreams" gewann in der Kategorie Animationsfilm sowohl den Goya, den nationalen spanischen Filmpreis, als auch den Europäischen Filmpreis. Die Geschichte von Hund und Roboter wurde zuerst in Cannes vorgestellt. Annecy, Sitges, die Viennale und Toronto spielten nach, unter anderem. Dabei basiert der Animationsfilm auf der Graphic Novel von Sara Varon. Ihre Vorlage von 2007 landete damals auf unzähligen Top-Listen. Auf Deutsch erschien "Robo und Hund: Wahre Freundschaft rostet nicht" (2008) im Verlag Ravensburger. Ein paar Hinweise in dieser Welt zollen der amerikanischen Autorin und Illustratorin Respekt. Der Film baut aber auch Referenzen auf die Pop-Kultur und auf andere New-York-Filme ein, die man am besten selbst entdecken möge.

Freundschaft ist also ein Thema der Geschichte. Ebenso wichtig ist das Motiv des Verlusts und gewissermaßen der Zeit. Für Hund vergeht die Zeit erst schleppend. Er versucht sich zu arrangieren. Für den Roboter steht die Zeit praktisch still. Er hofft ohne sich der Zeitdimension gewahr zu sein, dass Hund kommen wird, um ihn nach Hause zu holen. Ein Wiedersehen würde alles wieder gut machen. Oder nicht? Leben ist Veränderung. In diesem Sinne ist "Robot Dreams" nicht nur emotionell, sondern auch weise. Veränderungen sind okay. Wie die Geschichte all die Variationen eines Wiedersehens der beiden Hauptfiguren aufbereitet, zielt ins Herz. Dorthin, wo alle Erinnerungen verwahrt werden.

Elisabeth Nagy


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Ulrikes Filmkritik:

„Robot Dreams“, nach der Graphic Novel „Robo und Hund" von Sara Varon, ist einer der schönsten Animationsfilme der letzten Jahre, der sogar für den Oscar 2024 nominiert war.

Hund lebt allein in seiner Wohnung in Manhattan in den 19-achtziger Jahren. Er macht sich sein Essen in der Mikrowelle heiß und nimmt seinen Teller mit zum Fernseher und schaut fern. Auf einmal horcht er auf. Es kommt eine Frage: „Bist du allein“? Ja, Hund ist sehr einsam.

Kurze Zeit später klingelt es und er bekommt ein riesiges Paket. Es enthält Werkzeug und einzelne Teile, aus denen man sich ein Roboter bauen kann. Hund macht sich sogleich ans Werk. Fertig, Hund hat es geschafft. Staunend betrachtet er den lächelnden Roboter. Hund lächelt zurück.

Er macht einen Spaziergang mit ihm. Im U-Bahnhof hören sie einem Schlagzeuger zu. Nach einer Weile ergreift Hund die Hand des Roboters. Er ist nun nicht mehr allein. Gemeinsam erkunden sie die Stadt, machen Fotos von sich, fahren zum Strand schwimmen und tauchen im Meer und treffen auf viele andere Tiere. Beide sind glücklich. Genießen den Tag bis zur Dunkelheit.

Doch dann bewegt sich Robot nicht mehr. Er hat zwar die Augen geöffnet, aber sein Körper bleibt bewegungslos. Am nächsten Tag besorgt sich Hund einen Reparaturkoffer, fährt zurück zum Strand. Das Eingangstor ist geschlossen. Von weitem sieht er Robot im Sand liegen. Das Tor bleibt geschlossen bis zum nächsten Sommer. Robot muss nun den Jahreszeitenwechsel allein über sich ergehen lassen. Die beiden sind beste Freunde geworden und nun das. In ihren Gedanken und Träumen bleiben sie sich trotzdem nah.

„Robot Dreams“ ist ganz großes Kino, entzückend gezeichnet, mit herzzerreißender Mimik und umwerfenden Bildern in denen Robot seine Rettung träumt. Es geht um große Gefühle, Freundschaft Verlust und Schmerz aber auch um Neubeginn und das Besondere daran, die tiefsinnige Tragikomödie kommt ohne Worte aus, aber mit viel Emotionen. Die bunten Bilder und die vielen liebevoll gezeichneten Details im Hintergrund sorgen für Humor, regen zum Nachdenken an und lassen auch einige Tränen fließen. Ein Film, der die Herzen von Kindern und Erwachsenen erwärmt. Ein Film wie ein Geschenk. Die Gruppe »Earth, Wind & Fire« sorgt für musikalischen Hintergrund.

Ulrike Schirm


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Sicherlich macht es nicht immer Sinn, zwei Kritiken über denselben Film zu veröffentlichen. Aber nachdem dies bei unseren Lesern bereits am 25. April über den Film "Sterben" gut ankam, starten wir mit „Robot Dreams“ einen zweiten Versuch, vor allem, weil ich als Chefredakteur des BAF-Blogs den Film gar nicht gesehen habe und mir somit vielleicht ein besseres Urteil bilden kann.

Auch vor 24 Jahren, als im Jahr 2000 das Debütalbum "The Teaches of Peaches" der Kanadierin Merrill Nisker alias »Peaches« auf den Markt kam, hatte ich beruflich anderes im Sinn, als Konzerte der Girly-Band zu besuchen, zumal damals die »Loveparade« mit Techno & House in Berlin populärer war und ich in dieser Zeit manchmal sogar selbst auflegte. Was ich jedoch versäumt habe, zeigt wunderbar die Doku "Teaches of Peaches", die jetzt gestartet ist.

"TEACHES OF PEACHES" Musikdokumentation über eine queer-feministischen Ikone von Philipp Fussenegger und Judy Landkammer mit Peaches und Jason 'Chilly Gonzales' Beck. (Deutschland, 2024; 102 Min.) Seit 9. Mai 2024 im Kino. Hier der Trailer:



Unsere Kurzkritik:

Obwohl bald 60 Jahre alt, schreit, tanzt, singt und entblößt sich die Kanadierin Merrill Nisker alias »Peaches« ungeniert auf der Bühne wie zu ihren Anfangszeiten vor ca. 24 Jahren. Allerdings sind die Rolling Stones - obwohl deutlich älter - ebenfalls noch aktiv. Ihr Image als Bad-Boys haben sie aber versucht abzulegen, während Peaches ihre wilden Konzertauftritte, mit einer sexbesessenen Performance auch für ihre Konzerttour im Jahre 2022, aus der die Aufnahmen des Filmes stammen, immer noch fortführt. Ganz im Gegenteil: Peaches bleibt mit ihrem Outfit und platinblondem Vokuhila Haarschnitt vulgär und singt zum Opening weiterhin den legendären Song „Fuck The Pain Away“.

Der Dokumentarfilm, den wir bereits auf der diesjährigen 74. Berlinale gesehen hatten, zeigt aber nicht nur atemberaubende Konzertaufnahmen, die Peaches’ unglaubliche und einzigartige Power auf der Bühne verewigen, sondern auch ganz Privates. Der Film feierte im Februar seine Weltpremiere und wurde mit dem Teddy Award ausgezeichnet.

W.F.


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"DANCING HEARTBEATS" Dokumentarfilm von Lisa Wagner über drei Freundinnen, welche die Breakdance-Welt erobern wollen. (Deutschland, 2024; 92 Min.) Seit 9. Mai 2024 im Kino. Hier der Trailer:



Unsere Kurzkritik:

Breakdance, eine Domäne junger Männer, der seit der "Rock Steady Crew" Ende der 1970er Jahre in der Bronx von New York bis heute nicht an Popularität verloren hat, wird dieses Jahr in Paris olympisch. Grund genug für Frieda, Viola und Jilou, die Männerwelt zu erobern, um zu zeigen, was Frauen draufhaben.

Gemeinsam pushen sie sich und trainieren, um ihre Tanzperformances auf Höchstniveau zu bringen. Ihr hartes Training und ihre Auftritte bei internationalen Battles helfen ihnen, ihrem Traum ein Stück näher zu kommen.

"Dancing Heartbeats" ist aber nicht der einzige neue Film, der sich dem Thema Breakdance widmet. Auch auf dem DOK.fest München feierte mit "2unbreakable" von Maike Conway aus Deutschland ein weiteres Werk dieser Stilgruppe seine Premiere, um auf die neue Wettkampf-Sportart bei der Olympiade aufmerksam zu machen. Der Film, der noch ein wenig spektakulärer ist, startet am 20. Juni 2024 im Kino.

W.F.

Nachfolgend der Trailer:




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"BAD DIREKTOR" ein Film von Oskar Roehler nach seinem Roman „Selbstverfickung“ über die sarkastische Abrechnung eines ramponierten Regisseurs mit der deutschen Filmbranche, der als Satire beginnt und als Trauerspiel endet. (Deutschland, 2023; 131 Min.) Mit Oliver Masucci, Bella Dayne, Anne Ratte-Polle u.a. seit 9. Mai 2024 im Kino. Hier der Trailer:



Ulrikes Filmkritik:

Seine Einladung zur Filmverleihung schmeißt der Regisseur Gregor Samsa (Oliver Masucci) in den Müll, dann reißt er sich seine Krawatte vom Hals und schimpft dabei aufs Übelste über die deutsche Filmlandschaft. Die optische Ähnlichkeit, die Gestik und Mimik mit Roehler ist gewollt.

Dann besinnt er sich eines anderen, macht kehrt und holt sie doch wieder heraus.

Auf seinem Weg bekommt er einen Wutanfall nach dem anderen. Auch am Telefon brüllt er herum.

In einem Buchladen macht er einen Stopp und versucht eine junge Frau anzumachen, was ihm nicht gelingt. (Sie wird ihm später nochmals über den Weg laufen).

Endlich beim Empfang angekommen quatscht er die Dame, die mit dem Sekttablett herumläuft, voll und das wieder mit den übelsten Beschimpfungen, dessen Worte ich nicht unbedingt wiederholen möchte, dann legt er es wieder drauf an, sie ins Bett zu bekommen.

Filmzitat: „Ich bin Regisseur geworden, weil ich glaubte, dann leichter an Frauen heranzukommen, was aber nicht stimmt“.

Die Person, mit der wir es hier zu tun haben, ist ein völlig erschöpfter, total ramponierter von Schlafstörungen geplagter Filmregisseur, der die Filmbranche absolut verachtet und ständig ans Vögeln denkt, was aber ebenfalls kaum klappt. Er lästert über alle und jeden und ist von seinen Kollegen regelrecht angekotzt. Er führt Machtkämpfe bis an den Rand des Wahnsinns, mal sexistisch, mal homophob.

Man erinnert sich, dass Roehler vor etlichen Jahren für seinen Film "Die Unberührbare" mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet wurde.

Die Figur des Gregor Samsa, ist eine Anspielung auf Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ und stammt aus seinem 2017 erschienenen Roman »Selbstverfickung«, in dem er schon seine Wut äußerte. Gregor Samsa heißt der Handelsvertreter in Kafkas Erzählung, der sich über Nacht in ein riesiges Ungeziefer verwandelt.

Mit einer, man kann schon mutiger Kompromisslosigkeit sagen, kritisiert er eine Branche, für deren Geltungssucht und oft übertriebener Eitelkeit, er nur Verachtung übrig hat.

Oliver Masucci (Enfant terrible) spielt seine verzweifelte Rolle derart verkommen und erbärmlich, dass man fast Mitleid mit ihm hat. Seine Ausbrüche erklärt er, passieren wegen seiner chronischen Müdigkeit und Schlaflosigkeit.

Roehler: „Mit seinen linkischen Grimassen und seinem schleppenden Gang, macht er die Figur zu einer nach außen hin erbärmlichen Karikatur, die sich aber innerlich vor Schmerz windet.“

Der Film, eine böse pointierte Satire, die in einigen Szenen regelrecht Spaß macht, da man sie mit einem Augenzwinkern bejahen kann und dann aber wieder, den Bogen überspannt. Ein Wechsel zwischen drastischer Komik und grotesker Tragik. Anne Ratte-Polle spielt eine Schauspielerin, die Samsa gehörig Contra bietet.

Auf die Frage, wie es dem deutschen Film im Moment geht, antwortet Roehler:

„Ganz schlecht. Wir haben den Fehler gemacht von den öffentlich-rechtlichen Sendern mit ihrem spießigen Programmauftrag abhängig zu sein. In Deutschland ist es kaum noch möglich, einen Film zu drehen, der nicht unter dem Diktum der political correctness steht. In den Gremien herrscht ein schematisches Baukastendenken, die Verantwortlichen wissen gar nicht, ob das, was man ihnen vorlegt, gut oder schlecht ist. Meine Filme sind auch eine Attacke auf den guten Geschmack. Ich werfe gerne mit Dreck, aber die wollen nicht beworfen werden, denn sie erkennen sich zum Teil auch wieder, wenn ich sie in ihrer kleinkarierten Spiessigkeit porträtiere.“

Man hat zwar das Gefühl, dass Roehler mit diesem Film seine Abschiedsvorstellung gibt. Aber in einem Interview erzählt er, dass er bereits ein neues Drehbuch geschrieben hat. Man darf gespannt bleiben.

Er ist und bleibt ein Provokateur aus Leidenschaft.

Ulrike Schirm


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