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Mehr als drei Millionen Euro aus Berlin zur Rettung der Berlinale

Während Kulturstaatsministerin Claudia Roth die Mittel für die 74. Berlinale gekürzt hat und auf ein abgespecktes Programm pochte, stockt der Berliner Senat als Ausgleich die Förderung für die Berlinale 2024 auf.



Die Filmförderung der Hauptstadtregion feiert dieses Jahr ihr 30-jähriges Bestehen und blickt auf eine erfolgreiche Bilanz zurück.
Bericht von Katharina Dockhorn:


Berlin lässt die Berlinale nicht im Stich, versprach Florian Graf, Chef der Berliner Staatskanzlei, Aufsichtsratsvorsitzender vom Medienboard Berlin-Brandenburg und im Herbst Mitglied der Kommission, die die neue zukünftige Leiterin - Tricia Tuttle - für die 75. Berlinale 2025 fand.

Wie angekündigt, stockt der Senat die Förderung der Berlinale von 25.000 Euro um 2 Millionen auf. Dazu kommen eine Million aus Lottomitteln und mehr als 300.000 von der Medienboard Berlin-Brandenburg GmbH. Berlin trägt damit rund ein Zehntel des Budgets des Filmfestivals (im Vorjahr 33 Millionen Euro. Der Bund trägt 12,6 Millionen Euro zum Etat bei.



Bei den 74. Internationalen Filmfestspielen Berlin hat die Region daher auch ein Heimspiel. 16 vom Medienboard Berlin-Brandenburg (MBB) geförderte Filme laufen in den verschiedenen Sektionen der Berlinale, davon fünf im Wettbewerb: Neben Andreas Dresens mit Spannung erwartetem Biopic „In Liebe, eure Hilde“ und Matthias Glasners „Sterben“ wurden „L`Empire“, „My Favourite Cake“ und „Acrchitecton“ in den vergangenen Monaten gefördert.

Man kann diese Bilanz mit Stolz lesen. Oder den Gerüchten glauben, dass der Berlinale viele Titel durch die Lappen gingen, weil diese Sundance Festival bevorzugten oder auf das kommende Festival de Cannes hoffen.

Studio Babelsberg rettet Zuschauerbilanz

Die meisten Zuschauer unter den MBB-geförderten Filmen zogen im vergangenen Jahr zwei in der Region gedrehte Hollywood-Filme an: „John Wick 4“ und „Die Tribute von Panem: The Ballad of Songbirds & Snakes“. Wie es in Babelsberg nach dem Ausscheiden von Christoph Fisser und Charlie Woebcken weiter geht, ist völlig offen. Nur ein weiterer Wes Anderson ist im Gespräch.

Einziger deutscher Besuchermillionär ist „Sonne & Beton“, gefolgt von „Wochenendrebellen“ und dem nicht gerade heimischen Stoff „Lassie ein neues Abenteuer“. Insgesamt zogen MBB-gfeörderte Filme 11,3 Millionen Besucher ins Kino.

Setzt man die Fördersumme von 24,8 Millionen in 2023 dagegen, was natürlich ein wenig schief ist, da die Produktionen ja oft aus mehreren Jahren stammen, wird jeder Kinobesuch in der Produktion vom Berliner und Brandenburger Steuerzahler alimentiert. Abzuziehen wären 2,2 Millionen für High End Serien. 8,1 Millionen Euro flossen in internationale Koproduktionen und 5,8 Millionen in die digitale Produktion.

Regionaleffekt bei mehr als 500%

In die Filmförderung flossen 35,1 Millionen des Gesamt-MBB-Etats von 47,4 Millionen Euro. Für Dreharbeiten ausgegeben wurden 138 Millionen, das entspricht einem Regionaleffekt von 557%. Bei den Serien ist die Bilanz sogar noch besser. 23,6 Millionen Ausgaben führten zu einem Regionaleffekt von 1072%.

Ins Development flossen 1,2 Millionen, den Verleih 1,8 und für die Kinos 2.2 Millionen. Hier will Berlin nachlagen und weitere Millionen spendieren, um den Modernisierungsstau abzubauen.

30 Jahre MBB

Im Sommer steht der Geburtstag der Medienboard GmbH und der Wechsel an der Spitze ins Haus. Nach vier Amtszeiten endet der Vertrag von Kirsten Niehuus. Mit bescheidenen 12 Millionen Etat fing Prof. Klaus Keil einst an, um aus der Filmprovinz Berlin eine Metropole zu machen und Babelsberg nach der Abwicklung der DEFA zu erneutem Glanz zu führen.

Der große Gamechanger nach den verlorenen Jahren unter Volker Schlöndorff waren die Münchner Christoph Fisser und Charlie Woebcken, die die Gunst der Stunde mit der Einführung des Deutschen Filmförderfonds (DFFF) nutzten und Hollywood nach Berlin holten. Und, wie Kirsten Niehuus betont, Til Schweiger. Mit „Keinohrhasen“ bewies er, dass Berlin nicht nur Drama kann, sondern auch Komödie.

Katharina Dockhorn

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Weitere Berlinale News

Die Berlinale hat für zwei iranische Regisseure eines Wettbewerbsfilms Meinungs- und Reisefreiheit gefordert.

Gegen die Filmemacher Maryam Moghaddam und Behtash Sanaeeha sei ein Reiseverbot nach Berlin verhängt worden, teilte die Berlinale mit. Die Pässe seien vom Iran konfisziert worden.

Das Berlinale-Leitungsduo reagierte bestürzt:

"Wir fordern die iranischen Behörden auf, die Pässe zurückzugeben und alle Beschränkungen aufzuheben, die Maryam Moghaddam und Behtash Sanaeeha daran hindern, nach Berlin zu reisen", so Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek.


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Regisseur Petzold in Berlinale-Jury

Die Berlinale hat Christian Petzold in die internationale Jury berufen, das teilte das Filmfestival mit. Neben dem deutschen Regisseur entscheiden der US-Schauspieler Brady Corbet, die chinesische Regisseurin Ann Hui und der spanische Filmemacher Albert Serra über die Vergabe der Auszeichnungen im Wettbewerb. Auch die italienische Schauspielerin Jasmine Trinca und die ukrainische Schriftstellerin Oksana Zabuzhko gehören der Jury an.

Die kenianische Schauspielerin Lupita Nyong'o ("12 Years a Slave") leitet als erste afrikanische Jury-Präsidentin der Berlinale das Gremium in diesem Jahr.


Links: www.berlinale.de | www.medienboard.de

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