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Zur 40. Geburtstagsausgabe startet das Filmfest München 2023 mit Frauenpower

Vom 23. Juni bis 01. Juli 2023 gibt es dieses Jahr beim Filmfest München 147 Filme aus 61 Ländern, davon 43 Weltpremieren, zu sehen.



Zur Eröffnung des 40. Filmfests München wird am Freitag, den 23. Juni 2023, der energiegeladene, witzig-ironische Spielfilm "The Persian Version" von Maryam Keshavarz als Weltpremiere gezeigt.

Die Culture-Clash-Komödie, die mit gewaltigem Tempo und inszenatorischen Spielereien das Genre aufbricht, war der Audience Award Winner des diesjährigen Sundance Film Festivals in der US-Dramatic Kategorie.

Hier der Trailer:



Synopsis:
Leila ist die Tochter iranischer Eltern, die in den 1970er-Jahren in die USA eingewandert sind. Zwischen den beiden Kulturkreisen fühlt sie sich hin- und hergerissen. Dabei sitzt Leila nicht nur als Scheidungskind zwischen den Stühlen, sondern versucht auch, eine identitäre Gradwanderung zwischen gegensätzlichen Kulturen zu meistern.

Die Tragikomödie von Regisseurin Maryam Keshavarz basiert auf ihrer eigenen Lebensgeschichte und bricht das Genre einer klassischen Komödie mit viel Ironie und ihrem Mut zu inszenatorischer Spiellust auf. Dabei stellt sie das Erwachsenwerden von Leila und ihrer Mutter Shirin gegenüber und flicht auch immer wieder Erinnerungen mit Momenten bitterer Realität an den Iran ein. Ihre beiden Hauptdarstellerinnen Layla Mohammadi und Niousha Noor werden bei der Eröffnung im Gasteig HP8 dabei sein.


Zu seiner Geburtstagsausgabe zeigt das 40. FILMFEST MÜNCHEN (23.06. - 01.07.2023) dieses Jahr 147 Filme aus 61 Ländern, davon 43 Weltpremieren.

"Die diesjährige Geburtstagsausgabe des FILMFEST MÜNCHEN ist wahrlich ein Feuerwerk an vielfältigen, jungen Stimmen – von Nicaragua über Island bis in den Senegal", so Festivalleiterin Diana Iljine, die nach dieser 40. Ausgabe das Festival leider verlassen wird, um sich neuen Aufgaben zu widmen.


Wir stellen weiter unten noch acht weitere besonders empfehlenswerte Filme des Festivals mit Trailer vor. Darunter befinden sich jedoch nicht die Weltpremieren der GERMAN SELECTION, denn für diese 15 nachfolgenden Filme, die der künstlerischer Leiter Christoph Gröner aus Dokumentar- und Spielfilm ausgewählt hat, gilt die Sperrfrist.

Neues Deutsches Kino:

So vielfältig und gegensätzlich wie diesmal hat sich das Neue Deutsche Kino noch nie gezeigt. Bemerkenswert ist die internationale Ausrichtung eines Großteils der 15 Weltpremieren. Dabei werden nicht ferne Länder exotisiert und als austauschbarer Backdrop benutzt, sondern globale gesellschaftliche und hochaktuelle Themen aufgegriffen und filmisch-künstlerisch verarbeitet. Das deutsche Kino erforscht in Sprache, Ort, Ästhetik und Genre noch größere Freiheitsräume, als wir es in dieser Reihe in den vergangenen Jahren gesehen haben.

Spielfilme der Reihe:

"BLACK BOX"
von Asli Özge
mit Luise Heyer, Felix Kramer, Christian Berkel, Timur Magomedgadzhiev, Anne Ratte-Polle

Dieser Spielfilm blickt ins Herz der deutschen Mittelschicht, die in der Krise die Wohlstandsmasken fallen lässt, und zeigt damit zugleich neue Tendenzen im deutschen Kino auf, die exemplarisch für die Sektion stehen.


"CLASHING DIFFERENCES"
von Merle Grimme
mit Rabea Lüthi, Thelma Buabeng, Şafak Şengül, Jane Chirwa, Minh-Khai Phan-Thi, Lisa Hrdina
(Der Film läuft in einer geteilten Weltpremiere mit Frameline.)

"DEAD GIRLS DANCING"
von Anna Roller
mit Luna Jordan, Noemi Liv Nicolaisen, Katharina Stark, Sara Giannelli
(Der Film läuft in einer geteilten Weltpremiere mit dem Tribeca Festival.)

"THE DIVE"
von Maximilian Erlenwein & Joachim Hedén
mit Louisa Krause, Sophie Lowe

"ES BRENNT"
von Erol Afsin
mit Kida Khodr Ramadan, Halima Ilter, Emir Kadir Taskin, Nicolas Garin, Sohel Altan Gol

"FOSSIL"
von Henning Beckhoff & Bastian Köpf
mit Markus Hering, Ruth Reinecke, Victoria Schulz, Sohel Altan Gol, Godehard Giese

"LEERE NETZE"
von Behrooz Karamizade
mit Hamid Reza Abbasi, Sadaf Asgari, Keyvan Mohamadi, Pantea Panahiha, Ali Bagheri

"MONSTER IM KOPF"
von Christina Ebelt
mit Franzika Hartmann, Slavko Popadić, Martina Eitner-Acheampong

"MORE THAN STRANGERS"
von Sylvie Michel & Maria Teresa Curzio
mit Cyril Gueï, Smaragda Karydi, Julie Kieffer, Samuel Schneider, Léo Daudin

"SCHOCK"
von Daniel Rakete Siegel & Denis Moschitto
mit Denis Moschitto, Aenne Schwarz, Fahri Yardim, Anke Engelke, Sandro Di Stefano

"SÜDSEE"
von Henrika Kull
mit Liliane Amuat, Dor Aloni, Yuval Levi

"DIE TAGEBÜCHER VON ADAM UND EVA"
von Franz Müller
mit Anca Androne, Álex Brendemühl, Belina Mohamed-Ali, Jakob D'Aprile, Bill Callahan

Dokumentarfilme der Reihe:

"BOYZ"
von Sylvain Cruiziat
(Der Film läuft zusätzlich im Programm des 40. KINDERFILMFEST MÜNCHEN, der Sektion für das junge Publikum.)

"DAS KOMBINAT"
von Moritz Springer
mit Daniel Überall, Simon Scholl, Benny Schöpf

"WAR AND JUSTICE"
von Marcus Vetter & Michele Gentile
mit Luis Moreno-Ocampo, Benjamin Ferencz, Karim Khan

Die Internationalen Wettbewerbe:

In den drei internationalen Wettbewerben gibt es erneut etliche Highlights vom Festival de Cannes, wie „Club Zero“, von Jessica Hausner, der dieses Jahr die Retrospektive gewidmet wird.

Frisch aus Cannes kommt auch „Tiger Stripes“, eine junge malaysische Filmentdeckung. Es wird die Geschichte der 12-jährigen Zaffan erzählt, die mit der Pubertät und ihrem islamisch geprägten Umfeld zu kämpfen hat. Den Wunsch nach Selbstbestimmung greift auch das US-amerikanische Spielfilmdebüt „The Feeling That the Time for Doing Something Has Passed“ von Joanna Arnow auf humorvolle Art auf. „Was macht einen Menschen zum Monster und wer darf das entscheiden?“, fragt sich Hirokazu Kore-eda in seinem komplexen Film „Monster“ und begibt sich dabei auf eine vielschichtige Suche nach der Wahrheit, bei der vieles nicht das ist, wonach es zunächst aussieht. „Kidnapped“ von Marco Bellocchio unternimmt eine filmische Gratwanderung zwischen Glaube und Macht und erschüttert einmal mehr mit einer wahren Geschichte über historische Praktiken der katholischen Kirche.

Zwölf Filme stehen in diesem Jahr im Wettbewerb um den besten internationalen Film. Dabei konkurrieren die Produzent*innen um den ARRI Award im Wert von 50.000 Euro. Die Filme nehmen uns mit auf eine Reise um die Welt – von Argentinien über Tunesien bis Japan, mit ganz bewusst heterogenen, unterschiedlichsten Regiehandschriften. Doris Dörrie (Regisseurin), İlker Çatak (Regisseur) und Kim Yutani (Programmdirektorin Sundance Film Festival) bilden die unabhängige Jury im Wettbewerb »CineMasters«.

Um den »CineVision Award« konkurrieren dieses Jahr zwölf internationale Regietalente mit ihrem ersten oder zweiten Film. Der Preis, der von der MPLC Deutschland GmbH (Motion Picture Licensing Company) gestiftet wird, ist mit 15.000 Euro dotiert. Die Beiträge der Wettbewerbssektion zeichnen sich durch ihr außerordentliches Maß an Internationalität aus – insbesondere Filmschaffende aus ehemaligen Kolonialländern fügen dem Wettbewerb einen selbstbewussten, neuen Blick hinzu. Die unabhängige Jury, die die beste Regieleistung auszeichnet, bilden Luisa-Céline Gaffron (Schauspielerin), Andreas Kleinert (Regisseur) und Monika Bayer-Wermuth (Leitende Kuratorin Museum Brandhorst).

Der »CineRebels Award« wird nun zum zweiten Mal auf dem FILMFEST MÜNCHEN verliehen – eine neue Plattform für Formatsprenger, Filmabenteurer*innen und den cinephilen Filmgeschmack. Zwölf Produktionen, radikal oder experimentell, überraschend oder gegen den Strich gebürstet, können den Award im Wert von 10.000 Euro gewinnen. Von Musik über Performance-Kunst, Meta-Doku bis hin zum Sci-Fi-Porno gibt es in diesem Wettbewerb allmögliche Rebell*innen zu entdecken. Filmfest-Hauptpartner AUDI stiftet den Preis für die beste Regieleistung. Die diesjährige Jury besteht aus Anne Ratte-Polle (Schauspielerin), Axel Ranisch (Regisseur) und Bruce LaBruce (Regisseur und Künstler).

Ebenfalls zum zweiten Mal wird dieses Jahr der »CineKindl Award« für den besten Film der Sektion Kinderfilmfest verliehen. Um den CineKindl Award konkurriert eine bunte Filmauswahl, die zeigt, wie vielfältig und mutig Kino für Jüngere ist. Die Filmproduktionsfirma megaherz stiftet den mit 2.500 Euro dotierten Preis. Die Jury um Joya Thome (Regisseurin), Philip Henze (Kameramann) und Maite Woköck (Produzentin) wählt aus sieben Langfilmen den Preisträgerfilm aus.

Ehrungen für drei visionäre Frauen.

Barbara Sukowa stellt ihren neuen Film "Dalíland" vor und wird mit dem »CineMerit-Award« ausgezeichnet. Die Schauspielerin verkörpert darin Salvador Dalís Gattin Gala Éluard und präsentiert die Figur als stolze, sexuell befreite Frau.

Die österreichische Regisseurin Jessica Hausner ist im Rahmen einer »Retrospektive« unter anderem mit ihrem neuen Spielfilm "Club Zero" vertreten. Das Psychodrama, das kürzlich in Cannes seine Weltpremiere feierte, handelt von einer manipulativen Lehrerin in einem Eliteinternat.

In Kooperation mit dem Museum Brandhorst widmet das Filmfest München der Künstlerin Shu Lea Cheang eine »Hommage« und zeigt ihre neue Produktion "UKI" als Weltpremiere. Darin findet sich die Sexarbeiterin und Replikantin Reiko im dystopischen Jahr 2060 wieder. Aussortiert und überflüssig geworden, versucht Reiko auf einer Mülldeponie für Elektroschrott die Kontrolle über ihren digitalen Körper zurückzugewinnen.

Darüber hinaus freut sich das Filmfest München die iranisch-amerikanische Filmproduzentin, Filmregisseurin und Drehbuchautorin Maryam Keshavarz aus New York begrüßen zu können.

Als Besonderheit zum 40. Geburtstag zeigt das FILMFEST MÜNCHEN zudem seinem Publikum in der Sektion »International Independents« kostenfrei einige cinephile Höhepunkte aus den letzten vier Jahrzehnten des Festivals.

Empfehlungen aus Internationalen Sektionen.


"The Happiest Man in the World"
Hier der Trailer:



Eigentlich ist die nordmazedonische Regisseurin Teona Strugar Mitevska eine sichere Bank für die Berlinale. Sowohl "I am of Titov Veles" als auch ihr letzter Film "Gott existiert, ihr Name ist Petrunya" liefen auf dem A-Festival. "The Happiest Man in the World" feierte seine Premiere in Venedig und so kann das Publikum in Deutschland den Film, den sein Heimatland für die Oscars für den besten Internationalen Film eingereicht hatte, jetzt in München entdecken. Die Handlung spielt in Sarajevo. Handlungsort ist ein gemieteter Saal in einem typischen brutalistischen Hotel aus den 80er Jahren. Hier werden regelmäßig Speed-Dating-Tage abgehalten. Hier trifft Asja (Jelena Kordić Kuret) auf Zoran (Adnan Omerović) und im Laufe der Veranstaltung läuft alles aus dem Ruder. Teona Strugar Mitevska erzählt keine einfach Schuld- und Sühne-Geschichte. Aus harmlosen Fragen, die das Kennenlernen erleichtern sollen, brechen Traumata auf. Traumata, die gewissermaßen alle älteren Teilnehmer mit sich tragen, während die Jüngeren diese als Vergangenheit abtun. Mit einem Gespür für eine Eskalation der Gefühle, die nicht nur die Vergangenheit betreffen, sondern auch ein Aufbegehren in der Gegenwart, reißt die Regisseurin das Publikum in einen Strudel der Ereignisse, der die Seelen der Beteiligten nach und nach offenlegt. Für mich einer der besten Filme, die für die Oscars eingereicht wurden.


"Pilegesh" (The Other Widow)
Hier der Trailer:



"The Other Widow" erzählt von Ella, gespielt von Dana Ivgy. Sie arbeitet am Theater als Kostümbildnerin. Die Premiere des neuesten Stücks steht kurz bevor, als Assaf, der Autor und Dramaturg plötzlich verstirbt. Die Beiden hatten eine Affäre, was unter den Theaterleuten ein ziemlich offenes Geheimnis war. Darum erfährt sie es auch eher nur zufällig und auf jeden Fall als letzte. Maayan Rypp durfte ihr Spielfilmdebüt in Residenz in Cannes entwickeln und hat den Film auf dem Tallinn Black Nights Festival erstmalig vorstellen können. Sie wirft ihre junge Hauptfigur in den Zwiespalt nicht öffentlich trauern zu dürfen. Ella begleitet ihre Kollegen und Kolleginnen zu der Shiva in Assafs Haus und lernt dort dessen Witwe, die Mutter und den Bruder kennen. Rypp hat ein Gespür für die Absurditäten, die sich aus Ellas eigentlich unpassenden Verhalten ergeben. Man könnte ihr Auftreten als peinlich werten. Der Film zeigt jedoch Mitgefühl und gibt ihr einen Weg aus diesem Dilemma heraus.


"Nação Valente" (Tommy Guns)
Hier der Trailer:



Auch Carlos Conceição ist kein Unbekannter, obwohl dies erst sein zweiter Spielfilm ist. 2019 war er mit "Serpentarius" Gast in der Sektion Forum der Berlinale. "Tommy Guns", in München in der Sektion International Independents, wurde in Locarno uraufgeführt und macht seitdem die Festivalrunde. Conceição wurde in Angola geboren und beschäftigt sich in der überwiegend portugiesisch-französischen Koproduktion mit der Kolonialgeschichte des Landes. Genauer gesagt erzählt er, unter anderem, von einem Trupp portugiesischer Rekruten, die kurz vor der Unabhängigkeit des Landes im Land verharren und mit den Geistern des Kolonialismus konfrontiert werden. Wortwörtlich. Dadurch sprengt Conceição die Grenzen der Genres. Ein faszinierendes Stück Kino und die Wucht, mit der er über Krieg und den Geistern des Krieges in Allegorien erzählt, auch visuell, macht ihn zu einer Regie-Entdeckung.


"Notas sobre un verano" (Notes on a Summer)
Hier der Trailer:



Es gibt immer unzählige Leben neben dem Leben, das man lebt. Warum hat man sich für die eine Beziehung, den einen Job, den einen Wohnort entschieden und nicht für all die anderen Optionen? Solange man in einer Routine feststeckt, stellt man sich diese Frage vielleicht gar nicht. Diego Llorente erzählt in "Notes on a Summer", seinem dritten Film, der in Rotterdam Premiere feierte, von Marta, gespielt von Katia Borlado, die erst vor Kurzem nach Madrid gezogen ist und dort mit ihrem Freund zusammenlebt. Für eine Spielfilmlänge, für einen Sommer, kehrt sie zurück in ihre alte Heimat. Idyllisch gelegen in Asturien, verspricht dieser Sommer den Strand und ein Gefühl von Unverbindlichkeit. Marta trifft hier auf einen Freund aus der Vergangenheit. Die Beziehung zu Pablo, gespielt von Álvaro Quintana, flammt erneut auf. Llorente fängt die Atmosphäre der Jahreszeit ein. Er zeigt Marta, die frei von ihrem Alltag, das Privileg hat, sich den großen Fragen des Lebens zu widmen. Sie entdeckt eine im Alltag verschüttete Sinnlichkeit, die sich, im Idealfall, auf das Publikum überträgt. So wie sich die Entscheidungen, die der oder die Zuschauende mitbringt, den Blick auf ihre Entscheidungen entscheidend prägt. Was der Herbst dann bringt, ist vielleicht ein anderer Film.


"Aru otoko" (A Man)
Hier der Trailer:



Wer sind wir? Wie nehmen wir uns wahr? Wie nimmt uns die Gesellschaft wahr? Kann man diese Wahrnehmung von außen beeinflussen? Anders gesagt, kann man seine Vergangenheit, noch genauer gesagt, seine Vorgeschichte, abstreifen und ein anderer werden? Der japanische Regisseur Kei Ishikawa spürt in einem vielschichtigen Drama "A Man", nach einer Romanvorlage von Keiichiro Hirano, dem Geheimnis einer Biografie nach. Zuerst ist da die junge Witwe Rie (Sakura Ando), die in Daisuke (Masataka Kubota) einen neuen Partner findet. Als Daisuke bei einem Unfall plötzlich stirbt, erfährt Rie, dass er der nicht war, für den er sich ausgegeben hat. Rie lässt die Liebe, die sie noch verspürt, nicht los und sie möchte erfahren, wen sie geliebt hat. Hier kommt der Anwalt Kido (Satoshi Tsumabuki) ins Spiel, der für die Witwe Nachforschungen anstellt. "A Man" ist ein verschachtelter, hoch ästhetischer Thriller, der seine Figuren in ein Labyrinth hineinführt, so dass keiner der Figuren weiß, ob die Antworten etwas an der Beziehung zu denen, die der Vergangenheit angehören, ändern würden. Die Japanische Filmakademie hat den Film sowohl als besten Film des Jahres, als auch die Regie, das Drehbuch und den Hauptcast ausgezeichnet.


"Before I Change My Mind"
Hier der Trailer:



In gleich zwei Sektionen läuft die kanadische Coming-of-Age-Komödie "Before I Change My Mind": Nicht nur in der Sektion International Independents, sondern auch im Kinderfilmprogramm führt uns die Handlung in eine kanadische Kleinstadt mitten in den 80ern. Das zeugt bereits davon, dass der Film sich nicht ausschließlich an Jugendliche richtet. Der Regisseur Trevor Anderson ist kein Unbekannter, auch wenn "Before I Change My Mind", der im letzten Jahr in Locarno Premiere feierte, sein Langspielfilmdebüt ist. Sein Kurzfilm "The Man That Got Away" gewann auf der Berlinale 2012 den D.A.A.D Kurzfilmpreis. Das Drehbuch zu seinem ersten langen Spielfilm, das er zusammen mit Fish Griwkowsky verfasste, wurde sogar in die GLAAD-Liste in Sundance aufgenommen. Andersons Hauptfigur, Robin, ist non-binär. In der neuen Schule stellen sich die Mitschüler und Mitschülerinnen sogleich die Frage, ob Robin nun ein Junge oder ein Mädchen ist. Vaughan Murrae, in der Rolle von Robin, gewann in Locarno übrigens den Boccalino d'Oro-Preis, den Spezialpreis der unabhängigen internationalen Kritik, in der Kategorie Bester Hauptdarsteller / Beste Hauptdarstellerin, die nun passend umgemünzt wurde in "Beste schauspielerische Leistung". Robin versucht sich in die Klassengemeinschaft einzufügen, zum Beispiel durch eine Allianz mit dem Bully der Klasse. Anderson bricht aber auch die Klischees anderer Figuren, immer unter der Fragestellung, was man von sich einbringt und wie weit man sich einbringen kann, um Teil einer Gemeinschaft zu sein. Andersons hat daraus einen sowohl lustigen als auch klugen Film gedreht.


"El caso Padilla" (The Padilla Affair)
Hier der Trailer:



Es braucht Vorwissen, um die Relevanz und das Ausmaß einer Selbstdestruktion eines Literaten unter dem Druck einer diktatorischen Staatspolitik wirklich zu verstehen. Heberto Padilla (1932-2000), ein kubanischer Dichter, wurde 1971 als Konterrevolutionär eingestuft und verhaftet. Nach seiner Freilassung hielt er vor einer eigens einberufenen Versammlung des Schriftstellerverbandes des Landes eine mehrstündige Ansprache, die einer Selbstbezichtigung gleichkam. 50 Jahre lang waren die Aufnahmen, die damals gemacht wurden, unter Verschluss der Staatssicherheit. Der kubanische, in Spanien lebende Regisseur Pavel Giroud (The Companien, 2015), konnte aus nicht benannten Quellen dieser Aufnahmen Herr werden. Padillas Selbstkritik, wobei diese immer auch den Rahmen der Interpretation offenlassen, wurde zur "Padilla-Affäre", die nicht nur einen Keil zwischen den Intellektuellen Kubas trieb, sondern weltweit ein Umdenken bewirkte, wie man Kubas Revolution einordnen müsste. Zahlreiche renommierte Schriftsteller und Schriftstellerinnen weltweit solidarisierten sich mit Padilla, andere nicht. Giroud zeigt nicht nur die Aufnahmen, sondern spickt sie unter anderem mit Padillas Texten, zum Beispiel aus "Fuera del juego" (auf Deutsch "Außerhalb des Spiels") und politischen Statements der Zeit. "The Padilla Affair" nutzt seine recht kurze Laufzeit effektiv und ist, betrachtet man die weltweite Lage der Redefreiheit, hoch aktuell. Auch Der Film läuft in der Sektion International Independents.


"Band"
Hier der Trailer:



"Band" ist die Dokumentation eines Scheiterns. "Band" ist ein isländisches Musikporträt, das uns mitten in den Alltag von drei Musikerinnen wirft. Die Band "The Post Performance Blues Band" gibt es wirklich. Álfrún Örnólfsdóttir, die Regisseurin, die übrigens auch Schauspielerin ist, ist Teil der Band. Neben Örnólfsdóttir gehören noch Hrefna Lind Lárusdóttir und Saga Sigurðardóttir dazu und sie sind keine 20 mehr. Ihre Träume haben sie trotzdem noch nicht aufgegeben. Zu Beginn des Filmes geben sie sich ein Jahr, um es doch noch zu schaffen. Sollte sich der Durchbruch nicht einstellen... ja, was dann? "Band", die über Kreativität, Freundschaft, Zusammenarbeit und Selbstreflektion handelt, scheitert nicht an ihrem musikalischen Scheitern, sondern fängt das Band-Unternehmen auf. Die Regisseurin wollte den Prozess, gemeinsam doch noch etwas zu schaffen, womit man ein Publikum begeistert, auch mit der Kamera begleiten, um zumindest auf die Ebene einer Dokumentation zurückfallen zu können. Von wegen, dann war nicht alles vergeblich. Der Film ist streckenweise komisch und natürlich bekommt das Publikum eher nicht die Schokoladenseite des Musikbusiness zu sehen. "Band", der Film, allerdings schafft es von Festival zu Festival. In München gar in den Wettbewerb CineRebels.

Filmkritiken von Elisabeth Nagy

Link: www.filmfest-muenchen.de

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