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Berlinale Forum: Caligari-Preis für "A River Runs, Turns, Erases, Replaces"

Den 36. Caligari-Filmpreis erhält die in Wuhan, China geborene und in den USA lebende Filmemacherin Shengze Zhu für ihren Dokumentarfilm über die Trauer und Stagnation während und nach der Corona-Pandemie.



Trotz der pandemiebedingt „etwas anderen Berlinale“ wird auch im Jahr 2021 zum Summer Special in den Open Air Kinos der 36. Caligari-Filmpreis des 51. Berlinale Forums verliehen. Der von den Kommunalen Kinos gemeinsam mit dem Filmdienst – das Portal für Kino und Filmkultur gestiftete Preis würdigt seit 1986 einen thematisch innovativen Film aus dem Programm des Berlinale Forums, der "durch stilistische Konsequenz überzeugt" und damit die besondere Bedeutung dieser Sektion der Internationalen Filmfestspiele Berlin für die kulturelle Kinoarbeit hierzulande hervor hebt.

Die Auszeichnung ist mit 4.000 Euro dotiert, wobei die Hälfte des Betrages die Preisträgerin erhält, während die andere Hälfte für Werbemaßnahmen verwendet wird, um die Kinoauswertung nach dem Festival deutschlandweit zu unterstützen.

Die Jury, bestehend aus Wolfgang Hamdorf (filmdienst.de), Elena Baumeister (Filmmuseum Potsdam) und Antonia Papagno (Kommunales Kino Trossingen), begründet ihre Entscheidung wie folgt:

„A RIVER RUNS, TURNS, ERASES, REPLACES ist kein Film, der das Publikum gleich mit der ersten Einstellung leicht mitnimmt. Die außergewöhnliche Bildgestaltung und die vielschichtige Tonebene ziehen es in der Folge dafür umso stärker in den Sog. Der Film überzeugt durch stilistische Konsequenz: in tableauhaften, langen Totalen erfasst der Film die Trauer und Stagnation während und nach der Corona-Pandemie. Den Momenten der Einsamkeit und Isolation selbst bei Feiern und Menschenansammlungen im Bild entspricht die Trauer und innere Leere der eingeblendeten Schriftzeichen. Über den Fluss, seine Ufer und Brücken schafft die Regisseurin Shengze Zhu ein poetisches Bild ihrer Heimatstadt Wuhan im gegenwärtigen China. Steht am Anfang die Kälte der Überwachungskamera, mündet der Film nach Verzweiflung in die Hoffnung. Künstliches Licht lässt die Stadt in Regenbogenfarben erstrahlen.“


Der preisgekrönte Film ist erstmalig am 17.6.2021 um 21:30 Uhr im Atelier Gardens Freiluftkino @ BUFA zu sehen, eine weitere Vorführung des Films gibt es am 20.6.2021 um 21:30 Uhr im silent green Kulturquartier (Gerichtstraße 35, 13347 Berlin).

Leider gibt es keine Karten mehr - beide Veranstaltungen sind ausverkauft.

Die 17 Filme umfassende Auswahl des 51. Berlinale Forums setzt auf Arbeiten, die den außerfilmischen Unwägbarkeiten begegnen, indem sie in ihren Plots und Konstellationen die Unberechenbarkeit umarmen. Sie gibt dem Fragilen den Vorzug vor dem Bewährten. Filmemacher*innen, die am Anfang ihrer Karriere stehen, nehmen mehr Raum ein als ihre arrivierten Kolleg*innen.

Viele Filme schlagen narrative Haken, fahren wie Manque La Bancas Debüt "ESQUÍ" Slalom zwischen Fiktion und Dokument, tauchen ab in Archive und vernähen die Fundstücke aus der Vergangenheit mit der Gegenwart. Gleich zweimal zum Beispiel wird Jean-Luc Godards "LA CHINOISE" der Revision unterzogen: in Ephraim Asilis "THE INHERITANCE" und in Vincent Meessens "JUSTE UN MOUVEMENT". Sabrina Zhao verwandelt in ihrem ersten Langfilm "SICHUAN HAO NUREN" ein Brecht’sches Lehrstück in einen opaken filmischen Raum. Uldus Bakhtiozina erzählt in ihrem Debüt "DOCH RYBAKA" auf geradlinige Art ein Märchen, doch schraubt sie zugleich schwindelerregende kulturgeschichtliche Spiralen in die luftige Höhe ihrer Fiktion. Die besten Zahnverblendungen haben ihre Figuren sowieso.

Verdiente Filmemacher*innen sind natürlich auch dabei. Mit "THE FIRST 54 YEARS – AN ABBREVIATED MANUAL FOR MILITARY OCCUPATION" zum Beispiel erweitert der israelische Dokumentarist Avi Mograbi sein reiches Werk um eine bittere Bestandsaufnahme dessen, was Besatzung bedeutet. Die Berliner Regisseure Chris Wright und Stefan Kolbe loten mit "ANMASSUNG" die Möglichkeiten dokumentarischen Filmemachens auf bewährt unerschrockene Weise aus. Und die thailändische Regisseurin Anocha Suwichakornpong setzt in "JAI JUMLONG" auf souveräne Weise fort, was ihr bisheriges Oeuvre (u.a. "MUNDANE HISTORY", 2009) auszeichnete: die Mischung aus narrativer Subtilität und historisch tiefenscharfem Blick.

In einer Zeit, in der der Rückzug auf das Eigene – Land, Stadt, Viertel, Wohnung, Familie – geboten erscheint, ist die Gefahr groß, dass sich der Wahrnehmungshorizont verringert. Die Filme des 51. Berlinale Forums helfen dabei, in Gedanken und in der Imagination durchlässig für die Außenwelt zu bleiben.

Link: forum.arsenal-berlin.de/.../programm-forum/


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