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Spürbare Auswirkungen der Impfungen erst ab Juli - Open-Air-Kinos schon früher geöffnet?

Christian Drosten, Leiter der Berliner Charité-Virologie erwartet, dass die Impfungen sich erst spürbar im Sommer auswirken. - Unsere wöchentliche VoD-Filmkitik.



Die Filmland MV GmbH übt deutliche Kritik an den inzwischen beschlossenen Öffnungsschritten in Mecklenburg-Vorpommern, weil ab Pfingsten die Außen- und teilweise auch Innengastronomie unter strikten Hygieneauflagen zwar wieder öffnen dürfen, die Kinos aber weiter geschlossen bleiben müssen.

"Der wirtschaftliche Schaden für die Kinobranche ist immens, während gleichzeitig für die Bürgerinnen und Bürger des Landes ein wesentlicher Teil ihrer Freizeitgestaltung und ein wichtiger Teil der Alltagskultur ersatzlos wegfällt", so Fabian Liebenow gegenüber Blickpunkt:Film, der bei Filmland MV für »Strategische Kinoplanung« verantwortlich ist:

"Es ist nicht nachvollziehbar, dass Kinovorführungen trotz sicherer Hygienekonzepte nicht stattfinden dürfen, während in Handel, Gewerbe und Gastronomie gelockert wird. Es ist enttäuschend, dass die kulturelle Versorgung der Bevölkerung bei den Öffnungsschritten keinerlei Rolle gespielt hat. Wir fordern eine konkrete, pragmatische und zeitnahe Öffnungsperspektive für die Kulturbranche, insbesondere für die Kinos, sowie eine Gleichbehandlung der Kulturwirtschaft mit anderen Branchen."


Die Kulturwirtschaft wurde in Mecklenburg-Vorpommern - von vier Ausnahmen abgesehen - zunächst ausgeklammert, wie Filmland MV beklagt, während es in anderen Bundesländern mehr Pilotprojekte mit Ausnahmegenehmigungen geben soll.

Tatsächlich scheint sich in Deutschland und deutschsprachigen Nachbarländern bei sinkenden Inzidenzzahlen wieder ein Flickenteppich mit unterschiedlichen Öffnungs-Regelungen anzubahnen.

In Berlin wird ab 19. Mai 2021 zwar Außengastronomie zugelassen, in Österreich dürfen zum gleichen Zeitpunkt aber auch Kinos mit entsprechenden Abstandsregelungen wieder öffnen. Ebenso wird in der Schweiz verfahren, wo die Filmtheater bereits schon jetzt wieder Besucher empfangen können, wie uns das Filmfest Zürich in einer Pressemitteilung heute mitteilte.

Ab dem 9. Juni 2021 wird es für 12 Tage aber auch in Berlin zur sogenannten Sommer-Berlinale wieder Kino auf der großen Leinwand geben. Allerdings nur als Open-Air-Veranstaltungen mit vorheriger tagesaktueller Testpflicht, wie wir ausführlich vorgestern schrieben.

Wann wieder jeden Donnerstag überall neue Filme über die Leinwände flimmern dürfen, bleibt derzeit noch unbestimmt. Eine spürbare Erleichterung erwartet Christian Drosten, Leiter der Berliner Charité-Virologie erst, wenn im Sommer die Zweit-Impfungen sich stärker auswirken und Sonderregelungen für mehr Geimpfte und Genesene uneingeschränkt angewendet werden können.

Wir verweisen deshalb in unserer wöchentlichen Filmkritik wieder einmal auf eine Online-Premiere beim Salzgeber-Club, einem Film, der zwar schon älter ist, bei uns aber noch nicht regulär im Kino lief, sondern nur auf DVD erhältlich war und nun erstmals auch im VoD-Stream für ein breiteres Publikum erhältlich ist. Der Regisseur hatte für seinen Spielfilm 2004 auf der Berlinale den Teddy Award als bestes LGBT-Werk gewonnen.



"WILD SIDE" Drama über Außenseiter von Sébastien Lifshitz (Frankreich 2004, OmdU). Mit Stéphanie Michelini, Josiane Stoléru, Yasmine Belmadi und Edouard Nikitine ab 13. Mai 2021 als VoD im SALZGEBER CLUB.

Hier der Trailer:



Ulrikes VoD-Kritik:

Der kleine Pierre hat sich zu einer bildhübschen Transfrau entwickelt. Aus Pierre wurde Stéphanie. Mit 15 hat sie ihr Heimatdorf verlassen und ist nach Paris gegangen. Ihr Leben als Prostituierte ist ziemlich eintönig, bis ein Anruf ihr Leben verändert. Ihre kranke Mutter braucht ihre Hilfe. Sie fährt zurück in das Dorf, dass sie vor 17 Jahren verlassen hat. Das Verhältnis zur Mutter ist getrübt. Ihr Vater und ihre Schwester sind tot und ihre Mutter hat die Entwicklung ihres Sohnes noch nicht so ganz verwunden. Es umgibt sie eine Atmosphäre aus Schweigsamkeit und Misstrauen.

An Stéphanies Seite ihr Freund und Liebhaber Mikhail, ein russischer Exsoldat, der die Schrecken des Krieges nicht vergessen kann und aus der russischen Armee nach Frankreich flüchtete. Schmerzvoll vermisst er seine Mutter. Kurze Zeit später trifft Djamel, der sich als Stricher sein Geld verdient, ein. Vor den Augen der Mutter führen sie eine liebevolle „Ménage à trois“.

Liliane, Stéphanies Mutter taut langsam auf. Ihre Gespräche werden intensiver, geprägt von Erinnerungen. Ganz allmählich scheint Liliane ihre Tochter und auch deren Freunde zu verstehen.

Regisseur Sébastien Lifshitz ("Sommer wie Winter", 2000 & "Plein sud", 2009) zeigt mit gewohnt sinnlicher Bildsprache drei Menschen, die im rauen Pariser Rotlichtmilieu zueinander gefunden haben und und in der nordfranzösischen Provinz zu einer Ersatzfamilie zusammen wachsen.

Für Stéphanie ist der Besuch eine emotionale Reise in die Vergangenheit. Eine der Rückblenden zeigen den kleinen Pierre, wie er an der Hand seines Vaters staunend einen Vogelschwarm beobachtet. Der Junge war sein ganzer Stolz.

Lifshitz wechselt in seinem Film virtuos zwischen Erinnerung und Gegenwart, Abschied und Neubeginn, Momenten tiefster Verletzung und höchster Zärtlichkeit. Er scheut nicht davor zurück, den vom Kunden bestimmenden Sex zu zeigen, den Stéphanie professionell liefert, um dann aber auch die zärtliche Variante, die Stéphanie und Mikhail miteinander verbindet, mit der Kamera zu verfolgen. Die drei sind wieder in Paris. Zurück bleibt das Grab der Mutter und eine leere verwohnte Behausung, in der Stéphanie eine glückliche Kindheit verbracht hat.

Ulrike Schirm


Links: salzgeber.de | vimeo.com...VoD-Club

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