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Goldener Löwe der 77. Mostra von Venedig für "Nomadland"

Beim 77. Internationalen Filmfestival von Venedig wurde "Nomadland" von Chloé Zhao mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet.



Der Goldene Löwe von Venedig ging am Samstag, den 12. September 2020, an das US-Drama "Nomadland" der in China geborenen Regisseurin Chloe Zhao. Das Werk mit Frances McDormand in der Hauptrolle erzählt von einer Frau, die nach dem wirtschaftlichen Kollaps einer kleinen Stadt ihre Sachen packt und als moderne Nomadin lebt.

Der Film beginnt episch und zitiert den größten Western aller Western: John Fords "Der schwarze Falke" von 1956 mit John Wayne. Während sich damals unverhofft die Tür einer Blockhütte öffnet, um den Blick auf eine Frau freizugeben, die zärtlich eine über ihren Arm gelegte Jacke streicht, öffnet sich diesmal die Tür zu einem Lager, einer Geisterstadt irgendwo in Nevada. Und die besagte Jacke wird diesmal nicht liebkost, sondern ist eine letzte Erinnerung an den verstorbenen Ehemann der 750-Seelen-Gemeinde, die nun geprägt ist von Armut und Arbeitslosigkeit.

Hier ein kurzer Teaser:



Übrigens die Darstellerin in "Nomad", Frances McDormand als heruntergekommene Fern, die nur damit beschäftigt ist, von einem Tag zum nächsten zu kommen, hatte 2018 für ihre Rolle in "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" den Oscar erhalten. Seine deutsche Premiere erlebt der Film von Searchlight beim Filmfest Hamburg; außerdem wird er beim Zurich Film Festival zu sehen sein.

Mit "Nomaland" hat erstmals auch seit Sofia Coppola im Jahr 2010 (für "Somewhere") wieder eine Regisseurin den Hauptpreis des ältesten Filmfestivals der Welt gewonnen. Davor waren Margarethe von Trotta (1981 für "Die bleierne Zeit"), Agnès Varda (1985 für "Vogelfrei") und Mira Nair (2001 für "Monsoon Wedding") die drei einzigen weiteren Filmemacherinnen, die Venedig gewinnen konnten.

Festivalchef Alberto Barbera wurde für seine schwierige Auswahl in Corona-Zeiten gelobt, weil erstmals in der Geschichte von A-Festivals acht Arbeiten von Filmemacherinnen in einem Wettbewerb vertreten waren.

Der Große Preis der Jury für den zweitbesten Titel im Wettbewerb ging an "Nuevo orden". Regisseur Michel Franco entwirft darin ein düsteres Bild Mexikos in der nahen Zukunft, bei dem ein Aufstand der indigenen Unterschicht in einen Militärputsch umschlägt. Der Film gibt sich den Anschein eines politischen Bewusstseins, am Ende aber diskreditiert er selbst die Anliegen der ausgebeuteten Klasse nur durch eine nihilistische und kalt gefilmte Weltsicht, die mit virtuos gefilmten, dystopischen Schockeffekten gespickt ist.

Hier der Trailer:



Als bester Regisseur wurde der Japaner Kiyoshi Kurosawa für "Wife of a Spy" ausgezeichnet. Ein ziemlich konventionell gestaltetes Ausstattungskino.

Hier der Trailer:



Beste Hauptdarstellerin wurde die Britin Vanessa Kirby, die in "Pieces of a Woman" von Kornél Mundruczó begeisterte. Sie hatte als Favoritin gegolten, zumal sie auch in dem Wettbewerbstitel "The World to Come" eine Hauptrolle spielt. Als bester Hauptdarsteller erhielt Pierfrancesco Favino die Coppa volpi für seine Leistung in "Padrenostro" von Claudia Noce. Damit ging der Darstellerpreis in Venedig zum zweiten Mal in Folge an einen italienischen Schauspieler.

Der indische Filmemacher Chaitanya Tamhane erhielt den Drehbuchpreis für seinen Film "The Disciple".

Der Spezialpreis der Jury wurde dem 83-jährigen russischen Regisseur Andrei Konchalovsky für "Dear Comrades" überreicht. Sein im klassizistischen Sovo-Schwarz-Weiß gedrehter Film über einen Arbeiteraufstand, den Militär und KGB 1962 blutig niederschlugen, war allerdings keine besondere cineastische Offenbarung.

Der Marcello Mastroianni Award für den besten Nachwuchsdarsteller ging an Rouhollah Zamani für den iranischen Beitrag "Sun Children" von Majid Majidi.

Der deutsche Beitrag "Und morgen die ganze Welt" von Julia von Heinz ging zwar leer aus, doch die Hauptdarstellerin Mala Emde wurde immerhin von der unabhängigen Filmkritik mit dem FIPRESCI Preis als beste Newcomerin geehrt.

Filmfestival Venedig: Die Preisträger

Goldener Löwe für den besten Film
"Nomadland" von Chloe Zhao (USA)

Großer Preis der Jury: "Nuevo orden"
von Michel Franco (Mexiko)

Silberner Löwe für die beste Regie
Kiyoshi Kurosawa für "Spy no Tsuma
(Wife of a Spy)"

Preis für das beste Drehbuch
Chaitanya Tamhane für "The Disciple"

Preis für die beste Schauspielerin
Vanessa Kirby für "Pieces of a Woman"

Preis für den besten Schauspieler
Pierfrancesco Favino für "Padrenostro"

Spezialpreis der Jury
"Dorogie Tovarischi! (Dear Comrades!)"
von Regisseur Andrei Konchalovsky

Marcello-Mastroianni-Preis für den
besten Jungdarsteller
Rouhollah Zamani für "Khorshid"

Über die Preise der Nebenreihe Orizzonti entschied eine Jury um Claire Denis.

Bester Film der Reihe wurde "The Wasteland" von Ahmad Bahrami. Der Regiepreis ging an den philippinischen Regisseur Lav Diaz für "Genus Pan". Mit dem Spezialpreis der Jury wurde "Listen" von der portugiesischen Filmemacherin Ana Rocha de Sousa prämiert, die auch für das beste Erstlingswerk ausgezeichnet wurde. Khansa Batma erhielt den Preis als beste Hauptdarstellerin für "Zanka Contact" von Ismael El Iraki. Bester Hauptdarsteller ist Yahy Mahayni, der in "The Man Who Sold His Skin" von Kaouther Ben Hania zu sehen war. Für das beste Drehbuch wurde Pietro Castellitto für den Film "I Predatori" gewürdigt. Der Kurzfilmpreis ging an "Entre tu y milagros" von Mariana Saffon.

Der britischen Schauspielerin Tilda Swinton und der Hongkonger Regisseurin Ann Hui wurde der Goldene Löwe als Ehrenpreis für ein Lebenswerk zuerkannt.

Link: www.labiennale.org/it

Quellen: ARD | Tagesspiegel | Blickpunkt:Film | Newiki

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Nach dem Hauptpreis von Venedig, gewinnt das Drama NOMADLAND auch in Toronto. Wie wir am 14. September 2020 ausführlich berichteten, gewann das Roadtrip-Drama "Nomadland" von Regisseurin Chloe Zhao den Hauptpreis der Mostra von Venedig. Nun beg

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