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6. »Woche der Kritik« im Rahmen der 70. Berlinale mit zahlreichen Premieren

Zur 70. Berlinale zeigt die Woche der Kritik internationale Filme im Kino in den Hackeschen Höfen Berlin.



Die Woche der Kritik ist eine Veranstaltung des Filmkritikerverbandes VDFK, der im Rahmen der 70. Berlinale 2020 schon am Mittwoch, den 19. Februar 2020 nicht nur zu einer Diskussionsrunde im Theaterdiscounter, Klosterstraße 44, 10179 Berlin einlädt, sondern darüber hinaus vom 20. - 27. Februar 2020 zahlreiche Deutschlandpremieren und eine Weltpremiere jeweils um 20:00 Uhr im Höfe Kino zeigt.

Jeder Film gibt Anstoß zu Debatte, Kontroverse, lustvollem Streit. Internationale Filmkritiker*innen und Filmemacher*innen diskutieren über Politik und Ästhetik, Vorlieben und Ablehnung, neue Distributions- und Rezeptionsformen. Wie sehen wir Filme? Welche Filme wünschen wir uns? Was macht Kino zum Kino? – Die Filmkritik begibt sich aufs Terrain.

CINEMA plural – Eine Konferenz ohne Thema

Mi, 19. Feb 18:00 Uhr A Conference Without a Theme
Drei parallele Veranstaltungen und anschließendes »Getting Together« in Kooperation mit dem Goethe-Institut.


Was erhoffen sich Filmschaffende, -kritiker*innen und -liebhaber*innen aktuell vom Kino? Was verärgert, was fordern sie? 2020 setzt die »Woche der Kritik« mit ihrer Auftaktkonferenz ausdrücklich kein Thema, sondern lädt ein, Wünsche und Anliegen ans Kino vorzustellen, zu diskutieren und sich zu vernetzen. Ob gegen Rechts und Zensur oder für eine globale Cinephilie – es geht um Differenzierung, Solidarität und leidenschaftliche Auseinandersetzungen. Dabei soll nebeneinander stehen, was üblicherweise getrennt wird; also, zu reflektieren, was es bedeutet, ein Problem als das der "Anderen“ zu begreifen. Vor dem Hintergrund einer Berlinale, die sich unter neuer Leitung selbst finden muss, werden die Dynamiken der Filmkultur erforscht.

Link: wochederkritik.de/de_DE/konferenz-2020/

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TIMETABLE
Alle Filmvorführungen beginnen um 20 Uhr

DO, 20. Feb. Eröffnung / IVANA THE TERRIBLE von Ivana Mladenović (Serbien, 86 Min. ) & [BORDEAUX], MA BILE Frankreich, 10 Min.)

Fr, 21. Feb. Trouble Feature / COMMON BIRDS von Silvia Maglioni (Frankreich / Griechenland, 75 Min.) & Überraschungsfilm aus Wien.

Sa, 22. Feb. Unreal Elegance / LOS FANTASMAS von Sebastián Lojo (Spanien 75 Min.) & AMERICA (USA, 29 Min.)

So, 23. Feb. Critics’ Debate / SEVEN YEARS IN MAY (Portugal 42 Min.) & THE LOST OKOROSHI (Afrika 92 Min.)

Di, 25. Feb. Collapsing Distance / FAITH von Valentina Pedicini (Italien, 94 Min.) & GANZE TAGE ZUSAMMEN von Luise Donschen (Deutschland, 23. Min.)

Mi, 26. Feb. Critics’ Debate / MY PUNCH-DRUNK BOXER von Jung Hyuk-ki (Korea, 115 Mim.) & DOGS BARKING AT BIRDS (Portugal, 20 Min.)

Do, 27. Feb. Slow Cinema Fast / FOR THE TIME BEING von Salka Tiziana (Deutschland / Spanien 71. Min.) & MALEMBE (Venezuela, 12 Min.)

So, 01. März. Wiederholungen ab 10:00 - 22:30 Uhr

Die Woche der Kritik 2020 eröffnet mit einem Filmprogramm unter dem Zeichen von Auto Agitation. Eine kurze analoge Videoarbeit des deutschen Filmemachers und diesjährigen Konferenzgastes Oliver Bassemir setzt den Ton mit einer unkonventionellen Stadtführung durch Bordeaux, die eine große Faszination für urbane Unorte aufweist. Ein Film, der die eigene Unzufriedenheit mit der Welt sehr persönlich nimmt. Auf die Weltpremiere von „[Bordeaux], ma bile“ folgt die erste deutsche Aufführung von „Ivana the Terrible“ – einer feministischen Komödie über eine in Rumänien lebende Frau, die selbst die Regisseurin des Films ist. Als Star kehrt Ivana Mladenović („Soldiers: Story from Ferentari“) in ihren Heimatort in Serbien zurück, stolpert aber von einem Ungeschick ins nächste. Mit ihrer lockeren Inszenierung erinnert sie gleichzeitig an Mockumentarys und an die intensiven Porträts von Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs.

Mit „The Lost Okoroshi“ will die Woche der Kritik wieder den Scheinwerfer auf einen nigerianischen Film lenken. Nach „Green White Green“ (Woche der Kritik 2017) ist es Abba T. Makamas zweiter Langspielfilm. Er ist durchdrungen von fantastischen Einfällen und tollpatschigen Helden. Die Geister der Urahnen verfolgen Taugenichts Raymond in seinen Träumen, bis sie eines Tages sein Leben komplett auf den Kopf stellen. Der VDFK zeigt den Film zusammen mit dem brasilianischen Beitrag „Seven Years in May“ von Affonso Uchôa („Arábia“), der irgendwo zwischen Performance, Fiktion und Dokumentarfilm von menschlichen Abgründen, Entführungen und Folterungen erzählt, ohne einer Faszination für Gewalt zu erliegen. Im Gegenteil sucht Uchôa den Moment der Würde in der Zeugenschaft. Der Abend steht unter keinem Stichwort, sondern der VDFK erprobt ein neues Format. Das Programm soll zu einem Streitgespräch von zwei Kritiker*innen einladen.

Ein weiterer deutscher Beitrag im Programm heißt „For the Time Being. Es handelt sich um Salka Tizianas Abschlussfilm an der Hochschule für bildende Künste Hamburg, den sie in einer spanischen Berglandschaft gedreht hat. Es ist ein langsamer, kontemplativer Sommerfilm geworden, über moderne Absurditäten und die Zeit, die im Sommer mal schmilzt und sich mal ausdehnt. Im Urlaub auf der Finca wird das Wasser knapp, weil der Pool für die Kinder gefüllt werden will. Das Spiel mit den Erwartungen an narrative Verdichtungen beherrscht auch Luis Arnías, dessen „Malembe“ bei der diesjährigen Woche der Kritik uraufgeführt wird. Zusammen mit „For the Time Being“ firmiert er am Abschlussabend unter dem Stichwort Slow Cinema Fast. Der in Venezuela und den USA entstandene experimentelle Familienfilm von Arnías blickt auf die Welt wie von einer Hängematte aus, entspannt und auch mal rasant.

Der auf Altgriechisch gesprochene und gesungene sowie in Silbo Gomero gepfiffene „Common Birds“ ist eine verrückte Reise vom grauen Athen in einen grün fluoreszierenden Wald. Zwei verschuldete Männer suchen erst nach dem Paradies, dann begegnen sie einem Vogel, mit dem sie sich prächtig verstehen. Das Regie-Duo Silvia Maglioni und Graeme Thomson („Facs of Life“, „In Search of UIQ“) hat ein federleichtes Pamphlet und eine radikale Versuchsanordnung geschaffen: gegen das Überholte und für das Überhöhte. Gepaart wird „Common Birds“ mit einem Überraschungsfilm, den das Diskollektiv aus Wien unter dem Titel Trouble Feature mitbringt: „Im Dissens zweier Einzelfilme aus unterschiedlichen Diskursecken liegt ein politisches Potenzial.“ Das Diskollektiv führt durch den Abend, die Woche der Kritik ist zu Gast. Die Abgabe der kuratorischen Kontrolle versteht sich auch als eine Fortsetzung der Auftaktkonferenz ‘Cinema plural’, die am Mittwoch, den 19. Februar im Theaterdiscounter ein Forum schafft für Anliegen von Bekannten und Unbekannten – als Grundlage der Konferenz wurde erstmals auf eine Ausschreibung gesetzt.

Kann Eleganz als politischer Begriff funktionieren? „Los Fantasmas“, das Regiedebüt von Sebastián Lojo, ist ein Film wie aus einem Guss, in dem ein junger Mann durch die Nächte von Guatemala-Stadt streift, mal für Geld mit Männern schläft, mal Touristen verführt. Seine Erlebnisse, die Lojo in ein elegant choreografiertes Milieudrama übersetzt, treffen in einem gemeinsamen Programmabend auf die freien Bildassoziationen von Garrett Bradleys „America“. Eine kurze Arbeit, die die Filmgeschichte zum Filter der Gegenwartsbetrachtung und -deutung macht. Die Regisseurin arbeitet Fragmente von Bert Williams’ 2014 wiederentdecktem „Lime Kiln Club Field Day“ (1913) auf und kombiniert sie mit emanzipatorischen Re-Enactments zu Schlüsselmomenten der afroamerikanischen Vergangenheit. Unter dem Stichwort "Anmut Irreal" will »Die Woche der Kritik« nach den Filmen herausfinden, was Stilsicherheit mit Wissen zu tun hat und Wissen mit gelebter Erfahrung. Der VDFK diskutiert das anmutige und schöne Kino, das sich an der Realität nicht messen muss und doch ohne eine bewusste Verbindung zur Welt nicht glänzen kann.

„My Punch-Drunk Boxer“ ist Jung Hyuk-kis erster Langfilm, er setzt darin heiter auf den klassischen Kampf gegen alle Widrigkeiten und verknüpft ihn mit einer pulsierenden Erzählung von der global abgehängten Provinz. „The most Korean is the most universal“, zitiert der Protagonist: ein Film, der sich mit der globalen Sichtbarwerdung des koreanischen Kinos ebenso ungezwungen beschäftigt wie mit der Suche nach einem persönlichen Stil und Rhythmus des Filmemachens. Den Abend eröffnet „Dogs Barking at Birds“ von Leonor Teles. Gentrifizierung geistert durch die Dialoge dieses Kurzfilms, Angst und Tradition gesellen sich dazu. Der Jugend gehört darin nur der Augenblick – ebenso wie den Menschen auf der Bühne im Nachgang der Projektion: An dem Abend reagieren erneut zwei Kritiker*innen auf die Filme, eine Fragestellung wird weggelassen. Man bittet nur um Widerspruch.

Valentina Pedicini hat schon vor dem Dreh von „Faith“ über Jahre hinweg die Reihen einer italienischen Sekte betreten und verfolgt, was sich dort abspielt. Kung Fu. Techno. Diskutieren. Disziplin. Kinder werden zu Soldaten. Das Ergebnis ist ein stilisierter Dokumentarfilm vom Glauben an ein Kino, in dem sich Menschen selbst verwirklichen. Die Sekte hadert mit ihrem Übervater, die Regisseurin sucht nach dem Wahrhaftigen und Mythischen. Der Film trifft unter dem Stichwort Distanzen brechen auf eine kurze Arbeit von Luise Donschen, gefilmt von Helena Wittmann: Bei „Ganze Tage zusammen“ ist der Titel ganz wörtlich zu verstehen. Erfahrung wird zusammengesetzt, ein Sommer entsteht, eine Gemeinschaft von Jugendlichen wird porträtiert. Das Zerlegen erscheint als Akt dokumentarischer Erfindung. Gemeinsam mit den Filmen nähern wir uns Fragen zu dokumentarischen Haltungen, überraschender Intimität und dem filmischen Erschaffen von Weltentwürfen.

Links: wochederkritik.de | theaterdiscounter.de/.../cinema-plural

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