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Arthouse-Charts und Filmkritiken Dezember, Teil 2

Arthouse-Kinocharts: "Astrid" ist die neue Nummer eins.

Oft genug schon haben wir in den Kinocharts die Blockbuster erwähnt, denn das sind bedeutende Indizien dafür, wie es um die Film- und Kinowirtschaft zum Ende des Jahres steht. Ein heißer regenarmer Sommer und die Fußballweltmeisterschaft haben der Branche im Vergleich zum Vorjahr kräftig zugesetzt, wie wir bereits zur Halbjahresbilanz im August schrieben.

Eine Aufholjagd ist kaum möglich, denn besonders zugkräftige Werke wie Filme aus der "STAR WARS" -Saga stehen diesmal nicht an. So bleibt die Hoffnung, dass wenigstens ein paar 3D-Filme wie "MORTAL ENGINES: Krieg der Städte" und "AQUAMAN" zu Weihnachten die Filmtheater noch füllen werden.

Doch von beiden Filmen waren wir ziemlich enttäuscht. Vor allem "MORTAL ENGINES" ist trotz 3D und IMAX-Format letztlich herkömmliche Konfektionsware, die sich in ihrer Machart bei den fünf "MAD MAX" Folgen anbiedert, ohne wirklich etwas Neues zu erzählen. Dagegen dürfte der Kinostart von "MARY POPPIN's Rückkehr" am 20. Dezember 2018 tatsächlich für volle Häuser sorgen.

Bei den Programm- und Arthouse-Kinos macht man sich dagegen weniger Sorgen. Dort war der Einbruch in der Publikumsgunst das ganze Jahr über nicht ganz so stark wie in den Mainstream-Kinos gewesen. Und der am letzten Donnerstag, den 13.12.2018 angelaufene Film "Gegen den Strom", ein Publikumsliebling bei vielen Festivals, der im Originaltitel „Woman at War“ heißt, was der Thematik noch besser entspricht, dürfte ebenso für volle Häuser sorgen. Dazu unsere Kritik heute.

Vorletzte Woche gab es ebenfalls ein neues Highlight. Pernille Fischer Christensens Astrid-Lindgren-Biopic "ASTRID" verdrängte Markus Gollers Roadmovie "25 km/h" auf Platz zwei in den von ComScore und der AG Kino ermittelten deutschen Arthouse-Kinocharts.

Platz drei aus der Woche davor konnte Sönke Wortmanns "DER VORNAME" halten, gefolgt von Pawel Pawlikowskis "COLD WAR - Der Breitengrad der Liebe", der gerade vorgestern mehrere Preise beim Europäischen Filmpreis in Sevilla abräumen konnte. Und mit Gaspar Noés "CLIMAX" und David Robert Mitchells "Under the Silver Lake" auf den Plätzen sieben und neun schafften zwei weitere Neustarts am vergangenen Wochenende den Sprung in die TopTen der deutschen Arthouse-Kinocharts.

Die Top Ten der deutschen Arthouse-Kinocharts vom 11.12.2018:

1. (NEU) "Astrid", 1. Woche

2. (1) "25km/h", 6. Woche

3. (3) "Der Vorname", 8. Woche

4. (2) "Cold War - Der Breitengrad der Liebe", 3. Woche

5. (4) "Der Trafikant", 6. Woche

6. (NEU) "Climax", 1. Woche

7. (5) "Das krumme Haus", 2. Woche

8. (6) "The House That Jack Built", 2. Woche

9. (NEU) "Under The Silver Lake", 1. Woche

10. (7) "#Female Pleasure", 5. Woche (DOKU)

Die Arthouse-Kinocharts werden erstellt von ComScore und der AG Kino-Gilde und bilden die Hitliste der Filme nach Besucherzahlen in den Mitgliedskinos des Verbands ab.

Die Neustarts vom Donnerstag, den 13.12.2018, wurden von uns noch nicht berücksichtigt, denn dazu folgen erst heute unsere Filmbesprechungen nachfolgend:

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"GEGEN DEN STROM" Dramödie von Benedikt Erlingsson (Island, Frankreich, Ukraine). Mit Halldora Geirhardsdottir, Jóhann Sigurðarson, Juan Camillo Roman Estrada u.a. seit 13. Dezember 2018 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

Der Originaltitel dieser wunderbaren isländischen Ökodramödie lautet übersetzt „Eine Frau zieht in den Krieg“ und das tut Halla (Halldóra Geirharosdóttir), eine warmherzige, eher in sich gekehrte, etwa 50jährige Chorleiterin in einer isländischen Gemeinde.

Dass sie ein Doppelleben führt, ahnt kaum Jemand. Ähnlich der Jagd-Göttin Diana bewegt sie sich, mit Pfeil und Bogen bewaffnet, durch das menschenleere karge Hochland, versteckt sich in Gletscherspalten und sabotiert, die Hochspannungsleitungen des Aluminiumwerks. Sie selbst sieht sich als verantwortungsvolle Schützerin der unberührten Natur, die mit ihren eigenwilligen Aktionen den Verkauf der ansässigen Aluminiumfabrik an einen milliardenschweren chinesischen Investor verhindern will. In den Medien ist sie unter ihrem Decknamen „Woman of the Mountain“ bekannt und wird von der Regierung mit Helikoptern, Infrarotkameras und ferngesteuerten Drohnen gejagt. Dank der Hilfe eines knarzigen Bauern und seiner Schafe (Jóhann Sigurdarson), der seinen Hund „Frau“ ruft, gelingt ihr die Flucht aus dem menschenleeren Gelände.

Halla ist überzeugt davon, dass sie zu der letzten Generation gehört, die den Krieg gegen Mutter Natur noch stoppen kann, denn unsere Kinder und Enkel können es nicht mehr. Nicht mal ihre Zwillingsschwester Àsa ahnt, was sie in ihrer Freizeit treibt. Nur ein Ministeriumsbeamter ist auf ihrer Seite. Aufgrund der massiven Fahndungsmaßnahmen, rät er ihr, ihre Aktionen einzustellen.

Die Bewilligung eines von Halla längst vergessenen Adoptionsantrag, den sie vor Jahren gestellt hat, durchkreuzt ihren Tatendrang. Kann sie trotzdem noch ihren Kampf fortsetzen oder muss sie sich nun um das Waisenmädchen aus der Ukraine kümmern?

In Astrid Lindgrens Buch „Die Brüder Löwenherz“ gibt es folgenden Dialog zwischen den beiden Brüdern: „Aber dann sagte Jonathan, dass es gewisse Dinge gibt, die man tun muss, selbst wenn sie schwierig oder auch gefährlich wären.

„Aber warum?“ fragte ich überrascht. „Weil man sonst nicht wirklich ein Mensch ist, sondern nur ein Fliegenschiss“.

Die Frau in Benedikt Erlingsons Film ist so ein mutiger Mensch. Schon in seinem Film „Von Menschen und Pferden“, verlegte er seine Handlung in eine außergewöhnliche Landschaft, arbeitete mit einem subtil skurril eingesetztem Humor.

Doch der Dreh- und Angelpunkt seines liebevoll und humorig inszenierten Ökodramas, ist seine Heldin Halla, die über eine hinreißende Ausdrucksvielfalt verfügt und gekonnt in den anders gelagerten Charakter ihrer Zwillingsschwester schlüpft. Kurz gesagt: Sie spielt umwerfend. Es ist eine Freude, dieser Schauspielerin zuzusehen. Auch arbeitet Erlingson wieder mit seinem Kameramann Bergsteinn Björgúlfsson zusammen, der schon für die schwarze Komödie über das isländische Landleben „Von Pferden und Menschen“ den Tallin Black Night Award und den isländischen Edda Film Award für Beste Kamera erhielt.

Ulrike Schirm

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"MORTAL ENGINES: Krieg der Städte" Sci-Fi Abenteuer von Christian Rivers (USA, Neuseeland). Mit Hera Hilmar, Robert Sheehan, Hugo Weaving u.a. seit 13. Dezember 2018 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

"Mortal Engines: Krieg der Städte" ist die Verfilmung des ersten Romans von Philip Reeves Fantasy-Saga. Wir erleben eine Welt, die wir so nicht kennen. Nach einem Blitzkrieg, der gerade mal 60 Minuten dauerte, ist die Erde zerstört. Es beginnt ein brutaler Kampf um die wenigen Rohstoffe, die noch vorhanden sind. Eindrucksvoll wälzt sich die Stadt London auf rasselnden Panzerketten durch die Trümmer in Richtung Festland. Auf der Insel gibt es nichts mehr, was die noch Übriggebliebenen am Leben erhält. Wie ein Monster bewegt sich die Stadt durch die Ödnis, auf der Jagd nach kleineren Orten, um sich deren übrig gebliebenen Ressourcen einzuverleiben.

Technisch ist das brilliant gemacht, visuell beeindruckend aber erzählerisch mangelt es an der nötigen Tiefe. Die Figuren bleiben blass, statt dessen setzt man auf vollgedröhnte Action. Die fehlenden Emotionen der handelnden Personen, werden mit teilweise mit überhöhter Filmmusik ausgeglichen.

In dem Genre-Mix aus Abenteuer, krachender Action und SCI-FI rebelliert die Jugend gegen die räuberische Kolonialpolitik der Alten. Trotz der bombastischen Bilder, sieht man leider nichts Neues. Ein bisschen „Mad Max“, ein wenig „Hunger Games“, das war's dann auch schon.

Das düstere 100 Millionen Dollar Projekt, wurde von Peter Jackson produziert, der auch das Drehbuch schrieb. Regie führte der Neuseeländer Christian Rivers, der bereits bei 11 von Jacksons Filmen mitgearbeitet hat. „Mortal Engines“ ist sein Langfilmdebüt. Auf jeden Fall finden sich in dieser Dystopie all diejenigen wieder, die mit ihren zerstörerischen Verhaltensweisen, für Leid und Elend auf unserem Planeten sorgen.

Ulrike Schirm

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