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60. Jubiläumsfestival - Dok Leipzig 2017

Neu bei DOK Leipzig: Filme mit Audiodeskription.



Zum 60. Jubiläum intensiviert DOK Leipzig seine Bemühungen, die Kinowelt für Menschen mit Behinderung offener und zugänglicher zu gestalten. Neben deutschen Untertiteln und erweiterten Untertiteln für Hörbeeinträchtigte bietet das Internationale Dokumentarfilmfestival, das vom 30. Oktober bis zum 5. November 2017 stattfindet, in diesem Jahr erstmals auch Audiodeskriptionen für sehbehinderte Personen per App »Greta« an, die über das eigene Smartphone in jedem Festivalkino abgerufen werden können.

Für das barrierefreie Filmangebot war in die Projektplanungsphase ein neu gegründeter Inklusionsbeirat involviert, der dem Festival beratend zur Seite stand. Mit Sorgfalt hat DOK Leipzig elf Kurz- und Langfilme für die Anfertigung von Audiodeskriptionen auswählt. Die Filmauswahl gestaltet sich in Hinsicht auf Themen und Macharten möglichst breit, um Menschen mit Sehbeeinträchtigung ein vielseitiges Filmangebot bereitstellen zu können.

DOK Leipzig nutzt darüber hinaus, neben der APP »Greta« für blinde und sehgeschädigte Personen, die Technologie der App »Starks«, um zusätzlich für ausgewählte Filme deutsche Untertitel anzubieten. Damit richtet sich das Angebot auch an ein nicht-beeinträchtigtes Publikum, das deutsche Untertitel bevorzugt. Beide Apps stehen im Google Playstore sowie im iTunes Store für Apple zum Download bereit. Für Windows Phone oder Blackberry gibt es leider kein Angebot.

DOK Leipzig: Premiere für Kurzfilm-Pitch

Darüber hinaus wartet das Internationale Festival für Dokumentar- und Animationsfilm DOK Leipzig im Rahmen von DOK Industry mit einer weiteren Neuerung auf. So findet mit "DOK Short’n’Sweet" erstmals ein Kurzfilm-Pitch statt.

Akkreditierte Filmschaffende haben dort die Gelegenheit, ihr kurzes Dokumentarfilmprojekt renommierten Redakteuren und Finanziers vorzustellen. Das Panel bilden Lindsay Crouse (The NYT Op-Docs), Charlie Phillips (The Guardian), Georg Gruber (Magnetfilm) und Maike Mia Höhne (Berlinale Shorts). Filmideen konnten bis zum 15. Oktober 2017 kurz und prägnant in 140 Zeichen, der Länge eines Tweets, bei DOK Industry eingereicht werden.  

Insgesamt 340 Filme und 113 Premieren beim Jubiläums Festival

Beim diesjährigen Filmfestival DOK Leipzig feiern 113 Produktionen ihre Premiere auf internationaler Bühne. Weltweit zum ersten Mal gezeigt werden 72 Filme, während 41 Werke zuvor nur im Produktionsland zu sehen waren. Insgesamt werden während des Festivals 340 Filme aus 57 Ländern gezeigt. 166 Werke davon gehören zur sogenannten Offiziellen Auswahl, hinzu kommen verschiedene Sonderprogramme. Schwerpunktland ist Georgien. 

Die 60. Auflage des Festivals steht übrigens unter dem Motto "Nach der Angst", das sich im Werk des US-amerikanischen Filmemachers Jay H. Rosenblatt, der mit einem Teil seiner Werke in der ständigen Sammlung des MoMA New York vertreten ist, ganz besonders widerspiegelt. Rosenblatt wird zudem in diesem Jahr vom Festival mit der Hommage geehrt. Gemeinsam mit MUBI zeigt das Festival 14 Filme seiner Hommage »Bildelektrik« auf mubi.com zum Online-Stream für zu Hause.

Weltpremiere zu Eröffnung.

Eröffnet wird das Festival mit der Weltpremiere des Münchner Kindergarten-Krimis "Betrug" von Regisseur David Spaeth über einen Hochstapler aus Halle.

„Wir haben uns mit ‚Betrug‘ für einen Eröffnungsfilm entschieden, der in seiner Machart überraschend ist“, erklärte Festivaldirektorin Leena Pasanen. „Es ist ein unkonventioneller Krimi, der vom Sofa aus erzählt wird und zunehmend seine Raffinesse entfaltet. Die Geschichte entblättert sich erst nach und nach.“


Synopsis:
Bastian, ein arbeitsloser Einzelhandelskaufmann aus Halle (Saale), träumt vom scheinbar sorgenfreien Lebensstil der Eltern aus dem gesittet bürgerlichen Stadtteil München-Schwabing und von einem Platz für seinen behinderten Sohn im dortigen kommunalen Kindergarten. Um seinem Glück auf die Sprünge zu helfen, poliert Bastian seine Biografie auf – mit Erfolg. Nicht nur einen Kindergartenplatz, auch die Position als Finanzvorstand des Kindergartens erobert er sich. Angetan von seiner neuen Identität baut Bastian seinen Schwindel zu einem komplexen Lügenkonstrukt aus und verliert sich im Rausch des Rollenspiels.


Bemerkungen zur Geschichte von DOK Leipzig.

Die Geschichte von DOK Leipzig begann 1955 als »Leipziger Filmwoche für Kultur- und Dokumentarfilm«, dem einzigen A-Filmfestival der DDR. Inzwischen avancierte es nach Amsterdam zum zweitgrößten Dokumentarfilmfestival Europas. Ulrich Gregor, Jahrgang 1932, der 20 Jahre lang das Berlinale-Forum des Jungen Films leitete und gemeinsam mit seiner Frau Erika die »Freunde der Deutschen Kinemathek« und das Kino Arsenal gründete, fährt auch dieses Jahr wieder zum Festival nach Leipzig.

"Der Geist des alten DOK Leipzig sei nach wie vor präsent, auch wenn die Funktion des Festival sich nach dem Mauerfall völlig geändert habe", so Ulrich Gregor zum Tagesspiegel.


Über die Gregors, die zahlreiche spannende Geschichten aus ihrer Filmlaufbahn erzählen können, ist eine Dokumentation von Regisseur und Drehbuchautor Wolfgang Pfeiffer geplant. Da beide - wie auch Pfeiffer selbst - von Anfang an Mitglied im 1974 gegründeten Berliner Arbeitskreis Film waren, sind auch wir vom heutigen BAF angefragt worden, als Medienpartner das Projekt zu unterstützen. Derzeit werden Geldgeber für das Filmprojekt gesucht. Wer weiß, vielleicht kann man schon im nächsten Jahr das Ergebnis beim 61. DOK Leipzig 2018 sehen.

Die Geschichte von DOK Leipzig wird zudem an den drei Abenden vor der Eröffnung durch kostenfreie Präsentation ehemaliger Festivalfilme manifestiert. Parallel zu den Screenings im CineStar wird auch der Eröffnungsfilm in der Osthalle des Hauptbahnhofs zu sehen sein, denn diese verwandelt sich während der Festivalwoche wieder in eine Spielstätte. Dort wird am Mittwoch außerdem exklusiv ein Film über die USA unter Trump! gezeigt. Apropos Orte – die interaktive Ausstellung DOK Neuland ist umgezogen, auf eine Ladenfläche in der Messehof Passage.

Filme über soziale Brennpunkte.

Weiteres Thema von DOK Leipzig sind immer wieder Auseinandersetzungen mit sozialen Brennpunkten. So erlebt der Dokumentarfilm "MACHINES" des indischen Regisseurs Rahul Jain beim Leipziger Dokumentarfilmfestival seine deutsche Erstaufführung. Der Film begleitet Arbeiter, darunter auch noch Kinder und Jugendliche, in einer indischen Textilfabrik – nüchtern und ohne viele Worte. Bei zahlreichen Festivals auf der ganzen Welt wurde die indisch-deutsch-finnische Koproduktion bereits vielfach ausgezeichnet. Zur Verdeutlichung haben wir aus YouTube von hier und hier gleich zwei unterschiedliche Trailer nacheinander eingebunden:





Synopsis:
Der Regisseur Rahul Jain präsentiert mit "MACHINES" eine sehr intime, aufmerksame Darstellung des Rhythmus des Lebens und der Arbeit in einer gigantischen Textilfabrik in Gujarat, Indien. Förmlich gleitend durch die langen Korridore und enormen Tiefen dieser verwirrenden Struktur, entführt die Kamera den Betrachter auf eine Reise zu einem Ort der Entmenschlichung von körperlicher Arbeit und intensiver Härte. Hierbei werden sehr filigran Denkanstöße hinsichtlich anhaltender vorindustrieller Arbeitsbedingungen und die große Kluft zwischen der ersten Welt und Entwicklungsländern generiert.

Seit den 1960er Jahren hat sich das Gebiet Sachin im Westen Indiens einer beispiellosen, unregulierten Industrialisierung unterzogen, die in zahlreichen Textilfabriken zum Ausdruck kommt. "MACHINES" porträtiert nur eine dieser Fabriken und stellt gleichzeitig Tausende von Arbeitern dar, die tagtäglich in einer Umgebung schuften, leben und leiden, der sie nicht ohne Einheit entkommen können. Mit starker visueller Sprache, unvergesslichen Bildern und sorgfältig ausgewählten Interviews mit einzelnen Arbeitern erzählt Jain eine Geschichte von Ungleichheit und Unterdrückung, Menschen und Maschinen in Zeiten der Industrialisierung, der Standardisierung und des Kapitalismus.


Nach der Deutschlandpremiere beim 60. DOK Leipzig, startet der außergewöhnliche Dokumentarfilm am 9. November 2017 bundesweit in den deutschen Kinos.

Lost in Politics.

Auch die Welle an „politischen“ Filmen ebbt auf DOK Leipzig nicht ab. Neben Diskussionsrunden, die in Kooperation mit dem Verband der Filmkritik zum Thema "wie wichtig politisches Kino ist", stattfinden ist besonders erwähnenswert die Deutschlandpremiere von "THE POETESS" auf dem DOK Leipzig Festival.

"THE POETESS", der auf dem Filmfestival von Locarno seine Weltpremiere feierte, erzählt die Geschichte der Poetin Hissa Hilal aus Saudi-Arabien, die vor einem Millionen-Publikum saudische Kleriker kritisierte. Hier der Trailer:



Synopsis:
Die saudische Mutter von Vier schaffte etwas, was vorher noch keiner Frau gelang: Sie erreichte das Finale der Reality-TV-Show “Million’s Poet” aus Abu-Dhabi, ein Dichter-Wettbewerb, der von Männern dominiert und mit einem Preisgeld von 1 Million Dollar dotiert ist. Vor 75 Millionen Zuschauern kritisiert Hissa Hilal, die in Abaya und Nikab gekleidet auf die Bühne tritt, in ihren Gedichten die patriarchale arabische Gesellschaft und prangert einen für seine extremistischen Fatwas berüchtigten Geistlichen an. Die Regisseure Stefanie Brockhaus und Andreas Wolff porträtieren in "THE POETESS" eine Frau, die furchtlos religiösen Fanatismus anprangert und für einen friedlichen Islam eintritt.


Die Dichterin, die in ihrem Heimatland nie ohne Nikab vor die Tür geht, trat in Locarno unverschleiert vor das Publikum. Im Schweizer Kanton Tessin, wo das Festival stattfindet, ist die vollständige Verschleierung in der Öffentlichkeit seit 2016 verboten.

Link: www.dok-leipzig.de
Quellen: Zoom Medienfabrik | NOISE Film PR | Leipziger Volkszeitung | Tagesspiegel | DOK Leipzig



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