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Preisverleihungen in Lübeck, Duisburg, Braunschweig

Preisträger der 57. Nordischen Filmtage Lübeck ist „Die Rückkehr“ aus Norwegen.



Insgesamt vier besonders erwähnenswerte Filmfestivals fanden im Zeitraum vom 4.-8. November 2015 statt. Und zwar alle gleichzeitig. Bis auf Braunschweig, das seine Gewinner erst am Sonntag, den 8.11.2015 bekannt gab, fanden die anderen Preisverleihungen alle schon am Samstag statt. Allerdings war das Filmfestival des osteuropäischen Films in Cottbus etwas schneller mit der Verteilung der Pressemitteilung als die anderen, sodass wir dessen Ergebnis noch rechtzeitig zum 8.11.2015 bei uns einstellen konnten.

Den Hauptpreis beim Filmfestival Cottbus hat der serbisch-kroatisch-slowenische Film "ZVIZDAN - MITTAGSSONNE" von Regisseur Dalibor Matanić gewonnen. Nachzulesen in unserem Bericht vom Sonntag hinter den Ergebnissen von DOK Leipzig.

Der Gewinner der 57. Nordischen Filmtage Lübeck kommt dagegen aus Norwegen: Regisseur Henrik Martin Dahlsbakken nahm überglücklich den NDR Filmpreis, der mit 12.500 Euro dotiert ist, für seinen Film „DIE RÜCKKEHR“ („Å vende tilbake“) aus den Händen der Jury entgegen. Hier der Trailer:



Inhalt:
Oscar und Fredrik sind Brüder und ein eingespieltes Team. Ihr Vater Einar ist Offizier bei der norwegischen Armee und schon ein ganzes Jahr in Afghanistan stationiert. Ihre Mutter verbringt die Tage vor allem im Bett. Oscar hat längst die Verantwortung für seinen jüngeren Bruder übernommen und sorgt dafür, dass alles beim Rechten ist. Dann kehrt ihr Vater nach Hause zurück. Plötzlich ist die Situation am abendlichen Esstisch seltsam ungewohnt – und als der nächste Morgen graut, bricht Einar allein zur Rentierjagd auf. Doch er kehrt nicht mehr zurück. Oscar und Fredrik beschließen, ihren Vater zu suchen. Mit Rucksäcken und Zelt durchstreifen sie die raue, aber majestätische Natur am Fuß der norwegischen Berge. Die aufreibende Suche zwingt die beiden, sich selbst und ihren Vater neu kennenzulernen. Am Ende wird ihre Familie nicht mehr dieselbe sein.

Die starke isländische Präsenz im Festivalprogramm machte sich auch bei der Preisvergabe bemerkbar; so konnten „Virgin Mountain“ („Fúsi“) von Dagur Kári und „Sture Böcke“ („Hrútar“) von Grímur Hákonarson beim Publikum und bei der Jury um den zweiten und dritten Platz in der Spielfilmsektion überzeugen.

• Der Dokumentarfilmpreis ging an „Democrats“ der dänischen Regisseurin Camilla Nielsson. ; sie wurde mit der Lübecker Gewerkschaften geehrt, dessen Preisgeld 2.500 Euro beträgt. Ihre Kurz-
• In der Sektion Filmforum wurde „Der Fährmann und seine Frau“ von Johanna Huth als Bester Kurzfilm mit 3.000 Euro ausgezeichnet.
• Die Kinderjury, bestehend aus vier Mädchen und Jungen zwischen 11-12 Jahren, vergaben ihren Preis an den norwegischen Film „Operation Arktis“ („Operasjon Arktis“) von Grethe Bøe-Waal.
• Die Kinder- und Jugendfilmjury entschied sich bei ihrem Preis für einen Film aus Finnland: die Wahl fiel auf „Andere Mädchen“ („Toiset tytöt“) des Regisseurs Esa Illi.

Die Nordischen Filmtage Lübeck, eine Veranstaltung der Hansestadt Lübeck, sind die auf dem europäischen Kontinent größte Werkschau außerhalb Skandinaviens für nordische und baltische Filme und dem Norden Deutschlands. Am Sonntag, 8. November 2015, dem letzten Festivaltag, waren noch einmal alle Filme des Spielfilmwettbewerbs zu sehen. Nach stetig wachsenden Zuschauerzahlen in den vergangenen Jahren, konnten die 57. Nordischen Filmtage Lübeck mit insgesamt 30.500 Besuchen einen neuen Zuschauerrekord verzeichnen.

Link: www.filmtage.luebeck.de

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3sat-Dokumentarfilmpreis der 39. Duisburger Filmwoche 2015 an "Über die Jahre" vergeben.
Der Film "Über die Jahre" von Nikolaus Geyrhalter (AT 2015, 188 Min.) hat auf der 39. Duisburger Filmwoche den mit 6.000 Euro dotierten 3sat-Dokumentarfilmpreis 2015 für den besten deutschsprachigen Dokumentarfilm gewonnen. Der alljährlich vergebene 3sat-Dokumentarfilmpreis wird von den vier Partnersendern - ZDF, ORF, SRG und ARD - gestiftet. In der Jury sitzen namhafte Kritiker aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Hier der Trailer:



In der Jurybegründung heißt es:
"Die Fabrik verlässt die Arbeiter, heißt die treffende Umkehrung einer Urszene des Bewegtbildes, die Harun Farocki zum 100. Geburtstag des Kinos für die Zeit der Globalisierung formuliert hat. Der Film "Über die Jahre" nimmt diese Beschreibung auf, wenn die zehn Jahre dauernde Langzeitbeobachtung ihren Ausgangspunkt in der Schließung einer Textilfabrik mitten in Europa findet. Der Film folgt aber nicht - wie so oft im Werk des Regisseurs Nikolaus Geyrhalter - den komplexen Bewegungen eines weltumspannenden Zusammenhangs, sondern er verbleibt bei den arbeitslos gewordenen Menschen im Waldviertel, im nördlichsten Teil Österreichs. Es geht um das Weiterleben von sechs Angestellten der einstigen Anderlfabrik, für die der Verlust eine teils existenzielle Frage nach dem Neubeginn aufwirft. "Über die Jahre" bilanziert auf respektvoll-zugewandte Weise einen Posten, der in den kühlen Kalkulationen der Profitmaximierung "Humankapital" heißt - er portraitiert Menschen, die sich nie in den Vordergrund stellen würden, und er bringt Leute zum Reden, die nicht wissen, was an ihren Routinen interessant sein sollte. Dabei erweist sich Geyrhalter - vor dem Hintergrund seines Werks vielleicht etwas überraschend - als großer Humanist, der die Bilder dieser Erzählung, gemeinsam mit seinem Cutter Wolfgang Widerhofer, mit freundlicher Ironie montiert. "Über die Jahre" ist ein Film, der den Menschen auf respektvolle Weise begegnet und der seine Bilder in einem beeindruckenden Gespür für Rhythmus fragen und schweigen lässt. Ein Film, der keinesfalls beschönigt, aber im besten Sinn optimistisch ist."

Der ARTE-Dokumentarfilmpreis, dotiert mit 6.000 Euro, ging an: "Zaplyv – Die Schwimmer" von Kristina Paustian (DE/HU/RU 2015, 78 Min.). Hier der Trailer:



Begründung:
Als sich im Westen in den sechziger Jahren die Jugend auf Sinnsuche begab, fand sie häufig Antworten in fernöstlichen Heilslehren und in Sekten. Die alten Institutionen – Staat und Kirche – hatten an Bindungskraft und Macht verloren. Neue Orientierungspunkte wurden gesucht, neue Wege, das Glück zu finden. Kristina Paustian geht mit ihrem Film „Zaplyv“ diesem Bedürfnis im aktuellen Russland nach, einer Gesellschaft, die nie solch eine Erosion traditioneller Autoritäten erlebt hat, in dem das Individuum nie selber für sich Verantwortung tragen musste. Wie sieht hier die Sinn- und Glückssuche aus?
Paustian begibt sich in den Süden des Landes, in dem der ehemalige Physiker Boris Zolotov eine Kommune meist junger Frauen um sich geschart hat. Die Rituale der Gruppe bestehen aus täglichen Schwimmstunden und nächtlichen Theaterperformances, während der „Guru“ seine kosmologischen Weisheiten mit der Autorität eines gütigen Autokraten verbreitet. Paustian geht es nicht um Erklärung oder Entlarvung, sie nähert sich ihrem Gegenstand aus überraschenden Perspektiven, die das Thema eher kaleidoskopisch öffnen, als es sukzessive „handhabbar“ zu machen. Damit findet sie eine freie Form – zwischen dokumentarischer Spurensuche und Inszenierung –, die im Gegensatz steht zu allen traditionellen oder alternativen Orthodoxien ihres Geburtslandes.

Der Förderpreis der Stadt Duisburg, dotiert mit 5.000 Euro, ging an: "Eismädchen" von Lin Sternal (DE 2015, 60 Min.), eine Koproduktion der Filmakademie Baden-Württemberg & SWR über das schwierige und intensive Training junger Schlittschuhläuferinnen im Leistungssport.

Begründung:
Wir sehen uns täglich konfrontiert mit Bildern sportlicher Erfolge und bis auf den letzten Muskel durchtrainierter Körper. Weit weniger häufig erfahren wir von der enormen Anstrengung, die hinter diesen Bildern steckt.
Just dahin aber leitet Lin Sternal in „Eismädchen“ ihren Blick und zwar in eigenwilliger und überraschender Art. Indem sie abrückt vom Wohlvertrauten, dem Brennpunkt des (sportlichen) Geschehens, und den Blick in stiller Beobachtung auf dessen Ränder verlegt. Auf die Gesichter der Personen, die dort stehen und ohne die solche Leistungen gar nicht möglich wären. Im Falle von „Eismädchen“: Die Mutter, die Trainerin und die jeweils andere Schwester.
Im Aufbruch vom Ort des sportlichen Geschehens, der Eislaufarena, ins Private des Zuhauses, erzählt „Eismädchen“, ohne dafür unnötige Worte zu verwenden, auch das Andere: Vom Heranwachsen unter diesem enormen Druck, der die zwei Schwestern, weit mehr als dies unter Geschwistern gemeinhin üblich ist, zu latenten Konkurrentinnen macht und die Mutter als dritte des schicksalhaften Trios zur tragischen Vermittlerin bestimmt.
Es zeigt die junge Regisseurin in ihrem fast ganz von der exakten Beobachtung lebenden Film ein bewundernswert reifes Vertrauen in ihre eigenen Bilder: „Eismädchen“ ist ein starker Frauenfilm – und der fragmentarische Anfang einer „Coming-of-age“-Story, in deren (deutschem) Titel subtil sinnfällig anklingt: die Härte, die solch sportliches Heranwachsen bestimmt, und die Fragilität, die solch jungem Menschenleben innewohnt.

Der Publikumspreis für den beliebtesten Film, dotiert mit 1.000 Euro, ging an: "Lampedusa im Winter" von Jakob Brossmann (AT/IT/CH 2015, 93 Min.). Die italienische Insel im Mittelmeer wurde zum Symbol für schiffsbrüchige Flüchtlinge aus Afrika, den sogenannten Boatpeople. Hier der deutsche Trailer:



Link: www.duisburger-filmwoche.de

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Carmen Maura erhielt den Hauptpreis des 29. Internationalen Filmfestival Braunschweig.
Der Lufthansa-Streik machte dem 29. Internationalen Filmfestival Braunschweig einen Strich durch die Rechnung. Die spanische Schauspielerin Carmen Maura konnte am Sonntag nicht zur Verleihung des Festival-Preises «Die Europa» kommen, wie die Veranstalter mitteilten. Maura ist für ihre Filme mit dem Regisseur Pedro Almodóvar bekannt. Sie war unter anderem in „Volver - Zurückkehren“ zu sehen.

Das Filmfestival verlieh ihr den mit 10.000 Euro dotierten Preis dennoch in Abwesenheit für herausragende darstellerische Leistungen und Verdienste um die europäische Filmkultur. Das Festival ehrte Carmen Maura zudem mit einer Retrospektive, die zehn Filme umfasste. Carmen Maura hat mehr nationale und internationale Preise gewonnen als jede andere spanische Schauspielerin. Sie hat bisher mehr als 110 Filme gedreht, und doch bleibt ihr Name wohl für immer verbunden mit dem von Pedro Almodovar.

Das Festival vergibt den Preis «Die Europa» seit 2007. Die bisherigen „Europa“-Preisträger waren Mads Mikkelsen, Barbara Sukowa, Olivier Gourmet, Stellan Skarsgard, Isabelle Huppert, John Hurt, Bruno Ganz und Hanna Schygulla.

Seit Montag standen dort 110 Filme auf dem Programm, darunter 30 Deutschlandpremieren. Den großen Publikumspreis «Der Heinrich» gewann Theresa von Eltz für „4 Könige“. Der Preis wird jährlich für den besten Debüt- oder Zweitfilm vergeben und ist mit 10.000 Euro dotiert. Das Preisgeld geht je zur Hälfte an die Regisseurin und den deutschen Verleih. Auch das FilmFestival Cottbus hatte diesen Film mit einer Auszeichnung im Wettbewerb Jugendfilm bedacht wie wir am 8.11.15 schrieben. Hier nochmals der Trailer des beeindruckenden Films über vier jugendlichen Insassen einer Jugendpsychiatrie, welche die Weihnachtsfeiertage gemeinsam in Abgeschiedenheit verbringen müssen.



Synopsis:
Weihnachten, Fest der Liebe und Besinnlichkeit? Die Jugendlichen Lara, Alex und Fedja haben dazu ihre eigenen Erfahrungen gemacht. Sie verbringen die Weihnachtstage in der Jugendpsychiatrie, weil in ihren Familien zu Hause die Konflikte eskalierten. Psychiater Dr. Wolf, gespielt von Clemens Schick, für seine unkonventionellen Methoden nicht unumstritten, bringt sie mit Timo zusammen, einem aggressiven und zu Gewalt neigenden Jungen. Alle haben ihre ganz eigene Geschichte mitgebracht und sie müssen nicht nur mit sich selbst, sondern auch miteinander klarkommen. Das Experiment scheint zu scheitern, aber dann entwickelt sich eine unerwartete Gruppendynamik und es wird für alle ein bewegendes und einzigartiges Weihnachten.

Der deutsch-französische Jugendpreis «KINEMA» ging an „Max & Lenny“ (Verleih: Alpha Violet) von Regisseur Fred Nicolas. Das Drama um zwei junge Frauen aus den heruntergekommenen Vorstädten von Marseille feierte in Braunschweig seine Deutschland-Premiere. Den Preis vergab eine junge Jury aus drei Deutschen und drei Franzosen im Alter von 17 bis 21 Jahren. Hier der Trailer:



Link: www.filmfest-braunschweig.de

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