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Ruinöser Wettbewerb im Film-Dienstleistungsgewerbe

Studio Hamburg bleibt weiterhin in Berliner Region tätig.



Die Krise in der die Studio Hamburg GmbH noch 2012 steckte, scheint behoben. Die Produktions- und Service-Tochter des NDR, befindet sich derzeit allerdings noch in einem Transformationsprozess. Als Organisator und Motor für diese Transformation hat NDR-Intendant Lutz Marmor den früheren RTL-Manager Johannes Züll ins Boot geholt, der nun als Vorsitzender der Geschäftsführung von Studio Hamburg tätig ist. Seit Züll im Amt ist, gab es schon etliche Veränderungen. Unter anderem hat Studio Hamburg Anfang des Jahres die Park Studios in Potsdam übernommen, wie wir bereits am 29. Januar 2015 berichteten.

Jüngere Entwicklungen bei Studio Hamburg.
Im Jahre 2012 war das Unternehmen in die Schieflage geraten und hatte bei 231 Millionen Euro Umsatz einen Verlust von 13 Millionen Euro geschrieben. Das Minus konnte im darauf folgenden Jahr auf 10 Millionen Euro reduziert werden. Der Verkauf der Film- und Kameratechnik an die Bavaria-Tochter Cine-Mobil, einem Dienstleister für Film- und Fernsehproduktionen, der Anfang 2013 erfolgt war, hätte Studio Hamburg noch näher an die Gewinnzone bringen können, wäre dieser Deal vom Käufer nicht zum Teil mit Aktien der CineMedia Film AG beglichen worden, einem weiteren Unternehmen für Mediendienstleistungen rund um Filmlabor, Bild- und Tonbearbeitung im Umfeld der öffentlich-rechtlichen Sender, das jedoch im August 2013 selbst Insolvenz anmelden musste. 2014 wurden deshalb rund 10.000 qm des Hamburger Geländes an zwei Immobilienunternehmen veräußert, um wieder Geld in die Kasse zu bekommen.

Zur weiteren Sanierung hatte der vom NDR-Intendanten Lutz Marmor geleitete Aufsichtsrat auch die Trennung von Studio Berlin Adlershof GmbH diskutiert, den Berliner Aktivitäten von Studio Hamburg. Der Aufsichtsrat entschied jedoch, dass das Unternehmen am Standort Berlin-Adlershof präsent bleiben und die Hauptstadt-Aktivitäten neu ordnen solle. Für eigene und andere, nonfiktionale Produktionen ist nun das Studio-Hamburg-Tochterunternehmen Studio Berlin Adlershof (SBA) GmbH als Betreiberin von neun Ateliers (635 bis 2.400 qm) zuständig. Für Außenübertragungen und Sendeabwicklung — und damit unter anderem für die vier dort stationierten HD-Ü-Wagen sowie ein Schnittmobil — ist jetzt die Studio Berlin Broadcast (SBB) GmbH zuständig.

Außerdem entschied man sich bei Studio Hamburg für den Zukauf der Park Studios in Brandenburgs Hauptstadt Potsdam. Die Tochter der Kölner Video Company stand zum Verkauf, weil der Eigentümer Jörg Weiland sich aus Altersgründen aus dem Geschäft zurück ziehen will. Die Park Studios GmbH soll jedoch erhalten werden, wird den Berliner Aktivitäten zugeordnet und weiter vom bisherigen Geschäftsführer Nick Zimmermann geleitet, der zudem mit Mike Krüger die Berliner Bereiche führt.

Das Potsdamer Unternehmen betreibt seit 1997 neben den Postproduction-Aktivitäten unter anderem einen Ü-Wagen für bis zu 24 HD-Kameras samt Rüstwagen (als Kameras im Einsatz LDK 8000/8300) und einen SD-Truck mit bis zu 16 Kameras (LDK 100, LDK 200). In Potsdam und Hannover werden außerdem Fernseh-Playouts angeboten.

Überkapazitäten und ruinöser Wettbewerb im Dienstleistungssektor.
Das Verschwinden der Park Studios vom Ateliermarkt könnte allerdings einleiten, was die Studie »Dienstleister für audiovisuelle Medien« des Verbands technischer Betriebe für Film & Fernsehen (VTFF) vor Jahresfrist vorausgesehen hatte, nämlich »dass es in den nächsten Jahren zu einer weiteren Ausdünnung der mittelgroßen Studios kommen wird.« Die großen und die kleinen Anbieter werden aus Sicht des Verbands überleben, die mittleren werden geschluckt oder bleiben ganz auf der Strecke.

Hintergrund dieser Einschätzung: Im Atelierbereich wurden 2012 laut Studie Umsätze von etwa 140 Millionen Euro erwirtschaftet. Dabei zogen weniger als 10 % der Unternehmen, nämlich vier Anbieter, rund die Hälfte des Umsatzes auf sich. Während diese vier Unternehmen einen Umsatz von jeweils mehr als 20 Millionen Euro erzielten, stehen am anderen Ende der Skala etwa 30 kleine Betreiber mit Umsätzen von jeweils unter einer Million Euro. Die kleinen Studios erzielen zusammengerechnet 3,1 % der Segmentleistung.

Zur Polarisierung hätten neben anderen Faktoren Überkapazitäten beigetragen, die »teilweise mit direkter oder indirekter staatlicher Förderung« vor allem in Köln aufgebaut wurden — in Erwartung eines explodierenden Bedarfs des Privatfernsehens, heißt es in der Studie des VTFF.

Dem teilweise ruinösen Wettbewerb, der über die Kosten und mit Kurzzeit-Buchungen für Fernsehproduktionen ausgetragen wird, versucht sich in der Hauptstadtregion das Studio Babelsberg zu entziehen, in dem man sich dort auf große Kino-Koproduktionen konzentriert, die nicht nur die Ateliers belegen, sondern auch besonders erfolgreich den Kulissenbau beschäftigen. Das zahlt sich offenbar aus, denn mit dem in Görlitz und Babelsberg entstandenen Film "Grand Budapest Hotel" holte sich jüngst das Team von Studio Babelsberg drei Oskar® für Kostümdesign, Produktionsdesign und Make-up. Ein vierter Oscar wurde zudem für die »beste Filmmusik« vergeben. Dennoch verzeichnete Studio Babelsberg im letzten Jahr starke Verluste und schrieb rote Zahlen, da wieder einmal langfristig geplante Aufträge wegbrachen. Mitbewerber in Prag und London unterbieten immer wieder mit staatlicher Unterstützung die Angebotspreise.

Die Berliner Union Film GmbH hatte sich dagegen 2009 durch ein Insolvenzverfahren erheblicher Fixkosten entledigt und später ihren eigenen Rental-Bereich ebenfalls an die Bavaria-Tochter CineMobil abgestoßen, die zuvor auch schon Panther Rental übernommen hatte.

Ursprünglich hatte man befürchtet, dass die Bavaria Film GmbH ihren Anteil am Sorgenkind CineMedia reduziert, in dem sie die Berliner Geyer-Werke nach der Insolvenz preiswert übernimmt und mit ihrem eigenen Postproduktionsstudio D-Facto Motion in der Hauptstadt-Niederlassung verschmilzt. Doch wie wir vorgestern berichteten, hat der Insolvenzverwalter die CinePostproduction GmbH und damit die ehemaligen Geyer-Werke erfolgreich an dem Wettbewerber MTI Teleport München GmbH veräußern können.

Den Vorwurf, dass Studio Hamburg mit dem NDR im Hintergrund, Preise unter Marktniveau anbiete und damit die vielfach kritisierte Expansionsstrategie der öffentlich-rechtlichen Produktionstöchter untermauere, kann deren Vorstandsvorsitzender Johannes Züll aber »nicht nachvollziehen«. Die Übernahme der Park Studios sichere vielmehr »unterm Strich Arbeitsplätze im Produktionssektor«.

Quellen: filmecho | VTFF | Blickpunkt:Film | ots - News aktuell

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