Schauspielerin Judy Winter wurde mit dem Götz-George-Preis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Die Auszeichnung der Götz George Stiftung gilt als kulturpolitisches Signal für Sichtbarkeit älterer Schauspielerinnen.
Die Schauspielerin Judy Winter (81) erhielt am am 15. November 2025 in Berlin den diesjährigen Götz-George-Preis für ihr Lebenswerk.
Gemeinsam haben Judy Winter und Götz George nie vor der Kamera gestanden, seit Samstag sind die beiden Granden des deutschen Schauspiels dennoch miteinander verbunden. Die Götz George Stiftung würdigte die 81-jährige Schauspielerin mit ihrem Preis „für eine Lebensleistung, die Haltung, Klugheit, Humor und Eleganz in sich vereint, und deren Spiel in jeder Nuance von Wahrhaftigkeit getragen ist.“
Würdigung ist in diesem Fall das treffendste Wort. Bei keiner anderen Veranstaltung in dieser Stadt werden die Geehrten mit so viel Herzlichkeit und Wärme überschüttet. Ihr umfangreiches Lebenswerk wird nicht in einem kurzen Clip abgehandelt. Mit hohem Aufwand werden die Archive nach Bildern ihrer Auftritte durchforstet und manch Schatz ausgegraben- von den ersten Schritten Judy Winters als 17-jährige unter den Fittichen von Peter Zadek, der für knapp sieben Jahre auch ihr Lebenspartner war, über ihre zur Legende gewordenen Auftritte als Marlene in Berlin bis zur „Familie Bundschuh“, wo Winter seit 2015, die keinem Gläschen Abgeneigte und stets an der Pleite vorbeirutschende Mutter von Alex Milberg spielt.
Hand in Hand mit Klaus Wowereit
„Seit mehr als sechs Jahrzehnten prägt Judy Winter mit unverwechselbarer Stimme, eindringlicher Präsenz und Ausdruckskraft die deutsche Theater- und Filmlandschaft. Ihre Darstellung der Marlene Dietrich wurde zu Theatergeschichte“, heißt es unter anderem in der Begründung der Jury, die Stiftungsvorstand Lutz Riedel vortrug.
Als Synchronsprecherin verlieh und verleiht Judy Winter den Stars Jane Fonda, Vanessa Redgrave und Shirley MacLaine mit ihrer Stimme Ausdruck, Emotion und Charakter. Für die Synchronisation von Liv Ullmann erhielt sie 1976 als erste Synchronschauspielerin die Goldene Kamera.
Ihren Kollegen und Kolleginnen gab die Stiftung die Chance, auf die prekäre Situation in der Branche aufmerksam zu machen. Sie fürchten, dass die KI ohne ihr Einverständnis trainiert wird und sie in absehbarer Zeit arbeitslos macht. Oder das Hollywood-Stars dank KI plötzlich viele Sprachen sprechen. Unter dem Motto „Schützen wir die künstlerische und nicht die künstliche Intelligenz“ fordert der Verband Deutscher Sprecher*Innen die Bundesregierung im Frühjahr auf, den Missbrauch zu verbieten und einen gesetzlichen Rahmen für die Verwendung von KI in der Branche zu schaffen.
Treffpunkt für Legenden und Newcomer
Ein wichtiges Anliegen war es für Götz George immer, den Nachwuchs gute Entwicklungsmöglichkeiten zu schaffen. Seine Witwe Marika und die Stiftung ist dies ebenso eine Herzensangelegenheit. Ladina von Frischling gab der im Rahmen der First Steps verliehene Nachwuchspreis den notwendigen Rückenwind, wie sie am Samstag bekannte. Außerdem förderte die Stiftung regelmäßig Film- und Theaterprojekte, von denen einige kurz vorgestellt wurden. Torsten München stand stellvertretend für das Ensemble der Inszenierung „Der Wal“ im von der Schließung bedrohten Renaissance Theater auf der Bühne. Um 300.000 Euro hat der Berliner Senat den Zuschuss gekürzt. Sheri Hagen stellte ihren Film „Billie“ vor, bei dem das Engagement der Stiftung die Initialzündung für die Förderung war.