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Neuer Lockdown (light) legt den Kulturbetrieb lahm

Auch Kinos können ab November geschlossen werden - erste Festivals sagen ihre physischen Veranstaltungen ab.



Gestern noch haben wird das Berliner Filmfestival AROUND THE WORLD IN 14 FILMS angekündigt. Doch bereits am Mittag wurde deutlich, dass ein physischer Start Anfang Dezember auf wackeligen Füßen steht, wenn im November 2020 ein erneuter Lockdown wegen der ausufernden Corona-Pandemie ausgerufen wird.

Link: 14films.de



Dazu schrieb der Deutsche Kulturrat:

„Die Corona-Pandemie bedroht uns alle und natürlich ist auch der Kulturbereich bereit, Einschränkungen hinzunehmen, wenn sie notwendig und verhältnismäßig sind. Sollte es wirklich unumgänglich sein, dem Kulturbereich einen nochmaligen Lockdown zu verordnen, kann das nur funktionieren, wenn die dadurch entstehenden Einnahmeausfälle kompensiert werden. Das gilt für die öffentlichen und privaten Kultureinrichtungen genauso wie für die vom Lockdown betroffenen Künstlerinnen und Künstler. Wir erwarten, dass die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten der Länder den Kulturbereich nicht im Regen stehen lassen“, so Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates.


Laut Presseberichten von gestern, sollen Veranstaltungen, die der Unterhaltung dienen, deutschlandweit fast den ganzen November untersagt werden. So sollen u.a. Theater, Opern, Konzerthäuser und Kinos wohl vom 2. November 2020 an bis mindestens Ende des Monats schließen.

Link: www.kulturrat.de



Dass ein "FLÄCHENDECKENDES KULTURVERBOT die FILMWIRTSCHAFT GEFÄHRDET" beunruhigt auch die SPIO (Spitzenorganisation der Filmwirtschaft). Sie ist besorgt über die ihrer Meinung nach "undifferenzierte Debatte" im Vorfeld der gestrigen Konferenz der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin. Ein flächendeckendes Kulturverbot hätte dramatische Folgen für die Kinolandschaft und die Filmwirtschaft in Deutschland, heißt es in einem Statement des Dachverbands.

SPIO-Präsident Thomas Negele:
„Seit Monaten arbeiten Kinobetreiber*innen und Verbände dafür, den Menschen ein sicheres und unbeschwertes Kinoerlebnis zu ermöglichen. Mit Hygienekonzepten und Umbaumaßnahmen wurden Voraussetzungen geschaffen, dass Kultur auch in der Pandemie gemeinsam erlebt werden kann. Die eingeführten Regeln wurden strikt umgesetzt – bis hin zu Hausverboten. Lüftungszyklen wurden erhöht, die Zeiten zwischen den Vorstellungen entzerrt und Plexiglaswände eingezogen. Und alle Studien zum Thema zeigen: Die Kinos sind sicher. Deutschlandweit sind bis heute keine Infektionen im Kino bekannt, auch nicht in Corona-Hotspots.

Sollten die Kinos jetzt für eine Entwicklung in Haftung genommen werden, die sie nicht zu verantworten haben, dann werden die Folgen auf die gesamte Filmbranche durchschlagen. Besonders hart: Zuerst trifft es ausgerechnet jene Verleiher, die in dieser schwierigen Situation echte Branchensolidarität bewiesen haben und vielversprechende Filmstarts für den Winter ankündigten.

Klar ist: Eine solche undifferenzierte Maßnahme würde nicht wesentlich zur Eindämmung beitragen, nimmt den Menschen aber eine gerade an den Winterabenden beliebte Gelegenheit für eine Auszeit aus dem Alltag. Derartige Einschränkungen gefährden die Akzeptanz und damit die effektive Wirksamkeit der wichtigen Corona-Schutzmaßnahmen.“


Die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft e.V. (SPIO) vertritt die Interessen der deutschen Film- und Videowirtschaft in den Sparten Filmproduktion, Filmverleih, Filmtheater und Audiovisuelle Medien. Als Dachverband von 19 Berufsverbänden repräsentiert sie mehr als 1.100 Mitgliedsfirmen und eine Vielzahl von Einzelpersonen der Filmwirtschaft.

Link: www.spio-fsk.de



Als erstes Festival reagierten die Nordischen Filmtage in Lübeck auf die Ankündigung der Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Aufgrund der hohen und weiter ansteigenden Zahl von Neuinfektionen mit dem COVID-19-Virus in der Hansestadt Lübeck können die 62. Nordischen Filmtage nicht einmal wie geplant vom 4. - 8.11.2020 hybrid durchgeführt werden.

Lange war vorgesehen, das diesjährige Filmfestival real in den Kinosälen und Sonderspielstätten vor Ort zu veranstalten und zusätzlich Filme auch online per Stream anzubieten. Die Hansestadt Lübeck reagierte bereits am 26.10.2020 mit einer Stellungnahme sowie verschärften Maßnahmen auf die über das Wochenende auf 102 gestiegene Zahl der aktiv an Covid-19 Erkrankten in Lübeck.

Zu den erlassenen Maßnahmen zählt, neben einer umfassenden Maskenpflicht auf der Lübecker Altstadtinsel, der Absage der Lübecker Weihnachtsmärkte auch die Absage der realen Kinovorstellungen mit Zuschauer*innen sowie aller live Veranstaltungen anlässlich der 62. Nordischen Filmtage Lübeck.

Somit können die 62. Nordische Filmtage Lübeck nur noch ausschließlich online stattfinden – über 140 Filme aus Nordeuropa, dem Baltikum und Norddeutschland können dafür aber deutschlandweit gestreamt werden.

„Angesichts der dramatischen Entwicklungen ist diese Entscheidung der Hansestadt Lübeck alternativlos“, so die Geschäftsführerin der Nordischen Filmtage Lübeck, Susanne Kasimir, „doch wir sind vorbereitet und gut aufgestellt, werden zusätzlich für etwas „Festival-Feeling“ sorgen und Impressionen, Wissenswertes rund um die Filme und Hintergrundinformationen in Interviews digital einfangen und online senden.“

Linde Fröhlich, die scheidende Künstlerische Leitung der Nordischen Filmtage Lübeck führt fort:
„Wir haben uns sehr gewünscht, dass wir unser Programm mit insgesamt 160 wunderbaren Filmen hier vor Ort auf großer Leinwand hätten präsentieren können. Aber wir waren uns auch stets bewusst, dass die Entwicklung der Pandemie unvorhersehbar ist, und haben zweigleisig geplant. Dass die Nordischen Filmtage jetzt nicht in den Lübecker Kinos und Spielstätten stattfinden können, bedauern wir sehr. Aber dass über 85 Prozent des Programms deutschlandweit gestreamt werden können, macht uns sehr glücklich. Wir hoffen, dass die Fans des nordischen Kinos viele schöne Stunden mit den Filmen verbringen, dass sie Entdeckungen machen und sich inspirieren lassen, und wir hoffen auch, dass viele neue Fans hinzukommen!“


Infolgedessen wird es die 62. Nordischen Filmtage nur als rein virtuelles Festival geben. Über 140 Filme des diesjährigen Programms, das 160 Filme umfasst, können über die Seite des Streamingpartners Culturebase.org online gestreamt werden.

Erstmalig stehen die Filme des Filmfestivals deutschlandweit einem großen Publikum zur Verfügung. Dieses neue virtuelle Festival Format wird online auf der Homepage der Nordischen Filmtage auf einer extra Seite begleitet mit Videobeiträgen, die einen Blick auf die Arbeit der Filmschaffenden werfen, hier werden Filme vorgestellt sowie Interviews erscheinen.

Der Vorverkauf für die Streamingtickets beginnt wie geplant am 1.11.2020 um 13 Uhr. (vorher ist die Seite nicht freigeschaltet!)

Link: nordische-filmtage.culturebase.org

Dort können sich Interessierte ab diesem Zeitpunkt ein Konto mit ihrer Emailadresse und einem Passwort einrichten. Zum Preis von 7 Euro (regulär) oder 9 Euro (Solidaritätspreis inkl. 2 Euro Spende) pro Film können alle für den Stream verfügbaren Filme aus dem Programm „ausgeliehen“ werden. Diese haben in der Programmansicht auf der Festival Homepage einen entsprechenden Eintrag.

Ab Mittwoch, 4.11.2020, dem Tag des Festivalbeginns, werden alle Filme aus dem Streamingangebot gleichzeitig freigeschaltet und können dann innerhalb des Festivalzeitraums gestartet werden. Sobald bei einem Film der "Play/Start"-Button betätigt wurde, kann dieser innerhalb von 24 Stunden angesehen werden. Alle weiteren Informationen zum Streaming finden Sie unter nachfolgendem

Link: www.nordische-filmtage.de.

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