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61. Ausgabe von DOK Leipzig mit Frauenquote

DOK.Leipzig legt Quote für Regisseurinnen fest und fordert das Unmögliche!

Direkt im Anschluss an die Hofer Filmtage findet auch in diesem Jahr wieder DOK Leipzig statt, das Internationale Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm. Insgesamt laufen während der Festivalwoche vom 29. Oktober bis 4. November 2018 in der Offiziellen Auswahl sowie den Sonderprogrammen erneut mehr als 300 Filme aus der ganzen Welt.

Neben dem Filmprogramm der Offiziellen Auswahl, das wie immer unabhängig vom jährlichen Festivalmotto gezeigt wird, kreisen rund 150 Werke der Sonderreihen um Filme, die Veränderungen anstoßen wollen oder Transformationsprozesse abbilden. Zahlreiche Filmemacher/innen der Sonderreihen werden ihre Filme zum diesjährigen Festivalmotto »Fordert das Unmögliche!« persönlich in Leipzig vorstellen. Das Motto ist eine Referenz auf die diesjährige Retrospektive, die den Jahren um 1968 gewidmet ist.

DOK LEIPZIG ist international eines der führenden Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm und seit über 60 Jahren einzigartig in der Verbindung dieser beiden Sparten. Jährlich lockt das Festival rund 48.000 Besucher aus der ganzen Welt in die Kinos der Stadt.

Eröffnung mit Gorbatschow-Film.

Die 61. Ausgabe von DOK Leipzig wird am 29. Oktober 2018 der Dokumentarfilm „Meeting Gorbachev“ von Werner Herzog und André Singer eröffnen. Die Doku über den früheren sowjetischen Staatspräsidenten Michail Gorbatschow feiert ihre Europapremiere in Leipzig. Sie wurde zuvor nur im September auf dem Telluride Film Festival im US-Bundesstaat Colorado zu gezeigt.

"Wir freuen uns sehr, Werner Herzog zum ersten Mal bei DOK Leipzig zu begrüßen", sagte Festivaldirektorin Leena Pasanen. Der Eröffnungsfilm ist ein Porträt über den Politiker, der das Ende des Kalten Krieges einleitete und dafür den Friedensnobelpreis erhielt. Der Film zeigt Werner Herzog im Gespräch mit dem letzten Machthaber der Sowjetunion, ergänzt um Material aus dessen zeit als Präsident. Der von dem US-Kabelsender »History« produzierte Film entstand in Zusammenarbeit mit Arte und dem MDR.

Darüber hinaus steht Regisseur Werner Herzog dem Publikum bei einem Talk Rede und Antwort und das Festival widmet dem Filmemacher eine Hommage.

Weitere deutsche Koproduktionen, die ebenfalls nach Telluride eingeladen worden waren, sind Eric Fiedlers "It Must Schwing! The Blue Note Story", Urban Gads zweiteiliger Stummfilm "Christian Wahnschaffe", der Anfang der 1920er Jahre entstanden war, und Markus Imhoofs Flüchtlingsdrama "Eldorado", das mit dem Preis »Special Medallion« in Telluride ausgezeichnet wurde.

Auswahl weiterer Dokumentarfilme bei DOK Leipzig:

"The Trial" von Sergei Loznitza

"Call of Comfort" von Brenda Lien

"Gerichtszeichner" von Jochen Kuhn

"Chris de Swiss" von Anja Kofmel

"Nachtwanderer" von Benjamin Rost

"Der zweite Anschlag" von Mala Reinhardt

"Der Funktionär" von Andreas Goldstein

Neue Frauenquote in den deutschen Wettbewerben.

Beim Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm sollen im Deutschen Wettbewerb künftig 40 Prozent der Filme von Regisseurinnen sein.

Bei der Höhe der Quote habe man sich am Verhältnis der Einreichungen orientiert. Im letzten Jahr kamen demnach vierzig Prozent der eingereichten Wettbewerbsfilme von Frauen, 60 Prozent stammte von Regisseuren. Im Wettbewerb der 2017er-Ausgabe selbst war dann allerdings nur eine Frau als Co-Regisseurin vertreten, gegenüber zehn Regisseuren. Ralph Eue, Leiter der Auswahlkommission, erklärte, die Quote solle ein Zeichen setzen, ein erster Schritt hin zu mehr Geschlechtergerechtigkeit. Sie werde als eine Art freiwilliger Selbstkontrolle angesehen und gilt zunächst für zwei Jahre.

Die jetzt eingeführte Quote sieht Festivalleiterin Leena Pasanen als einen Anfang: "Grundsätzlich brauchen wir natürlich in all unseren Sektionen konstant weibliche Stimmen. Das bedeutet für uns, dass wir auch bei unseren anderen Sektionen ein genaues Auge auf ein ausgeglichenes Verhältnis der Geschlechter haben, unsere Arbeit fortlaufend evaluieren und das Thema Diversity insgesamt größer denken. Für uns stellt sich das Problem auch als eines dar, das gehäuft bei den Langfilmen auftritt. In unseren Kurzfilmwettbewerben ist das Verhältnis der Geschlechter weitaus ausgeglichener".

Ralph Eue, der auch die in diesem Jahr aus vier Frauen und drei Männern bestehende Auswahlkommission leitet, ergänzt: "Wir sehen die Quote als Werkzeug, mit dem wir uns am gegebenen Ort unseres Festivals einem offensichtlichen Problem stellen. Wir wollen mit Sorgfalt und Umsicht ein Zeichen setzen. Es ist keine gute Strategie, die Verantwortung für Veränderung in Fragen der Geschlechtergleichheit im Zusammenhang des Films auf andere Personen oder Institutionen abzuwälzen und selbstzufrieden zu warten, dass sich dort etwas bewegt. Bewegung taugt nur, wenn man sich selber bewegt".

Bereits jetzt hat DOK Leipzig Maßnahmen zur Unterstützung von Filmemacherinnen bei der Entwicklung von Dokumentarfilmen ergriffen. So wird in Zusammenarbeit mit dem European Women's Audiovisual Network im Rahmen des DOK Co-Pro Market der EWA Development Prize vergeben. Außerdem wird mit Unterstützung des ZONTA Club Leipzig Elster ein Reisekostenstipendium bereitgestellt, das einer Produzentin oder Regisseurin ermöglicht, am DOK Co-Pro Market teilzunehmen.

Sonderprogramm, Hommage, Länderfokus u. Animationen.

Das Sonderprogramm spürt 50 Jahre danach dem damals virulenten Drang nach ästhetischer und politischer Erneuerung nach und vereint Filme aus einem halben Jahrzehnt um 1968.

Die Hommage des Festivals würdigt in diesem Jahr die Filmemacherin Ruth Beckermann („Die Geträumten“), die als eine Mitbegründerin der unabhängigen Filmszene Österreichs gilt und bei der Berlinale im Frühjahr 2018 für ihren Beitrag „Waldheims Walzer“ mit dem Dokumentarfilmpreis geehrt wurde. Formal vielseitig, zählen zu ihrem bisherigen Werk Roadmovies und biographische Filme genauso wie ausgreifende Filmessays.

Zum 100. Jubiläum der baltischen Republiken richtet DOK Leipzig in diesem Jahr in seinem Länderfokus den Blick auf Litauen und betrachtet ein Filmland, das früh dem sowjetischen Dogma trotzte. Mit oftmals subtilen filmischen Mitteln oder spielerischen Herangehensweisen definierte es den Begriff des politischen Kinos neu, legte die poetische und emanzipatorische Kraft der Bilder frei und stellte das politische System in Frage.

Wie in den letzten Jahren auch präsentiert DOK Leipzig außerdem ein Animationsfilm-Sonderprogramm, das an das Festivalmotto anknüpft und vor Augen führt, wie Animation es vermag, nie zuvor Gesehenes sichtbar zu machen und neue Realitäten zu erschaffen.

Link: www.dok-leipzig.de

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