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15. Ausgabe des Internationalen Fußballfilmfestivals 11mm

Der Eröffnungsfilm THE WORKERS CUP präsentiert Wanderarbeiter auf der Baustelle für die Fußballweltmeisterschaft 2022 in Katar.



"The Workers Cup" ist ein Dokumentarfilm von Adam Sobel, der am 19. Januar 2017 im Rahmen des Sundance Film Festivals seine Weltpremiere feierte. Der Film erzählt von den Lebens- und Arbeitsbedingungen afrikanischer und asiatischer Wanderarbeiter beim Bau der Stadien für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar, aber auch von dem für sie ausgerichteten Fußballturnier, das "Workers Cup" genannt wird.

Die Wahl zugunsten des Wüstenstaates gilt als umstritten. Die Temperaturen sind dort im Sommer extrem hoch, weshalb das Turnier erstmals gegen Jahresende stattfinden wird. Höchsten Komfort versprechen zwar die für die WM geplanten Stadien, doch deren Bauarbeiten werden trotz großer Hitze ganzjährig unter nahezu unmenschlichen Bedingungen für die 22. Austragung des bedeutendsten Turniers für Fußball-Nationalmannschaften vorangetrieben. Hier der Trailer:



Das Eröffnungsspiel soll am 21. November 2022, das Endspiel am 18. Dezember 2022 stattfinden. Die Endrunde wird mit einer Dauer von 28 Tagen somit die kürzeste sein seit der Fußball-Weltmeisterschaft 1978 mit nur 25 Tagen.

Eine weitere Besonderheit ist der Plan eines Alkoholverbots in WM-Stadien durch das Organisationskomitee. Fußball ohne Bier? Für viele Fans nur schwer vorstellbar. Ob viele Fans nach Katar reisen, darf allerdings bezweifelt werden. Der Schaden, den die Fifa mit Katar anrichtet, könnte dadurch in die Milliardenhöhe gehen.

Fußball und Macht - die Festivalschwerpunkte von 11mm.

Ein Highlight des Festivals ist neben dem traditionellen Publikumspreis, der aus allen teilnehmenden Langfilmen ausgewählt wird, ein neuer 11mm-Jurypreis mit prominenter Jury (u.a. Michael Preetz (Hertha BSC), Henning Harnisch (Alba Berlin) und Birgit Schönau (ZEIT/SZ).

Die diesjährigen Festivalschwerpunkte stellen "Fußball & Macht", "Fußball im Russischen Film", "The day of british football films", sowie die Verleihung des 11mm shortkicks-Preises für den besten Fußball-Kurzfilm des Jahres dar. Auch dieser wird durch eine prominente Jury vergeben, der u.a. Bernard Dietz (Fußball-Europameister), Sönke Möhring (Schauspieler) und je ein aktueller Spieler aus dem Kader von Hertha BSC und VfL Wolfsburg angehören.

Ziel des Festivals ist es vom 23. - 28. März 2018 dem 11mm-Publikum die wichtigsten nationalen und internationalen Neuerscheinungen aus dem Bereich Fußballspiel- und Dokumentarfilm zu präsentieren. Noch nie war die Reise, die wir dabei antreten können, so weit und so facettenreich wie in diesem Jahr. Die Reisenden begegnen neben Spielern und Vereinen aus aller Welt genauso dem Krieg und der Diktatur wie den Themen Menschenwürde und Toleranz. Zwei Aspekte stehen dabei stets im Mittelpunkt: Viele Kulturen und ein Ball.

Gast des Festivals ist in diesem Jahr auch wieder Brasilien mit einer Mannschaft aus Rio de Janeiro, die am einen Tag nach Ende des Festivals in Berlin ein Freundschaftsspiel mit der deutschen Mannschaft im Olympiastadion austragen wird.

Gefeiert wird trotz Brexit auch die Partnerschaft mit Großbritannien, denn die Engländer gehören zu den großen Fußballnationen, die wieder großartige Filme im Gepäck haben.

Zu den Exoten zählt dagegen vielleicht Jamaika von denen man eigentlich eher Musikfilme mit Reggae und Bob Marley gewohnt ist. Doch das kleine Land bringt eine Sneak Preview mit über einen jungen jamaikanischen Fußballfan, der später zum Held der jamaikanischen Nationalmannschaft wird. Der Spielfilm greift 20 Jahre nach der Aufnahme eines jamaikanischen Teams in die WM das Thema noch einmal auf.

Insgesamt gibt es drei Uraufführungen und sogar 18 Deutschlandpremieren sowie drei Berlinpremieren, die im Rahmen des diesjährigen Festivals »11mm« gezeigt werden. Kurzfilme sind in dieser Aufstellung allerdings inbegriffen.

Übrigens wird die Sparte des Kinder- und Jugendfußballfilmfestivals »Minimeter« in diesem Jahr nicht mehr im Rahmen von »11mm« durchgeführt. Vielmehr soll dieser bisher eher stiefmütterlich behandelte Teil des Festivals im September im Rahmen eines größeren Schulfilmfestivals im Berliner Filmtheater am Friedrichshain zu mehr Geltung verholfen werden.

Zur Fußball WM 2018 in Russland eine Retrospektive.

Anna Leonenko, Leiterin der Mediaost GmbH, die alljährlich die Russische Filmwoche in Berlin im November veranstaltet, ist diesjährige Mitorganisatorin des Festivalschwerpunktes „Fußball im Russischen Film“.

Anlässlich der bevorstehenden Fußballweltmeisterschaft 2018 in Russland, die genau 80 Tage nach der Preisverleihung von 11mm in Moskau beginnt, präsentiert die Mediaost GmbH im Rahmen des Internationalen Fußballfilmfestivals 11mm gemeinsam mit dem Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin eine Retrospektive des russischen Fußballs.

Gezeigt wird ein geschichtliches Sonderprogramm mit sieben Filme von denen sechs Werke mit englischen Untertiteln versehen sind, während beim siebten Film ein ehemaliger DDR Darsteller mitspielt, der z.T. auch deutsch spricht. Die Filme geben Einblick in die Vielfalt der über 60-jährigen Geschichte des sowjetischen und russischen Fußballfilms. Neben Unterhaltung steht dabei auch die Auseinandersetzung mit ernsten Themen im Mittelpunkt der Filmreihe.

Eröffnet wird die Filmschau von Andrej Maljukovs Erinnerungsstück „Das Spiel“ (Match/Матч) aus dem Jahre 2012, das die Geschichte des sogenannten Todesspiels des Jahrs 1942 zwischen sowjetischen Kriegsgefangenen und deutschen Wehrmachtssoldaten in Kiev aufgreift. Die Geschichte um den gefeierten Torwart Nikolaj Ranevich, gespielt vom russischen Filmstar Sergej Besrukov, und seinem Team zeigt in bester Hollywood-Manier den Zwiespalt ihrer Helden zwischen Kapitulation oder Widerstand, Überleben oder Sterben. Besrukov, für seine Rolle als bester Schauspieler auf dem Marbella Russia Film Festival ausgezeichnet, steht die ebenfalls sehr beliebte Elizaveta Bojarskaja in der Rolle der Anna zur Seite, die in ihrem Spiel Stärke, Sehnsucht und Heimat verkörpert. Der vielfach ausgezeichnete Maljukov wagte sich mit seinen Stars als Zweiter an die Verfilmung des noch bis 2005 von Historikern vielfach kontrovers diskutierten Ereignisses und dessen Folgen.

Ebenfalls in der Filmreihe zu sehen ist der erste, anlässlich des 20. Jahrestags erschiene Film „Die dritte Halbzeit“ (Tretiy Taym/Третий тайм) (1962) von Evgenij Karelov. Das Drama um die „Start“-Mannschaft und die aufregende Kameraführung in den Spielsequenzen lockten damals 32 Millionen Sowjetbürger in die Kinos. Am 27.03.2018 gibt es die Möglichkeit, die Filme „Die dritte Halbzeit“ und „Das Spiel“ hintereinander zu sehen und so Vergangenheit und Gegenwart der Aufbereitung des streitbaren Filmstoffes zu vergleichen.

Der Rückgriff auf wahre Begebenheiten sowie Realitätsnähe zeichnet auch die Shooting Stars der Filmreihe „Kicking Off – Anstoß zur 3. Halbzeit“ (Okolofutbola/Околофутбола) (2013) und „Kickplatz“ (Korobka/Коробка) (2016) aus. Vor allem jedoch stechen sie durch ihren offenen Umgang mit den Themen Fußball und Fangewalt sowie Fremdenfeindlichkeit im Sport hervor.

„Kicking Off“ stellt die russische gewalttätige Fankultur als real existierende Parallelwelt dar, der Lehrer, Automechaniker und Bänker angehören. Er zeigt, wie die organisierten Fangruppen, sogenannte Firmen, arbeiten und sich mafiöse Strukturen bilden, in denen nur vollkommene Loyalität zählt. Die Offenheit des Filmteams um Regisseur Anton Bormatov hat einen Nerv getroffen: 2013 wurde „Kicking Off“ von der Jury des Saint Petersburg International Film Festival aufgrund moralischer Bedenken vom Wettbewerb ausgeschlossen, obwohl der Film zuvor vom Auswahlkomitte eingeladen worden war.

Ob dahinter möglicherweise Zensur der russischen Behörden steckt, will Anna Leonenko so pauschal nicht gelten lassen. "Diese Einschätzung muss jeder für sich selbst entscheiden", so die Leiterin von Mediaost GmbH zu uns im Interview anlässlich eines Pressebrunches. "Immerhin lief der Film später auch in russischen Kinos", so Leonenko weiter.


Das Langfilmdebüt des jungen Regisseurs Eduard Bordukov „Kickplatz“ fand national und international hingegen mehr Gehör. Die Russische Gilde der Filmkritiker nominierte Bordukov in der Kategorie „Bestes Debüt“, bei den internationalen Kinder- und Jugendfilmfestivals in Chicago und Zlìn sowie auf dem Palermo International Sport Film Festival wurde „Kickplatz“ als bester Film prämiert. Hauptfigur Kostja grübelt, wie er den Trainer der Profis ansprechen soll damit dieser ihn in seine Mannschaft aufnimmt. Doch bald stellt sich ihm und seinen Freunden eine ganz neue Frage: Wer hat das Vorrecht auf dem Kickplatz? Russen oder Kaukasier? Bordukov gelingt es, durch stringentes und unaufgeregtes Erzählen, einen Zugang zum bis dahin filmisch vernachlässigten Sujet Fremdenfeindlichkeit unter Jugendlichen zu eröffnen. „Kickplatz“ ist ebenfalls im diesjährigen Wettbewerb des 15. Fußballfilmfestivals 11mm vertreten.

Mit „Garpastum“ (Гарпастум) (2005) von Alexej German Jr., dessen Film „Dovlatov“ gerade im Wettbewerb der Berlinale lief, wird ein weiterer mehrfach international und national ausgezeichneter Film präsentiert. German Jr. fängt in Sepia die Stimmung zu Beginn des 1. Weltkriegs ein, die im damaligen Sankt Petersburg durch Unsicherheit und Gewalt auf der einen und das Silberne Zeitalter der Literatur auf der anderen Seite geprägt war. Im Mittelpunkt stehen zwei Brüder, die in den Wirren ihrer Zeit um Geld spielen, um so ihren Traum Fußballer zu werden zu verwirklichen. Danila Koslovskij, der den älteren Bruder Nikolaj spielt, erhielt für seine Darstellung den Weißen Elefanten, der von russischen Filmexperten und -kritikern verliehen wird.

Wie im wahren Leben liegen Ernst und Spaß häufig nah beieinander. Zum übrigen Programm zählen daher auch die Komödien „Die erste Schwalbe“ (Pervaya Lastochka/Первая ласточка) (1975) und „Lucky Trouble“ (Vykrutasy/Выкрутасы) (2011). Im erstgenannten Film entdeckt eine kleine georgische Provinz den Fußball für sich. Regisseurin Nana Mchedlidze gelang ein wunderbares Stück über die Freude am Spiel, das sowohl in der UdSSR als auch international, u.a. beim Sportfilmfestival Oberhausen 1977, eine Vielzahl an Auszeichnungen erhielt. „Lucky Trouble“ unterhält in Starbesetzung nicht nur die großen, sondern auch die kleinen Zuschauer. Milla Jovovich als wartende Braut und Konstantin Khabenski, bekannt aus Wächter der Nacht (2004), als Fußballtrainer wider Willen machen Levan Gabriadzes Werk zu einem perfekten Familienfilm.

„In unserem Programm sind ganz unterschiedliche Filme vertreten – von ästhetischen Werken für Filmexperten über Unterhaltung für die ganze Familie bis hin zu aktuellen sozialen Dramen, die sowohl filmtechnisch als auch inhaltlich nationale Grenzen überwinden und soziale Probleme ansprechen, die weltweit diskutiert werden“, sagt Anna Leonenko, Kuratorin der Filmreihe und Mitveranstalterin der Russischen Filmwoche in Berlin. „Fußball ist längst nicht mehr nur ein Sport wie viele andere Sportarten. Es ist eine Kulturwelt mit allen Elementen, die auch sonst ein menschliches Leben begleiten – Leidenschaft, Herausforderung, die Suche nach Wahr- und Echtheit. Und davon handeln auch unsere Filme.“


Alle Filme der Reihe „Fußball im Russischen Film“ werden mit englischen Untertiteln im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur gezeigt, das nach der noch frischen Modernisierung seines inhaltlichen Konzeptes und auch seines Kinosaals nun brandaktuelle Filmprogramme mit neuer Licht- und Soundtechnik präsentiert.

Wettbewerbsprogramm im Kino Babylon Berlin.

Das offizielle Wettbewerbsprogramm wird dagegen wieder im Kino Babylon Berlin am Rosa-Luxemburg-Platz ausgetragen.

Weitere Infos zum Festival finden sich auf der Festival-Website.
Link: 11-mm.de


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