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Die Gewinner der 67. Berlinale 2017

Der Goldene Bär der 67. Internationalen Filmfestspiele Berlin ging an den ungarischen Film „On Body and Soul“ von Ildikó Eny. (UPDATE)



Als wir diese Zeilen anfingen zu schreiben, wussten wir noch nicht, wer den großen Preis der Berlinale gewinnen wird. Was wir allerdings schon wussten, war die Verleihung der Berlinale Kamera an den 65-jährigen australischen Theater- und Filmschauspieler Geoffrey Rush, die ihm bereits am Samstag, den 11.02.2017 überreicht wurde.

Mit der Berlinale Kamera zeichnet das Festival seit 1986 Filmpersönlichkeiten oder Institutionen aus, denen es sich besonders verbunden fühlt und denen es danken möchte. Geoffrey Rush ist einer von wenigen beeindruckenden, zeitgenössischen Charakterdarsteller, die bereits den "Triple Crown of Acting" gewonnen haben: Emmy, Oscar und Tony! 2011 war er im Berlinale Special mit "The King's Speech - Die Rede des Königs" zu sehen. Die Rolle brachte ihm einen BAFTA Award als Bester Nebendarsteller ein. Dieses Jahr ist er wieder in Berlin mit seinem neusten Film im Wettbewerb, der außer Konkurrenz läuft: Er spielt in Stanley Tuccis "Final Portrait" die Hautrolle, den Schweizer Bildhauer und Maler Alberto Giacometti. Der Film wurde im Anschluss an die Preisverleihung im Berlinale-Palast gezeigt.

Einen Tag zuvor, Freitag den 10.02.2017, lud die Kulturstaatsministerin Monika Grütters in die Botschaft von Rheinland-Pfalz ein, um im Rahmen der Berlinale den seit 1988 jährlich verliehenen Drehbuchpreis an die Autorin und Filmregisseurin Angelina Maccarone zu überreichen. Die 51-Jährige bekam die "Goldene Lola" für das unverfilmte Drehbuch "Klandestin". Aus Sicht der Jury zeigt es eindrücklich, "wie sehr wir Menschen in dieser globalen Welt miteinander verbunden und voneinander abhängig sind".

Forum vergab Caligari Filmpreis.
Schon am Freitag vergab die Berlinale-Sektion Forum zum 32. Mal den Caligari-Filmpreis. 2017.

Der Gewinner des 32. Caligari-Filmpreises ist:
"El mar la mar" von Joshua Bonnetta und J.P.Sniadecki
Vereinigte Staaten von Amerika, 2017, 94 Minuten

Der Preis, der gemeinsam vom Bundesverband kommunale Filmarbeit e.V. und dem Kinomagazin FILMDIENST vergeben wird, geht jedes Jahr an einen stilistisch wie thematisch innovativen Film aus dem Programm des Berlinale Forums. Damit soll auch die besondere Bedeutung dieser Sektion der Internationalen Filmfestspiele Berlin für die kulturelle Kinoarbeit gewürdigt werden.

Die von den Kommunalen Kinos und dem FILMDIENST gestiftete Auszeichnung ist mit 4.000 Euro dotiert. Die Preisträgerin / der Preisträger erhält 2.000 Euro, die andere Hälfte des Betrages wird für Werbemaßnahmen verwendet, um Kinoaufführungen in Deutschland zu begleiten. Seit 2011 beteiligt sich die Firma Trikoton zudem mit einem ungewöhnlichen Preis.
Jurybegründung:
Der Weg führt durch die Wüste, ein Wasteland. Wie Strandgut liegen da ein Rucksack, Geldscheine, ein Ausweis, ein Name: Der einzige Name in EL MAR LA MAR. Die Stimmen, die wir hören, sind körperlos. Sie erzählen von der Sonne, der Hitze, der Schönheit, von Naturgewalten. Sie erzählen von Tod, Entbehrungen, Leid und Überleben. Uferlos dehnt sich die Sonora-Wüste zwischen den USA und Mexiko. Licht und Schatten, Raum und Zeit, die Spuren im Sand und Objets trouvés hebeln unser Raum- und Zeitgefühl aus, machen den Film zu einer physischen Erfahrung. Migration, Flucht, Politik: die beiden Regisseure bringen in audiovisuell experimenteller Form existenzielle Fragen auf den Punkt. Der Weg führt durch die Wüste.


Gläserne Bären bei Generation 14plus.
Ebenfalls am Freitag, 17.02.2017 vergab die Jugendjury der Sektion Generation 14plus ihre Gläsernen Bären. Auch die Jury der Bundeszentrale für Politische Bildung überreichte ihre Auszeichnungen im Haus der Kulturen der Welt vor einem begeisterten Publikum. Sogar die FilmemacherInnnen waren zumeist eher noch jugendlich und freiten sich riesig über ihre ersten internationalen Auszeichnungen.

Gläserner Bär für den Besten Film:
"Butterfly Kisses" von Rafael Kapelinski, 2017, Großbritannien
Getrieben vom Rhythmus kraftvoller Bild- und Musikkompositionen nährt dieser Film in uns einen beängstigenden Verdacht. Ohne simple Schuldzuweisungen vorzunehmen, konfrontiert er uns mit einem brisanten Thema, zu dem unsere Gesellschaft noch keinen Umgang gefunden hat. Die differenzierten Charakterisierungen ermöglichen, für die Situationen der Protagonisten tiefes Mitgefühl zu entwickeln. Von den ersten rauschhaften Bildern an macht es dieses aufwühlende Spielfilmdebüt unmöglich, seinem Bann zu entkommen und lässt in seiner Wirkung nicht nach.

Lobende Erwähnung:
"Ceux qui font les révolutions à moitié n'ont fait que se creuser un tombeau (Those Who Make Revolution Halfway Only Dig Their Own Graves)"
von Mathieu Denis, Simon Lavoie, 2016, Kanada
Mit Mut zum Epos wird eine destruktive Gruppendynamik präzise porträtiert. Schonungslos lässt der Film alle Hüllen fallen und entfaltet seine hypnotisierende Wirkung. Zeitgenössisches Bildmaterial, fiktionale Lebensgeschichten und Performances verschmelzen zu einem so verstörenden wie aufrüttelnden Gesamtkunstwerk.

Gläserner Bär für den Besten Kurzfilm:
"Wolfe" von Claire Randall, 2016, Australien
Durch die pure Erzählweise und die Behutsamkeit im Umgang mit einem sensiblen Thema gelingt diesem dokumentarischen Film die Entmystifizierung eines Tabus, ohne dabei zu beschönigen oder zu werten. Beeindruckend ehrlich und intim legt der Protagonist seine Erfahrungen mit einer psychischen Erkrankung offen, unterstützt durch liebevoll animierte Erinnerungssequenzen. Wir sind dankbar dafür, sachlich informiert wie auch zutiefst berührt worden zu sein.

Lobende Erwähnung:
"SNIP" von Terril Calder, 2016, Kanada
Der Film begibt sich auf die Reise in ein schmerzvolles Kapitel einer Landesgeschichte. Das Aufeinandertreffen variierender Animationsstile lässt dieses zu wenig beachtete Thema unter die Haut gehen. Wir danken dem Regisseur für die unkonventionelle Art, unserer Generation für unseren Weg in die Zukunft mehr Wachsamkeit für die Vergangenheit mitzugeben.


Die Preise der Internationalen Jury Generation 14plus.

Großer Preis der Internationalen Jury von Generation 14plus für den Besten Film:
"Shkola nomer 3 (School Number 3)" von Yelizaveta Smith, Georg Genoux, 2016, Ukraine / Deutschland
Die Jury der Bundeszentrale für Politische Bildung vergab den Grand Prix an einen Film, der sich langsam entfaltete, indem er das Publikum durch Details und persönliche Stellungsnahmen aus der Perspektive seiner Protagonisten miteinbezog. Eine Darstellung, die ein weites Maß an Zärtlichkeit, Trauma und sogar Banalität und Humor liefert. Er nähert sich einfühlsam und ist zugleich direkt in seiner Form - ohne Bevormundung oder Überheblichkeit. Wir bewundern die Zusammenarbeit zwischen Regisseur, Kamerafrau und Protagonisten und wie sie es schaffen, einen Raum des Vertrauens aufzubauen. Dieser Film lässt dem Narrativ des Krieges keine Überhand gegenüber der emotionalen Welt seiner jungen Charaktere gewinnen, die uns erlauben, Zugang zu den innigsten und intimsten Details ihres Lebens zu erhalten.

Lobende Erwähnung:
"Ben Niao (The Foolish Bird)" von Huang Ji, Ryuji Otsuka, 2017, Volksrepublik China
Die Lobende Erwähnung der Jury geht an einen Film, der uns durch sein Mysterium verfolgt hat und mit der Art wie er über menschliche Beziehungen spricht, die sich ihren Weg durch losgelöste moderne Kommunikationsmittel bahnen. Was diesen Film herausstechen lässt, sind die sorgfältig konstruierten Auslassungen und die bemerkenswerte Darbietung der jungen Schauspielerin Yao Honggui aus China.

Spezialpreis der Internationalen Jury von Generation 14plus für den Besten Kurzfilm:
"The Jungle Knows You Better Than You Do" von Juanita Onzaga , 2016, Belgien / Kolumbien
Die Jury der Bundeszentrale für Politische Bildung vergab den Spezialpreis für den Besten Kurzfilm an einen Film mit einem hybriden Zugang zum Autobiographischen. Ein Film, der um Vergangenheit und Gegenwart kreist und zugleich einen intuitiven Weg findet, uns einen Charakter zu zeigen, der kaum näher an der Filmemacherin selbst sein könnte.

Lobende Erwähnung:
"U Plavetnilo (Into the Blue)" von Antoneta Alamat Kusijanović, 2017, Kroatien / Slowenien / Schweden
Die Lobende Erwähnung geht an einen Film, der die Komplexität des Erwachsenwerdens aufzeigt, während seine vier Charaktere sich mit ihren Erwartungen und Sehnsüchten gegenüber einer dramatischen Küstenlandschaft konfrontiert sehen.


Gläserne Bären bei Generation Kplus.
Gläserner Bär für den Besten Film:
"Piata loď (Das fünfte Schiff)" von Iveta Grófová, Slowakische Republik / Tschechische Republik 2017
Die Kinderjury hat einen Film ausgewählt, der kreativ und authentisch ist. Es geht um zwei Kinder, die sich ihre eigene kleine Welt ohne Regeln aufbauen. Die Geschichte hat uns sehr berührt. Die Schauspieler haben uns auch überzeugt.

Lobende Erwähnung:
"Amelie rennt" von Tobias Wiemann, Deutschland / Italien 2017
Der Film beschreibt in einer witzigen Art und Weise und mit turbulenten Dialogen die Entwicklung einer zuerst völlig undenkbaren Freundschaft zweier interessanter Charaktere.

Gläserner Bär für den Besten Kurzfilm:
"Promise (Versprechen)" von Xie Tian, USA 2016
In einer beeindruckenden Landschaft erzählt der Film die berührende Geschichte eines Chinesischen Jungen. Durch die gelungene Kameraführung und einen überzeugenden Hauptdarsteller wirkt der Film sehr authentisch.

Lobende Erwähnung:
"Hedgehog's Home (Das Haus des Igels)" von Eva Cvijanovic, Kanada / Kroatien 2016
Die Aussage des Films, dass das eigene Zuhause sehr wichtig ist, wurde durch die kreative Verwendung von Filz hervorragend unterstützt. Auch hat uns in diesem Stopmotionfilm die besondere Erzählung in Versform beeindruckt.


Großer Preis der Internationalen Jury von Generation Kplus.
Das Deutsche Kinderhilfswerk stiftete den Preis der Internationalen Jury, die den Großen Preis ex aequo vergaben an:
"Becoming Who I Was (Werden wer ich war)" von Chang-Yong Moon, Jin Jeon, Republik Korea 2017
In dieser wunderschön gefilmten Erzählung erfahren wir auf eine bittersüße Art und Weise, wie viel Eltern und Kinder voneinander lernen können. Den Filmemachern ist das Schwierigste gelungen: Das Publikum viele Male zum Lachen und zum Weinen zu bringen. Der Film vermittelte der Jury Zuversicht in die Menschlichkeit und sollten die Werte des jungen Helden dieser Geschichte auch nur ein klein wenig von dessen Publikum reflektiert werden, könnte die Welt ein besserer Ort werden.

"Estiu 1993 (Sommer 1993)" von Carla Simón, Spanien 2017
In diesem eindrucksvollen Film, lernen wir durch die Augen eines kleinen Mädchens mit Verlust umzugehen. Was dieser bemerkenswerten Heldin widerfährt und was uns zu Tränen berührt hat, ist dass, wie sehr es auch wehtun mag, es die bedingungslose Liebe der Menschen um dich herum ist, die deine Schmerzen mildern vermag. Neben der herausragenden Darbietung der jungen Hauptdarstellerin, war die Jury außerdem sehr beeindruckt von der wunderschönen Kameraarbeit und sinnlichen mise-en-scène.

Spezialpreis der Internationalen Jury von Generation Kplus für den Besten Kurzfilm ging an:
"Aaba (Großvater)" von Amar Kaushik, Indien 2016
In ruhigen, elegischen Bildern, mit einer wunderschönen Kameraarbeit erzählt dieser Film eine Geschichte vom Kreislauf des Lebens.

Lobende Erwähnung für:
"Sabaku" von Marlies van der Wel, Niederlande 2016
Unter dem simplen, doch zugleich sehr effizienten Einsatz bemerkenswert künstlerischer Animationstechniken erzählt dieser sehr kurze Film die Geschichte eines Vogels, der um die Welt reist, um einen neuen Freund zu finden. Die Jury war beeindruckt vom Rhythmus und der unglaublichen Freude der Filmemacherin daran ihr Publikum zu unterhalten.


Kompagnon-Förderpreise Berlinale Talents.
Die beiden Kompagnon-Förderpreise Berlinale Talents und Perspektive Deutsches Kino gehen an Nora Fingscheidt sowie an Levin Peter und Elsa Kremser

Am Samstag, den 18.02.2017, dem feierlichen Abschlussabend der Perspektive Deutsches Kino, wurden erstmalig die Kompagnon-Förderpreise für je ein neues Projekt an eine*n Autor*in und/oder Regisseur*in von Berlinale Talents 2017 und an eine*n Perspektive-Deutsches-Kino-Alumnus/Alumna 2016 verliehen. Die Preise sind mit 5.000 Euro dotiert, die Berlinale gratuliert herzlich.

Mit dem Kompagnon-Förderpreis möchten Berlinale Talents und Perspektive Deutsches Kino einen gemeinsamen Beitrag zur nachhaltigen Talentförderung von in Deutschland lebenden Regisseur*innen und Drehbuchautor*innen leisten. Die Initiative zielt dabei auf mehr als „nur“ das konkrete Filmprojekt. Neben einer Stärkung der künstlerischen Handschrift unterstützt das Mentorenprogramm die Preisträger*innen bei der Vernetzung mit der Branche und bietet berufsbegleitende Coachings.

Die Jury entschied sich für die Treatments "Systemsprenger" von Nora Fingscheidt (Berlinale Talents 2017)

Die Begründung der Jury im Wortlaut:
Systemsprenger von Nora Fingscheidt entwirft die Geschichte der neunjährigen Benni, die als Schwererziehbare, von ihrer überforderten Mutter aufgegeben, durch alle behördlichen Erziehungsraster fällt – bis der Sozialarbeiter Micha beschließt, eine wirkliche persönliche Beziehung zu dem Kind zu riskieren, und dabei seine Grenzen übertritt. Ein beklemmendes, einfühlsames und genau recherchiertes Szenario über unser pädagogisches System und ein ergreifendes, humanistisches Plädoyer für die „Schwierigen”, die Nicht-Konformen, die vermeintlich Dysfunktionalen. Nora Fingscheidt verzichtet darauf, Antworten zu geben, sondern lässt die Fragen, die sie stellt, in einem Echoraum weiterschwingen. Systemsprenger hat so unsere Herzen berührt und unser Denken nachhaltig bewegt.

und "Der grüne Wellensittich" von Levin Peter und Elsa Kremser (Perspektive Deutsches Kino 2016).

Die Begründung der Jury im Wortlaut:
Der grüne Wellensittich spielt in Weißrussland und erzählt die Geschichte des 34-jährigen Mischa, der nachts als Obduktionsassistent arbeitet und tagsüber Leichen auf Öl malt. Er trifft auf die 17-jährige Anna, deren gescheiterter Suizidversuch ihre Begegnung erst möglich macht. Ihrer beider Einsamkeit führt sie zur zwanghaften Beschäftigung mit dem Tod - woraus die Autor*innen Levin Peter und Elsa Kremser die schönsten Formen von Lebendigkeit erwachsen lassen: Kreativität und Liebe. Es ist ein Spielfilmentwurf mit realen Protagonist*innen, allen voran Mischa, der sich selbst spielen soll. Dieses Verweben von dokumentarischem Prinzip mit inszenatorischer Gestaltung, dieses experimentelle Tasten in der Mischform verspricht einen formal und inhaltlich außergewöhnlichen Film. Auch weil die Autor*innen niemals zu bewerten, zu deuten scheinen – weder die Menschen selbst noch die Welt, in der sie sich zu definieren suchen. Nein, sie beobachten und lassen dabei Räume entstehen, die von eindringlichen Bildern und Charakteren getragen werden und nicht von einem auktorialen Erzählwillen. Wenn das radikale Vertrauen in den eigenen Stoff stärker ist als alle Ängste vor Ablehnung, können Filme mit Herzschlag entstehen, die unvergesslich bleiben. Der grüne Wellensittich trägt dieses Potential in sich.


Die Panorama Publikums-Preise.
Die Panorama Publikums-Preise gehen an "Insyriated" und "I Am Not Your Negro"

Das Publikum hat abgestimmt. Insgesamt wurden 29.000 Stimmen abgegeben und ausgewertet. Der 19. Panorama Publikums-Preis geht für den besten Spielfilm an "Insyriated" von Philipp Van Leeuw. Bei den Panorama Dokumenten gewinnt "I Am Not Your Negro" von Raoul Peck.

Mit "Insyriated", einem dichten Kammerspiel über den Versuch von Alltag im Ausnahmezustand des Krieges, gewinnt zum zweiten Mal ein Film mit Hiam Abbass in einer Hauptrolle den Panorama Publikums-Preis (2008 spielte sie bereits in Eran Riklis‘ Lemon Tree).

Raoul Pecks filmisches Essay "I Am Not Your Negro" über James Baldwin und seine drei ermordeten Freunde, die Bürgerrechtler Medgar Evers, Martin Luther King und Malcolm X, ist auch für einen Academy Award™ als Bester Dokumentarfilm nominiert.

Der Panorama Publikums-Preis wird seit 1999 verliehen. Seit 2011 wird sowohl der beste Spielfilm als auch der beste Dokumentarfilm geehrt. Das Panorama präsentierte in diesem Jahr 50 Langfilme aus 43 Ländern, davon 21 in der Reihe Panorama Dokumente.

3. Platz Panorama Publikums-Preis - Spielfilm 2017
"1945" von Ferenc Török, Ungarn 2017

2. Platz Panorama Publikums-Preis – Panorama Dokumente 2017
"Chavela" von Catherine Gund, Daresha Kyi, USA 2017

3. Platz Panorama Publikums-Preis – Panorama Dokumente 2017
"Istiyad Ashbah (Ghost Hunting)" von Raed Andoni, Frankreich / Palästina / Schweiz / Katar 2017


Die Preise des Wettbewerbs der 67. Internationalen Filmfestspiele Berlin.
Der Goldene Bär der 67. Berlinale geht an den ungarischen Liebesfilm "Körper und Seele (Teströl és lélekröl - On Body and Soul)" von Ildikó Enyedi. Die zarte Liebesgeschichte zwischen zwei verletzten Seelen beeindruckt durch seine Kombination von einer poetischen Bildsprache und einer zutiefst bewegenden Emotionalität. Eine Handvoll Zuschauer ist die Vorführung des Preisträgerfilms im Friedrichstadtpalast jedoch nicht bekommen. Das Ende (eine der Protagonisten schlitzt sich mit einer Scherbe die Pulsader auf) war ihnen nach den überstandenen Schlachthaus-Szenen dann wohl doch zu blutig, sodass sie kollabierten.

Mit den Schauspieler-Bären wurden der Österreicher Georg Friedrich und die Südkoreanerin Kim Min-hee geehrt. Der finnische Kultregisseur Aki Kaurismäki erhielt für sein als Bären-Favorit gehandeltes Flüchtlingsdrama "Die andere Seite der Hoffnung" den Preis für die beste Regie.

Weitere Details zu den Goldenen und Silbernen Bären sowie die Preise der Unabhängigen Jurys haben wir am Ende des Textes in der erweiterten Ansicht als Nachtrag ergänzt.

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Unser Fazit.
Der Wettbewerb überzeugte in diesem Jahr kaum. Unserer Meinung nach, haben Filme wie das Martial-Arts-Drama aus Taiwan darin nichts verloren, auch wenn der Profikiller sich als biederer Hausmann tarnt. Früher liefen sogenannte Honkong-Thriller gesondert in einer Mitternachtsvorstellung des Forums. Wenn Festivaldirektor Dieter Kosslick dem Jurypräsidenten Paul Verhoeven, der mit dem provokanten Erotikthriller "Basic Instinct" (1992) dieses Genre bediente, es recht machen wollte, dann ist der Wettbewerb der Berlinale nur noch zu bedauern, denn damit gleitet er schnell in den B-Movie-Charakter ab. Die Nebensektionen waren dagegen zum Großteil deutlich besser aufgestellt und überzeugten mit herausragenden Arthouse Produktionen.

Schon bei den ersten Pressesichtungen war uns klar geworden, was in den Nebensektionen an spannenden Filmen während der Berlinale für Aufsehen sorgen würde. Im Forum war es der polnische Film "Animals - Tiere" von Greg Zglinsnki, der in seiner beklemmenden, dystopischen Art, aber auch in der Wahl seiner betörenden schönen Abgeschiedenheit, ein wenig an den Film "Die Wand" (2012) erinnert, der vor einigen Jahren auf der Berlinale zu sehen war.

Im Panorama, das ebenfalls mit unglaublich vielen Weltpremieren aufwartete, fiel uns die Entscheidung zunächst schwerer. Doch zum Schluss war uns klar, herausragend war in der Sektion Panorama Special das coming of age Drama "Call me by your Name", allein schon wegen der berührend endlos langen Schlusseinstellung, über die - behutsam zur Seite geschoben - der Abspann lief und nicht nur den jungen Protagonisten, sondern auch den Zuschauer ein wenig schluchzen lies. Einfach herzergreifend.

Natürlich konnten wir nicht alles sehen. Doch mit den Pressevorbesichtigungen war die diesjährige Berlinale für uns gefühlte drei Wochen lang. Schon 14 Tage vorher liefen täglich mindestens 8 Filme in verschiedenen Sektionen parallel, manchmal auch etwas zeitversetzt, sodass man bei einem etwas weniger interessanten Werk noch schnell das Kino zu einem anderen Film wechseln konnte. Manches aber fesselte so unglaublich einen an den Kinosessel wie beispielsweise die Panorama-Doku "Untitled" von dem vor zwei Jahren während der Dreharbeiten an Malaria verstorbenen Michael Glawogger, die nun von seiner Cutterin nach seinen Ideen adäquat vollendet wurde.

In der Perspektive Deutsches Kino war es der österreichische Spielfilm "Die Beste aller Welten" von Adrian Goiginger, der einem den Atem im wahrsten Sinne verschlug. Der Rauch und Qualm auf der Leinwand drang tief ins Herz der Zuschauer, die beklemmend den Saal verließen, und dennoch den Film nicht vergessen werden. Warum gelingt den deutschen Filmemachern nicht solch ein Meisterwerk. Sind wir zu autoritär erzogen, um von jeglichen Vorurteilen befreiende Filme gestalten zu können?

In der Generation Sektion konnte der Eröffnungsfilm "Red Dog: True Blue" von Kriv Stenders, das Prequel zu dem bereits vor Jahren gezeigten erfolgreichen und mit höchsten Preisen ausgezeichneten australischen "Red Dog" Film (2011) wahrscheinlich alle Herzen von jung bis alt erobern. Wir waren gespannt, wie die Jury entschied.

Zwei absolute Highlights liefen allerdings im offiziellen Berlinale Special Programm. Zum Einen die herausragende kinematographische Kameraarbeit des tschechischen Films "Masaryk" von Julius Sevcik über den Diplomaten und Politiker Jan Masaryk, der von 1925 bis 1938 tschechoslowakischer Botschafter in Großbritannien war und ab 1940 als Außenminister der tschechoslowakischen Exilregierung in London tätig war, zum Anderen die wunderbare Ensembleleistung und detailgetreue Darstellung in Matti Geschonnecks DDR-Familiengeschichte "In Zeiten des abnehmenden Lichts", die erst im Herbst in unsere Kinos kommt.

Link: www.berlinale.de

"Die Gewinner der 67. Berlinale 2017" vollständig lesen

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