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Große Spannung um die Oscar-Nominierungen 2017

Die 89. Oscarverleihung findet am 26. Februar 2017 statt. Die Nominierungen wurden gestern, den 24. Januar 2017, bekannt gegeben. (UPDATE)



85 Länder hatten sich für das Oscar-Rennen angemeldet.

Für die Kategorie »Bester Auslandsfilm« haben 85 Staaten ihre Beiträge bei Academy of Motion Picture Arts and Sciences (AMPAS) für die diesjährige Oscar-Verleihung eingereicht. Zum ersten Mal hoffte der Jemen auf Oscar-Chancen mit dem Film "I Am Nojoom, Age 10 and Divorced" von Khadija Al-Salami, doch er scheiterte bereits an der Shortlist.

Für Deutschland hat German Films Maren Ades Vater-Tochter-Tragikomödie "Toni Erdmann" eingereicht. Österreich wollte mit Maria Schraders Stefan-Zweig-Biopic "Vor der Morgenröte" an der Konkurrenz teilnehmen, während die Schweiz mit dem Animationsfilm "Mein Leben als Zucchini" von Claude Barras, Frankreich mit "Elle" von Paul Verhoeven, Großbritannien mit "Under the Shadow" von Babak Anvari, Italien mit dem letztjährigen Berlinale-Gewinner "Seefeuer" von Gianfranco Rosi und Spanien mit "Julieta" von Pedro Almodóvar sich Hoffnungen machen. Russland schickte Andrei Kontschalowskis Film "Paradise" in die Oscar-Auswahl und das boomende Filmland China "Xuan Zang" von Huo Jianqi.

Der Oscar für den »Besten ausländischen Film« wurde vor 60 Jahren 1956 erstmals vergeben. Aus Anlass des Jubiläums hat die Academy eine komplette Playlist sämtlicher Dankesreden sowie eine Poster-Galerie der bisherigen Gewinnerfilme des Auslands-Oscars erstellt. Die 89. Verleihung der Academy Awards (OSCARS®) findet am Sonntagabend, den 26. Februar 2017 in Hollywood (Ortszeit) statt. Durch die Zeitverschiebung werden die Ergebnisse der Preisvergabe erst neun Stunden später bei uns bekannt sein. Die Nominierungen wurden am 24. Januar 2017 in Los Angeles veröffentlicht und sollen angeblich schon um 14.18 Uhr deutscher Zeit bekanntgegeben werden.

Die Academy lud mit einer Rekordzahl an neuen Mitgliedern, mehr Vielfalt ein.

Kaum eine Oscar-Verleihung wurde so kritisiert wie die vergangene: In den wichtigen Kategorien waren keine Afroamerikaner nominiert. Die Academy hat deshalb diesmal Hunderte neue potenzielle Mitglieder vorgestellt, darunter auffällig viele Frauen und auch Nicht-Weiße. Insgesamt hat Cheryl Boone Isaacs, die Präsidentin der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, diesmal 683 Einladungen an potenzielle neue Filmschaffende Mitglieder verschickt - so viele wie nie zuvor. Unter den potenziellen neuen Mitgliedern sind etwa der schwule kanadische Filmemacher Xavier Dolan, die deutsche Regisseurin Maren Ade, die englische Schauspielerin Emma Watson, der britische Rapper und Schauspieler Ice Cube und der schwarze Schauspieler Idris Elba, der diesmal bei den Oscars 2017 in der Jury sitzen soll.

Durch eine neue Zusammensetzung will die Academy dem Anfang letzten Jahres formulierten Ziel, die Anzahl ihrer weiblichen und nicht-weißen Mitglieder bis 2020 zu verdoppeln, nachkommen. Nach Bekanntgabe der letztjährigen Oscarnominierungen war der Academy seinerzeit zum wiederholten Male vorgeworfen worden, die Leistungen farbiger bzw. weiblicher Künstler nicht oder zu wenig zu berücksichtigen. Denn unter den 20 für die beste Haupt- oder Nebenrolle nominierten Schauspielerinnen und Schauspielern waren in den letzten zwei Jahren alle weiß - keine Schwarzen, keine Latinos, niemand mit asiatischen Wurzeln. Auch die Academy selbst - ein Verein mit insgesamt 7000 Mitgliedern aus dem Bereich Film - ist vor allem eines: männlich und weiß. Deren Durchschnittsalter lag 2012 der ‚Los Angeles Times‘ zufolge bei 62 Jahren.

Um Anerkennung zu betteln oder auch nur darum zu bitten, das beschädige die eigene Würde, sagte damals beispielsweise die schwarze Schauspielerin Jada Pinkett Smith in einem Video auf ihrer Facebook-Seite. Ihr Mann Will Smith hatte im Football-Drama “Erschütternde Wahrheit” mitgespielt - und wurde nicht nominiert. Pinkett Smith kommt zu dem Schluss, dass sie der Verleihung dieses Jahr fernbleiben werde. Und dass die Problematik weit über die Oscars hinaus geht, hat Chris Rock verdeutlicht. Bei der letztjährigen Preisverleihung brachte es der afroamerikanische Schauspieler, Komiker und Moderator der Show auf den Punkt: „Die wahre Frage, die jeder auf der Welt wissen will: Ist Hollywood rassistisch?

Deutschland tat sich schwer mit der Entscheidung für "Toni Erdmann".

Welcher Film für Deutschland eingereicht werden sollte, war diesmal eine besonders schwere Entscheidung. Die kleine Fachjury, die sich unter Führung von German Films traf, um den Einen auszuwählen, war nicht zu beneiden, weil sie es keinem Recht machen konnte. Unter den Filmen, die zur Auswahl für die Bewerbung um eine Oscar-Nominierung standen, findet sich auch der sechsfach mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnete "Der Staat gegen Fritz Bauer". Natürlich war darunter auch Maren Ades "Toni Erdmann", der vom Publikum mit inzwischen immerhin fast 800.000 Zuschauern honoriert wird. Genannt wurde auch Maria Schraders bewegende und faszinierende Auseinandersetzung mit dem Schicksal des aus dem Land gejagten großen Schriftstellers Stefan Zweig, "Vor der Morgenröte", die nach langem Hin und Her von Österreich eingereicht werden durfte. Auch Hans Steinbichlers kraftvoller und ungewöhnlicher Film über das jüdische Mädchen "Anne Frank", Kai Wessels schmerzvolle Erinnerung an Euthanasie im Nazireich mit "Nebel im August" und David Wnendts von zu vielen Kritikern unterschätzte, genauso eigensinnige Auseinandersetzung mit dem Hitler in uns, "Er ist wieder da" hatten teilweise ein geradezu phänomenalen Erfolg beim Publikum.

Deutsche Koproduktion wurde von Finnland ins Oscarrennen geschickt.

Maren Ades "Toni Erdmann" bekam im Rennen um eine Oscarnominierung in der Kategorie »Bester nicht-englischsprachiger Film« Konkurrenz von einem Film, der ebenfalls in Cannes für Furore gesorgt hatte und unter deutscher Beteiligung entstanden ist. Finnland schickte mit Juho Kuosmanens Drama "Der glücklichste Tag im Leben des Olli Mäki", die Liebesgeschichte um einen jungen Boxer als direkten Konkurrenten von Hollywoods Auslands-Oscars.

Belgien schickte Robin Pronts "The Ardennes", der im vergangenen Jahr auf dem Toronto International Film Festival seine Premiere gefeiert hatte. Er erzählt die Geschichte zweier Brüder, Dave und Kenneth, die einen Überfall begehen, bei dem Kenneth geschnappt wird. Vier Jahre später wird er aus dem Gefängnis entlassen und bekommt von seinem Bruder, der zwischenzeitlich auf den Pfad der Tugend zurückgefunden hat, jede Unterstützung, die er braucht. Tatenlos muss Dave allerdings auch mitansehen, wie verzweifelt sein Bruder um seine Exfreundin kämpft.

Südkorea schickte Kim Jee-woos "The Age of Shadows" ins Oscarrennen. Der Spionagefilm feierte am 3. September 2016 in Venedig seine Weltpremiere. Er spielt in der Zeit zwischen 1910 und 1945 und erzählt die Geschichte einer Gruppe koreanischer Unabhängigkeitskämpfer.

Bosnien-Herzegowina schickte mit Danis Tanovic einen Oscargewinner ins Rennen. Mit "Death in Sarajevo", der im letzten Jahr auf der Berlinale seine Premiere feierte und dort mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet worden war, will Tanovic seinen Coup aus dem Jahr 2002, als er mit "No Man's Land" den Auslandsoscar gewonnen hatte, wiederholen.

Spaniens "Academia de Cine" schickte Pedro Almodovars jüngstes Frauendrama "Julieta" ins Rennen um den Oscar für den besten ausländischen Film. Das von der Kritik gefeierte Melodram basiert auf drei Kurzgeschichten von Almodovars Lieblingsautorin Alice Munro. Der 66-jährige Spanier hatte bereits im Jahr 2000 die begehrte Statue gewonnen, damals für das Werk "Alles über meine Mutter".

Der Iran hat Asghar Farhadis "Forushandeh - The Salesman" für eine Nominierung um die Auslands-Oscars vorgeschlagen. Farhadi hatte den Oscar 2012 für "Nader und Simin - Eine Trennung" erstmals in den Iran geholt gehabt. Eine öffentliche Feier in dessen Heimatland am Wochenende nach der Oscarverleihung war jedoch von den zuständigen Behörden verboten worden. Prokino startete den Film am 12. Januar 2017 in den deutschen Kinos. "The Salesman" war auf dem Festival de Cannes in diesem Jahr für das beste Drehbuch (Farhadi) und den besten Darsteller (Shahab Hosseini) ausgezeichnet worden.

Die deutsche Koproduktion "Unter dem Sand" von Amusement Park Films mit dem deutschen bereits prämierten Jungdarsteller Louis Hoffmann sind Dänemarks große Oscar-Hoffnung. Martin Zandvliets Drama stach u.a. Thomas Vinterbergs "Kommune" bei den dänischen Einreichungen aus. Das von Nordisk Film produzierte Drama um junge deutsche Kriegsgefangene, die zum Minenräumen gezwungen werden, reüssierte beim dänischen Filmpreis Robert mit Auszeichnungen für Regie, Drehbuch und Film. Zandvliet arbeitet gerade am englischsprachigen "The Outsider" mit Jared Leto als ehemaligen US-Soldat, der sich nach dem Zweiten Weltkrieg der Yakuza anschließt.

Frankreichs Komitee wählte aus einer Shortlist von vier Titeln "Elle" von Paul Verhoeven mit Isabelle Huppert aus, der in diesem Jahr zu den Highlights des Wettbewerbs von Cannes zählte. Der Film fuhr zwar ohne Palme nach Hause, Huppert hatte aber als eine der Favoritinnen für den Darstellerinnenpreis gegolten. Es ist das erste Mal, dass der aus Holland stammende Paul Verhoeven mit einem französischen Film ins Oscar-Rennen geht. Vormals war er viermal für die Niederlande vertreten gewesen.

Die österreichische Einreichung "Vor der Morgenröte" von Maria Schrader wurde zunächst für eine Oscar-Nominierung als bester nicht-englischsprachiger Film von der Academy abgelehnt, da er ursprünglich auch bei German Films für eine Berücksichtigung als Oscar-Kandidat aus Deutschland eingereicht worden war. Nach einer persönlichen Aussprache mit dem österreichischen Fachverband der Film- und Musikwirtschaft schien es, als seien die Bedenken der Academy of Motion Picture Arts and Sciences ausgeräumt, doch auf der nachfolgenden Shortlist, auf der nur neun Kandidaten standen, wurde er schon nicht mehr erwähnt.

Zuletzt waren noch neun Kandidaten auf der "Shortlist" um den Auslands-Oscar.

"Toni Erdmann" sorgte zuletzt fast im Tagesrhythmus für neue Schlagzeilen. Nun hat der Film Chancen, einen Oscar zu gewinnen. Die gefeierte Vater-Tochter-Geschichte von Regisseurin Maren Ade schaffte es nicht nur auf die »Shortlist«, sondern auch auf die Nominierungsliste der Academy of Motion Picture Arts and Sciences in der Kategorie »Bester nicht-englischsprachiger Film. Mit insgesamt 14 Nominierungen steht übrigens "La La Land" an der Spitze aller jemals erreichten Nominierungen für die Kategorie »Bester Film«.

Auf der Liste für den »Besten Film« waren insgesamt 336 Filme aufgeführt. Sie müssen laut den Regularien der Academy eine Laufzeit von mindestens 40 Minuten haben - diese Bedingung erfüllt "Toni Erdmann" mit 162 Minuten spielend. Die Filme müssen außerdem bis zum 31. Dezember 2016 mindestens an sieben aufeinanderfolgenden Tagen in einem Kino in Los Angeles County zu sehen gewesen sein. Hier gelang "Toni Erdmann" eine Punktlandung; er startete am 25. Dezember 2016 in den USA.

Für die Shortlist der Oscar-Sparte »Bester nicht-englischsprachiger Film« hatte die Academy zahlreiche vermeintliche Favoriten bereits aussortiert. Für die endgültige Nominierung bleiben nur noch fünf Kandidaten übrig: Vor allem die Absenz von "Elle" von Paul Verhoeven ist ein Schock - der Thriller mit Isabelle Huppert, die sich selbst eine Nominierung im Darstellerinnenfeld ausrechnen darf, wird von der amerikanischen Presse gefeiert und galt insgeheim als DER Anwärter auf den Fremdsprachen-Oscar. Und dass "Neruda" von Pablo Larrain nicht ausgewählt wurde, war auch eine Riesenüberraschung. Ebenso fällt auf, dass Pedro Almodovar mit seinem "Julieta" nicht mehr vertreten ist, und auch Xavier Dolan, der in Cannes für "Einfach das Ende der Welt" prämiert worden war, gehört nicht mehr zu den Nominierten.

Der vermutlich stärkste Konkurrent dürfte nun "The Salesman", der neue Film von Asghar Farhadi sein, der schon in Cannes bejubelt worden war. Ebenso hoch angesehen ist auch "Unter dem Sand - Das Versprechen der Freiheit", in dem der frisch gebackene deutsche Shooting-Star Louis Hofmann eine Hauptrolle spielt. "Ein Mann namens Ove" wurde zuletzt beim Europäischen Filmpreis mit dem Preis für die beste Komödie bedacht; "Mein Leben als Zucchini" wurde dort als bester Animationsfilm gewürdigt und wurde nun unter fünf anderen Konkurrenten als »Bester animierter Spielfilm« nominiert.

Hier die Shortlist um den Auslands-Oscar:

• "Toni Erdmann" (Regie: Maren Ade, Deutschland) *nominiert
• "Tanna" (Regie: Bentley Dean, Martin Butler, Australien) *nominiert
• "Einfach das Ende der Welt" (Regie: Xavier Dolan, Kanada)
• "Unter dem Sand" (Regie: Martin Zandvliet, Dänemark) *nominiert
• "The Salesman" (Regie: Asghar Farhadi, Iran) *nominiert
• "The King's Choice" (Regie: Erik Poppe, Norwegen)
• "Paradies" (Regie: Andrei Konchalovsky, Russland)
• "Ein Mann namens Ove" (Regie: Hannes Holm, Schweden) *nominiert
• "Mein Leben als Zucchini" (Regie: Claude Barras, Schweiz)

Neun *nominierte Filme in der Auswahl um den Besten Film:

• "Arrival" (Denis Villeneuve)
• "Fences" (Denzel Washington)
• "Hacksaw Ridge" (Mel Gibson)
• "Hidden Figures" (Theodore Melfi)
• "Hell or High Water" (David Mackenzie)
• "La La Land" (Damien Chazelle)
• "Lion" (Garth Davis)
• "Manchester by the Sea" (K.Lonergan)
• "Moonlight" (Barry Jenkins)

Fünf Dokus aus der Shortlist mit 15 Filme gehen in die Oscarnominierung.

Die Netflix-Doku "The Ivory Game" ist eine der 15 Dokumentationen, die von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences auf die Shortlist gesetzt worden war, es aber nicht in die Nominierung schaffte. Die Dokumentation über illegalen Elfenbeinhandel wurde von der österreichischen Terra Mater mitproduziert; insgesamt waren 145 Filme eingereicht worden. Dagegen konkurriert "O.J.: Made in America", der bereits von den New York Film Critics und dem National Board of Review als beste Dokumentation des Jahres ausgezeichnet worden war, u.a. mit dem Favoriten der L.A. Film Critics, "I Am Not Your Negro", um einen Oscar bei den nominierten Dokus.

Der italienische Dokumentarfilm „Fuocoammare“ von Gianfranco Rosi, der auf der Berlinale 2016 ausgezeichnet worden war, soll für Italien ins Oscar-Rennen gehen.

Hier die Shortlist der Dokumentarfilme:

• "Cameraperson"
• "Command and Control"
• "The Eagle Huntress"
• "Fuocoammare - Fire at Sea" *nominiert
• "Gleason"
• "Hooligan Sparrow"
• "I Am Not Your Negro" *nominiert
• "The Ivory Game"
• "Life", Animated *nominiert
• "O.J.: Made in America" *nominiert
• "13th" *nominiert
• "Tower"
• "Weiner"
• "The Witness"
• "Zero Days"

Die Oscarnominierungen wurden am 24. Januar 2017 bekannt gegeben, die Oscarverleihung findet am 26. Februar 2017 statt.

Die ausgewählten Filme auf den Shortlisten haben wir nachträglich farblich mit *nominiert gekennzeichnet und den vorbereiteten Text dementsprechend angepasst.
Noch mehr Nominierungen zu Regie und Darstellern sowie zu den Gewerken, haben wir am Ende des Textes in der erweiterten Ansicht eingefügt:

Links: oscar.go.com | www.oscars.org
Quellen: Blickpunkt:Film | 3sat | AFP | dpa | filmecho


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