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58. Nordische Filmtage Lübeck - erstmals mit Serien

Erstmals 360°-Kinozelt sowie Serienfilme bei den Nordischen Filmtagen Lübeck 2016.



Erstmals präsentieren die Nordischen Filmtage Lübeck in diesem Jahr in einer eigenen Programmreihe Serien aus den nordisch-baltischen Ländern zur diesjährigen 58. Festivalausgabe wie die Festivalleiter Linde Fröhlich und Christian Modersbach kürzlich im Rahmen eines Pressegesprächs bekannt gaben.

"Vor allem in den letzten Jahren sind qualitativ hochwertige Produktionen mit bekannten Schauspielern aus den nordisch-baltischen Ländern entstanden, die international hohe Standards setzen. Wir freuen uns, nun Serien im Festival zu haben, die genau dies widerspiegeln und können damit unserem Publikum ein noch besseres Programm anbieten", so Modersbach. Im Rahmen der Programmreihe Serien werden in Lübeck u.a. die dänische Serie "Splitting Up Together" sowie die norwegische Serie "Nobel" mit Aksel Hennie und Danica Curcic in den Hauptrollen zu sehen sein.

Bemerkenswert ist allerdings der Umstand, dass die Nordischen Filmtage Lübeck (2. bis 6. November 2016) nicht mehr gleichzeitig mit dem Filmfestival Cottbus - Festival des osteuropäischen Films (8.-13. November 2016) stattfinden, sondern beide Festivals sich offenbar geeinigt haben und diesmal direkt nacheinander stattfinden. Gerade in Bezug auf Filme aus den baltischen Ländern gab es jahrelang inhaltliche und zeitliche Überschneidungen. Journalisten und Filmeinkäufer können nunmehr beide Festivals besuchen - sofern sie mögen - und müssen nicht mehr abwägen, wer die besseren Filme aus den baltischen Staaten zu bieten hat.

„Rosemari“ eröffnet Lübeck.
Eröffnet wird die 58. Ausgabe der Nordischen Filmtage Lübeck am 2. November 2016 mit dem norwegischen Film „Rosemari“ von Regisseurin Sara Johnsen, der erst im Frühjahr 2017 in die deutschen Kinos kommen wird. Hier der Trailer:



Über den Film:
Inmitten ihrer Hochzeitsfeier findet die frisch vermählte Braut Unn Tove ein neugeborenes Baby einer Unbekannten in der Hotel-Toilette. Da das dort abgelegte Mädchen einfach von ihren Eltern alleingelassen wurde, wendet Sie sich an die Behörden für eine Kinderbetreuung. 16 Jahre später treffen sich die beiden wieder. Aus dem kleinen Kind ist ein dynamisches Mädchen geworden, das mit kurzen Haaren fast wie ein Junge aussieht und auf der Suche nach ihrer leiblichen Mutter ist. Sie hofft, diese in Unn Tove zu finden. Unn Tove ist mittlerweile geschieden und erfolgreiche Journalistin eines Lokalsenders. Sie wittert eine spannende Story, aber vor allem Abwechslung in ihrem einsamen Leben, und beschließt deshalb Rosemari zu helfen. Gemeinsam starten sie die Suche nach der Wahrheit und den Umständen, die zu Rosemaris Geburt führten. Sie enthüllen die Geschichte eines hemmungslos verliebten Paares, einen exzentrischen Ex-Boxer mit einer Vorliebe für erotische Spielchen und eine Mutter, die das größte Geheimnis ihres Lebens zu vertuschen suchte. Auf der emotionalen Reise in die Vergangenheit kommt nicht nur das Mädchen dem Geheimnis ihrer leiblichen Mutter immer näher, auch Unn Tove muss ihre Lebensentscheidungen mehr und mehr in Frage stellen.

185 Filme in fünf Tagen.
185 Filme, davon 17 Filme im Spielfilmwettbewerb um den mit 12.500 Euro dotieren NDR-Filmpreis, werden an fünf Tagen in den vier Festivalkinos sowie diversen Sonderspielstätten gezeigt. Hierzu gehört auch das extra für die Filmtage hergestellte mobile Fulldome Kino für 360° Filme, das vom Filmtagepartner Stadtwerke Lübeck ermöglicht wurde. Große Präsenz bei den Spielfilmen zeigen die Länder Norwegen, Schweden und Dänemark. Die Filmtage, veranstaltet von der Hansestadt Lübeck, sind das einzige Filmfestival in Deutschland und in Europa, das sich ganz auf die Präsentation von Filmen aus dem Norden und dem Nordosten des Kontinents spezialisiert hat.

Zum Teil spektakuläre Schauplätze bieten die Spielfilme im Wettbewerb, besonders weil sie eher abseits der Metropolen liegen. Dabei nehmen imposante Fjordlandschaften oder Bergdörfer in den Filmen „Rache“ und „Der Pyromane“, Lavafelder auf Island „Der Eid“ von und mit dem isländischen Regiestar Baltasar Kormákur oder die runden Felsen der Åland-Inseln wichtige Rollen ein. In einem Fischerort an der isländischen Küste entbrennt die erste Liebe zweier Jungen in „Heartstone - Herzstein“. Regisseur Gudmundur Arnar Gudmundsson hat für das ergreifende Werk auf dem Internationalen A-Filmfestival Warschau (Warsaw Film Festival) Anfang Oktober den Regiepreis sowie den Preis der Ökumenischen Jury gewonnen. Hier der Trailer:



Über den Film:
Der Film beschreibt die Entwicklung der Gefühle zweier Jugendlicher in Island, die an der Schwelle zum Erwachsenenalter ihre Identität suchen. Der gesellschaftliche Wandel verändert auch ihre Beziehung untereinander. Sie muss sich gegenüber ihren Familien, Freunden, Jungen und Mädchen... und dem allgegenwärtigen Klatsch und Tratsch bewähren. Sehr einfühlsam beschreibt der Regisseur die Fähigkeit, neu geboren zu werden.

In "Drifters" befindet sich die Protagonistin am Rande der Gesellschaft. Unerfüllte Sehnsüchte, Solidarität zwischen Menschen am Rande der Gesellschaft und das Thema Freundschaft stellen wichtige Bindeglieder in vielen Filmen dar. Auch historische Ereignisse wie die Flucht dänischer Juden nach Schweden in dem mit David Dencik, Danica Curcic, Jakob Cedergren und Mikkel Boe Følsgaard glänzend besetzten Drama „Die Vögel über dem Sund“ oder traumatische Ereignisse in Heimen in den 1960er Jahren („Der Tag wird kommen“) werden thematisiert. In Weltpremiere ist der schwedische Film „Kleinstadt“ von Johan Löfstedt zu sehen.

Neben Produktionen aus den nordischen Ländern konkurrieren im Wettbewerb starke Filme aus Estland „Mutter“, Litauen „Der Heilige“ und Polen „Der fremde Himmel“ um den Preis der NDR-Jury.

Die Zahl der deutschen Ko-Produktion im diesjährigen Spielfilmwettbewerb ist im Vergleich zum Vorjahr weiter gestiegen, knapp 1/3 der Filme sind mit deutscher Beteiligung entstanden: „Der Pyromane“, „Der glücklichste Tag im Leben des Olli Mäki“, Eröffnungsfilm „Rosemari“, „Der Eid“ und „Des Teufels Braut“. In der Sektion Filmforum, die den Schwerpunkt auf Norddeutschland mit Schleswig-Holstein und Hamburg legt, sind bei insgesamt 38 Filmen sieben deutsche Produktionsfirmen mit internationalen Partnern verbunden gewesen. 

Menschen in Krisensituationen zeigen die Dokus.
Gewalt, Krieg und Flucht bestimmen täglich Politik, Gesellschaft und soziale Medien. Auch filmisch werden Erlebnisse und Bilder von Kriegs- und Krisengebieten andernorts und in Europa verarbeitet. Im Unterschied zu den täglichen Medienfluten schauen die Filme, die Lübeck im Dokumentarfilmprogramm der 58. Nordischen Filmtage präsentieren, genauer und länger hin, zeigen persönliche Schicksale und geben ihren Protagonisten ein Gesicht und eine Stimme.

Wie kriegerische Auseinandersetzungen auch in Europa das Leben der Menschen beinträchtigen, zeigt Vitaly Mansky in „Familienbande“ am Beispiel seiner eigenen Familie in der Ukraine. Ein Jahr lang begleitete er Verwandte in Lwiw und Odessa, auf der Krim und im Donbass Gebiet, um deren Geschichte zu erzählen und nach Gründen des Konflikts zu suchen, nachdem sie sich auf unterschiedlichen Seiten der Barrikaden wiederfinden. In „Les Sauteurs (Those Who Jump)“ werden der Gewaltkontext und die Kriegskonsequenzen über Flüchtende am Grenzzaum der spanischen Exklave Melilla durch die Filmarbeit eines der Beteiligten besonders eindringlich erfahrbar und erlebbar gemacht. Einen ähnlichen Ansatz wählte auch George Kurian, der in Ägypten eine Gruppe syrischer Freunde kennenlernte und ihnen für „Die Überfahrt“ nach Italien in einem überfüllten Boot die Kamera anvertraute. Ein poetischer Kommentar und lange Kameraeinstellungen aus der Höhe auf das offene Meer lassen die Gedanken der Zuschauer auch in „Kwassa Kwassa“ ganz von selbst um gefährliche Überfahrten kreisen.

Retrospektive widmet sich fremden Welten.
Auch die diesjährigen Retrospektive der Nordischen Filmtage Lübeck widmet sich unter dem Motto "In fremden Welten - in Different Worlds" den Routen skandinavischer Reisender in ferne Länder. Gezeigt werden im Rahmen der Retrospektive u.a. der deutsch-schwedische Stummfilm "Mit Sven Hedin durch Asiens Wüsten", Louis de Rochemonts "Windjammer" über eine Atlantikreise mit dem Segelschulschiff Christian Radich sowie zwei Dokumentationen des finnischen Regisseurs Jouko Aaltonen, "Lähettiläät" und "Kongon Akseli". Im Dokumentarfilmprogramm wird Aaltonen darüber hinaus seine aktuelle Dokumentation "Tunteiden temppelit" vorstellen, während der dänischen Regisseur Jon Bang Carlsen in „My African Diary“ die Situation Südafrikas nach der Apartheid aus der Perspektive zweier europäischer Jungen schildert.

Viele internationale Gäste besuchen Lübeck.
Die Marzipanstadt Lübeck hat mit ihrer historischen Altstadt auch uns schon in der Vergangenheit beeindruckt. Neben der norwegischen Regisseurin Sara Johnsen, dessen Film "Rosemari" das Festival eröffnet, haben zahlreiche weitere internationale Gäste ihr Kommen zum Spielfilmprogramm zugesagt. Die schwedische Regisseurin und Darstellerin Helena Bergström stellt im Wettbewerb „Eine schöne Bescherung“ sowie „Springflut“ (AT) in der neu ins Programm genommenen Reihe „Drama Serien“ vor.

NDR-Jury Mitglied Inger Nilsson freut sich, persönlich die Preview von „Der Kommissar und das Meer: Für immer Dein“  (Specials Reihe) begleiten zu können, in dem sie als die Gerichtsmedizinerin Ewa zu sehen ist. Die finnischen Schauspieler Jarkko Lahti und Eero Milonoff sowie Darstellerin Oona Airola präsentieren „Der glücklichste Tag im Leben des Olli Mäki“. Regisseur Jesper W. Nielsen aus Dänemark stellt sich interessierten Fragen des Lübecker Publikums, wenn er „Der Tag wird kommen“ vorstellt, in den Hauptrollen mit Sofie Gråbøl („Kommissarin Lund“) und Lars Mikkelsen („House of Cards“). Für „The Florence Foster Jenkins Story“ im Filmforum hat sich als prominenter Besuch bereits US- Opernstar Joyce DiDonato, Bestsellerautorin Donna Leon und Regisseur Ralf Pleger angekündigt.

Außergewöhnliche Spielstätten in diesem Jahr.
Neben den Kinosälen sind es zahlreiche außergewöhnliche Spielstätten wie die Museumskirche St. Katharinen oder der Gefängnishof des Europäischen Hansemuseums, die dem Lübecker Publikum einen besonderen Blick auf Stummfilmkonzerte, Open-Air Installation mit Shantychor Begleitung („Windjammer“), faszinierenden 360° Filmen im Kuppelzelt des Fulldome Kinos werfen lassen.

Bislang war das immersive Medium hauptsächlich mit astronomischen Darstellungen in Planetarien beheimatet. Für die Filmtage wurde eine kleine Auswahl aus dem Fundus nicht-astronomischer Produktionen herausgelesen, die wie die Filmtage einen Bezug zu den Nordischen Ländern und dem Baltikum haben. Darüber hinaus werden virtuelle Welten werden nicht nur im Fulldome-Kino am Altstadtbad Krähenteich, sondern auch an Virtual-Reality-Stationen im CineStar Filmpalast Stadthalle, angeboten. Diese bilden mit Hilfe von Spezial-3D-Brillen eine 360° Umgebung ab, in der sich die Zuschauer umschauen und bewegen können.

Den Film eigenen Film im Kopf sehen die Zuschauer im „Nachtbus mit Tonspur“ – einer nächtlichen Bustour durch Lübeck. Die in 2015 sehr beliebte Crisis Cuisine lädt wieder zu Begegnungen und zum Essen mit Menschen ein, die sich und ihre Kulturen vorstellen.

In der Filmpreisnacht am 5. November 2016 werden die acht Preise des Festivals im Theater Lübeck vergeben. Als Hauptspielstätten fungieren das CineStar Filmpalast Stadthalle, neben dem Kolosseum und dem Kino Koki sowie das Filmhaus Lübeck für das Schulkino.

Link: www.filmtage.luebeck.de
Quellen: Filmtage Lübeck | filmecho

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