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59. DOK Leipzig Dokumentarfilmfestial 2016

DOK Leipzig unterstützt Regisseurinnen - neue Preise - neue Ausrichtung - neues Motto.



Heute enden die 50. Hofer Filmtage und die Filmenthusiasten ziehen weiter zum 59. DOK Leipzig, dem Internationalen Festival für Dokumentar– und Animationsfilm. Es findet vom 31. Oktober – 6. November 2016 statt und eröffnet in diesem Jahr erstmals mit einem Puppenfilm.

"Wir sind stolz, DOK Leipzig mit einem so einfühlsamen und humorvollen Animationsfilm zu eröffnen", sagte Festivalintendantin Leena Pasanen über "Mein Leben als Zucchini" von Regisseur Claude Barras.

Der Film handelt von einem Neunjährigen, der nach dem Tod seiner Mutter in ein Kinderheim kommt. Während der Festivalwoche, die in diesem Jahr unter dem Motto “Disobedience” (Ungehorsam) steht, werden insgesamt rund 300 Filme zu sehen sein. In die offizielle Auswahl haben es 179 Filme und sechs interaktive Arbeiten geschafft. Mit 100 Premieren erlebt das Festival Pasanen zufolge einen Rekord. Das seien 34 mehr als im vergangenen Jahr. Hier der Festivaltrailer:



DOK Leipzig initiiert Preis für Regisseurinnen.
Den zu geringen Anteil an Werken weiblicher Filmschaffender, der bisher auch bei DOK Leipzig bemerkbar gewesen sei, hat DOK Leipzig zum Anlass genommen, einen Preis ins Leben zu rufen.

Dieser wird auf dem DOK Co-Pro Market (31. Oktober bis 1. November), dem internationalen Koproduktionstreffen des Festivals, an das beste Dokumentarfilmprojekt einer Regisseurin vergeben. Der Preis, der gemeinsam mit dem Europäischen Audiovisuellen Netzwerk für Frauen (EWA) vergeben wird, beinhaltet die finanzielle Unterstützung sowie eine einjährige Betreuung bei der Weiterentwicklung des Projekts. Darüber hinaus wird die Preisträgerin auch im kommenden Jahr zu DOK Leipzig eingeladen, um die Netzwerkangebote des Festivals beständig nutzen und ihren fertigen Film gegebenenfalls beim Festival einreichen zu können. Am DOK Co-Pro Market nehmen jährlich 35 Filmprojekte teil, die auf einer internationalen Plattform nach einer Kofinanzierung suchen.

"Wir freuen uns zwar, dass die Einreichungen von Filmprojekten weiblicher Regisseurinnen für unseren Co-Pro Market durchschnittlich etwa 50 Prozent betragen. Der größere Teil der fertiggestellten Langfilme aus unseren Wettbewerbssektionen stammte aber bisher von Regisseuren", erklärt die Leiterin von DOK Industry, Birgid O'Shea, die Veranlassung zur Schaffung des Preises. O'Shea führt zusammen mit Festivalleiterin Leena Pasanen das begleitenden Mentorin zu dem neu initiierten Preis durch.

Ver.di-Preis mit neuer Ausrichtung.
Das älteste Dokfilmfestival der Welt steht auch für Veränderung und Nähe zum Puls der Zeit. Diesem Charakter möchte auch die Vereinte Dienstleistungsgesellschaft ver.di, aus der Tradition der IG Medien heraus seit vielen Jahren Preisstifterin und Förderin des Festivals, Rechnung tragen: Auf Bitten der Festivalleitung wird der mit 2.500 Euro dotierte ver.di-Preis ab 2016 erstmals als „ver.di-Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness“ an einen Film aus dem Deutschen Wettbewerb verliehen.

Der ver.di-Preisträgerfilm wird am letzten DOK-Festivaltag (wie alle anderen Preisträgerfilme) nochmals in Leipzig gezeigt. Zu dieser Vorführung werden die ver.di-Mitglieder aus der Region eingeladen. Anderen Gliederungen der Gewerkschaft sollen zukünftig Kopien des Preisträgerfilms für Vorführungen bei ihren Veranstaltungen zur Verfügung gestellt werden.

Treff der Initiative der Festivalarbeiter_innen.
Mit Unterstützung von ver.di wird DOK Leipzig in diesem Jahr erstmals zum Treffpunkt von Festivalarbeiter_innen aus ganz Deutschland: Am 4. November 2016 treffen sich Initiator_innen und Interessierte in den Räumen von ver.di im Leipziger Gewerkschaftshaus. Die Initiative „Festivalarbeit“ setzt sich für die Vernetzung der Beschäftigten der rund 400 Filmfestivals in Deutschland ein und will gerechte Arbeitsbedingungen in der Festivallandschaft schaffen. Neben der Programmleiterin von DOK Leipzig, Grit Lemke, wurde sie von Alexandra Hertwig (Kasseler Dokfest), Andrea Kuhn (Filmfestival der Menschenrechte Nürnberg) und Ludwig Sporrer (DOK.fest München) ins Leben gerufen.

Im Aufruf der Initiative heißt es u.a.: „Die Entwicklung einer so vielfältigen Festivallandschaft, deren Bedeutung innerhalb des filmwirtschaftlichen Verwertungskreislaufs auch als Standortfaktor nicht hoch genug zu schätzen ist, wäre nicht möglich gewesen ohne die Arbeit - und vor allem Selbstausbeutung! – tausender Festivalarbeiter*innen. Diese Tatsache gilt es insbesondere den Förderinstitutionen der Festivals zu verdeutlichen, deren Zuwendungen in vielen Fällen knapp und rein projektbezogen erfolgen und eine angemessene Bezahlung der Kernbereiche von Festivalarbeit nicht zulassen.“

Handlungsbedarf sehen die Initiator/innen in folgenden Bereichen: Gerechte Entlohnung, soziale Absicherung, Aufbau eines Netzwerks, Erstellung einer Datenbank bzw. Jobbörse. Kolleg/innen, die sich dem Netzwerk anschließen und/oder am ersten Treffen am 4.11.2016 teilnehmen wollen, können sich unter kontakt@festivalarbeit.de melden. Der komplette Aufruf ist hier zu finden.

Zwei Meisterklassen unter dem Motto: "Ungehorsam".
DOK Leipzig präsentiert zwei herausragende Gäste, die das diesjährige Festivalmotto "Ungehorsam" nicht besser verkörpern könnten. Die russische Dokumentarfilmemacherin Marina Razbezhkina und der US-amerikanische Ausnahmekünstler Bill Morrison kommen beide zum diesjährigen Festival nach Leipzig. Beide geben während der Festivalwoche ihr Wissen in Meisterklassen weiter und stellen ihre Filmarbeit dem Kinopublikum vor.

Mit Marina Razbezhkina begrüßt DOK Leipzig eine widerständige Filmemacherin, die in der russischen Filmlandschaft durch politisch direkte Werke und eine radikale Oppositionshaltung auffällt. DOK Leipzig ehrt Razbezhkina, die in Russland eine eigene Schule für Dokumentarfilm gegründet hat, außerdem mit einer Hommage. Zudem wird sie – wie 2015 der „Master“ John Smith - als Jurorin im Next Masters Wettbewerb wirken und exklusiv den Trailer von DOK Leipzig gestalten.

Bill Morrisons Schaffen kennzeichnet ein ungehorsamer Umgang mit analogem Archivmaterial. In seinem Monumentalwerk Decasia, den er bei DOK Leipzig präsentiert, stellt er analoge Filmausschnitte zusammen, die sich in ihrer Auflösung befinden. Morrison führt so den Widerstand des chemischen Materials angesichts seiner Vergänglichkeit vor. Decasia läuft im Rahmen der Sonderreihe »Disobedient Images«.

Dokfilm-Festival blickt auf Türkei.
Das Filmfestival DOK Leipzig blickt in diesem Jahr auf die politische Situation in der Türkei. In einem von sieben Sonderprogrammen werden unter dem Titel "Schatten des Halbmondes" 18 Werke gezeigt, die zum Großteil in diesem Jahr und im Vorjahr entstanden sind. Sie werden im Rahmen des Festivals in Leipziger Kinos zu sehen sein. Die Produktionen türkischer Filmemacher beschäftigen sich mit Themen wie der Tötung kurdischer Zivilisten durch das Militär, dem Kampf der Kurden gegen den IS oder der Protestbewegung im Land. Darunter die deutsche Premiere von "#resistayol", eine Doku von Rüzgâr Buşki über eine trans-LGBTI-Aktivistin in Istanbul, die sich plötzlich bei Protesten Tausender Menschen im Gezi-Park wiederfand. Hier der Trailer:



Fünf Filme der Filmuniversität Babelsberg (Konrad Wolf) in Leipzig.
Fünf Studierende der Filmuniversität Babelsberg können ihre Werke im deutschen Wettbewerb bei DOK Leipzig präsentieren. Ausgewählt wurden:
• "Kosmiska Katter", Fotofilm nach einer wahren Begebenheit von Laura Camila Sabogal Espinel, 2016
• "Rubik", Xenia Smirnov, 2016, In der Animation einer Gemeinschaftswohnung bebt es plötzlich so stark, dass alles Kopf steht.
• "Tagein Tagaus", Sabine Ehrl, 2016, Mit einem wunderschön gefilmten, zurückhaltenden Blick schauen wir hinter die Mauern eines der ältesten bayerischen Klöster.
• "Zwischen den Stühlen", Jakob Schmidt, 2016, Zwei Jahre lang arbeiten angehende Lehrer im Spannungsfeld zwischen Bewerten und Bewertetwerden.
• "Wurst", Josefine Häßler, 2015, Animationsfilm über eine Wurst im Kühlschrank.
Mehr zu den Filmen hier auf der Seite der Filmuniversität.

DOK Leipzig vergibt neuen Demokratiepreis.
DOK Leipzig vergibt in diesem Jahr einen neuen Preis an einen Film zum Thema Demokratie und Menschenrechte. Nachdem die Stiftung Friedliche Revolution als Preisstifter des Filmpreises Leipziger Ring in diesem Jahr weggebrochen ist, wird die Preisvergabe nun in anderer Form weitergeführt. Die neue Silberne Taube an den besten Film zum Thema Demokratie und Menschenrechte wird im Internationalen Wettbewerb langer Dokumentar- und Animationsfilm vergeben und ist mit 5.000 Euro ausgestattet. Die Preisvergabe ermöglicht in diesem Jahr eine kurzfristig eingegangene Spende des Schauspielers und Kabarettisten Uwe Steimle.
  
Wir freuen uns sehr über die Preisvergabe, denn ein Demokratiepreis gehört zu unserem Festival und zu Leipzig als der Stadt der Friedlichen Revolution“, sagt Festivaldirektorin Leena Pasanen. „Wir danken Uwe Steimle von ganzem Herzen für diese spontane Entscheidung und diesen politischen Akt.“ 

Uwe Steimle begründet seine Spende wie folgt: „Der Geist der friedlichen, gewaltfreien Revolution darf nicht in Vergessenheit geraten und Regisseurinnen und Regisseure, die Filme zu diesem wichtigen Thema drehen, müssen unterstützt werden.

Die Auszeichnung wird in diesem Jahr an einen der zwölf Filme vergeben, der für den Internationalen Wettbewerb langer Dokumentar- und Animationsfilm nominiert ist. Die Jury dieses Wettbewerbs stimmt also zusätzlich über den Demokratiepreis ab und vergibt zu Festivalabschluss am 5. November 2016 zwei Preise im CineStar. 
 
Link: www.dok-leipzig.de
Quellen: DOK Leipzig | ver.di | Blickpunkt:Film | filmecho

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