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10. DOKU.ARTS International Festival for Films on Art

Ergänzend zum European Month of Photography befasst sich das DOKU.ARTS mit Filmen zur Kunst (Berlin).



Passender kann ein Festival, das sich nur der dokumentarischen Aufarbeitung zu Filmen von und über Kunst beschäftigt, gar nicht terminiert sein. Erst gestern berichteten wir über EMOP, dem European Month of Photography, zu dem es ebenfalls einige Filmvorführungen gibt, die wir mit genauen Terminen auflisteten.

Vom 06.10. - 23.10.2016 findet parallel zum EMOP das 10. DOKU.ARTS - International Festival for Films on Art im Zeughaus-Kino des Deutschen Historischen Museums statt.

DOKU.ARTS wurde 2006 in der Akademie der Künste auf Initiative des Künstlerischen Leiters des Festivals, Andreas Lewin, gegründet. Seither ist das Festival auch international bei FilmemacherInnen, ProduzentenInnen sowie Kulturinstitutionen gefragt. So folgte es 2008 bis 2010 einer Einladung nach Amsterdam/Niederlande und ist seit 2012 nicht nur wieder regelmäßig in Berlin, sondern mit einem Teil der Filmauswahl auch in Rio de Janeiro/Brasilien zu Gast.

Filme über Kunst und KünstlerInnen sind wesentlicher Bestandteil der Filmografien vieler bedeutender FilmemacherInnen wie Agnès Varda, Johan van der Keuken, Albert Maysles, D. A. Pennebaker, Chris Marker, Martin Scorsese, Manoel de Oliveira, Claire Denis und Wim Wenders. Auch junge Filmemacher widmen oft ihren ersten Film Kunst oder KünstlerInnen.

Gerade in Zeiten eines umfassenden medialen Umbruchs und technischer Beschleunigung gewinnen Formen der Erinnerung in den Künsten zunehmend an Bedeutung. In der sich verändernden Medienlandschaft wird meist nur noch in Form von vorgefertigten Serien und Magazinbeiträgen über Künste und Künstler berichtet. Der tiefer gehende „zweite Blick“ der Dokumentaristen auf die Künste bleibt eine Seltenheit, was im umgekehrt proportionalen Verhältnis zur anhaltenden Popularität von Filmen zur Kunst steht.

DOKU.ARTS zeigt die Stärken, Vielfalt, Fantasie und Experimentierfreudigkeit des dokumentarischen Genres: Von der Langzeitbeobachtung über den essayistischen Film, vom Kompilationsfilm zur Hommage werden kreative Dokumentarfilme von Filmautoren und Filmdokumente präsentiert, die sich durch ihre künstlerische beziehungsweise dokumentarische Qualität auszeichnen.

In diesem Jahr präsentiert DOKU.ARTS unter dem Titel »ESSAYDOX« 22 neue Dokumentar- und Essayfilme aus 16 Ländern, die noch nicht in Berlin zu sehen waren – darunter 13 Deutschlandpremieren. Das Programm stellt die lebendige filmische Form des Essayfilms anhand von neuen Filmen vor und präsentiert deren Relevanz, Einfallsreichtum, Poesie und politische Aktualität im 21. Jahrhundert.

Eröffnet wird das Festival am 6. Oktober 2016 um 20 Uhr mit der Deutschlandpremiere von "Notes on Blindness" von Peter Middleton und James Spinney, die auf beeindruckende Weise die paradoxe Aufgabe meistern, die Blindheitserfahrung des Theologen John Hull ins Sichtbare zu übersetzen. Hier der Trailer:



Zum Inhalt:
Als Teenager erkrankt der 1935 geborene Theologe John Hull an Katarakt. Sein Erblinden erlebt er als eine graduelle Verminderung des visuellen Vorstellungsvermögens und Erinnerns bis hin zu ihrem kompletten Verlust 1983. „Deep blindness“ nennt er diesen Zustand, in dem schließlich sogar die Vorstellung des Sehens verschwindet. Besonders die folgende soziale Isolation bringt Hull dazu, sich aktiv mit der dramatischen Veränderung seiner Welt zu befassen. So beginnt er, mithilfe eines Kassettenrekorders ein Audiotagebuch zu führen, aus dem 1990 das Buch Touching the Rock: An Experience of Blindness entsteht.

Auch "Black Sun" erzählt eine ungewöhnliche Geschichte über Blindheit. Was passiert, wenn ein Maler erblindet? Der französische Maler Hugues de Montalembert wurde 1978 in seiner New Yorker Wohnung von Einbrechern überfallen, die ihm Säure ins Gesicht schütteten. Am nächsten Morgen ist er blind. De Montalemberts visuell geprägtes Gehirn reagiert auf die Dunkelheit mit einem Reichtum an Bildern, als würde eine geheime Macht die Möglichkeiten seines Sehens neu anordnen. Filmemacher Gary Tarn fügt der poetisch erzählenden Stimme de Montalemberts seine eigene Version dieses Geschehens hinzu. Hier der Trailer:



Ein echter Coup ist die Begegnung mit dem Filmemacher Luc Dardenne in "Absent God" von Yoram Ron, der den jüdischen Philosophen Emmanuel Levinas noch als Dozent an einer belgischen Universität erlebte. Dardenne legt dar, wie die realistische Filmkunst der Brüder Dardenne maßgeblich von Levinas' Denken beeinflusst wurde. Aus der Reflexion über den Blick oder das Antlitz eines „Anderen“ ausgehend, entwickelte Levinas eine „optische Ethik“ als zentralen Begriff des jüdischen Humanismus. Der Film schlägt den Bogen von der Shoa bis hin zur aktuellen geistig-politischen Situation in Israel; ein seltener Fall von fesselnder filmischer Umsetzung von Philosophie. Hier der Trailer:



Zu den Sonderveranstaltungen des Festivals zählen:
• ein internationales Symposium zum Essayfilm mit Thomas Elsaesser (Amsterdam/Columbia University New York), Ross Lipman (UCLA Film & Television Archive), Sarah Cooper (King’s College London), Melis Behlil (Kadir Has University Istanbul) u.v.a.
• ein Abend mit der New Yorker Künstlerin Ida Applebroog
• die Präsentation einer interaktiven Virtual-Reality-App, die begleitend zum Eröffnungsfilm entwickelt wurde (Premiere Sundance Festival, Storyscape Award Tribeca 2016)

Das vollständige Programm mit ausführlichen Informationen zu den Filmen, dem Symposium und den Zeitplan finden Sie unter: www.doku-arts.de


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