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Ist Kino nicht mehr attraktiv genug ?

Jüngere Zielgruppen wenden sich zunehmend den Serien im Internet zu.
Älteres Publikum vermisst vor allem die Wertigkeit des Kinos.




Es ist schon komisch, jahrelang galt die Zielgruppe der 14-39-jährigen als umsatzstärkste Zielgruppe für den Kinomarkt, nun hat die Generation der über 50-jährigen das Kino für sich entdeckt. Die Gründe dafür sind sicherlich auch im derzeitigen Fernsehangebot zu suchen. Zwar heißt es, dass die Generation der Smartphone-Junkies sich gar nicht mehr vor die Glotze setzt, sondern sich alles nur noch im Internet ansieht, doch stimmt das auch?

Das Fernsehangebot zur Hauptsendezeit wird von Sendungen wie "Deutschland sucht den Superstar" oder anderen zweifelhaften, läppischen Spieleshows bestimmt. Der Quoten wegen, trauen sich auch die öffentlich-rechtlichen Sender kaum dagegen anzugehen oder ein ernsthaftes alternatives kulturelles Angebot anzubieten. Die Anzahl der von den Sendern in Koproduktion mitfinanzierten Spielfilme ist zwar nicht substanziell gesunken, hat aber auch nicht deutlich zugenommen, obwohl die Beitragsgebühren für die GEZ angestiegen sind. Das Problem der geringen Akzeptanz liegt auch darin, dass gute Filme erst zu nachtschlafender Zeit bei ARD und ZDF ausgestrahlt werden. Spielfilme findet man zudem aus rechtlichen Gründen nicht in den Mediatheken und die Zeit eines Videorecorders, auf denen früher alles mitgeschnitten und gesammelt wurde, ist im Zuge von HDTV und Flachbildschirmen abgelaufen.

Zwar gibt es die relativ teuren HardDisc- und Blu-ray Recorder, aber außer Panasonic stellt kaum ein weiterer Anbieter diese Geräte her. Bei den anderen japanischen Herstellern wie Sony, Sharp, Hitachi, Pioneer und Toshiba wird man jedenfalls nicht mehr fündig. Nur der koreanische Hersteller Samsung kann noch ein Gerät liefern, während LG die Produktion ebenfalls eingestellt hat. Bleiben noch die Kabelanbieter mit ihren SetTop Boxen, die auf Sonderwunsch auch mit Festplatte zum temporären Speichern von beliebigen Sendungen lieferbar sind. Doch wer bereits ein Flachbildfernseher mit SmartCard-Modul für den Empfang von verschlüsselten HD-Sendungen besitzt, wird keine zusätzliche SetTop-Box benötigen.

In Großstädten wie bei uns in Berlin, gibt es natürlich neben dem Fernsehen ein breites kulturelles Angebot. Die Jugend geht auf Partys oder in Konzerte, um sich gemeinsam amüsieren zu können, die Älteren gehen ins Theater oder ins Kino. Dennoch hört man hin und wieder Klagen, dass das Kinoangebot - was bei uns in Berlin eigentlich recht vielseitig ist - nicht allen Geschmäckern genügt. Die Multiplex-Theater sind zwar bei neuen Blockbustern gut gefüllt, doch nicht jeder mag das laute PopCorn Kino.

Gemütlich soll es sein. Gut gepolsterte Sitzplätze soll es haben. Und außerdem möglichst ein gutes kulinarisches Angebot bieten, um nach dem Kinobesuch noch gemeinsam mit Freunden über den zuvor gesehenen Film bei einem Gläschen Wein, diskutieren zu können, denn niemand mag zur fortgeschrittenen Abendstunde erst nach einer geeigneten Gaststätte suchen wollen, die vielleicht etwas abgelegen am dunklen Waldrand einer Kleinstadt liegt.

Tatsächlich wurden schon auf dem HDF Filmtheaterkongress im Mai 2015, im noblen Kurort Baden Baden, all diese Punkte erörtert. Über Deutschlands größte Fachmesse für Kinobetreiber, auf der zahlreiche einschneidende Neuerungen vorgestellt wurden, hatten wir am 18. Mai 2015 berichtet und den Einzug des hochauflösenden Laserkinos bei IMAX kündigten wir erst vor 3 Tagen hier an. Bessere Bestuhlung mit Ledersesseln und manchmal sogar mit Fußhockern haben bereits in einigen Kinos Einzug gefunden. Nur mit dem kulinarischen Angebot hapert es meist noch. Größere Sorgen bereitet den Kinobetreibern die Serienfilmkonkurrenz von Amazon und Netflix. Oftmals bleibt gerade deswegen das jüngere Stammpublikum weg, das früher ein Großteil der Kinobesucher ausmachte, und nun zu Hause gemeinsam mit Freunden und vor allem preiswerter vor dem Flachbildschirm sitzt und in den eigenen vier Wänden den Filmabend mit Surround-Ton genießt.

Erste Schritte zu mehr Publikumsnähe:
Um dem jüngeren Publikum das Kino wieder schmackhaft zu machen, wollen die insgesamt 26 Kinos der CineStar-Gruppe einen gemeinsamen Event in Deutschland starten. Am 6. November 2015 werden von den Machern der TV-Serie "THE WALKING DEAD" die ersten beiden Folgen der langersehnten Spin Off-Serie "FEAR THE WALKING DEAD" um 20.00 Uhr auf großer Leinwand gezeigt. Der Eintritt ist frei - Tickets sind gegen einen Mindestverzehr von 7,00 Euro an der Kinokasse und online unter cinestar.de erhältlich.

Auch die Berliner Astor Film Lounge, ein Prämienkino mit Ledersesseln, hat auf die Wünsche der Zuschauer gehört und sich etwas Neues einfallen lassen. Im Rahmen ihres Logenplatzangebotes mit Prosecco zur Begrüßung kann für einen Aufschlag ein exklusives 3-Gang-Gourmet-Menu der absoluten Spitzenklasse im Restaurant "WEINROT" des Hotel Savoy im Anschluss an die Kinovorstellung gebucht werden. (Das Angebot von insgesamt 49,- Euro pro Person gilt inklusive Kinokarte im Wert von € 16,50. Buchungen unter: info@weinrot-restaurant.com) Leider liegt das Hotel ein paar Schritte entfernt in der Fasanenstraße gegenüber vom Delphi Filmpalast. Auch dort wurde kürzlich die Bestuhlung erneuert, auch wenn für einen Palast nicht besonders komfortabel. Auf solche höherwertigen Kombiangebote ist man offensichtlich im Delphi noch nicht gekommen.

Insgesamt könnte es schwieriger werden für das Überleben der Independent-Kinobetreiber, zumindest für die kleinen Filmtheater, wenn die großen Filmmajors von einem Paradigmenwechsel Gebrauch machen. Die Universal Filmstudios haben uns bereits eine Pressemitteilung zukommen lassen, dass am 9. November 2015 das bahnbrechende Filmereignis "Ronaldo" weltweit in 75 Ländern zeitgleich im Kino, auf DVD & Blu-ray sowie als digitaler Download erscheint.

Wer mag da noch ins Kino gehen, um für Karten anzustehen, wenn man das Vergnügen haben kann, den Film zu gleicher Zeit auch zu Hause über einen Videostream erleben zu können? Grund für solche Maßnahmen, ist die Angst der Verleiher vor illegalen Downloads oder illegalen Filmmitschnitten im Kino. Steht dagegen das Angebot weltweit zeitgleich allen kostenpflichtig zur Verfügung, lohnt das Risiko illegaler Beschaffung nicht mehr. Hier der Trailer:



Der mitreißende Dokumentarfilm über den besten Fußballspieler der Welt, erfolgreichsten Torschützen und dreifachen „Ballon d’Or“-Gewinner wird mit Spannung erwartet und in mehr als 300 Kinos weltweit gezeigt. Ein Jahr lang begleitet das Filmteam Cristiano Ronaldo sowohl auf dem Spielfeld als auch privat während der wichtigsten Saison seines Lebens. Der Star wird persönlich in London zur Premiere erwartet.

Cristiano zum Film: «'Ronaldo' ist der einzige offizielle Film über mich, der den Fans zum allerersten Mal seltene Einblicke in mein Privatleben gibt. Meine fantastischen Fans sind der Grund, warum ich diesen Film gemacht habe. Ich kann es kaum erwarten, dass der Film am 9. November 2015 in den Kinos erscheint

Die divergierende Entwicklung im Kinomarkt, bei der es bei den älteren Kinobesuchern zum Teil deutliche Zuwächse gibt, während bei den jüngeren partiell erhebliche Rückgänge zu verzeichnen sind, ist das Ergebnis einer umfassenden Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), die im Auftrag des Verbandes der Filmverleiher (VdF) gemeinsam mit den beiden Kinoverbänden HDF und AG Kino Gilde erstellt und von der Filmförderungsanstalt (FFA) gefördert wurde. Basis der quantitativen Analyse sind 11,6 Millionen Kinobesucher im Alter zwischen 14 und 39 Jahren mit mindestens einem Kinobesuch im Jahr. Gründe dafür sind zum einen Zeitmangel oder Konkurrenzangebote aber auch kostenlose Alternativen, die die jungen und mittleren Altersschichten offenbar zunehmend von einem Kinobesuch abhalten. Außerdem belegt eine Studie von Netflix, dass illegales Filesharing kaum noch eine große Rolle spiele, seitdem es genügend legale Alternativen im Netz gebe, die vor allem von jüngeren Zuschauern geschätzt werden.

So war im letzten Jahr noch nicht einmal jeder zweite Kinobesucher (43 Prozent) zwischen 14 und 39 Jahre alt, während 1994 noch drei Viertel aller Kinobesucher (76 Prozent) aus dieser Altersgruppe kam. Dafür verantwortlich sind sowohl sinkende Besuchsreichweiten als auch ein zunehmend sporadisches Besuchsverhalten.

Die Analyse belegt jedoch eindeutig, dass das Image des Kinos und die Assoziation mit dem Kino auch in diesen Zielgruppen weiterhin überaus positiv besetzt sind. Das Interesse an 3D-Filmen hat zwar nachgelassen, die zunehmend bessere Bildqualität in 4K ist aber ein neuer Anreiz wieder mal ins Kino zu gehen. Die Studie macht jedoch zugleich deutlich, dass vor allem junge und mittlere Altersgruppen Zeitstress- und Zeitmangel als Hinderungsgrund für einen Kinobesuch aufführen. Hier steigen nicht nur die Ansprüche hinsichtlich des Komforts im Kino, sondern es wird zudem auch eine spürbare Reduzierung des Aufwands für einen Kinobesuch erwartet. Dazu gehören schnelle Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) oder preiswertes Parkplatzangebot sowie komfortables Ticketting mit Bezahlung per Smartphone, ohne komplizierte Einlasskontrollen. Letzterer Kritikpunkt soll mit der im November an den Start gehenden Ticketting-Plattform DeinKinoticket.de begegnet werden.

Ein weiterer Kritikpunkt war, dass sich mehr als die Hälfte der Altersgruppe von 14 bis 39 Jahren nicht ausreichend über das aktuelle Kinoprogramm informiert fühlt, denn häufig sind begehrte Filme schon nach kurzer Zeit wieder aus dem Lieblingskino verschwunden. Darüber hinaus wird das Kino laut der Studie unter dem Strich als "nicht wertig genug" betrachtet und schneidet auch in der Bewertung des Preis-/Leistungsverhältnisses schlecht gegenüber Heimkino und TV ab.

Die Studie hat deutlich gemacht, dass die wichtige Zielgruppe der jungen und mittelalten Kinobesucher die Einzigartigkeit und die Werthaltigkeit eines Kinobesuchs schätzt – allerdings unter sich verändernden Rahmenbedingen“, zitiert VdF-Geschäftsführer Johannes Klingsporn. „Bei der Ursachenfindung sei man bislang ,vielfach auf Annahmen und weniger auf qualitativ untermauerte Fakten’ angewiesen gewesen. Die Studie zeige jetzt deutlich und nachvollziehbar auf, wo und wie wichtige Stellschrauben gestellt werden müssen, um das Kino und die Filmangebote für diese kritischen Zielgruppen noch attraktiver zu machen – und genau dies war auch unser Ziel.“ Immerhin biete Kino eine "einzigartige Atmosphäre" mit großen Emotionen und verfüge besonders über "belohnende und unterhaltende Eigenschaften".

Dennoch wird es in diesem Jahr einen goldenen Kinoherbst geben, der mit aktuell gut 19% sogar einen deutlichen Vorsprung zu Vergleichszahlen von 2014 aufweist. Daran tragen Filme wie James Bond 007 - "Spectre" oder das "Tribute von Panem" maßgeblich bei. Und mit massenkompatiblen Werken wie den Dauerbrennern "Fack Ju Göhte" Teil 1 und 2 lässt sich auch jüngeres Publikum ins Kino locken, auch wenn dies keine hohe Filmkunst ist. Schade eigentlich, denn damit wird Film zu reinem Wirtschaftsgut und lässt nur die Kinokassen klingeln. Die Filmkunst als Kulturgut gerät jedoch ins Hintertreffen und bleibt auf halber Strecke hängen.

Dass es auch andersherum funktioniert und das Kinobusiness grundlegend ändert, macht uns gerade NETFLIX mit dem kleinen Arthouse-Werk "Beasts of No Nation" vor. Zwar hat der Independent Film, der für die Oscars antreten soll, in der ersten Kinowoche nur 50.000 US-Dollar an den Kinokassen eingespielt, doch dafür sahen den Film von 69 Mio. Abonnenten allein in den USA rund drei Millionen Zuschauer am ersten Wochenende vor dem heimischen Fernseher, zum Teil in 4K im Komfort ihres Wohnzimmers. Die Welle von Video on Demand (VoD) und Videostreaming wird auch bei uns zunehmen. Die EU hat bereits dem Geoblocking und regionalen Zeitfenstern den Kampf angesagt und setzt sich für einen europäischen Binnenmarkt im Online-Bereich ein, wie wir am 30. Juli 2015 schrieben. Für die Kinobesitzer brechen harte Zeiten an, die nur mit noch mehr Werbung und besserem Service begegnet werden können.

Die Studie "Kritische Kino-Zielgruppen - Kompendium der Ergebnisse" steht auf der FFA-Website zum Download bereit.

Link: www.ffa.de
Quellen: FFA | Blickpunkt:Film | filmecho | Golem

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